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10.05.2003, 12:11 #1
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
Habt ihr noch Platz für nen Zweitaccount? - Habt ihr noch Platz für nen Zweitaccount?
Ahoi und Petri Heil ihr Lees.
Nein, hier meldet sich nicht der pale Rider des wilden Westens sondern Arson von der Garde Innos, der sich in dieser feinen Gilde mit seinem frisch kreierten Account niederlassen möchte.:) Da euer Lager der Ort in Khorinis ist, an dem ein Mann die meisten Freiheiten bezüglich seines Handelns bekommt, wäre diese Gilde meine Wunscheimat für den abgehalfterten Kopfgeldjäger namens Guthwulf, dessen Revier sich im RPG aber eher auf das Gebiet Gorthar beschränken würde. Dies ist ein reiner RPG Char, ihr braucht mir weder Zugang in euer Gildenforum zu geben noch mich an Abstimmungen teilnehmen lassen wenn ihr das nicht wollt (oder befürchtet ich könnte Infos an die Garde weitergeben), ich werds euch nicht krumm nehmen. ;)
Na, wie schauts aus? :)

mfg,
Guthwulf alias Arson (ICQ 147990685)
10.05.2003, 16:07 #2
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
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So, Mail mit meinen Daten ist raus an joshifuchs@web.de , ich hoffe ich hab alles richtig ausgefüllt, dann dürft ihr bald einen Gesetzlosen mehr in euren Reihen begrüßen. ;)
10.05.2003, 16:57 #3
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
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:) Dankeschön, und wie gesagt, ich bin niemandem böse wenn ich nicht an gildeninternen Gesprächen teilnehmen soll, ich bin hier um RPG zu zocken und da liegt für mich eindeutig der Schwerpunkt. ;)
11.05.2003, 11:17 #4
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
NPC und Quest-Charaktere -
Name: Guthwulf

Alter: 38

Skills: Einhand 2, Doppelschwert 2, Armbrust 2, Schleichen 2

Waffe: variierend

Kleidung: Zerschlissene Lederrüstung, altes Cape aus dem gleichen Material, breitkrempiger Hut

Erscheinungsbild: Guthwulf ist groß und von hagerem Körperbau, viele Jahre der Arbeit als Kopfgeldjäger unter freiem Himmel haben seine Haut braun und lederartig werden lassen. Sein kurzes, strohblondes Haar wird meistens von einem breitkrempigen Hut bedeckt, unter dem ein verkniffenes, stoppelbärtiges Männergesicht hervorblinzelt.


Geschichte:
Kalt und scharf rann der Alkohol die gefühllose Kehle hinunter, goldene Glut, brennendes Lebensfeuer, heiß, ätzend und schmerzlich vertraut. Er war das Zentrum seines Universums, die gleißende Sonne seines gesamten Seins, sein Motor, sein Treibstoff und sein Todesurteil. Er war verflüssigtes Verderben, und doch konnte er ihm nicht entfliehen, musste ihn mit seinen schwieligen, dreckverkrusteten Händen umklammern wie ein Ertrinkender das rettende Seemannstau.
Trübe schwappte der Schnaps in seinem grob gebrannten Tonbecher, der einzig ruhende Pol in einer Welt deren Angeln von den unsichtbaren Händen des Alkohols längst in ein drehendes Schreckenskarussel verwandelt worden war. Den Mann, dessen Gesicht sich in der güldenen Flüssigkeit spiegelte, erkannte er nur vage. Die aufgeweckten, eiskalt blitzenden Augen hatten ihre Kraft längst verloren, waren zu trübe dreinblickenden, stahlgrauen Spiegeln der eigenen Trunkenheit geworden, jahrelange Sonneneinstrahlung hatten die einst makellose Haut eines Frauenhelden schmutzigbraun und faltig werden lassen, in den zerzausten, strohblonden Haaren zeigten sich erste Strähnen eines ausgelaugten, tristen Grautons.
Ja, einst war er ein anderer Mann gewesen. Wolf hatte man ihn genannt, und ein Wolf war er gewesen. Zahllose Krieger hatte er gestellt und besiegt, zahllose Goldmünzen waren in seinen nun leeren Lederbeutel gewandert, die schmutzige Prämie für die schmutzigen Köpfe der Geächteten, mitgeschleppt in einem blutgetränkten Stoffsack. Guthwulf, der Wolf von Gorthar. Pah.
Die Miene des Mannes verzog sich zu einer bitteren Grimasse als er den Rest des Reisschnapses mit einem einzigen Schluck hinunterstürzte. Mieses Gesöff, doch das einzige, was ein Kerl wie er sich leisten konnte. Das Kopfgeld des letzten Auftrages war gering gewesen, reichte nichteinmal für einen segensreichen Rausch des Vergessens. Jetzt holten seine Gedanken ihn ein, quälten ihn mit der Erinnerung an bessere Zeiten, an Zeiten der Jugend, der Kraft und des Reichtums. Er hatte niemals geizen müssen, sein Schwert hatte ihm schneller neues Gold eingebracht als er es hatte ausgeben können. Das war sein Verhängnis gewesen.
Konnten Menschen zuviel Geld besitzen? Verdammt, ja, sie konnten. Wäre er nicht so gottlos gut in seiner Arbeit gewesen hätte er dem Alkohol vielleicht abschwören können. Vielleicht hätte er auf seine Frau gehört. Vielleicht hätte sie ihn dann auch nicht verlassen.
Krachend wurde ein neuer Becher auf den Tisch gestellt, ein paar Tropfen schwappten über den Becherrand. Guthwulf verzog das Gesicht und blinzelte den Wirt unwirsch an. Dieser Narr sollte gefälligst aufpassen, er brauchte jeden einzelnen Schluck dieses widerlichen Zeugs.

„Macht drei Goldstücke.“ Die Stimme des Wirtes klang abwesend, die Bewegungen, mit denen er das Gold vom Tisch klaubte, zeugten jedoch von unersättlicher Gier. Verdammte Hyänen, konnten einem alten Wolf nichteinmal jetzt seine Ruhe lassen. Schweigend trank der Kopfgeldjäger seinen Schnaps, während sich der stickige Schankraum der schäbigen Taverne immer weiter mit dem Abschaum der Stadt füllte. Bald schon verdrängte rauhes Gebrüll die nachmittägliche Stille, derbe Witze und schallendes Gelächter verwandelten die Taverne „Zum klingenden Goldstück“ in eine apokalyptische Lärmhölle. Guthwulf bemerkte es nicht, zu sehr war er mit seinen eigenen, zähflüssigen Gedanken beschäftigt.
„Hey, Wolf!“
Augenblicklich rutschte die Welt in ihre Fugen zurück. Instinktive Aufmerksamkeit durchdrang den Schleier der Trunkenheit, sehnige Muskeln spannten sich unmerklich unter der zerschlissenen Lederrüstung, in den stahlgrauen Pupillen blitzte es auf. Mit keiner Bewegung reagierte Guthwulf auf den Zuruf, nichteinmal sein Atemrhythmus beschleunigte sich, und das obwohl er genau wusste, dass Ärger im Verzug war. Im Schankraum wurde es merklich stiller, der Kopfgeldjäger konnte das metallische Klacken schwerer Kampfstiefel auf den morschen Holzbohlen der Taverne deutlich hören. Ihrer Frequenz nach zu urteilen mussten es mindestens drei Personen sein, die sich da ihren Weg durch den Schankraum bahnten. Verdammt, er hätte weniger trinken sollen.
Ein Schatten fiel auf den kreisrunden Tisch, an dem Guthwulf sich niedergelassen hatte. Das durchdringende Aroma von billigem Duftwasser stieg ihm in die Nase. Der Wolf hielt seinen Blick weiter starr auf den geleerten Becher gerichtet.

„Na sieh mal an, wen wir hier haben. Wie lange ist es her, Guthwulf?“
-„Verzieh dich, Kid.“
Die Stimme des Kopfgeldjägers klang so kalt und rau wie eh und je. Eine Sekunde lang herrschte tatsächlich Stille, dann jedoch lachte jemand hinter ihm amüsiert auf. Ein junger Mann umrundete den Tisch und setzte sich auf den gegenüberliegenden Stuhl. Braune, schulterlange Haare fielen auf eine Rüstung aus beschlagenem Leder, umrahmten das feingeschnittene Gesicht eines grinsenden Jünglings. Blaue Augen funkelten unter erwartungsvoll gehobenen Brauen. Es war das Funkeln eines Raubtiers bei der Jagd. Die Frage, wer die Beute sein sollte, stellte sich jedoch erst gar nicht.
„Nanana, Wolf, begrüßt man so seinen alten Schüler? Sehr unhöflich von dir.“
Guthwulf starrte schweigend auf seinen Becher.
„Du trinkst also immer noch.“ Kid schüttelte den Kopf in gespieltem Bedauern. „Du bist alt geworden, Wolf. Zu alt.“
-„Bist du gekommen, um mich zu verspotten?“
„Das ist gar nicht nötig, schau dich doch an.“ Kid erhob sich wieder. Seine Mundwinkel waren verächtlich heruntergezogen. „Ein dreckiger Bettler, mehr bist du nicht. Deine Zeit ist um, Guthwulf. Ich bin nun an der Reihe.“
-„Lauf zurück zu deiner Mutter Kid. Sie vermisst dich sicher schon.“
Guthwulf brauchte das Geräusch von aus der Scheide fahrendem Metall gar nicht hören um zu wissen, was nun kam. Ruckartig sprang er auf, die Hände unter den Tisch gepresst, um das schwere Holzstück kraftvoll umzuwerfen. Kid taumelte zurück, doch er war nicht allein. Aus den Augenwinkeln sah Guthwulf das Blitzen der Schwertklinge. Instinktiv sprang er zurück, sein rechter Fuß ruckte nach oben, trat dem keuchenden Kontrahenten mit schwerem Stiefel in die Magengegend. Die Welt begann sich zu drehen. Unter dem Einfluss des Alkohols wurden Bewegungen zu verwaschenen Farbschlieren, Personen zu schemenhaften Gestalten, doch der alte Kopfgeldjäger würde so schnell nicht aufgeben. Seine behandschuhte Hand glitt von der vertrauten Wolfskopfform des Schwertknaufs zum Griff der Waffe. Schleifend fuhr sie aus der abgewetzten Lederscheide, keine Sekunde zu früh, denn schon musste der Wolf sich gegen die heftigen Attacken eines weiteren Angreifers erwehren. Guthwulf parierte die Hiebe mit dem Instinkt eines Veteranen, sein Blickfeld war stark verengt, in seinem Kopf hatte sich ein ganzer Schwarm Schlupfwespen eingenistet, die seinen Geist in eine dröhnende Messingglocke verwandelten. Verdammter Reisschnaps! Mit Bier wäre ihm so etwas nicht passiert.
Etwas Scharfes streifte den Arm des Kopfgeldjägers, veranlasste ihn dazu, herumzuwirbeln und zu einem geduckten Hieb auszuholen. Diesmal traf sein Schwert auf weicheren Widerstand, ein abgehackter Schrei durchdrang den Kampflärm, warmes Blut sprudelte über das glänzende Klingenblatt. Blitzschnell zog der erfahrene Kämpfer die Waffe aus dem Körper des sterbenden Mannes, doch seine Füße stießen dabei gegen ein Tischbein. Diesmal half auch kein Ausfallschritt, einem schweren Mehlsack gleich polterte Guthwulf zu Boden. In seinem Kopf tanzte der Teufel des Alkohols seinen hysterischen Freudentanz, während der Kopfgeldjäger sich auf den Rücken rollte. Ein schwarzer Schemen stürmte schreiend auf ihn zu, versuchte ihm seine Waffe aus der Hand zu prellen, doch Guthwulf zog ihm mit einem kraftvollen Tritt die Beine unter dem Körper weg. Während der Schatten krachend auf die Bretter ging, traf etwas verdammt Hartes den Wolf an der Schulter. Schmerz rollte einer Sintflut gleich durch seinen Arm, seine Hand wurde taub, konnte das Schwert nicht mehr halten. Ein weiterer Schlag traf den Jäger in der Seite, am Oberschenkel, dann an der Schläfe. Die Welt löste sich in einer Milliarde feuriger Sterne auf, ein jeder ein eigenes Universum der Pein. Die Hiebe prasselten nun einem Trommelfeuer auf Guthwulf ein, er wurde hochgehoben und durch den Schankraum geworfen. Holz splitterte und brach unter der Wucht seines Aufpralls, dann waren die Schemen wieder über ihm, setzten ihr brutales treiben fort. Der alte Kopfgeldjäger schmeckte Blut. Schmerz spürte er nicht mehr, sein Körper fühlte sich an wie ein unförmiger Sack aus blutigem Fleisch und zertrümmerten Knochen. Jeder Atemzug war eine Herausforderung, ein fast aussichtsloser Kampf gegen den stärker werdenden Wunsch, loszulassen. Guthwulf ließ nicht los. Sein ganzes Leben lang hatte er nicht losgelassen, hatte sich mit der störrischen Verbissenheit eines Raubtieres durch jede Widrigkeit geschlagen, die die Welt für ihn bereitgehalten hatte. Diese Tracht Prügel bildete da keine Ausnahme.
Als die Schläge schließlich verebbten, war der Kopfgeldjäger zu keiner Bewegung mehr fähig. Er spürte nicht, wie ihm seine Widersacher Schwertgurt, Bogen und Köcher abnahmen, sah aber, wie jemand ihm seine Waffe unter spöttischem Gelächter vor die zugeschwollenen Augen hielt.

