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[GM] Drachenfeuer
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19.07.2003, 14:54 #76
Saria
Beiträge: 484

Eine Windböe strich über die morastige Sumpflandschaft, wiegte sanft die faserig wirkenden Äste der Weide, ließ Saria frösteln und die nebligen Schwaden auseinandertreiben. Da war es wieder, das grässliche Ungeheuer, dass sie kurz zuvor erspäht hatte.
Ein eisiger Schauer tastete sich einem kalten, feuchten Finger gleich ihr Rückgrat hinunter. Blindlings griff die Diebin in den warmen Schlamm, in der Hoffnung, ihren Bogen zu finden. Ihre suchenden Finger ertasteten etwas hartes, abgeschliffenes. Mühsam stemmte sich die Amazone in die Höhe, glitt auf dem tückischen Morast aus und wäre beinahe wieder gestürzt, fing sich jedoch auf einem Knie ab.
Doch das Wesen blickte nicht in ihre Richtung. Es kniete über einer menschlichen Gestalt mit langem Haar und drückte ihren Kopf immer wieder in eine Schlammpfütze. Erst auf den zweiten Blick erkannte Saria, dass es sich bei der Person um Lehna handelte. Zwar wehrte sie sich mit heftigen Schlägen und Tritten gegen den tödlichen Griff, doch wurde ihre Gegenwehr zunehmend schwächer.
Die Arme der Erzamazone zitterten wie Espenlaub, als sie den Bogen hob und die Sehne spannte. Zähflüssiger Morast tropfte von der Waffe und ließ sie schwer werden, Schlingpflanzen hatten ihre dünnen Leiber wie Schlangen um Griff und Spannbogen geschlungen. Das lange Haar hing wirr und nass in Sarias Gesicht, einzelne Strähnen klebten feucht vor ihrem Auge. Während sie die Sehne bis an ihr Kinn zog, versuchte sie das Zittern ihrer Arme weit genug zu unterdrücken, um den Kopf des Wesens ins Visier nehmen zu können.
Dieses Biest das Lehna festhielt... Es ähnelte stark einem Menschen und gleichzeitig auf groteske Art und Weise einem Tier. Der Körper war blass, beinahe schon aschfahl, das Haar wucherte wild über Buckel und Schultern, lange, an Klauen erinnernde Fingernägel krallten sich in Lehnas Fleisch. War das... wirklich ein... Mensch?
Warum fiel es Saria so schwer, den Pfeil loszulassen? Binnen weniger Augenblicke würde er sich in einen verschwommenen Schemen verwandeln, sich in den Hinterkopf des Wesens bohren und Lehnas Leben retten. Weshalb tat sie es nicht, warum ließ sie nicht los?!
Irgendwo in einer der hintersten Ecken ihres Bewusstseins loderte eine Erinnerung in frischer Intensität. Zu weit entfernt, zu sehr verdrängt um bis in Sarias Denken vorstoßen zu können, aber intensiv genug, um ihre Handlungen unbewusst zu beeinflussen. Der Bogen, der Pfeil, es war...
"Lehna!"
Im selben Moment, in dem Saria den Namen schrie, entfloh der gefiederte Schaft ihren durch Kälte und Nässe klammgefrorenen Fingern. Einem hungrigen Raubvogel gleich schoss der Pfeil über die gluckernde Sumpflandschaft hinweg, vorbei am traurigen Anblick der Weide, vorbei an dichtem Schilf, direkt auf die bösartige Kreatur zu.
Diese fuhr geschmeidig wie eine Katze herum. Und zuckte zurück, als sich das Geschoss mit einem dumpfen Aufprall in ihre Schulter bohrte. Das Wesen brüllte wütend auf, die feurigen Augen brannten sich direkt in Sarias Blick, ließen die Diebin in stillem Horror erstarren.
Saria wollte zurückweichen, wegrennen, hauptsache fort vor diesem grauenvollen Anblick der hungrigen, von Wahnsinn gekennzeichneten Augen. Doch in ihrer Panik glitt sie erneut auf dem Matsch aus, strauchelte rückwärts und prallte mit einem erschrockenen Keuchen gegen einen Baumstumpf.
Ihre freie Hand tastete in ihrer Tasche herum, fühlte unregelmäßig geformten, wohlig warmen Stein und schloss sich um ihn. Lichtreflexionen tanzten durch die Augen der Diebin, schmale Lichtbahnen schlängelten sich ihren Arm hinab, verdichteten sich zu einem gleißenden Netz zwischen ihren Fingern. Der Bogen klatschte abermals in den Morast, als sie die Hand hob und abwehrend vor sich hielt.
Auf einmal wurde der Nebel wenige Schritt neben der mörderischen Kreatur von einem gleißenden Glühen erhellt. Kurz darauf schälten sich die Umrisse einer schlanken Kriegerin aus den wogenden Schwaden. Der komplette Körper wurde von golden glänzenden Panzerplatten geschützt, unter dem Helmvisier blitzten strahlend blaue Augen. In ihren Händen ruhte ein langer Speer mit gezackter Spitze, welche drohend auf die Bestie gerichtet war. Langsam und seltsam lautlos näherte sich die Kriegerin der Kreatur...
19.07.2003, 22:43 #77
manmouse
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Esteron stand etwas abseits der „Gestalten“, sein Blick glitt suchend zu Lehna, unfähig ihr auch nur ansatzweise zu helfen. Nicht das er es nicht wollte, er konnte nicht. Regungslos stand der junge Mann im grünlichbraunem stinkendem Morast. Sein Blick ging ungläubig zwischen der Unwirklichen finsteren Gestalt, dem Monster; das mit allem Hass dieser Welt auf seine plötzliche Gegnerin blickte, und der Gestalt in der goldenen Rüstung die einen Speer mit gezackter Spitze in ihren Händen hielt, hin und her. Wo kam dieses Wesen plötzlich her?
Langsam sank die Spitze seines Kurzschwertes in den weichen Boden. Lehnas Kopf wurde noch immer in den Schlamm gedrückt, doch er konnte sich noch immer nicht Bewegen.
Nass hing sein blondes langes Haar strähnig in seinem Bart. Das Schreckensszenario wurde noch immer von dem brennendem Baum erhellt. Beide Gegner blickten sich in die Augen, ihre Körper waren gespannt. Jederzeit zum Angriff bereit. Der Wanderer verstand die Welt nicht mehr.
Der Kopf von Lehna wurde noch einmal energisch unter einem Keuchen der jungen Frau ruckartig hoch gezogen und wurde dann achtlos fallen gelassen. Lehnas Körper fiel wie ein Lebloser Sack zusammen, und blieb regungslos im Morast liegen.
Die Kriegerin in der goldenen Rüstung begann das Monster zu umkreißen, ihr Körper begann sich langsam vor Lehna zu setzen. Das Ungeheuer fauchte laut, und es kam dem Schrei von Hunderter Toten gleich. Doch die „gute“ Gestalt wich keinen Schrittweit zurück, im Gegenteil sie schien nur darauf zu warten.

Die Augen von Esteron fixierten Lehna, wie sie langsam wieder zu sich kommend, im Schlamm lag und sich langsam versuchend aufraffte. Auch ihr Blick ging irritiert zu den beiden Gestalten. Sie wollte haltsuchend davon kriechen.
Die roten Augen des Ungeheuer blitzen auf und es sprang mit einem lauten Zischen zur Seite. Der Morast spritze bei seiner Ladung in einer riesigen Fontäne empor. Lehna schrie verzweifelt auf, und unterlies weitere Versuche der Flucht.
Warum griff denn keiner das Ungeheuer an? Der Blick des Wanderers wandte sich von Lehna ab, blickte nun auf Satura die sich mit gezückter Waffe auf das groteske Vieh zu bewegte. Die Hohe Amazone schien ebenfalls entschlossen zu sein. Ihr Amulett, das ihr aus dem Ausschnitt hing leuchtete bedrohlich. Wieder zischte die Kreatur bedrohlich auf. Da war noch ein Schatten der aus dem dunkelm trat. Leon!
19.07.2003, 22:43 #78
Skeleon
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Mit dem Knirschen berstender Knochen traf die eisenverstärkte Stiefelspitze auf den Unterkiefer der Kreatur - im selben Moment schnellte ein matt schimmerndes Langschwert auf ihren bleichen Rücken hinab. Mühelos durchschnitt die Klinge das weiche Fleisch, die Muskelfasern und das spärliche Fett im ausgemergelten Körper, wurde jedoch scheppernd von steinharten Gebeinen zurückgeschleudert.
Die schimmernde Gestalt hatte Leon durch die Nebelschlieren hierhergeführt, sie hatte das bleiche Wesen verwirrt, es war zurückgewichen - direkt in seine Arme gelaufen. Ohne zu zögern hatte Leon angegriffen und in dem Augenblick war das Bild wieder verschwunden.
Der junge Dieb taumelte zurück, als das Wesen zu ihm herumfuhr. Aus schrecklich menschlichen, berechnenden Augen starrte es ihn an, Leon starrte hilflos zurück. Die Wunde auf dem Rücken schien die Kreatur nicht einmal zu bemerken, ihren ausgerenkten Kiefer schob sie unbeholfen hin und her, ehe er mit dem Geräusch reißender Sehnen wieder einrastete. Schnell flogen die blutroten Augen zwischen den drei Menschen hin und her. Zwei waren zeitweilig ausgeschaltet, nur dieser hier hatte sich eingemischt, war fast aus dem Nichts aus der Nebelbank aufgetaucht. Irgendwo hinter dem Wesen näherten sich Gestalten im Laufschritt - der Rest der Gruppe, hoffte Leon.
Einen Augenblick verharrte die bleiche Kreatur, spannte sämtliche Muskeln an und lauerte - nur um dann vorzuschnellen. Sie warf sich auf den Dieb, packte mit der einen, klauenartigen Hand sein rechtes Handgelenk und entwandt ihm das Langschwert, mit der anderen umschloss sie seinen Hals und drückte zu, immer fester und fester. Gurgelnd und ächzend wandt sich der Dieb, fingerte mit der freien Hand nach seinem Dolch und förderte ihn mit unsicheren Fingern zu Tage. Er formte eine Faust um den kalten, eisernen Griff. Ohne zu zögern stieß er ihn dem Wesen in den Unterleib - doch es reagierte nicht einmal darauf, mehr noch, es presste sich enger an den Dieb um seinen Griff um den Hals des Jungen noch verstärken zu können. Tief grub sich der Stahl in den Leib des Wesens, doch es verzog nicht einmal einen Muskel in dieser Fratze aus Hass und Wahnsinn.
Der junge Dieb hörte undeutlich seine eigenen Wirbel aneinanderschaben, als das Wesen an seinem Hals zu reißen begann. Hilflos und nach Luft ringend riss er die Waffe wieder hervor, nur um sie an anderer Stelle wieder in das bleiche Fleisch zu stoßen.
Ein leises Knurren verließ die aufeinander gepressten Zähne des Wesens, es ließ Leons Rechte los und packte stattdessen seinen Hals mit beiden Klauen. Gegen seine Panik verzog der junge Dieb sein Gesicht zu einem fiesen Grinsen - die Kreatur hielt einen Moment inne, ein fragender Ausdruck lag in ihrem Gesicht - und sah, wie sie von einem heftigen Schlag in die Seite zu Boden gestreckt wurde. Ohne jeden Laut des Schmerzes, aber von der schieren Wucht getrieben stolperte es beiseite, ließ Leons Hals los, fing sich wieder und blickte sich überrascht um.
Saria war wieder auf die Beine gekommen und hielt ihren Bogen in Händen, bereit, einen neuen Pfeil aufzulegen, die Sehne zu spannen und den tödlichen Bolzen losschnellen zu lassen. Ihre Hände zitterten sacht. Der Dieb blickte zu Lehna, die sich nun mit einer Hand die blutende Schulter hielt. Sie hatte sich wieder aufgerichtet, lehnte mit der anderen Hand gegen einen halb vermoderten Baumstamm und verfolgte die Szene mit glasigem Blick. Esteron hastete auf sie zu - Leon warf Satura einen Blick zu, die zeitgleich aus den Nebeln hervorgebrochen kam - während der Rest der hinzugetretenen Gruppe den Kreis um das Wesen enger schloss.
Ein gurgelnder, trotziger Laut verließ die Kehle des Wesens.
Es war auf freiem Felde - umgeben von ihnen, mit ihren Waffen, ihrem Holz, ihrem Stahl. Ihrem Hass.
Es rollte sich ein wenig in sich zusammen, der eine Pfeil stak ihr noch immer in der Schulter, der andere in der Hüfte, helles Blut troff ihr aus mehreren Wunden, doch es schien nicht von Schmerzen sondern vielmehr von Erinnerungen gebeutelt da zu liegen, sich windend und hin und wieder schützend die Hand über sich haltend.
Unsicher, was zu tun sei, blickte Leon von einem zum andren. Es sah aus wie ein Mann, ein schwacher, verwundeter Mann. Er trat ein paar Schritte zurück und schob die Klinge beiseite, die sich krümmende Kreatur mitleidig betrachtend.
20.07.2003, 00:50 #79
Lehna
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Röchelnd schnappte Lehna nach Luft, versuchte das schlammige Wasser auszuwürgen. Die Welt verschwamm vor ihren Augen, in Verbindung mit dem Regen und der Dunkelheit konnte sie fast gar nichts mehr sehen. Dafür drangen die Geräusche des tobenden Kampfes um so intensiver an ihre Ohren, schienen noch verstärkt zu werden. Der Wind jaulte wie ein Rudel hungriger Wölfe, sie hörte auch das hektische Pochen ihres eigenen Herzens...
Ein neuerlicher Hustenanfall schien ihren Hals von Innen heraus zerreißen zu wollen, ihr Magen schlug bereits Purzelbäume, einen Moment später erbrach sie mit Schlamm vermischte Magensäure auf den sumpfigen Boden...
Keuchend versuchte sie sich hochzustemmen, realisierte erst jetzt, dass sie noch immer krampfhaft den Griff ihres Dolches umklammert hielt. Doch sie versuchte nicht die Waffe wegzustecken, die Gefahr, dass sie dabei danebentraf und sich am Ende noch selbst aufschlitzte, erschien ihr doch etwas zu groß.
Es bereitete ihr einige Mühe, ihre kraftlosen Glieder dazu zu bewegen, ihr wenigstens teilweise wieder zu gehorchen. Sie stützte sich an einem modrigen Baumstamm ab, presste die andere Hand auf ihre schmerzende Schulter und suchte mit glasigen Augen die Umgebung ab. Sie beobachtete den tobenden Kampf, ohne jedoch wirklich etwas erkennen zu können, da die Welt vor ihren Augen noch immer verrückt spielte. Dünnes Blut sickerte zwischen ihren Fingern hervor und vermischte sich mit dem Regenwasser.
Was war überhaupt genau passiert? Lehna versuchte, die wirr durch ihren Kopf schwirrenden Gedanken einigermaßen zu ordnen. Esteron... Satura... Sara… diese Kreatur jetzt...
Plötzlich legte sich von hinten ein Arm über ihre Schulter, Lehna schrie erschrocken auf und riss sich los, sie stolperte jedoch über ihre eigenen Füße und landete mit einem lauten Platschen wieder im Sumpf. Prustend stemmte sie sich wieder hoc, und als sich erneut ein paar Hände um ihre Schultern legten, realisierte sie endlich, dass es sich um Esteron handelte. Der junge Wanderer half ihr behutsam auf die Beine, sie versuchte das ganze mit einem dankbaren Lächeln zu quittieren, was aber gründlich danebenging und in einem neuerlichen, würgenden Hustenanfall endete. Zitternd drückte sie sich schutzsuchend an Esteron, ihr Blick wanderte zu den anderen, die inzwischen diese seltsame Kreatur in die Enge getrieben hatten.
Langsam näherte sich Esteron dem Kreis, wobei er weiterhin Lehna stützte, die unsicher neben im her tappte. Das Wesen krümmte sich auf dem schlammigen Boden, zwei Pfeile steckten in seinem Körper, die es jedoch genauso wenig wahrzunehmen schien wie die zahlreichen Schnitt – und Stichwunden. Etwas anderes machte ihm Angst...
„Was... was machen wir jetzt mit ihm?“, fragte Lehna unsicher und sah vorsichtig auf die Kreatur hinunter, als fürchtete sie, dass das Wesen im nächsten Moment aufspringen und sie mit bloßen Händen zerfleischen könnte...
20.07.2003, 01:45 #80
manmouse
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Na was für ne Frage. Der Wanderer blickte die Gesichter der anderen die in der Runde standen, und scheinbar nicht genau wussten was sie mit ihm anstellen sollten. Der junge Mann war noch immer recht aufgewühlt von den Ereignissen der letzten Minuten.
“Da normale Wunden dem Vieh nichts anzuhaben scheinen schlage ich vor, das wir ihn hier und auf der Stelle köpfen. Bevor er noch mehr Unheil anrichten kann.
Die Hand des jungen Mannes tastete nach dem Griff seines Kurzschwertes. Nein, damit konnte man ihn sicherlich nicht ins Reich von Beliar schicken. Stattdessen griff Esteron zu der Erzklinge von Lehna, die er in dem Haus aufgesammelt hatte und schritt zögernd auf die Kreatur zu. Er hatte noch nie etwas Lebendes getötet. Sicher den einen Zombie im Minental, aber so etwas?
Die anderen Gefährten blickten ihn noch immer stumm an, erst als Esteron bereit war zum Schlag auszuholen wurde er von Lehna zurück gehalten.
“Bitte Esteron nicht! “ Der Wanderer blickte fragend, fast finster auf die Kreatur, die zu grinsen schien, dann zu Lehna.
“Lass mich. Er verdient es nicht anders.“ Die Augen von dem Wanderer funkelten auf. Es brachen alle Dämme, die Regungslosigkeit die er eben noch bei dem Kampf an den Tag legte, war wie weg geblasen. Für den jungen Mann zählte nur noch die Vernichtung. Immer wieder musste er daran denken was er Lehna angetan hatte. Wer weiß was mit der jungen Frau geschehen wäre wenn die anderen es nicht aufgehalten hätten?
“Nein, lasst es uns zuende bringen.“ Esteron befreite sich aus den Armen der jungen Frau und trat wieder einen Schritt vor. Wurde diesmal allerdings von Jori und Satura zurück gehalten. Der Wanderer verstand die Welt nicht mehr. Wieso wollte sie das Monster nur schützen? Es wollte Lehna töten.