„Es ist vorbei Guthwulf. Dein Revier ist verloren. Ein neuer Wolf führt nun das Rudel.“
Kids Stimme klang fern, so unendlich fern.
„Wir sehen uns in der Hölle, alter Lehrmeister.“
Die Gestalten entfernten sich, ließen einen zerstörten Schankraum voller zerbrochenen Stühlen, gesplitterten Tischen und einem schwer verletzten alten Mann zurück. Verletzt, nicht tot. Vielleicht hatten die jungen Burschen gerade den größten Fehler ihres Lebens gegangen. Während Guthwulfs Sinne schwanden dachte er daran, dass Kids Worte sich erfüllen würden. Sie würden sich in der Hölle sehen. Und er würde dafür sorgen dass die Hölle des jungen Kriegers ein Ort auf dieser Welt sein würde…

zugelassen
11.05.2003, 11:17 #5
I-Guthwulf-I
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NPC und Quest-Charaktere -
Name: Guthwulf

Alter: 38

Skills: Einhand 2, Doppelschwert 2, Armbrust 2, Schleichen 2

Waffe: variierend

Kleidung: Zerschlissene Lederrüstung, altes Cape aus dem gleichen Material, breitkrempiger Hut

Erscheinungsbild: Guthwulf ist groß und von hagerem Körperbau, viele Jahre der Arbeit als Kopfgeldjäger unter freiem Himmel haben seine Haut braun und lederartig werden lassen. Sein kurzes, strohblondes Haar wird meistens von einem breitkrempigen Hut bedeckt, unter dem ein verkniffenes, stoppelbärtiges Männergesicht hervorblinzelt.


Geschichte:
Kalt und scharf rann der Alkohol die gefühllose Kehle hinunter, goldene Glut, brennendes Lebensfeuer, heiß, ätzend und schmerzlich vertraut. Er war das Zentrum seines Universums, die gleißende Sonne seines gesamten Seins, sein Motor, sein Treibstoff und sein Todesurteil. Er war verflüssigtes Verderben, und doch konnte er ihm nicht entfliehen, musste ihn mit seinen schwieligen, dreckverkrusteten Händen umklammern wie ein Ertrinkender das rettende Seemannstau.
Trübe schwappte der Schnaps in seinem grob gebrannten Tonbecher, der einzig ruhende Pol in einer Welt deren Angeln von den unsichtbaren Händen des Alkohols längst in ein drehendes Schreckenskarussel verwandelt worden war. Den Mann, dessen Gesicht sich in der güldenen Flüssigkeit spiegelte, erkannte er nur vage. Die aufgeweckten, eiskalt blitzenden Augen hatten ihre Kraft längst verloren, waren zu trübe dreinblickenden, stahlgrauen Spiegeln der eigenen Trunkenheit geworden, jahrelange Sonneneinstrahlung hatten die einst makellose Haut eines Frauenhelden schmutzigbraun und faltig werden lassen, in den zerzausten, strohblonden Haaren zeigten sich erste Strähnen eines ausgelaugten, tristen Grautons.
Ja, einst war er ein anderer Mann gewesen. Wolf hatte man ihn genannt, und ein Wolf war er gewesen. Zahllose Krieger hatte er gestellt und besiegt, zahllose Goldmünzen waren in seinen nun leeren Lederbeutel gewandert, die schmutzige Prämie für die schmutzigen Köpfe der Geächteten, mitgeschleppt in einem blutgetränkten Stoffsack. Guthwulf, der Wolf von Gorthar. Pah.
Die Miene des Mannes verzog sich zu einer bitteren Grimasse als er den Rest des Reisschnapses mit einem einzigen Schluck hinunterstürzte. Mieses Gesöff, doch das einzige, was ein Kerl wie er sich leisten konnte. Das Kopfgeld des letzten Auftrages war gering gewesen, reichte nichteinmal für einen segensreichen Rausch des Vergessens. Jetzt holten seine Gedanken ihn ein, quälten ihn mit der Erinnerung an bessere Zeiten, an Zeiten der Jugend, der Kraft und des Reichtums. Er hatte niemals geizen müssen, sein Schwert hatte ihm schneller neues Gold eingebracht als er es hatte ausgeben können. Das war sein Verhängnis gewesen.
Konnten Menschen zuviel Geld besitzen? Verdammt, ja, sie konnten. Wäre er nicht so gottlos gut in seiner Arbeit gewesen hätte er dem Alkohol vielleicht abschwören können. Vielleicht hätte er auf seine Frau gehört. Vielleicht hätte sie ihn dann auch nicht verlassen.
Krachend wurde ein neuer Becher auf den Tisch gestellt, ein paar Tropfen schwappten über den Becherrand. Guthwulf verzog das Gesicht und blinzelte den Wirt unwirsch an. Dieser Narr sollte gefälligst aufpassen, er brauchte jeden einzelnen Schluck dieses widerlichen Zeugs.

„Macht drei Goldstücke.“ Die Stimme des Wirtes klang abwesend, die Bewegungen, mit denen er das Gold vom Tisch klaubte, zeugten jedoch von unersättlicher Gier. Verdammte Hyänen, konnten einem alten Wolf nichteinmal jetzt seine Ruhe lassen. Schweigend trank der Kopfgeldjäger seinen Schnaps, während sich der stickige Schankraum der schäbigen Taverne immer weiter mit dem Abschaum der Stadt füllte. Bald schon verdrängte rauhes Gebrüll die nachmittägliche Stille, derbe Witze und schallendes Gelächter verwandelten die Taverne „Zum klingenden Goldstück“ in eine apokalyptische Lärmhölle. Guthwulf bemerkte es nicht, zu sehr war er mit seinen eigenen, zähflüssigen Gedanken beschäftigt.
„Hey, Wolf!“
Augenblicklich rutschte die Welt in ihre Fugen zurück. Instinktive Aufmerksamkeit durchdrang den Schleier der Trunkenheit, sehnige Muskeln spannten sich unmerklich unter der zerschlissenen Lederrüstung, in den stahlgrauen Pupillen blitzte es auf. Mit keiner Bewegung reagierte Guthwulf auf den Zuruf, nichteinmal sein Atemrhythmus beschleunigte sich, und das obwohl er genau wusste, dass Ärger im Verzug war. Im Schankraum wurde es merklich stiller, der Kopfgeldjäger konnte das metallische Klacken schwerer Kampfstiefel auf den morschen Holzbohlen der Taverne deutlich hören. Ihrer Frequenz nach zu urteilen mussten es mindestens drei Personen sein, die sich da ihren Weg durch den Schankraum bahnten. Verdammt, er hätte weniger trinken sollen.
Ein Schatten fiel auf den kreisrunden Tisch, an dem Guthwulf sich niedergelassen hatte. Das durchdringende Aroma von billigem Duftwasser stieg ihm in die Nase. Der Wolf hielt seinen Blick weiter starr auf den geleerten Becher gerichtet.

„Na sieh mal an, wen wir hier haben. Wie lange ist es her, Guthwulf?“
-„Verzieh dich, Kid.“
Die Stimme des Kopfgeldjägers klang so kalt und rau wie eh und je. Eine Sekunde lang herrschte tatsächlich Stille, dann jedoch lachte jemand hinter ihm amüsiert auf. Ein junger Mann umrundete den Tisch und setzte sich auf den gegenüberliegenden Stuhl. Braune, schulterlange Haare fielen auf eine Rüstung aus beschlagenem Leder, umrahmten das feingeschnittene Gesicht eines grinsenden Jünglings. Blaue Augen funkelten unter erwartungsvoll gehobenen Brauen. Es war das Funkeln eines Raubtiers bei der Jagd. Die Frage, wer die Beute sein sollte, stellte sich jedoch erst gar nicht.
„Nanana, Wolf, begrüßt man so seinen alten Schüler? Sehr unhöflich von dir.“
Guthwulf starrte schweigend auf seinen Becher.
„Du trinkst also immer noch.“ Kid schüttelte den Kopf in gespieltem Bedauern. „Du bist alt geworden, Wolf. Zu alt.“
-„Bist du gekommen, um mich zu verspotten?“
„Das ist gar nicht nötig, schau dich doch an.“ Kid erhob sich wieder. Seine Mundwinkel waren verächtlich heruntergezogen. „Ein dreckiger Bettler, mehr bist du nicht. Deine Zeit ist um, Guthwulf. Ich bin nun an der Reihe.“
-„Lauf zurück zu deiner Mutter Kid. Sie vermisst dich sicher schon.“
Guthwulf brauchte das Geräusch von aus der Scheide fahrendem Metall gar nicht hören um zu wissen, was nun kam. Ruckartig sprang er auf, die Hände unter den Tisch gepresst, um das schwere Holzstück kraftvoll umzuwerfen. Kid taumelte zurück, doch er war nicht allein. Aus den Augenwinkeln sah Guthwulf das Blitzen der Schwertklinge. Instinktiv sprang er zurück, sein rechter Fuß ruckte nach oben, trat dem keuchenden Kontrahenten mit schwerem Stiefel in die Magengegend. Die Welt begann sich zu drehen. Unter dem Einfluss des Alkohols wurden Bewegungen zu verwaschenen Farbschlieren, Personen zu schemenhaften Gestalten, doch der alte Kopfgeldjäger würde so schnell nicht aufgeben. Seine behandschuhte Hand glitt von der vertrauten Wolfskopfform des Schwertknaufs zum Griff der Waffe. Schleifend fuhr sie aus der abgewetzten Lederscheide, keine Sekunde zu früh, denn schon musste der Wolf sich gegen die heftigen Attacken eines weiteren Angreifers erwehren. Guthwulf parierte die Hiebe mit dem Instinkt eines Veteranen, sein Blickfeld war stark verengt, in seinem Kopf hatte sich ein ganzer Schwarm Schlupfwespen eingenistet, die seinen Geist in eine dröhnende Messingglocke verwandelten. Verdammter Reisschnaps! Mit Bier wäre ihm so etwas nicht passiert.
Etwas Scharfes streifte den Arm des Kopfgeldjägers, veranlasste ihn dazu, herumzuwirbeln und zu einem geduckten Hieb auszuholen. Diesmal traf sein Schwert auf weicheren Widerstand, ein abgehackter Schrei durchdrang den Kampflärm, warmes Blut sprudelte über das glänzende Klingenblatt. Blitzschnell zog der erfahrene Kämpfer die Waffe aus dem Körper des sterbenden Mannes, doch seine Füße stießen dabei gegen ein Tischbein. Diesmal half auch kein Ausfallschritt, einem schweren Mehlsack gleich polterte Guthwulf zu Boden. In seinem Kopf tanzte der Teufel des Alkohols seinen hysterischen Freudentanz, während der Kopfgeldjäger sich auf den Rücken rollte. Ein schwarzer Schemen stürmte schreiend auf ihn zu, versuchte ihm seine Waffe aus der Hand zu prellen, doch Guthwulf zog ihm mit einem kraftvollen Tritt die Beine unter dem Körper weg. Während der Schatten krachend auf die Bretter ging, traf etwas verdammt Hartes den Wolf an der Schulter. Schmerz rollte einer Sintflut gleich durch seinen Arm, seine Hand wurde taub, konnte das Schwert nicht mehr halten. Ein weiterer Schlag traf den Jäger in der Seite, am Oberschenkel, dann an der Schläfe. Die Welt löste sich in einer Milliarde feuriger Sterne auf, ein jeder ein eigenes Universum der Pein. Die Hiebe prasselten nun einem Trommelfeuer auf Guthwulf ein, er wurde hochgehoben und durch den Schankraum geworfen. Holz splitterte und brach unter der Wucht seines Aufpralls, dann waren die Schemen wieder über ihm, setzten ihr brutales treiben fort. Der alte Kopfgeldjäger schmeckte Blut. Schmerz spürte er nicht mehr, sein Körper fühlte sich an wie ein unförmiger Sack aus blutigem Fleisch und zertrümmerten Knochen. Jeder Atemzug war eine Herausforderung, ein fast aussichtsloser Kampf gegen den stärker werdenden Wunsch, loszulassen. Guthwulf ließ nicht los. Sein ganzes Leben lang hatte er nicht losgelassen, hatte sich mit der störrischen Verbissenheit eines Raubtieres durch jede Widrigkeit geschlagen, die die Welt für ihn bereitgehalten hatte. Diese Tracht Prügel bildete da keine Ausnahme.
Als die Schläge schließlich verebbten, war der Kopfgeldjäger zu keiner Bewegung mehr fähig. Er spürte nicht, wie ihm seine Widersacher Schwertgurt, Bogen und Köcher abnahmen, sah aber, wie jemand ihm seine Waffe unter spöttischem Gelächter vor die zugeschwollenen Augen hielt.

„Es ist vorbei Guthwulf. Dein Revier ist verloren. Ein neuer Wolf führt nun das Rudel.“
Kids Stimme klang fern, so unendlich fern.
„Wir sehen uns in der Hölle, alter Lehrmeister.“
Die Gestalten entfernten sich, ließen einen zerstörten Schankraum voller zerbrochenen Stühlen, gesplitterten Tischen und einem schwer verletzten alten Mann zurück. Verletzt, nicht tot. Vielleicht hatten die jungen Burschen gerade den größten Fehler ihres Lebens gegangen. Während Guthwulfs Sinne schwanden dachte er daran, dass Kids Worte sich erfüllen würden. Sie würden sich in der Hölle sehen. Und er würde dafür sorgen dass die Hölle des jungen Kriegers ein Ort auf dieser Welt sein würde…

zugelassen
11.05.2003, 13:15 #6
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Langsam lüftete sich der Schleier der alles bedeckenden Dunkelheit, Risse bildeten sich in der unendlichen Welt der Schwärze, schmale Lichtlanzen durchstießen die Decke der Bewusstlosigkeit, rissen den erschöpfte darunter schlummernden Geist aus seiner Apathie, zogen ihn unerbittlich höher, immer weiter dem glitzernden Meeresspiegel der realen Welt entgegen. Mit dem Bewusstsein kam der Schmerz. Blitzende Wellen der Pein zuckten durch jede Faser des zerschlagenen Menschenkörpers, gleißende Tentakel der Agonie peitschten den schlaftrunkenen Geist fast wieder in die Ohnmacht während jeder Nerv, jeder Muskel und jedes Organ mit schmerzhafter Nachdrücklichkeit nach Ruhe verlangten.

Guthwulfs Augen öffneten sich. Langsam, fast als müsste jeder Millimeter sorgfältig durchdacht werden, schoben sich die faltigen Lider nach oben, gaben schmale, schlitzförmige Ausschnitte zweier stahlgrauer Pupillen frei. Eine kleine Stubenfliege krabbelte über das stoppelbärtige Kinn des regungslos auf der groben Stoffmatratze liegenden Mannes, erklomm ohne Eile den kantigen Hügel des rechten Wangenknochens, während ihr kleiner Saugrüssel sich an den winzigen Schweißtropfen labte, die das sonnengebräunte Antlitz des alten Kriegers benetzten. Guthwulf spürte das Insekt seinen Hals hinunterwandern, doch er machte sich nicht die Mühe, nach ihr zu schlagen. Nicht dass er es gekonnt hätte. Jedes seiner Glieder fühlte sich an wie ein aufgedunsener Sack voller Schmerz, sein Schädel pochte, seine Kehle war trocken. Er brauchte ein Bier.
Langsam drehten sich die Augäpfel in ihren schattigen Höhlen, unterzogen die nähere Umgebung einer genauen Musterung.
Der Raum, in dem das einfache Bett stand, auf dem er lag, war klein und ganz aus dicken, grobschlächtigen Holzbohlen gezimmert. In der Nähe der Tür befand sich eine kleine Kommode, deren hölzerne Schubladen von dem goldenen Licht gesprenkelt wurden, welches durch das rechteckige Fenster an der gegenüberliegenden Wand zu finden war. Irgendwo zwitscherte ein Vogel. Sein melodischer Gesang und das leise, verhaltene Wispern des Windes waren die einzigen Geräusche, die den erwachten Wolf begrüßten.
Guthwulf versuchte sich aufzurichten. Vorsichtig spannte er Arm- und Bauchmuskeln, wartete geduldig bis der brennende Schmerz auf ein erträgliches Maß abschwoll, stützte sich dann langsam auf die Ellbogen, bevor er sich unter nicht unbeträchtlicher Pein in eine sitzende Haltung erhob. Als er sich erschöpft an die Zimmerwand am Kopfende seines Bettes lehnte bemerkte er erst, dass er bei der gesamten Prozedur die Zähne mit aller Kraft aufeinander gebissen hatte. Zischend ließ er die angehaltene Luft aus seinen Lungen entweichen, lehnte sein verschwitztes Haupt gegen das braune Hartholz und gönnte sich einige Sekunden der Ruhe, bevor er es wagte, an sich herunterzusehen.
Einen Augenblick später wünschte er sich, er hätte es bleiben lassen. Irgendjemand hatte fast seinen gesamten Körper in faserige Leinen gebunden. Beide Arme sowie das linke Bein waren bandagiert, der Brustkorb war in besonders dicke Verbände gewickelt, deren schmutzigweißer Stoff an mehreren Stellen rötlich schimmerte. Hier schien sich auch das Zentrum seines Universums der Agonie zu befinden. Guthwulf gab ein unwirsches Brummen von sich. Diese Söhne einer räudigen Hündin hatten ihn verdammt übel erwischt. Solange er zurückdenken konnte hatte er sich nicht einmal annähernd so schwach gefühlt wie an diesem Morgen. Würde ne ganze Weile dauern bevor der olle Wolf wieder auf die Jagd gehen konnte. Tja, Schicksal, besser man fand sich damit ab.
Ein metallisches Klacken riss Guthwulf aus seinen Gedanken. Jemand drehte den Schlüssel in der Tür, dann wurde die Klinke heruntergedrückt, gefolgt von einem entsetzten Schrei.

"Bei allen Göttern, legt Euch wieder hin!"
Bevor Guthwulfs Hirn die Information dieser Botschaft überhaupt verarbeiten konnte, stürmte eine dickliche, in ein grobes Leinenkleid und eine dazu passende schmutzige Kittelschürze gekleidete Frau in den Raum und drückte den Wolf unter einem ganzen Schwall wütend-besorgter Worte zurück auf die Stoffmatratze. Während sie seine Bandagen untersuchte, konnte der Kopfgeldjäger nicht umhin, sie von Kopf bis Fuß zu mustern.
Sie war jünger als er, auch wenn sie ihre besten Jahre offensichtlich bereits hinter sich hatte. Blaue Wasseraugen blitzten aus einem rundlichen Gesicht hervor, welches früher einmal schön gewesen sein mochte, im Laufe des Lebens jedoch ein wenig zuviel Speck angesetzt hatte. Eine weiße Kopfhaube bedeckte einen festen Knoten schwarzen Haares, von dem lediglich zwei gewissenhaft herausgekämmte Locken zu sehen waren, welche die Pausbacken der Frau zwei stummen Wachen gleich flankierten. Der füllige Körper war der einer leidenschaftlichen Köchin, doch die geschickten, schmalen Finger ließen Guthwulf vermuten, dass er sich hier in der Gesellschaft einer Schneiderin befand.