“NEIN, LASST MICH“, schrie der junge Mann, während er mit den Armen wild um sich schlug. Lehna trat auf den jungen Mann zu und nahm ihm sanft die Waffe aus der Hand, die Augen von Esteron weiteten sich fragend.
“Warum wollt ihr es auch noch beschützen? Wir müssen es vernichten sonst kommt es wieder. Und dann haben wir keine Chance“ Noch ein letztes Mal versuchte sich der Wanderer loszumachen. Jedoch ohne sichtlichen Erfolg.
Satura sah den jungen Mann mit einem traurigem Lächeln an und versuchte beruhigend auf ihn einzureden. Doch in seinen Augen lag immer noch die Panik, gemischt mit einem trotzigem Funkeln. Der Junge Mann wurde fast wahnsinnig.
“Wir werden uns um ihn kümmern. Verlass dich darauf mein Freund.“ Dann drehte sie sich zu Jori und Lehna um, und nickte ihnen mit einer Stummen Geste zu. Die zuviel aussagte wie: Kümmert euch um ihn!
Saria, Blutfeuer und Leon hielten derweil das Vieh in Schach, während die Hohe Amazone wieder zurück zu den anderen ging.
Esteron blickte noch einmal verzweifelt zu der Kreatur und bekam noch einmal für den Moment einen Blickkontakt zu ihm zustande. Seine Augen glühten noch immer blutrot vor Hass. Unsagbarer Schmerz lag in seinen Augen. “Sie merken es sowieso nicht mein junger Freund“ Der Wanderer verstand nicht recht. Er sah fragend zu Lehna, die ihn nur milde anlächelte.
Esteron keuchte auf. Nein..., Nein... er ist noch immer böse und stark, tötet ihn endlich.
20.07.2003, 10:02 #81
Satura
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Als Satura erwachte, strahlte helles Tageslicht durch die Ritzen der Hütte und warf sanfte Lichttänze auf die entspannten Gesichter der Schlafenden. Sie setzte sich auf und dehnte die verspannten Glieder; die Nacht am Boden zu verbringen war nicht gerade bequem. Doch es hatte keine Diskussion darüber gegeben, dass Lehna, die verletzt war, und Esteron das Bett bekommen hatten.

Schaudernd dachte Satura an die letzte Nacht zurück, diese unheimliche Mischung aus Weltuntergangsstimmung und Bedrohung. Sie hatten Esteron davon abhalten können, die Kreatur zu töten, hatten sie schreiend in den Wald gejagt, fort von hier... hoffend, er würde nicht mehr zurückkommen.
Sie hatte Lehnas Wunden versorgt, die - Donnra sei Dank - nicht so schlimm waren, wie sie anfangs ausgesehen hatten.

Gähnend öffnete Satura die knarzende Tür der Hütte und trat nach draußen in das helle Sonnenlicht. Leon, der die letzte Wache gehalten hatte, saß schlafend an den Türrahmen gelehnt. Die hohe Amazone lächelte; eigentlich hätte sie ihn rügen sollen, dass er während seiner Wache eingeschlafen war, aber es war ja nichts passiert.
Sein Gesicht wirkte entspannt und friedlich, leicht hob und senkte sich sein Brustkorb, und seine Hand umfaßte fest den Griff seines Schwertes. Einzelne Haarsträhnen standen wirr in seiner Stirn, und seine Wangen waren vom Schlaf gerötet.

Satura beugte sich zu ihm hinunter und küßte ihn sanft. Als Leon verwirrt erwachte und die Augen öffnete, meinte sie lächelnd: "Die anderen schlafen noch. Komm, lass uns das Tal erkunden - heute läßt es das Wetter zu. Vielleicht finden wir ja auch etwas fürs Frühstück. Beziehungsweise sollten wir unsere Wasserschläuche auffüllen..."

Im Tal stand ein leichter Dunst, und langsam trocknete der Boden wieder auf. Erst jetzt entfaltete es seine ganze paradiesische Schönheit: über das Tal verstreut standen riesige, schwer mit süßen Früchten behangene Bäume, und die Wiesen grenzten sich saftig grün gegen die kargen Felsen des Bergmassivs ab.
20.07.2003, 10:18 #82
Skeleon
Beiträge: 793

Staunend blickte sich der junge Dieb um.
Die grobbehauenen Felsbrocken, das hoch aufragende, graue Bergmassiv und im Gegensatz dazu die saftige Wiese, auf der die Dolmen standen, die Bäume, der Geruch würziger Kräuter. Eine rauhe Schönheit ging von diesem Talkessel aus, ja, er war auf seine Weise ein Paradies.
Verborgen unter überhängendem, noch vor kühlen Tautropfen triefenden, wilden Grashalmen floss ein schmaler Bach dahin. Wiesenblumen reckten sich und öffneten zögerlich ihre Knospen im schnell heller und wärmer werdenden Sonnenlicht.
Als wäre ihm eine Last vom Leib genommen atmete Leon tief durch.
Nichts erinnerte mehr an die Bedrohungen der letzten Nacht. Er hoffte nur, die Kreatur würde keinen Schaden mehr anrichten - und Esteron.
Mit einer unwilligen Handbewegung verscheuchte er diese Gedanken, wandte sich um und ging auf Satura zu, die sich auf die Zehenspitzen reckte, um die saftigen Früchte vom Baum zu holen.
Grinsend bot er ihr eine Räuberleiter an, sie stieg darauf, stützte sich an seiner Schulter ab und rupfte mit der anderen die Früchte aus - der junge Dieb fing eine davon auf, musterte sie kurz und biss hinein. Offensichtlich ein Apfel, knallrot und süß, wie keine anderen, die er kannte.
Nachdem sie sich mit Äpfeln eingedeckt hatten schlenderten sie, die Taschen beladen, durch das Tal, neugierige Blicke auf die Dolmen oder die Pflanzen rund um sich herum werfend. Von dem Sumpf konnten sie nichts mehr erkennen - fast kam es dem Dieb vor, wie ein böser Traum, der jetzt im strahlenden Sonnenschein restlos verpufft war.
Vor den beiden ragten einige Felsbrocken auf, aufgerichtet auf einem niedrigen Hügel, in perfekter Kreisform. Leon umfasste Saturas Hand und zog sie mit sanfter Gewalt darauf zu.
"Das ist er! Das ist der Steinkreis."
Sie traten zwischen den Felsen hindurch und hatten freien Blick auf den Steinquader. Jetzt bei Tageslicht schien die Fassung noch offensichtlicher genau für diesen einen Zweck gemacht zu sein - "Versuchen wir's?" fragte der Dieb grinsend.
20.07.2003, 10:50 #83
Satura
Beiträge: 589

Satura sah ihn fest an und atmete dann tief durch. Tatsächlich schien die Fassung genau für ihr Amulett zu passen.... nein, nicht nur zu passen, sie schien dafür gemacht zu sein!
Langsam ging sie auf den Altar zu und nahm vorsichtig ihr Amulett ab, hoffend, dass es wirklich passen würde. Sie zögerte - was wenn nicht?

Keiner von den beiden hatte auch nur einen Gedanken daran verschwendet, was sein würde, wenn es nicht passte... Was dann? Alles umsonst?
Satura schüttelte den Kopf, wie um diese Gedanken loszuwerden. Sie hielt das Amulett in ihren Händen - ihr fiel auf, wie sehr sie sich ihm schon lange verbunden fühlte. So sehr, dass es ihr immer schwer fiel, es aus den Händen zu geben.
Trotzdem drückte sie es vorsichtig in die steinerne Fassung - es passte! Ihr Herz machte einen freudigen Sprung, und instinktiv trat sie einen Schritt zurück.

Nichts.
Einfach gar nichts geschah.
Keine Explosion, kein Rauch, keine Geister, Dämonen, Skelettkrieger, Harpyien - kein Drache, keine Chiara, kein Grab, kein Schwert. Mit allem hatte sie gerechnet - dass sie nicht herfinden würden, dass hier gar nichts war, dass das Amulett nicht in die Fassung passen würde... aber so etwas? Das einfach nichts, überhaupt nichts passierte?