"Da hats Euch aber ziemlich erwischt guter Mann..." Die Frau hatte während der Begutachtung der Wunden nicht eine Sekunde lang aufgehört zu reden. "...ein Wunder dass Ihr überhaupt noch lebt. Ei ei nun seht Euch mal das an...hmmm...die Wunden verheilen gut. Ihr habt Glück, bei mir gelandet zu sein."
Die Dame hatte sich erhoben, kramte kurz in der Kommodenschublade und kehrte schließlich mit frischem Verbandszeug zurück. Schweigend ließ der in die Jahre gekommene Kopfgeldjäger sie gewähren, als sie die Bandagen mit vorsichtiger Routine von seinem hageren Leib löste und sie anschließend durch neue Leinentücher ersetzte. Ihre Bewegungen waren schnell und sorgfältig, die Verbände straff, doch nicht schmerzend.
"Bewegt den rechten Arm." Guthwulf tat, wie ihm geheißen und streckte seinen Arm waagerecht von sich. Die Bandagen behinderten ihn dabei nicht, im Gegenteil schienen sie ihn zu unterstützen. Die Frau nickte, dann hob sich ihr Blick zum ersten Mal seit sie den Raum betreten hatte. Warme, aufgeweckte Augen zwinkerten dem abgehalfterten Krieger schelmisch zu.
"Das klappt doch schon ausgezeichnet. Bald werdet ihr auch wieder aufstehen können. Achja, mein Name ist Adana."
Adana. Ein hübscher Name, auch wenn der Wolf sich nichts aus Religion machte. Für ihn war Adanos nicht mehr als ein leeres Wort, er hatte sich nie mit den Lehren der Götter auseinandergesetzt und wusste daher auch nicht über ihren Ursprung Bescheid.
"Guthwulf." Der Kopfgeldjäger schüttelte die dargebotene Hand. Das Lächeln der Frau verbreiterte sich.
"Ich muss gestehen, zu Anfang war ich nicht sicher, ob ich Euch wieder zusammenflicken kann. Ihr besitzt jedoch gutes Heilfleisch."
-"Aye." Guthwulf sah sich noch einmal im Zimmer um. Tür, Kommode, Fenster, Frau. Kein Schrank. "Wo sind meine Sachen?"
-"Die hab ich gewaschen. Total verdreckt und voller Blut waren sie. Liegen in der Küche, ich werd' sie Euch geben wenn Ihr wieder laufen könnt." Das Lächeln der Frau war unermüdlich. Langsam begann der Wolf sich wohl zu fühlen. Trotzdem, eine wichtige Frage war noch immer offen.
"Warum habt Ihr mir geholfen?"
Adana war damit beschäftigt, die schmutzigen Bandagen zusammenzurollen. Als sie antwortete, sah sich nur einmal kurz von ihrer Arbeit auf.
"Ihr brauchtet Hilfe. Ich bin kein Unmensch, Herr Guthwulf, ich kann es nicht leiden, Männer auf dem Boden verbluten zu sehen, vor allem nicht, wenn sie vor meiner Haustür liegen. Und ausserdem...könnte es sein, dass ich Eure Hilfe benötige."
Die Augen des Kopfgeldjägers verengten sich.
"Meine Hilfe?"
Die Frau schüttelte den Kopf und erhob sich.
"Darüber sprechen wir ein anderes mal. Ihr habt fast eine ganze Woche lang geschlafen, und Ihr benötigt noch einige weitere Tage der Ruhe. Schlaft jetzt, und kuriert Eure Wunden. Ich werde Euch mit allem versorgen, was nötig ist um Euch wieder gesund werden zu lassen. Gute Nacht, Wolf."
Die Tür wurde zugeschoben, die Schritte verhallten. Zurück blieb ein erschöpft-verwirrter Guthwulf. Wolf. Sie hatte ihn Wolf genannt. Das konnte ja noch heiter werden.
12.05.2003, 13:31 #7
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
Habt ihr noch Platz für nen Zweitaccount? -
Bei der Erstellung meines Chars habe ich dir sowie auch Medi eine ICQ-Message geschickt, in der ich ausgeführt hab um wen es sich bei Guthwulf handelt. Ich habe keine Ahnung warum die nicht angekommen ist, aber irgendwie scheinen meine Messages bei dir allesamt nicht anzukommen, muss wohl irgendein Fehler im ICQ Server oder weiß der Geier wo sein. Naja, steig ich halt auf die guten alten PMs um. *gg*

So, jetzt zu einer anderen Sache.
In meinem Elan, eine Idee zu verwirklichen hab ichs mal wieder zu eilig gehabt, und diesen Char bei einer Gilde angemeldet, ohne daran zu denken, dass er für die Quest, für die er eigens kreiert wurde, einen bestimmten Skill, nämlich den Umgang mit der Armbrust, beherrschen muss. Als Schürfer dürfte ihm dies allerdings schwerfallen.;)
Deshalb muss ich Guthwulf leider wieder aus der Gilde Lees nehmen und ihn zu einem Questchar ohne Rangentwicklung machen. Ich weiß dass das wieder ne superblöde Aktion von mir war, aber ich kanns leider auch nicht mehr ändern, sorry dass ich euch solchen Stress hier mache.

Also, war ne tolle Zeit hier bei Euch, wir sehen uns sicher im RPG (wenn auch meistens auf verschiedenen Seiten des Schlachtfelds ;)).
Haltet die Ohren steif.

MfG,
Guthwulf, nunmehr gildenloser NPC
12.05.2003, 15:00 #8
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Schweigend hockte Guthwulf in der kleinen Küche des Hauses der Schneiderin, den bandagierten Körper weit zurückgelehnt, die nackten Füße achtlos auf der Tischplatte übereinandergelegt. In der Hand hielt der alte Kopfgeldjäger einige getrocknete Tabakblatter, auf die er ohne eile bräunliche Fasern derselben Pflanze häufte. Mit langsamen, drehenden Bewegungen der Finger sorgte er dafür, dass sich der Tabak in einer länglichen Senke sammelte. Die Nachmittagssonne schien durch die geöffneten Fensterläden, in das melodische Zwitschern der Vögel mischten sich die weit entfernten Geräusche des geschäftigen Treibens auf den Straßen der Hafenstadt Khorinis.
Auch Adana würde sich gerade ihren Weg durch die Massen des Pöbels bahnen, auf der Suche nach einem "Freund", wie sie dem Wolf freundlich erklärt hatte, als sie sich am Morgen für die Stadt zurechtgemacht hatte. Guthwulf war es einerlei gewesen. Er legte keinen Wert auf Gesellschaft, und wer wüsste es schon, vielleicht würde sie sogar einen Schlauch Bier für ihn mitbringen. Seit der Kneipenschlägerei saß der stoppelbärtige Jäger auf dem Trockenen, sein Körper, ungewohnt frei von Alkohol, strengte sich nun an, ihm als Ausgleich dafür um so mehr Schmerzsignale zukommen zu lassen. Guthwulf registrierte die Botschaften seines Leibes mit der Gleichgültigkeit eines Veteranen, der schon unzählige Male verwundet worden war. Die Schnitte würden sich schließen, die Knochen wieder verwachsen. Der Schmerz war ein Zeichen dafür, dass es bergauf ging.
Mit routinierter Sorgfalt drehten die schwieligen Finger den Tabak zu einer dünnen, etwa mittelfingerlangen Stange, der dann langsam an Guthwulfs rissige Lippen wanderte. Mit der linken Hand griff der Kopfjäger nach einer Kerze, hielt dann die flackernde an das Ende des Stengels, um die Pflanzenfasern zu entzünden. Bläulicher Rauch entwich den Mundwinkeln des hageren Mannes, als er die Kerze wieder zurückstellte.
"Jägerpfeife", so wurde dieses Gebilde in den Kreisen genannt, in denen Guthwulf normalerweise verkehrte. Menschen wie er hatten weder das Geld noch die Zeit, sich eine richtige Pfeife anzuschaffen, ausserdem würde ein solches Gebilde in einem Beruf wie dem seinigen sowohl hinderlich aus auch extrem zerstörungsgefährdet sein. Sein Vater hatte ihm damals beigebracht, sich lediglich aus den Tabakblättern einen Stengel zu drehen, den er auch während der Jagd bequem rauchen konnte. Bei den Kopfjägern war dieser Brauch weit verbreitet.
Knisternd fraß sich die Glut den Tabak hinauf, beißender Rauch strömte in die menschliche Lunge, sorgte dort für ein merkwürdig wohliges, entspannt-ziehendes Gefühl. Der Wolf behielt den Dunst mehrere Sekunden lang in seinem Körper, bevor er ihn langsam wieder ausatmete. Ein Geräusch an der Tür erregte seine Aufmerksamkeit. Jemand drehte den Schlüssel im Schloss, dann wurde die Klinke heruntergedrückt, und Adana trat in die Küche. Ihr Kleid war nass, also musste des geregnet haben. das weiße Tuch, mit dem sie für gewöhnlich ihre Haarpracht bedeckte, war völlig durchgeweicht, die Frisur teilweise aus der Form gefallen, so dass die Frau den Anschein des sprichwörtlichen begossenen Pudels erweckte.
Doch nicht sie war es, die Guthwulf interessierte. Adana war nicht allein gekommen. Hinter ihr war ein älterer, breitschultriger Mann in das Haus getreten. Sein weißes Haar sowie sein kurzer Bart konnten über die wachen, harten Augen nicht hinwegtäuschen, die die beiden Seiten der schmalen Hakennase flankierten. Unter dem beschlagenen Lederharnisch der Stadtwache zeichnete sich ein kräftiger Körper ab, die dicke, in einen groben Lederhandschuh gehüllte Hand war auf den Knauf eines kurzen Breitschwerts gelegt, während die andere noch an der Türklinke verharrte, um diese mit einem Ruck zuzuziehen.

"Du bist schon auf, Guthwulf?"
-"Aye." Der Kopfgeldjäger ließ den Mann nicht aus den Augen. Was, bei allen verdammten Göttern, wollte ein Soldat Gorthars in diesem Haus? War er gekommen um ihn anzuklagen? Guthwulf war sich keines Verbrechens bewusst, es sei denn, das Kopfjagen wäre neuerdings als illegal erklärt worden.
Der Mann musterte den Wolf mit einem kalten, durchdringenden Blick, den der rauchende Krieger nicht weniger hart erwiderte.

"Das ist er?"
-"Ja."
Adana schien leicht beunruhigt. Die Autorität, die der Soldat ausstrahlte, schüchterte die Frau allem Anschein nach ziemlich ein. Weibsbilder.
Der Mann trat nun näher an Guthwulf heran, welcher weiterhin ungerührt auf dem Stehl lehnte, die Füße auf dem Tisch, die Hände vor der Brust verschränkt, im Wundwinkel die qualmende Jägerpfeife.

"Seid gegrüßt, Wolf." Der Stadtwächter streckte die Hand aus. der Kopfgeldjäger schüttelte sie mit kühler Gleichgültigkeit. "Mein Name ist Bort. Ich bin hier, um dafür zu sorgen, dass ihr wieder auf die Beine kommt."
-"Ich komme schon zurecht." Guthwulf mochte es nicht, wenn andere Menschen ihn als hilfsbedürftig betrachteten. Adana hatte ihm geholfen, als er Hilfe nötig gehabt hatte, gut. Dafür war er ihr etwas schuldig. Aber alles Weitere würde er allein schaffen. Es war nie gut, sich zu sehr in die Schuld anderer zu begeben, hatte sein Vater immer gesagt. Er hatte immer Recht gehabt.
Bort schien da anderer Meinung zu sein. Ein schmallippiges Lächeln zierte das alte Raubvogelgesicht, als er weitersprach.

"Hör dir doch ersteinmal an, was ich zu sagen habe. Ich habe dir ein Geschäft vorzuschlagen. Sei versichert, es wird nicht zu deinem Nachteil sein."
Der Kopfgeldjäger starrte dem Soldaten in die Augen. Für die Dauer einiger Sekunden verhakten sich ihre Blicke ineinander, zwei erfahrene Raubtiere, die ihren Gegenüber sorgfältig musterten. Jedes Anzeichen von Schwäche konnte zum Tod führen.
Doch der Augenblick verstrich, und die Situation entspannte sich.