Nach ewig scheinenden Sekunden löste sie sich aus ihrer Erstarrung, und sah Leon an. "Toll. Was nun? Was soll das? Wozu die Karte, wozu der Aufwand? Was sollen wir den anderen sagen?" Ihre Stimme war laut und wütend geworden. Sie trat zu der Fassung und griff zu ihrem Amulett, wollte es wieder herausnehmen. "Ah, verdammt..." Sie zuckte zurück - das Amulett war heiß! "Ich habe mich verbrannt!" Sie starrte auf ihre Finger, auf denen sich kleine Brandblasen bildeten.
20.07.2003, 11:04 #84
Skeleon
Beiträge: 793

Der Dieb trat neben sie und begutachtete das Amulett interessiert.
"Es ... leuchtet!"
Doch es war nicht das rötliche Schimmern, das Pulsieren, dass er inzwischen so gut kannte. Ein helles Strahlen ging davon aus, nein, von etwas dahinter ... er blickte auf und sah in die helle Sonne. Er fuhr mit der Hand vor der breiten Öffnung der Halterung hin und her, ein großer, matt rosa Lichtreflex breitete sich auf seiner Handfläche aus.
"Der Kristall - bricht das Licht."
Er nahm seine Hand weg und folgte dem Lichtreflex, der sich schwächer werdend auf der saftigen Wiese verlor. Dann umschritt der Dieb das Podest und betrachtete das schmale Ende der Halterung.
"Es kommt nur so wenig Licht hinein, es wird gestreut."
Wieder umrundete er den Altar.
"Und von hier aus - würde das Licht gebündelt werden."
Geblendet hob er die Hand vor Augen, als sie in den Lichtreflex gerieten, trat einen Schritt zur Seite und blickte Satura fragend an.
20.07.2003, 12:09 #85
Satura
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"Na sehr gut. Der Kristall reflektiert Licht - ist ja was ganz Neues. Und führt uns das weiter? - Nein." Satura war enttäuscht. "Diese Lichtreflexion ist was ganz normales, und... ich wüßte nicht, was es bedeuten sollte."

Sie holte einen Apfel aus ihrer Tasche und biß hinein. Er schmeckte herrlich süß und saftig, und der Saft rann über ihre Hände, klebrige Spuren hinterlassend.
Leon stand schweigend da und spielte mit dem Lichtreflex. Gelangweilt zog die hohe Amazone eines ihrer Wurfmesser, warf den Apfelbutzen in die Luft und schleuderte das Wurfmesser nach. Das Messer durchbohrte das Kerngehäuse noch im Flug, spieße ihn auf und bohrte sich in den Stamm eines nahen Baumes, wo es federnd zur Ruhe kam.

"Ich hab keine Lust mehr auf dieses Tal, auf dieses Grab, und dieses Schwert. Wozu machen wir das überhaupt? Ich habe ein Schwert..." Wütend starrte sie auf den Boden. "Das Ergebnis ist, dass Lehna gestern fast draufgegangen ist. Nur weil sie mir und meinen wahnsinnigen Ideen folgt. Wir könnten jetzt... am Strand liegen, und einfach nur unseren Frieden haben..."
Sie ging zu ihm, umarmte ihn und küßte ihn sanft. "Ich glaube nicht, dass wir hier etwas finden."
20.07.2003, 12:25 #86
Skeleon
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Leon konnte kaum verbergen, wie schön die Vorstellung wäre - wieder im Amazonenlager die Zeit totzuschlagen, am Strand zu liegen, Satura in den Armen zu halten, sie zu lieben.
Aber sollten sie wirklich einfach alles aufgeben? Gerade weil die Dinge nicht so günstig standen, sollten sie weitermachen!
Er schob sie vorsichtig von sich und blickte sie eindringlich an.
"Lass uns wenigstens noch einen Blick auf die Abschrift werfen, okay? Vielleicht haben wir nur eine Kleinigkeit übersehen."
Satura blickte ihn etwas skeptisch an und zog unwillig das Pergament hervor, sanft lächelnd nahm der Dieb es entgegen.
"Also - den Ort, der auf der Karte vermerkt ist haben wir gefunden. Das Amulett passt. Die Zeichen am Kartenrand stimmen damit überein - irgendetwas muss da dran sein, meinst du nicht?"
Er überflog kurz die Abschrift, seine Augen blieben am letzten Satz hängen.
"Pfad des Untergangs -"
Ein wenig unsicher dreinschauend sah der junge Dieb vom Text auf, umrundete den Altar erneut und sah zur Sonne, die jetzt im Süden stand - sie schien in einem Winkel von 90° auf die Halterung, nur ein wenig Streulicht fiel durch den Kristall und erzeugte den nun verwaschenen Lichtreflex. Leons Hand fuhr nach Westen hin, die Richtung, in die die Sonne von ihrem Zenit aus zu wandern begann. Nach Westen wies auch das breite Ende der Fassung.
"Sonnenuntergang." meinte er schließlich. "Aber was hat es mit der Magie Donnras auf sich?" sah er fragend Satura an, die ihm bis eben mit mäßigem Interesse zugesehen hatte. "Amulett und Magie müssen vereint sein." fügte er hinzu. "Aber was ist damit gemeint? Komm schon, es ist alles wie vorbereitet in diesem Tal, die Fassung, das Amulett, der Sonnenstand ..."
Er blickte die Amazone an und hoffte, sie würde seinen neu aufgekeimten Enthusiasmus teilen.
20.07.2003, 12:39 #87
Satura
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Seufzend sah Satura den Jungen an. Er hatte ja recht, wenn sie jetzt aufgaben, waren alle bisherigen Opfer und Anstrengungen umsonst.
"Ja, du hast Recht... das könnte schon stimmen, dass die Legende damit auf den Sonnenuntergang hinweist... und naja, Magie Donnras... wenn der Kristall schon das Licht bricht, so wird das wohl etwas mit einem Lichtzauber zu tun haben? Nur... was wird sich dann ergeben?" Sie sah Leon fragend an, der aber nur nachdenklich die Schultern zuckte.

"Auf jeden Fall, bis Sonnenuntergang haben wir noch Zeit. Lass uns zur Hütte zurück gehen, die anderen freuen sich sicher, wenn wir ihnen frische Früchte zum Frühstück bringen. Ausserdem möchte ich mir noch mal Lehnas Wunde ansehen." Die sie verursacht hatte... Nachdenklich zog sie ihr Wurfmesser aus dem Baumstamm und säuberte es, ehe sie es wieder in den Gürtel zurücksteckte.
20.07.2003, 12:51 #88
Skeleon
Beiträge: 793

Leon sah der Amazone die Schuldgefühle regelrecht an, hatte er doch gestern noch erfahren, was geschehen war. Sanft zog er sie an sich und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
"Du konntest doch nichts dafür, was hättest du tun sollen? Aber du hast recht, lass uns zurückgehen."
Er lächelte sie noch einmal aufmunternd an, ehe er sein überladenes Lederbündel wieder schulterte und neben ihr her stapfte.
"Und wenn es nicht funktioniert, dann - dann kehren wir zum Lager der Schwestern zurück und -" er schmunzelte sie vielsagend an, gab ihr einen Kuss und stapfte schweigend weiter neben ihr her, schob sich an reichbeladenen Bäumen vorbei und zwischen den rissigen, doch unbesiegten Dolmen hindurch. Die Nebelschlieren hatten sich restlos gelichtet, waren die schroffen Berghänge empor gestiegen und hatten sich mit der dünnen Wolkenschicht vereint, die am sonst so blauen Himmel hing. Erneut atmete der Dieb tief durch.
Zwischen den Dolmen kam schließlich die morsche, von Moos und Flechten überzogene Holzhütte zum Vorschein. Nur das von schweren Leibern zerdrückte Strohdach und die aus den Angeln getretene Tür wiesen noch auf die gestrigen Geschehnisse hin.
Blutfeuer und Saria saßen in dezentem Abstand voneinander vor dem Haus und genossen den Sonnenschein - Lehna lag wohl noch im Bett, gemeinsam mit Esteron. Ob dieser Gardist Jori auch noch dort wachte?
Grüßend hob der Dieb die Hand zu den beiden Amazonen, als Satura und er sich ihnen näherten.
20.07.2003, 13:27 #89
Saria
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Mit geschlossenen Augen lag Saria in der prallen Sonne, genoss die wärmende Berührung der goldenen Sonnenstrahlen und die fast vollkommene Stille in dem kleinen Felsental, die nur vom leisen Rauschen des Windes durchbrochen wurde, der sich in den langen Halmen der Wiese verfing.
Ebenso genoss ihre Hand die Berührung des Lederbeutels, der vom Licht verborgen in ihrer Manteltasche ruhte. Zärtlich strichen ihre Fingerkuppen über das weiche Material, fuhren die Körper der Kupfermünzen nach, die sich in dem kleinen Beutel dicht aneinanderdrängten.
Was Saria anbelangte, hatte sie ihren Teil der heutigen Arbeit schon erledigt. Und zwar gleich in den frühen Morgenstunden, während der Rest der Gruppe noch seelig schlummerte und sich von den Schrecken der vergangenen Nacht zu erholen versuchte. Denn wenn sich Saria richtig erinnerte, war heute Zahltag. Zumindest für die Stadtwache und Esteron.
Natürlich hatte Saria nicht ihren gesamten Besitz an sich genommen. Das wäre viel zu auffällig. Unauffälliger und gleichzeitig um einiges interessanter war es, einige Münzen zu entwenden, dem schlafenden Reisegefährten ein paar von ihnen in den Beutel zu stecken und den Rest für sich selbst zu beanspruchen. Aus eigener, schmerzvoller Erfahrung wusste die Diebin, dass manche Leute die nervige Angewohnheit hatten, ihre Münzen durch winzige Einkerbungen oder ähnliche, unauffällige Verzierungen zu kennzeichnen. Falls Jori ebenfalls einer dieser Kerle sein sollte, würde er sich sicherlich über die Tatsache freuen, dass Esterons Münzvorrat nicht nur etwas angeschwollen war, sondern auch noch seine Kennung trug.
Um der Gefahr einer möglichen Leibesinvitation zuvorzukommen, hatte Saria ihren Mantel dabei. Wie es sich für eine ordentliche Diebin gehörte, verfügte das Kleidungsstück über die eine oder andere, versteckte Tasche. Offiziell war sie völlig unschuldig.
Natürlich hatte sie die Gunst der Stunde gereizt, die Karte zu entwenden. Allerdings hatte sie ihr nicht sonderlich weitergeholfen. Den seltsamen Schriftzeichen hatte sie keinen Sinn entlocken können und so hatte sie beschlossen, ihren Plan zu einem späteren Zeitpunkt der Reise in die Tat umzusetzen. Zu einem Zeitpunkt, an dem der Weg zum Grab schon relativ frei von möglichen Sackgassen war.
Lächelnd öffnete Saria die Augen, um in das freundliche Gesicht der Sonne zu blinzeln. Und verzog abwertend die Mundwinkel, als ihr Blick direkt auf Leon fiel, der zusammen mit Satura auf die Hütte zuhielt. Was machte der eigentlich die ganze Zeit über mit der Amazone?
Satura war zwar vielleicht etwas naiv, aber sich mit so einem Typen abzugeben... nein, das konnte nicht sein. Leon war nervig, nervig und ein ziemlicher Störfaktor. Warum musste der überhaupt mitkommen?
"Guten Morgen", grummelte Saria mit gemischten Gefühlen und wandte sich sofort an Satura, ohne Anstalten zu machen, ihre Abneigung dem Dieb gegenüber zu verbergen.
"Habt ihr schon etwas entdeckt? Das war vielleicht ein Schrecken heute Nacht. Seid ihr diesem Monster noch einmal begegnet? Ist es endlich tot? Und wie geht es jetzt weiter?"
Die Diebin blinzelte, als sich ein Jucken in ihrer Nase bemerkbar machte. Kurz darauf musste sie kräftig niesen. Verdammt, würde sie sich jetzt wirklich eine Erkältung eingefangen haben?
20.07.2003, 15:52 #90
Satura
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Satura lächelte und warf der Erzamazone einen Apfel zu, die ihn überrascht, aber behände fing. "Es freut mich, dass du schon so aktiv bist. Wir haben tatsächlich etwas gefunden, von dem wir aber noch nicht so genau wissen, was wir damit anfangen sollen..." Leon warf ihr einen ernsten Blick zu, den sie ihrerseits fragend beantwortete. Sie sagte aber erstmal nichts mehr.

Fröhlich betrat Satura die Hütte; Lehna und Esteron waren mittlerweile auch aufgestanden. "Guten Morgen alle miteinander!" begrüßte sie die anderen. "Lehna, ich möcht mir gern noch mal die Wunde ansehen... Aber hier, esst erst einmal." Die hohe Amazone verteilte die Äpfel und setzte sich dann neben Lehna aufs Bett. "Und Esteron... wenn du Lust hast, zeig ich dir ein paar Tricks mit dem Schwert." Sie sah ihn freundlich an, hoffend, er würde es nicht falsch verstehen.
20.07.2003, 16:18 #91
manmouse
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Esteron schlief noch immer unruhig. Immer wieder warf er sich hin und her. Den rotglühenden Blick vor Augen. Kalt und gehässig.
“Hast du wirklich geglaubt, das sie mich töten würden? Du Narr.“ Der Wanderer stand nun alleine im tiefen Morast. Vor ihm hockte im Schatten des brennenden Baumes diese Kreatur. Wie ein wildes Tier zum Sprung bereit. Seine Stimme war nicht menschlich, eher gurgelnd fast erstickend. „Sie ahnen nicht einmal auf was sie sich da eingelassen haben. Sie hätten mich töten sollen als sie noch die Kraft dazu hatten“ Der Wanderer war unfähig sich zu rühren. Immer tiefer geriet der junge Mann bei seinen Bewegungen in den Schlamm. Schmatzend sog er ihn auf, wollte ihn verschlingen. Wie der böse kalte Blick der Kreatur. „Und deine kleine Freundin hole ich mir als erstes. Ich habe noch soviel vor mit ihr und sie wird mir nicht noch einmal durch die Finger gleiten.“ Der junge Mann wollte sein Schwert ziehen. Sein Blick auf die Kreatur fixierend, doch seine Hände griffen ins Leere, denn dort wo es sein sollte war nichts. „Versuch es nur mein junge. Du bist längst keine Gefahr für mich. Versager!“

“NEINNNN!“
, der Wanderer schreckte schreiend hoch. Er war wieder in der Hütte. Suchend glitt sein Blick durch den Raum und blieb an Lehna haften die neben ihm im Bett lag. Sie war noch bei ihm, er hatte sie noch nicht geholt.
Keuchend ließ siech der Wanderer wieder in das Bett fallen. Kalter Schweiß rann noch immer an seiner Haut herab, und sein Herz pochte wild in seiner jungen Brust. Warum hatte sie es nicht getötet? Immer wieder stellte sich der junge Mann diese Frage.