"Sprich." Guthwulf zog gelangweilt an seinem Tabakstengel, während Bort sich ihm gegenüber am Tisch niederließ. Adana war im Schlafzimmer verschwunden.
"Nun gut, es geht um Folgendes: Adana hat dir dein Leben gerettet, dafür schuldest du ihr etwas. Des Weiteren bist du noch immer sehr schwach, ein Zustand, den ich zu ändern vermag. Ich bin Ausbilder bei der gorthanischen Armee und kann dir helfen, wieder stark und zäh zu werden, wie der Wolf, der du einmal warst."
-"Bist du Priester?"
Bort starrte den Kopfjäger verwirrt an. Als er sprach, kam seine Antwort zögernd.
"Nein, das bin ich nicht."
Sekunden der Stille verstrichen, in denen Guthwulf schweigend an seinem Stengel zog. Dann nahm er seine Füße langsam vom Tisch, lehnte sich vor und drückte den Stummel der Jägerpfeife direkt vor Borts gefalteten Händen auf der Tischplatte aus.
"Nur Priester bieten ihre Dienste aus Nächstenliebe an. Du erzählst mir nicht die volle Geschichte, Soldat. Wen soll ich für euch umbringen?"
Mit Befriedigung sah der alte Krieger, wie Borts Gesichtszüge zu entgleisen drohten. Dann verzog sich dessen bärtiger Mund zu einem breiten Grinsen. Die kalten Augen hatten einen freundlichen Glanz bekommen.
"Ich sehe, wir haben den richtigen Mann für unsere Mission ausgewählt. Du wirst sehen Wolf, wir werden prächtig miteinander auskommen. Die Einzelheiten des Auftrages kann ich dir jedoch noch nicht sagen. Soviel sei aber verraten - es wird ein Gesetzloser sein, den du jagen sollst. Du brauchst also keine Angst zu haben Probleme mit dem Militär zu bekommen."
Guthwulf musterte den zerdrückten Tabakstengel. Die glühende Asche hatte einen dunklen Fleck auf der Tischplatte hinterlassen. Als der Kopfgeldjäger den Kopf wieder hob, waren seine Augen zu schmalen Schlitzen verengt.
"Wieviel ist dir die Sache wert?"
Bort begann schallend zu lachen. Der Wolf hatte die Fährte also aufgenommen.
12.05.2003, 18:16 #9
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Guter Stoff.
Prüfend fuhr Guthwulfs Hand über den Ärmel seines hellbraunen Leinenhemdes, betrachtete dann die gleichfarbige Hose, dann die fast kniehohen Lederstiefel. Ja, das sollte als Trainingskleidung wohl ausreichen.

"Fein siehst du aus."
Adanas pausbäckiges Gesicht war zu einem freundlichen Lächeln verzogen. Zufrieden musterte sie den in die Jahre gekommen Kopfgeldjäger.
"Habe ich deine Größe wohl richtig eingeschätzt. Sehr schön. Nun komm mit."
Die füllige Frau verließ das Schlafgemach, durchquerte die Küche, und trat hinaus ins Freie. Guthwulf konnte die Regenschlieren durch das Fenster sehen. Verdammtes Mistwetter da draußen. Kurzerhand stapfte er hinüber zur Kommode, wo er nach seinem alten, breitkrempigen Lederhut griff. Ohne Eile zog er ihn sich auf dem Kopf zurecht, bevor er seiner Gastgeberin dann folgte. Die Luft war frisch und feucht, der Himmel grau, und der Geruch von verrottendem Gemüse und altem Fisch hing in der Luft. Adana hatte vor der Tür auf ihn gewartet. Der Wolf sah, dass sie fröstelte. Es war ihm egal.
"Nun komm schon, ich werde ganz nass."
Die Frau verriegelte die Tür und bedeutete Guthwulf, ihr zu folgen. Gemeinsam umrundeten sie das Haus, an dessen Rückseite ein einfacher Bretterverschlag angebaut worden war. Die morsche Eingangstür war mit einem schweren, im Laufe der Jahre rostig gewordenen Vorhängeschloss gesichert, an dessen Schlüsselöffnung Adana sich nun zu schaffen machte. Guthwulf sah ihr teilnahmslos dabei zu, während das Regenwasser in dicken Tropfen von seinem Schlapphut tropfte, sich auf sein frisches Leinenhemd ergoss und den Stoff an Schultern und Brust durchtränkte. Ein metallisches Klicken ertönte, dann schwang die Tür quietschend nach innen, gab den Weg in eine verstaubte Abstellkammer frei. Adana beeilte sich aus dem Regen zu kommen, und der Kopfgeldjäger folgte ihr. Drinnen bückte sich die füllige Frau und griff nach einem am Boden befestigten Metallring.
"Schließ die Tür."
Schweigend tat Guthwulf, wie ihm geheißen, ließ seine Führerin dabei jedoch nicht aus den Augen. Diese zog mit kräftig in den Boden gestemmten Beinen an dem Eisenring. Ein kreischendes Geräusch ertönte, als rostige Scharniere sich protestierend bewegten. Der Eisenring war an einem ziemlich gut in den Boden eingepassten Lukendeckel befestigt gewesen, den Adana nun mit ihrer ganzen Körperkraft zwang, ein rechteckiges, fast stockfinsteres Loch freizugeben. Mit müdem Interesse verfolgte er die Anstrengungen der Dame.
"Na also." Adana schnaubte. Feine Schweißperlen standen auf ihrem feisten Gesicht, als sie Guthwulf ansah. "Ziemlich alt, unser Versteck, dafür aber sehr sicher. Bort erwartet dich unten."
Der Kopfgeldjäger machte keine Anstalten, sich zu bewegen.
"Unsere Vereinbarung steht?"
Die Frau nickte.
"Du wirst sowohl Waffen als auch das versprochene Gold bekommen. Vertraue mir, wenn wir dich tot sehen wollten, würdest du schon nicht mehr leben."
Das klang plausibel. Warum sollte sich diese Frau die Mühe machen, ihn hochzupäppeln, nur um ihn anschließend in einem dunklen Kellerloch verrecken zu lassen?
Der Wolf trat an die Bodenöffnung heran und spähte in die Dunkelheit. Im Zwielicht konnte er die obersten Sprossen einer alten Metallleiter ausmachen. Vorsichtig setzte er einen Fuß in das Loch, dann den anderen. Die Sprossen hielten. Guthwulf blickte zu Adana hinauf. Die Frau lächelte.

"Nein, ich komme nicht mit hinunter. Meine Aufgabe ist es, oben aufzupassen."
Der Kopfjäger nickte und machte sich an den Abstieg. Zehn, zwanzig, dreißig Sprossen in fast völliger Dunkelheit, als Begleiter nur das feuchte Plätschern eines weit entfernten Baches. Gab es Bäche unter der Erde?
Natürlich, die Kanalisation, du Trottel. Guthwulf kletterte weiter. Langsam wich die Finsternis einem schummrigen Zwielicht, aus dem wiederum das unruhige Flackern einer Fackel wurde. Als er seine Stiefel das nächste Mal auf festen Stein setzte, wurde er bereits erwartet.
Adana hatte nicht gelogen, die Leiter mündete in einen gewölbten Kanaltunnel, in dessen Mitte sich ein stinkender Abwasserstrom dahinwälzte. Wenige Meter neben der Leiter, auf dem schmalen Randsteig, stand Bort. In der linken Hand des Soldaten brannte eine Fackel, die rechte hatte er wie üblich auf den Knauf seines Schwertes gelegt. Der Stadtwächter lächelte.

"Ah, Wolf, da bist du ja."
Der Kopfgeldjäger trat von der Leiter weg, griff an seinen Hut und zog ihn vom Kopf, um das Regenwasser von dem alten Leder abzuschütteln.
"Nettes Versteck."
Bort grinste. "Du hast es doch noch garnicht gesehen. Oder glaubst du wir hausen in diesem stinkenden Kanalloch?"
Der Wolf setzte seinen Hut wieder auf sein Haupt. Falls der Soldat eine Antwort erwartete, so wurde er enttäuscht. Guthwulf hasste überflüssiges Gerede.
"Nun denn, folge mir."
Schweigend wanderten die beiden Gestalten durch die Kanalisation, zwei Schatten in einer Welt aus Dreck und Müll. Dies war die Kehrseite der so viel gerühmten menschlichen Zivilisation. Wieder einmal wurde Guthwulf bewusst, warum er ein provisorisches Schlaflager unter den ausladenden Ästen eines Baumriesen oder in einer verlassenen Waldhöhle dieser stinkenden Existenz inmitten einer gewaltigen Masse seiner Artgenossen jederzeit vorzog.
Die Reise dauerte nicht lang. Schon nach wenigen Metern bogen sie in einen schmalen Seitenstollen ab, welcher sie wiederum zu einem verlassenen, stillgelegten Seitenarm des Kanals führte. Hier befand sich eine schwere, mit dicken Eisenbändern beschlagene Holztür, deren einzige Verzierung ein wuchtiger Eisenring darstellte. Weder Schloss noch Klinke waren zu sehen. Bort bemerkte den Blick des Wolfes.
"Sicher ist sicher."
Er packte den Eisenring und schlug ihn gegen das Holz. Zweimal waren die Abstände zwischen den Schlägen kurz, viermal lang, dann dreimal kurz, einmal lang, schließlich noch dreimal kurz. Der Kopfgeldjäger schnaubte verächtlich. Diese Männer mussten paranoid sein, sich ein solches Zeichen auszudenken.
Schabende Geräusche ertönten als der Riegel auf der anderen Seite der Tür zurückgeschoben wurde, dann schwang das Holz- und Eisengebilde lautlos nach innen.

"Wir ölen die Scharniere jeden Tag." Der Stolz in Borts Stimme war nicht zu überhören.
-"Schön für euch."
Guthwulf trat durch die Türöffnung und in den angrenzenden Raum. Die Temperatur hier war spürbar höher, was wohl an den zahlreichen Fackeln lag, die an der kahlen Steinwand in ihren rostigen Wandhaltern hingen. Der Raum selbst war groß, aber nur karg möbliert. Beherrscht wurde er von zwei wuchtigen Holztischen, an denen jeweils ein halbes dutzend Männer saßen und offensichtlich damit beschäftigt waren, um Goldmünzen zu würfeln. Als sie den Kopfgeldjäger sahen, hielten sie inne. Guthwulf tippte sich mit dem Finger an den Hut.
"Meine Damen."
Die Männer starrten ihn weiterhin wortlos an. Der Wolf wandte sich ab. Mit diesen Burschen war offensichtlich nicht viel anzufangen.
"Folge mir, ich bringe dich zu den Übungsräumen."
Bort hatte die Tür geschlossen, ein anderer, mit einer klobigen Axt bewaffneter Kerl schob den Riegel vor. Gemeinsam durchquerten sie den Empfangssaal und von welchem ein schmaler, sehr langer Gang abzweigte, in dessen Seitenwänden in regelmäßigen Abständen Türen eingelassen waren. Aus einigen drang Gelächter, aus einigen das Klirren von Schwertern, aus wieder anderen die agonischen Schreie eines Menschen, der gerade Höllenqualen ausstand. Langsam erwachte Guthwulfs Interesse. Mit wem, verdammt nochmal, hatte er es hier eigentlich zu tun?
"Hier ist es." Bort fingerte an seinem Gürtel und förderte einen klimpernden, ringförmigen Schlüsselbund zutage, mit dem er sich am Schloss der Tür zu schaffen machte. Der dahinterliegende Raum war mindestens ebenso groß wie die Empfangshalle dieses Kanalverstecks, und offensichtlich als Übungsort für Kampftechniken aller Art gedacht. Mehrere humanoide Holzpuppen standen auf dem mit Stroh ausgelegten Boden, die Wände wurden von mehreren Regalen gesäumt, in denen sich Kampfstäbe, Holzschwerter sowie diverse Knüppel und Wurfmesser befanden. In einer Ecke lagen mehrere Eisenstangen unterschiedlicher Größe und Dicke, wohl zum Muskelaufbau gedacht, wie Guthwulf vermutete. Langsam schritt der Kopfgeldjäger durch den Raum, musterte die Übungspuppen, wog die Holzschwerter und prüfte die Schärfe der Wurfmesser. Bort hatte sich an einem wuchtigen, offensichtlich verschlossenen Schrank aufgehalten, dem er jetzt eine dicke Weste aus gesteppten Leder entnahm. Lässig warf er sie dem alten Wolf zu, welcher sie mit instinktiver Sicherheit aus der Luft fing.
"Zieh das an. Deine Wunden sind gerade erst verheilt, und wir wollen doch nicht, dass sie wieder aufbrechen."
Das klang vernünftig. Guthwulf steckte seine Arme durch die Ärmelöffnungen, dann knöpfte er die Weste an der Brustseite zu. Als er zu Bort hinübersah stand dieser breitbeinig in der Mitte des Raumes. Seinen Waffengurt hatte er abgenommen, in seiner Hand hielt er eines der hölzernen Übungsschwerter. Der Kopfgeldjäger ging zum nächsten Regal und klaubte sich ebenfalls eine der Waffen aus einer der Halterungen. Das Gewicht der Klingenattrappe war nach Wochen der Bettlägrigkeit ziemlich ungewohnt, aber der Wolf war sicher, er würde das Gefühl dafür wiedererlangen. Sein Kopf war klar, kein Bier, kein Schnaps vernebelte seine Sinne. Vielleicht war es doch eine ganz gute Idee von Adana gewesen, ihm jeglichen Alkohol zu verwehren.
Langsam trat Guthwulf an Bort heran, bis nur noch wenige Meter sie trennten, und ging dann in Wartestellung. Seine Hand wanderte zur Krempe seines Huts, seine Finger griffen das Leder, dann zog er die Kopfbedeckung ohne Eile vom kraushaarigen Haupt und warf sie zielsicher auf eines der Regale. Borts Falkengesicht verzog sich zu einem Grinsen.