Nach einer Weile quälte sich der junge Wanderer aus dem Bett. Jori saß in der Ecke von dem warmen Kamin und war mittlerweile auch aufgewacht, womöglich durch den Schrei von Esteron. Die junge Amazone drehte sich unwillig und murrend, aber wach im Bett zur Seite. Sonst war niemand mehr in dieser Hütte.
Esteron blickte auf. Er hörte Stimmen, die von der kleinen Veranda vor der Hütte kamen. Eine Stimme kam näher. Lächelnd betrat Satura die Hütte. Verteilte Obst und kümmerte sich um Lehna, während sie Esteron irgendwas von Tricks beibringen erzählte. Der Wanderer maß die Frau mit einem bösen Blick. Tricks beibringen, und warum hatten sie ihn dann gestern daran gehindert das Vieh zu töten?
20.07.2003, 16:54 #92
Satura
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Esteron warf ihr einen bösen Blick zu, den Satura mit einem gekonnten Lächeln auffing. "Nun komm schon. Lass uns ein bißchen üben, dann können wir auch reden." sagte sie sanft.
"Draußen scheint die Sonne, und es ist wunderschön hier. Einen besseren Ort finden wir nicht zum Üben. Ausserdem kannst du dann gleich deine ganze Wut an mir auslassen. Tu dir keinen Zwang an." Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ Satura die Hütte und stellte sich draußen auf der Wiese auf. Die Sonne stand schon tiefer, und trotzdem waren ihre Strahlen noch kraftvoll.

Das Schwert der Einhandlehrmeisterin glitt sirrend aus der reich verzierten Scheide, und mit lockeren Schlägen schwang sie die Waffe herum. Sie liebte dieses Schwert; es war leicht, wendig und messerscharf. Und es war von Leon.
Es war ein Geschenk, dass ihr in ihrer schwierigsten Zeit Halt gegeben hatte, als ein Zeichen, dass er sie nicht vergessen würde.
Satura seufzte bei den Gedanken an früher; und wie schwer es war, sich selbst einzugestehen, dass sie... dass sie sich verliebt hatte. Verliebt in einen Mann, der einige Jährchen jünger war als sie, in einen Dieb und Söldner. Seltsam diese Worte hatten keinen negativen Beigeschmack mehr...
20.07.2003, 17:01 #93
Skeleon
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Eben dieser Dieb sah mit einem Lächeln zu, wie Satura wieder aus dem Haus herauskam. Saria ignorierte er einfach, sie tat ja fast so, als hätte er ihr geschadet und nicht umgekehrt. Nur einen Moment später kam Esteron hinter der Amazone hergetrottet, er schien bis eben geschlafen zu haben, und nicht gerade ruhig, wenn man sich seine wirren Haare betrachtete. Der junge Dieb ging ein paar Schritte mit den beiden mit, bis sie auf einer Lichtung in dem Wald aus Steinsäulen angelangt waren. Etwas abseits stand ein Baum, ebenfalls beladen mit Früchten - grinsend verabschiedete sich der Dieb von den beiden anderen, kraxelte an dem rissigen, dicken Stamm empor und schwang sich auf einen Seitenast. Er riss sich ein paar der Äpfel ab und begann darauf herum zu knabbern, während er beobachtete, was Esteron und Satura da trieben - sie hatte ihr Schwert gezogen und schien den Wanderer zu einem Kampf aufzufordern.
Achtlos warf Leon das Kerngehäuse hinter sich, schnappte sich die nächste Frucht und sah wieder zu der Amazone und dem Wanderer.
20.07.2003, 18:10 #94
manmouse
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Esteron sah die Hohe Amazone funkelnd an. Meinte sie etwa wirklich das sich der junge Mann ein Duell mit ihr liefern würde? Hier vor den gaffenden Weibern und Leon? Er hasste es.
Der Wanderer warf einen letzten Blick auf den jungen Dieb der ihm aufmunternd zugrinste, dann glitt seine rechte Hand zum Knauf seines Kurzschwertes und er zog es surrend aus der Scheide, und hielt es fast lustlos mit der Spitze zum Boden.
Satura trat dem jungen Mann herausfordernd entgegen und hielt ihm spielerisch die Waffe an die Brust. Der junge Mann sah der Hohen Amazone in die Augen und schob die Waffe mit seiner linken Hand fast sanft zur Seite. Um dann mit der rechten Führungshand hart zuzuschlagen.
“Anstatt mich hier anzugreifen hättet ihr besser diese Kreatur getötet“, raunte er ihr böse entgegen “ Aber bitte, schlag mich ruhig nieder. Solange das Vieh dort draußen auf euch lauert.
Der Wanderer grinste böse und senkte seine Waffe wieder.
20.07.2003, 18:23 #95
Satura
Beiträge: 589

Satura keuchte überrascht auf, als die Hand des jungen Wanderers sie hart traf. "Hey, seit wann schlägst du zu, wenn ich dich nicht drum bitte?" Sie grinste ihn an. "Wenn's dir Spaß macht." meinte sie achselzuckend. "Du bist ein Verlierer. Warum schützt du Lehna nicht? Warum muss immer sie dich verteidigen?" Sie sah ihn an, immer noch lächelnd. Ihre Stimme war ruhig und hatte den gleichen sanften Ton wie immer.
"Genau, weil du es nicht kannst. Warum hast du das Wesen gestern nicht selbst getötet? - Genau, weil du es nicht kannst. Es hätte dich ausgelacht. Weißt du überhaupt, an welcher Seite man ein Schwert anfaßt? - Ach, entschuldige, es reicht ja, wenn Lehna das weiß..."