"Bist du bereit?" Stahlgraue Augen funkelten den Stadtwächter an. "Ja, ich sehe du bist bereit. Wohlan, möge dein Training beginnen!"
13.05.2003, 17:00 #10
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Krachend knallte Holz auf Holz, gewissenhaft geschnitzte und sorgfältig glatt gehobelte Klingenblätter drückten sich gegeneinander, zwei stumme Kontrahenten, leblose Verlängerungen des Zorns ihrer Herren, im stillen Zweikampf vereint, nur um dann klappernd wieder voneinander abzulassen. Stahlgraue Augen blitzten zwischen zu schmalen Schlitzen verengten Augenlidern, verliehen dem verkniffenen, sonnengebräunten Antlitz eines alten Kriegers den Ausdruck erfahrener Kraft und Überlegenheit. Im Winkel des zusammengepressten Mundes steckte ein qualmender Tabakstengel, dessen rötliche Glut in unregelmäßigen Abständen hell aufleuchtete, ein steter Indikator, dass die Lippen sich gleich zu einem kurzen Zähnefletschen öffnen würden, um bläulichen Qualm aus der Mundhöhle in die Freiheit zu entlassen, dessen Aroma sich dem durchdringenen Schweißgeruch, der den weitläufigen Trainingsraum erfüllte, beimengte.
Es waren vier Männer, die ihre Kräfte an diesem von Fackeln erleuchteten Ort maßen. Der erste war ein breitschultriger, älterer Herr, dessen Raubvogelgesicht von einem dünnen, weißen Bart geziert wurde. Seine Kleidung wies ihn als Mitglied der Stadtwache aus. Der zweite war deutlich jünger, sein nackter Oberkörper narbenübersäht, sein Kopf kahlgeschoren. In den Händen hielt er eine klobige Keule aus Hartholz. Der dritte Mann war auf Anhieb nicht als Krieger zu identifizieren. Sein Leib war füllig, wenn auch noch nicht dick. Aus einem pausbäckigen Gesicht funkelten aufmerksame Schweinsäuglein. Wie der erste Mann trug er ein Holzschwert.
Ihnen gegenüber stand ein einzelner, hochgewachsener Mann mittleren Alters. Sein hagerer Körper wer gespannt, sein zerzaustes Haar schweißverklebt. Mißtrauisch beobachtete er seine drei Kontrahenten, ohne dabei jedoch auch nur einen Muskel zu bewegen. In seinem Mund steckte eine Jägerpfeife.
Der Kampf zwischen diesen vier Männern dauerte erst wenige Minuten, doch trotzdem atmeten sie alle bereits schwer. Die Gefechte wurden mit äußerster Heftigkeit geführt, und nur der Umstand, dass sie mit Holzwaffen kämpften hatte dafür gesorgt, dass sie noch allesamt am Leben waren. Trotzdem würde die Auseinandersetzung bald beendet sein, dessen war sich Guthwulf sicher. Er würde sie entwaffnen und bewusstlos schlagen. Der Kopfgeldjäger empfand kein Hochgefühl bei dem Gedanken an den bevorstehenden Sieg, er erfasste es mit der nüchternen Gelassenheit eines Mannes, der sein ganzes Leben bereits mit kriegerischen Tätigkeiten zugebracht hatte. Die ersten Minuten des Gefechts hatten ihm verraten, was er wissen musste. Die stahlgrauen Augen wanderten zu Hombarg, dem Narbigen. Seine Kraft war enorm, seine Geschwindigkeit jedoch ein Witz. Bort, der Stadtwächter war alt, seine Reflexe waren mit der Zeit langsamer geworden, und Igrom, das Schwein, schaffte es nicht, seine linke Seite ausreichend zu decken. Wenn er es richtig anging, würde der nächste Waffengang die Entscheidung bringen.

„Los!“
Borts Befehl hallte gellend durch den Raum. Die drei Männer griffen in einer fast synchronen Bewegung an, ihre drei hölzernen Waffen zerschnitten die Luft und rasten auf den alten Kopfgeldjäger zu. Dieser sprang nach links, entkam somit dem Aktionradius des Soldaten, dessen Angriff auf die rechte Flanke des Wolfes gerichtet war. Mit dem eigenen Holzschwert parierte Guthwulf den Hieb des Schweins, während er mit sich mit einer raschen Körperdrehung um den Leib den Narbigen wirbelte. Seine Holzkeule schlug wuchtig auf den Boden. Der Kopfjäger, nun in Hombargs Rücken, riss seinen Fuß nach oben, um dem Hünen kraftvoll in die durch seinen breitbeinigen Angriff ungeschützten Weichteile zu treten. Scheiß auf ehrenvolle Kämpfe. Hier zählte der Sieg.
Der Narbige ging stöhnend zu Boden, doch Guthwulf schoss bereits wieder nach vorn. Sein bestiefelter rechter Fuß setzte auf dem gekrümmten Rücken des Keulenschwingers auf, benutzte ihn als eine Art Kasten, um sich dann mit einem gewaltigen Satz über die Köpfe der heranstümenden Kontrahenten hinwegzusetzen. Ein geschickter Salto in der Luft, dann klackten die Steifelabsätze wieder auf festem Steinboden. Das Holzschwert beschrieb einen Sichelförmigen Bogen und krachte klappernd gegen die Schläge des Schweins. Die Wucht des Schlages schleuderte Ingrom gegen eine nahe Regalwand. Sein Schwert flog durch die Luft. Der Wolf warf seinen Körper nach rechts, rollte sich über dem Boden ab und kam mit ausgestreckter hand wieder auf die Beine. Seine Finger schlossen sich um den schweißnassen Griff des herbeifliegenden Schwertes.
Bort hatte die Zeit genutzt um Kräfte für seine nun folgende Attacke zu sammeln, mit beiden Händen jagte er seine Holzklinge senkrecht nach unten. Guthwulf kreuzte seine Klingen und fing den Hieb ohne Mühe ab. Mit dem linken Bein trat er wuchtig gegen Borts Kniescheibe. Der Stadtwächter schrie auf und sackte einem nassen Mehlsack gleich zu Boden. Er ließ seine Waffe fallen um presste die Hände gegen sein Bein.

„Du Schwein! Du hast mir mein Knie zertrümmert! Du dreckiger Sohn einer Ratte!“
Achtlos warf Guthwulf seine Schwerter von sich, griff in seinen Mundwinkel und zog ein letztes Mal an dem Stummel, der von seiner Jägerpfeife übriggeblieben war. Den qualmenden Rest warf er vor Borts zusammengekrümmter Gestalt auf den Boden und trat ihn mit der Spitze seines Stiefels aus.
„Ist nur aus dem Gelenk gesprungen. Halb so wild.“
Borts Antwort ging in einem schmerzhaften Gurgeln unter. Einen Moment erwog der Wolf, den alten Mann einfach liegen zu lassen und sich auf die Suche nach einem kühlen Schluck Bier zu machen, dann erinnerte sich jedoch an das versprochene Gold. Für 5000 Goldstücke renkte man auch mal eine Kniescheibe ein.
Der Wolf beugte sich über den verletzten Soldaten und packte sein Bein.

„Das wird jetzt weh tun.“
Mit einem Ruck brachte der Kopfjäger die Kniescheibe wieder in ihre alte Position. Bort schrie auf, als wäre ihm der gesamte Unterkörper abgeschlagen worden. Guthwulf erhob sich und musterte die beiden anderen Krieger. Hombarg kauerte in einer Raumecke und hielt sich noch immer seinen Hosenstall, während Ingrom noch nicht aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht war. Von seiner Schläfe sickerte ein feines Blutrinnsal. Keiner von beiden würde an seiner Verletzung sterben, also kümmerte sich der Wolf nicht weiter um sie. Stattdessen wartete er, bis Bort wieder auf die Beine kam. Der Soldat betastete sein Knie, sah dann zu dem Kopfgeldjäger hinauf.
„Scheint wirklich wieder in Ordnung zu sein.“
-„Aye.“
Der Soldat wischte sich den Schweiß von der Stirn, betrachtete dann den Übungsraum. Ein zerstörtes Regal, zwei verletzte Kämpfer. Der Schaden hielt sich Guthwulfs Meinung nach in akzeptablen Grenzen. Bort schien ihm in diesem Punkt zuzustimmen.
„Das war wirklich ganze Arbeit. Ich sehe, die Ertüchtigungsübungen haben dir gutgetan. Schmerzen deine Wunden noch?“
-„Nein.“
„Wie sieht es mit der Beweglichkeit aus?“
-„Schneller als der Tod.“
Bort grinste. „Gut, sehr gut. Mir scheint, du bist wieder gesund. Vielleicht sogar gesünder als zuvor. Folge mir.“
Der Kopfgeldjäger griff nach seinem Hut, den er vor Beginn des Kampfes auf eines der Regale gelegt hatte und schlenderte hinter dem voranschreitenden Stadtwächter her. Gemeinsam verließen sie den Übungsraum und wanderten den bereits bekannten Steinkorridor entlang. Nachdem etwa zwei Minuten vergangen waren, hielt der alte Soldat vor einer weiteren Holztür, über deren Rahmen ein stilisierter Bogen in den Fels gemeißelt war. Der angrenzende, der wiederum in etwa die selben Ausmaße hatte wie der Raum für das Schwerttraining, war noch viel spärlicher eingerichtet als die vorigen Zimmer, die der Wolf zu Gesicht bekommen hatte.
Nur drei Schritte von der Tür entfernt befand sich eine rechteckige Holztheke, welche von zwei wuchtigen Schränken aus Eichenholz flankiert wurden. In mehreren dutzend Schritten Entfernung, an der gegenüberliegenden Raumwand, waren drei verschiedene Zielscheiben aufgebaut, eine kreisrunde, große, eine deutlich kleinere, gleichförmige, sowie eine der Übungspuppen, die Guthwulf schon von seinem Schwerttraining kannte. Vor der Theke stand ein untersetzter, bärtiger Mann und musterte die beiden Neuankömmlinge mit misstrauischem Blick.