Satura lächelte spöttisch. "Und statt dich zu trauen, gegen mich zu kämpfen, schlägst du mich lieber. Was für ein Mann bist du doch..."
20.07.2003, 18:38 #96
Skeleon
Beiträge: 793

Leon blickte etwas irritiert von einem zur anderen. Er biss ein letztes Mal in seinen Apfel, schleuderte den Butzen achtlos beiseite wie die anderen und sprang die ein einhalb Meter direkt vom Ast herunter. Gemächlich trat er auf Satura und Esteron zu - er spürte regelrecht die Spannung in der Luft liegen. Ein Knistern oder Donnergrollen hätten die Stimmung nur verdeutlichen können.
Trotz allem grinste der Dieb sie abwechselnd an, als das jedoch nicht erwidert wurde zerfiel seine Miene vor Unsicherheit.
"He, man könnte fast meinen, ihr würdet euch zanken."
Ein neues Grinsen huschte über seine Lippen, erstarb jedoch beim Anblick der ausdruckslosen Gesichter vor sich.
"Was denn, was denn?"
Leon, der das Gespräch nicht mitanhören sondern den Wortlaut nur erahnen und die Reaktionen beobachten hatte können starrte sie verwirrt an.
"Okay, ich möchte einen fairen Kampf sehen -" versuchte er es erneut, mit der fröhlichsten Stimme, die er noch aufbringen konnte.
Er trat zurück und blickte sie in gespielter, freudiger Erwartung an.
"Na was denn?" griente er verunsichert.
20.07.2003, 19:13 #97
manmouse
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Esteron warf Leon einen übellaunigen Blick zu. Diese Ratte steckte doch mit seiner Geliebten unter einer Decke.
“Das geht dich einen Haufen Moleratdung an. Leon.“, brüllte der Wanderer sichtbar erregt.
Dann drehte er sich zu Satura um, blickte ihr finster in die Augen. Er wusste das sie Recht hatte. Er war ein Versager, ein Weichei. Doch gab es ihr das Recht, ihn so vor den anderen „Weibern“ bloß zu stellen? Auch wenn sie miteinander befreundet waren? Er wusste selbst am besten was für ein Schwächling er war.
“Danke Satura, jetzt weiß ich es umso besser.“ Seine Augen funkelten enttäuscht auf. Die junge Frau reizte ihn absichtlich, und er konnte nicht anderes tun als auf ihr blödes Spiel einzugehen.

Der junge Mann dachte an das, was ihm Gardiff am Strand im Amazonenlager bei seiner ersten Lektion gesagt hatte.
Fühle es, und lass dich nicht von ihr führen, sondern führe du sie.
Der Junge Mann trat einen Schritt vor, hob sein Kurzschwert und schlug achtlos und ungestüm auf Satura ein.
Die Amazone sprang lachend, fast spöttisch zurück und parierte die ungezielten Schläge locker. Die Wut in Esteron stieg weiter auf. Immer weiter drängte er die Frau weiter zurück. Schweiß rann ihm von der Stirn, und sein Atem ging mit jedem Mal schwerer, doch er hörte nicht auf.
20.07.2003, 19:27 #98
Satura
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Satura parierte die schnellen, wuchtigen Schläge Esterons mit federnder Klinge, wich jedoch etwas zurück, um seiner Wut Raum zu lassen. "Nicht schlecht." meinte sie anerkennend. "Deine Schläge sind schwungvoll, das ist gut. Aber du verwendest zuviel Kraft, das wäre nicht nötig. In fünf Minuten liegst du nach Luft japsend am Boden, wenn du so weitermachst."

Wie um es ihm zu beweisen, ging sie von der Defensive zum Angriff über. Ihre Schläge waren schnell, aber sie lenkte sein Schwert ab, ohne viel Kraft zu verwenden. "Siehst du, ich verwende deine Kraft gegen dich. Und genau das kann dir dann auch passieren. Und was noch wichtiger ist..." Die hohe Amazone machte einen Schritt auf ihn zu und ließ ihre Klinge scharrend an der des jungen Mannes entlanggleiten, seine Waffe nach außen ablenkend, bis ihr Gesicht nur mehr wenige Zentimeter von seinem entfernt war. "Es ist verdammt noch mal egal, wer dir beim Kämpfen zusieht. Und wenn es dein ärgster Feind ist, lass dich nicht ablenken, sonst verlierst du. Und genauso ist es nicht gut, mit einer solchen Wut zu kämpfen... obwohl ich das Gefühl habe, anders hätt ich dich gar nicht zum Kämpfen gebracht... Denk mal drüber nach, warum du so wütend auf mich bist. Ich glaube nämlich, in Wirklichkeit macht dich etwas ganz anderes wütend... und das liegt nur an dir, und nicht an mir. Also laß es gefälligst auch nicht an mir aus."

Sie trat wieder ein paar Schritte zurück, ihr Schwert locker kreisend lassend.
Leon sah den beiden zu, verwirrt von einem zum anderen sehend. Er schien zurecht nicht wirklich zu verstehen, warum Esteron ihn so angefahren hatte. Eigentlich verstand Satura den jungen Wanderer auch nicht wirklich...
20.07.2003, 20:02 #99
manmouse
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Esteron beachtete die Kommentare von Satura nicht weiter. Ihm war es schlichtweg egal. Alles war ihm jetzt egal.
Wieder schleuderte er seine Waffe um sich und geriet immer mehr in Fahrt, ohne es zu bemerken wurden seine Bewegungen runder, fliesender. Er drängte Satura nun weiter zurück und setzte all seine Kraft ein, um die Amazone besiegen zu wollen. Der junge Mann fühlte sich erinnert, in seinem tun, in seiner Kraft.
“Wütend? Worauf sollte ich wütend sein“, schrie der Junge Mann und sprang dann einen Schritt zur Seite um seine Gegnerin von rechts anzugehen. Wieder polterten die Schwerter in einer regelmäßigen Reihenfolge aufeinander, um dann immer wieder auseinander zu gleiten.
Dies war kein Trainingskampf. Nicht für Esteron. Er wusste nicht warum er sich so verhielt, warum er seinen ganzen Ärger auf Satura und ihren Freund entlud, doch er konnte nicht anders.

Dann brach Esteron ganz plötzlich seine Attacken ab, blickte Satura traurig in die Augen und ließ sein Schwert mit einem dumpfen Aufschlag ins weiche Gras fallen.
Erschrocken blickte der junge Mann auf. “ Es tut mir leid...“ dann stürmte er verwirrt an Satura vorbei in den Wald, der sich hinter der Hütte befand.
20.07.2003, 20:07 #100
Satura
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Die hohe Amazone starrte dem Verwirrten ungläubig nach. Sie warf Leon einen bezeichnenden Blick zu. Was ist mit dem los? Leon zuckte nur die Achseln.
Satura sah weiterhin in Richtung Wald. "Nun, ich hoffe, er weiß, was er tut." Mit anteilnahmslosen Gesichtszügen wandte sie sich den anderen zu. "Es gibt etwas zu tun."

Sie steckte ihr Schwert weg und ging mit schnellen Schritten auf den Altar zu. "Ich möchte wegen ihm nicht noch eine Nacht mehr hier verbringen. Oder ist irgendjemand von euch scharf darauf?" Niemand sagte etwas, und so wandte Satura sich an Leon. "Die Sonne steht tief; lass es uns versuchen."
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