„Was kann ich für euch tun?“
Bort trat an den Mann heran und schüttelte ihm die Hand.
„Mein Freund hier braucht Übung.“
-„Waffe?“
„Armbrust.“
Der Bärtige nickte und humpelte zu einem der beiden Schränke. Als er ihn öffnete, blickte Guthwulf auf eine wahrhaft beträchtliche Ansammlung von Armbrüsten verschiedenster Art. Von Handarmbrüsten über Jagdschusswaffen, Zierarmbrüste bis hin zu mächtigen, klobigen Kriegswaffen war alles vertreten. Der Wolf war beeindruckt.
„Wie sieht’s hiermit aus?“
Der Meister der Waffenkammer trat an den Kopfgeldjäger heran und präsentierte ihm eine schlanke, kunstvoll geschnitzte Repetierarmbrust aus dunklem Ebenholz. Guthwulf nahm die Waffe in die hand und unterzog sie einer sorgfältigen Musterung. Um zeitraubendes Nachladen zu ersparen, hatte man oben auf die Armbrust eine rechteckige Kammer aus Holz gesetzt, die als Magazin für Reservebolzen diente. Wenige Zentimeter hinter dieser Vorrichtung befand sich ein Griff, den man herunterziehen konnte, um die Waffe zu spannen und gleichzeitig eine Kammer am Boden des Reservemagazins zu öffnen, um somit einen Bolzen in die Führungsrinne zu befördern. Ein feines Mordwerkzeug.
„Munition.“
Der bärtige Mann griff unter den Thekenrand und förderte einen ledernen Köcher voller Bolzen zutage. Guthwulf nahm sich genau drei der kleinen Pfeile heraus und ließ sie in das Magazin gleiten, dann zog er an dem Griff und lud die Waffe.
„Zur Seite.“
Bort und der Verwalter der Schusswaffen traten zurück. Der Kopfgeldjäger baute breitbeinig sich vor der Theke auf, die leichte Armbrust lässig in der rechten Hand halten, den Lauf zu Boden gerichtet. Seine stahlgrauen Augen musterten die drei Zielscheiben, stellten sich vor es wären Menschen, die ihm dort gegenüberstanden. Ja, jetzt konnte er ihre Augen sehen, wie sie in den schweißnassen Gesichtern blitzten. Die Sonne brannte ihm heiß und grell in den Nacken, während ein sanfter Wind sein zurückgeschlagenes Cape wogen ließ. Seine Finger zuckten, doch er bewegte sich noch nicht, sondern prägte sich die Position jedes Gegners sorgfältig ein, solange, bis er sich sicher war, sie auch mit geschlossenen Augen noch vor sich sehen zu können. Dann ging alles ganz schnell.
Der Arm schoss nach oben, richtiete die Armbrust auf die erste, große Zielscheibe, während die andere Hand an den Ladegriff schoss. Der Abzugsfinger krümmte sich, und der Bolzen sauste davon. Er war noch nicht im Ziel eingeschlagen, da ruckte die Schusswaffe zur Seite, richtete sich auf das nächste Ziel, während der Griff kraftvoll nach unten gerissen wurde. Kaum rastete er wieder ein, flog der nächste Bolzen seinem Ziel entgegen. Widder bewegte sich die Armbrust, der Griff klackte, die Sehne schnellte nach vorn. Die Bolzen schlugen in einem zeitlichen Abstand von etwa einer Sekunde ein.
Guthwulf ließ die Armbrust sinken, drehte sich zu den völlig perplex dreinstarrenden Männern um und drückte dem Waffenmeister die Armbrust wieder in die Hand. Mit einem Finger tippte er grüßend an den Hut und schickte sich an, den Raum zu verlassen.

„Wollt Ihr Eure Ergebnisse denn nicht kontrollieren.“
-„Nicht nötig. Sie sind alle tot.“
Die Tür schloss sich, die schweren Stiefelschritte entfernten sich. Zurück blieben zwei Menschen, die mit entgeisterter Mine abwechselnd ihren Gegenüber, dann wieder die Zielscheiben musterten. Worauf hatten sie sich hier nur eingelassen?
15.05.2003, 13:00 #11
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Sirrend raste der blitzende Stahl durch die stickige Luft der Kanalisation, traf mit einem trockenen Knall auf den groben Holzpfeiler, grub sich mit scharfer Spitze mehrere Zentimeter tief in das bräunliche Gebälk, kam schließlich zitternd zur Ruhe. Schwere Stiefelschritte klackten über die groben Bodenbretter, eine schwielige Hand griff nach dem Griff des schartigen Schnitzmessers, lange, hagere Finger schlossen sich um den hölzernen Griff, zogen die abgenutzte Klinge ruckartig aus dem Holz. Langsam entfernten sich die Schritte wieder, stoppten dann abrupt, und nur einen Sekundenbruchteil später zitterte das Messer erneut im zerstochenen Leib des alten Holzpeilers.
Guthwulf langweilte sich. Seit man ihn zur Nachtruhe in dieses Zimmer geleitet hatte, war nicht eine Menschenseele gekommen, um ihn wieder abzuholen. Nicht dass der Kopfgeldjäger die Zustimmung anderer Leute brauchte, um seinem Willen nachzugehen, aber in diesem Falle war er zum tatenlosen Ausharren gezwungen, denn man hatte ihn eingeschlossen. Eingeschlossen wie einen verdammten Köter! Guthwulf griff nach seinem Messer. Es passierte nicht oft, dass der alte Krieger aus seiner fast apathischen Ruhe geworfen wurde, doch dieses kleine Schlafzimmer beengte ihn schlimmer als jeder Provinzknast es hätte tun können. Ein Wolf brauchte seine Freiheit, er war kein dümmliches haustier, das der Herr guten Gewissens in einem Raum wegsperren konnte. Der Kopfjäger hatte mit dem Gedanken gespielt, die Tür einfach einzutreten, doch ein Blick auf die mächtigen, mit festen Eisenbändern beschlagenen Holzbohlen machte jede Hoffnung in dieser Richtung zunichte. Er musste abwarten. Wieder flog das Messer, wieder zerschnitt es die Luft des Schlafgemachs, jagte einem blitzenden Stahlpfeil gleich auf den Holzpfeiler zu – und schlug schließlich krachend in seinem Ziel ein, nur wenige Zentimeter vom Gesicht der jungen Frau entfernt, die gerade ihren Kopf durch die Tür stecken wollte. Sofort verschwand das bleiche Antlitz wieder, und es vergingen einige Sekunden, bevor es sich erneut hervorwagte.

„Herr…Guthwulf?“
Der Kopfjäger beugte sich zur Seite und fischte seinen Hut von dem kleinen, quadratischen Holztisch, der ihm als Kleiderablage gedient hatte. Gelassen setzte er sich das lederne Kleidungsstück auf den hageren Kopf, bevor er mit dem Zeigefinger der rechten Hand an die breite tippte.
„Kleines.“
Die Frau öffnete die Tür nun noch einen Spalt breiter und trat dann, noch immer vorsichtig, in das kleine Zimmer. Mit milder Belustigung sah Guthwulf, dass sie noch ein halbes Mädchen war. Ein Schaf inmitten eines heruntergekommen Hyänenrudels. Falls sie Hilfe brauchte, sollte sie sich lieber nicht an einen Wolf wenden.
Die junge Dame zupfte nervös an ihrem fliederfarbenen Kleid herum, die Wangen ihres hübschen Gesichts waren vor Anspannung gerötet.

„Mein Name ist…Lessalia. Ich…ähm…soll Euch abholen und zu…Bort bringen. Seit Ihr bereit?“
Guthwulf knöpfte sich die untersten Knöpfe seines braunen Leinenhemdes zu. Stahlgraue Raubtieraugen funkelten das Mädchen an.
„Aye.“
-„Ähm gut, dann folgt mir.“
Lessalia verließ das Zimmer und wartete im Korridor bis der Wolf ihr gefolgt war. Gemeinsam stapften sie den langen Steingang entlang, die junge Frau höflich schweigend, Guthwulf ein altes, getragenes Kopfjägerlied pfeifend.
„Schlechter Ort für eine Dame.“
Das Mädchen wandte sich um, in ihrer Miene stand Überraschung geschrieben. Anscheinend hatte man ihr erzählt, dass der alte Krieger kein Freund vieler Worte war. Dass er sie ansprach, verwunderte sie.
„Es gefällt mir hier. Die Menschen sind sehr nett.“
-„Wo ist deine Familie?“
„Sie sind ebenfalls hier. Mein Vater hat uns hierher gebracht. Es war eine gute Entscheidung. Wir können hier in der Kanalisation ungestört arbeiten und das Erwachen unseres-„ Lessalia stockte. Guthwulf sah, wie sie sich auf die Lippen biss. Volltreffer.
„Erwachen? Wer erwacht?“
Das Mädchen zögerte, setzte zum sprechen an, nur um es dann wieder zu lassen.
„Das…kann dir Bort besser erklären.“
-„Ich will es aber von dir hören.“
Jetzt wurde die junge Frau richtig wütend.
„Nein! Ich darf es nicht erzählen! Ich habe..„
Ansatzlos packte der Wolf die Frau, riss sie herum und drückte sie gegen die kalte Korridorwand. Seine hageren Finger hatten sich um den schmalen Halsansatz der Dame gelegt, und ihr Druck reichte, um Jessalia zum Japsen zu bringen. Guthwulf brachte sein Gesicht ganz nah an das der Dame, fixierte ihren Blick mit seinen zu Schlitzen verengten Augen und hielt ihre Aufmerksamkeit so in einer gnadenlosen Umklammerung. Sein heißer Atem roch nach Tabak und Bier.
„Treib keine Spielchen, Kleines, oder ich werde dich umbringen.“
-„Wenn…du es nicht tust…wird Bort…es tun.“
„Bort wird hiervon nicht erfahren. Rede oder stirb. Entscheide dich.“
Die Stimme des Wolfes war kalt und rau, an der Ehrlichkeit seiner Absichten bestand kein Zweifel. Jessalia schien dies auch zu bemerken. Die Spannung aus ihrem Körper wich.
„Ich rede.“
Die Hand verschwand von der Kehle der Dame, das Gesicht des Kopfjägers ging wieder auf Abstand. Der Blick der grauen Pupillen blieb weiter unerbittlich.
„Na gut. Ich gehöre einem Kult an, einer religiösen Vereinigung. Wir helfen unserem Meister, den Erlöser auf diese Welt zu bringen, auf dass wir fortan in einem Land des Wohlstands un des Friedens leben.“
Ein Kult also. Paradiesische Zustände, jaja. Der Kopfgeldjäger kannte diese Art von Glauben. Nur Kriecher und Narren ließen sich auf so etwas ein.
„Wer ist euer Meister?“
Man merkte deutlich, wie unbehaglich Lessalia zumute war. Ihr Blick wanderte unstet umher, als hätte sie Ansgt, jemand könnte ihren Verrat beobachten. Nun, wahrscheinlich hatte sie das wirklich.
„Sein Name ist…Sarevok, und er ist ein sehr mächtiges Wesen. Er wird uns alle befreien.“
-„Wie soll das gehen?“
„Nun, er wird den Erlöser auf die Welt holen. Ein göttliches Wesen von großer Macht.“
-„Ah. Und welche Rolle spiele ich bei dieser Sache.“
Lessalias Stimme war eindringlich, der Wolf merkte, dass sie den Tränen nah stand.
„Bitte Herr, das weiß ich wirklich nicht. Ich habe Euch alles über unseren Kult gesagt was ich selbst weiß, bitte, verratet mich nicht.“
Der Kopfjäger zuckte mit den Schultern.
„Nicht ich bin es, vor dem du Angst haben musst, Kleines. Und jetzt bring mich zu Bort.“
Schweigend setzten sie ihren Weg fort, bis sie schließlich an einer breiten Holztür in der Nähe des Korridorendes angelangten. Lessalia hob die Hand und klopfte an die Tür. Die Klinke wurde heruntergedrückt, und ein glanzköpfiger Mann lugte aus dem Türspalt hervor.
„Ich habe ihn dabei.“ Die Stimmed es Mädchens war leise, doch der Wolf konnte sie trotzdem verstehen. Der Glatzenmann nickte und öffnete die Tür nun vollends. Guthwulf trat in den angrenzenden Raum. Er besaß etwa die Ausmaße eines Büros, ohne jedoch so luxoriös ausgestattet zu sein. Ein Schreibtisch, zwei Polsterstühle sowie mehrere Schränke und Regale bildeten das einzige Mobiliar. Hinter dem Schreibtisch saß Bort. Der falkengeesichtige Mann grinste freundlich, als er auf den Stuhl auf der anderen Seite des Tisches wies.
„Ah, Wolf, da bist du ja. Komm herein und setz dich.“
Der Kopfgeldjäger ließ sich auf den Stuhl sinken und lehnte sich zurück. Er hörte, wie die Tür hinter ihm geschlossen wurde. Der glatzköpfige Türwärter durchquerte den Raum und baute sich mit verschränkten Armen hinter Bort auf. An seinem Gürtel hing eine klobige Bartaxt sowie mehrere Dolche.
„Hattest du eine gute Nachtruhe? Ich hoffe die Kanalisation…“
-„Komm zum Punkt, Mann. Wen soll ich töten. Wo ist meine Ausrüstung?“
Borts Lächeln gefror auf seinem Gesicht, dann wurde seine Miene ernst. Der Stadtwächter seufzte.
„Nun gut, dann läuft es eben so.“ Der Stadtwächter öffnete eine Schublade an seiner Seite des Schreibtisches und griff hinein. Als seine Hand wieder zum Vorschein kam, hielt sie ein kleines, zusammengerolltes Stück Pergament, welches er nun an den Wolf weiterreichte. Ohne sonderliches Interesse entrollte der Kopfgeldjäger das Schriftstück. Wie erwartet hatte jemand mithilfe eines Kohlestiftes das Gesicht eines Mannes auf das Pergament gebannt. Die Züge der Person waren hager, die Augen schienen tief in den Höhlen zu liegen. Das Haar war zu einem einfachen, ordentlichen Scheitel gekämmt. Dieses Gesicht würde den Würmern also bald als Futter dienen. Guthwulf hob den Blick.
„Trägt er eine Rüstung?“
Bort nickte. „Schwarze Platte. Dazu einen gleichfarbigen Mantel.“
Natürlich. Was auch sonst. Die bösen Buben schienen allesamt ein Faible für Schwarz zu haben. Das machte es dem Wolf wenigstens einfacher, sie in der Masse des Volkes zu erkennen.
„Name? Haarfarbe? Besondere Merkmale?“
-„Wir wissen lediglich, dass er der Magie fähig ist. Aber such erst gar nicht in den umliegenden Klöstern. Unsere Kontaktmänner dort hätten uns längst berichtet, wenn er ein Mitglied eines Magierordens wäre.“ Ein schiefes Grinsen zierte Borts Gesicht. „Unsere Wege der Informationsbeschaffung sind nämlich ziemlich zuverlässig.“
Guthwulf betrachtete das Pergament noch einige Sekunden lang, dann rollte er es zusammen und steckte es in seinen Gürtel.
„Ich brauche Ausrüstung.“
Der Stadtwächter nickte. „Natürlich. Ungar hier wird dich mit allem versorgen, was du brauchen kannst.“ Er deutete auf den glatzköpfigen Krieger hinter ihm. Dieser nickte dem Kopfjäger knapp zu und begab sich zur Zimmertür.
„Folge mir.“
Der Wolf erhob sich und gesellte sich zu dem Glatzenmann, welcher die Tür öffnete und ihn ein weiteres Mal durch den langen Korridor führte. Sie hielten vor einer breiten Flügeltür, die im Gegensatz zu ihren Schwestern völlig aus schwerem, rostigen Eisen bestand. Ungar machte sich am Schloss zu schaffen, und stieß einen der Flügel schließlich mit einer sichtlichen Kraftanstrengung auf. Dahinter lag ein weiterer Korridor, an dessen Wänden sich Türöffnungen, jedoch ohne die dazugehörigen Türen befanden. Aus den dahinterliegen Räumen drang feuriger Fackelschein.
„Schauen wir ersteinmal nach deiner Rüstung.“
Der glatzköpfige Krieger führte ihn in einen rechteckigen Raum mittlerer Größe. Man hatte hier mehrere Holzständer errichtet, die allesamt mit gut gearbeiteten Rüstungen verschiedener Machart behangen waren. Guthwulf sah Kettenhemden, Plattenharnische und Panzer aus beschlagenem Leder. Auf einem langen Regal an der Raumwand lagen dutzende Helme, allesamt sorgfältig aufgereiht und poliert. An einem kleinen Tisch in einer Nische des Raumes saß ein dürrer, von Arbeit und Alter gebeugter Mann, das schüttere Haar zerzaust, den Kopf über ein Stück Leder gebeugt, und bearbeitete dieses mit Nadel und Faden.
„Hey, alter Shem! Du hast Kundschaft!“
Der Mann schreckte auf, scharfe Augen blickten aus einem runzligen Gesicht, musterten erst Ungar, dann Guthwulf. Ein zahnloses Grinsen erschien auf seinem unansehnlichen Antlitz.
„Ah, der Kopfjäger. Tretet ein, tretet ein. Ja, ich hab sie fertig. War ein hartes Stück Arbeit, aber ich hab sie fertig. Wartet einen Augenblick, ich hole sie.“
Der Mann erhob sich und verschwand mit krummbeinigen Schritten in einem der angrenzenden Räume. Man hörte Gepolter und einen derben Bauernfluch, dann kam der alte Shem zurück. In den Händen hielt er ein dickes, braunes Lederknäuel. Ohne großartige Sorgfalt warf er den Wust auf den Tisch und begann ihn zu sortieren. Guthwulf erkannte sein altes Cape sowie seinen zerschlissenen Brustpanzer. Selbiges trug Shem nun mit stolzgeschwellter Brust zum Wolf hinüber und drüclkte es ihm in die Hände.
„Ein Meisterwerk, hier.“
Guthwulf beäugte seinen Panzer. Wollte das Väterchen ihn verarschen?
„Ich sehe keinen Unterschied.“
Shem begann zu kichern. „Das ist es ja, das ist es ja. Hihihi, hab nächtelang gearbeitet, um das hinzubekommen. Hier. Der alte Rüstungsbauer wies auf die Innenseite der Rüstung. Tatsächlich sah das Leder dort aus wie neu. Hab das Ding an der Seite aufgeschnitten und es komplett neu ausgekleidet. Gutes, gehärtetes Leder. Darunter befindet sich ein Netz aus dünnen Stahlketten. Verdammt harte Arbeit, aber hat sich gelohnt.“ Wieder kicherte der Alte.
Guthwulf wog die Rüstung prüfend in den Händen. Der Gewichtsunterschied war verschwindend gering. Der krummbeinige Mann hatte mehr zu bieten, als es den Anschein hatte. Er musste ein Meister seines Faches sein.

„Wo ist der Rest?“
-„Kommt sofort, kommt sofort.“
Murmelnd verschwand das Väterchen in seinem Lagerraum, kam dann nacheinander mit einer dicken, ledernen Hose, einem Paar brauner Handschuhe sowie zwei robust aussehenden Stiefeln zurück.
„Hab Kieferbrecher auf die Stiefelspitzen geschlagen, wenn’s recht ist.“ Shem deutete auf besagten Abschnitt des Schuhwerks. Auf deren sich stark verjüngenden Enden glänzten zwei dicke, hochpolierte Stahlkappen.
„Zieh’s an Junge, na los.“ Der Rüstungsbauer konnte es anscheinend gar nicht abwarten, seine Rüstung an einem wirklichen Menschen zu sehen. Ohne Eile stapfte Guthwulf zu dem kleinen Holztisch hinüber, öffnete seinen Gürtel und entledigte ohne die geringste Scham seiner Stoffhose. Ihr ledernes Gegenstück passte wie angegossen, das braune Leder knarzte, als der Wolf einige Probeschritte tat. Als nächstes folgte der Brustpanzer, dann jeweils zwei lederne Schienen für Ober- und Unterarme, die der Kopfjäger direkt über seinem groben Leinenhemd trug. Da dies Teile seiner alten Rüstung waren, passten sie noch immer. Stiefel und Handschuhe waren schnell übergestreift, die Hose wurde bis knapp unter das Knie in die Hohen Stiefelschäfte gesteckt, dann warf der Wolf das wallende, schwere Ledercape über seine Schultern, schloss es in Schlüsselbeinhöhe mit einer alten, zerkratzten Stahlbrosche. Behandschuhte Finger langten auf den Tisch, wurden dann langsam gehoben, um den braunen, fleckigen Lederhut auf den kraushaarigen Kopf zu setzen. Im Schatten der breiten Krempe blitzten zwei stahlgraue Augen, die spröden Lippen verzogen sich zu einem hauchdünnen, stoppelbärtigen Lächeln. Guthwulf war zufrieden.
„Perfekt.“ Shem kicherte heiser. „Passen die Stiefel, Jäger?“
-„Aye.“
Ungar nickte. „Sehr schön. Gute Arbeit, alter Shem.“ Der Krieger und das Väterchen schüttelten Hände, dann wandte sich der Glatzenmann wieder dem Wolf zu.
„Nun die Bewaffnung. Komm mit.“
Eine kurze Wanderung durch den Korridor, dann stoppte Ungar und hob die Hand, um damit stumm auf einen gewölbten Torbogen zu weisen.
„Bedien dich.“
Als Guthwulf den weitläufigen Raum betrat, hoben sich seine Augenbrauen einen Augenblick lang zu einem Ausdruck der Überraschung. So etwas hatte er beileibe noch nie gesehen.
Der Raum war so groß, dass man ihn schon fast eine Halle nennen konnte. Die grob behauenen Steinwände waren komplett von hohen, wuchtigen Holzregalen und –Ständern zugestellt, welche gleichzeitig auf den Innenraum der Halle in langen Reihen durchzogen, ihn so in mehrere Abteile trennten. Überall glänzte und funkelte polierter Stahl und glatt gehobeltes Holz, Waffen verschiedenster Größe und Machart reihten sich in unendlich anmutenden Spalieren aneinander, Speere, Hellebarden, Äxte, Schwerter, Streitkolben und Kriegsflegel, Armbrüste, Schleudern und Bögen, dies alles vereinigte sich zu einer einzigen, unüberschaubaren Masse der Vernichtung.
Der Kopfgeldjäger pfiff durch die Zähne.

„Verdammt viel Eisen hier.“
Ungar grinste. „Wir haben einige ziemlich vermögende Gönner.“
-„Aye.“
Langsam schritt der Wolf durch die Regalreihen, betrachtete die verschiedenen Mordwerkzeuge.
„Nahkämpfer oder Schütze?“
Ungar blickte Guthwulf mit verwirrter Miene an. „Was?“
„Mein Ziel. Ist er Nahkämpfer oder Schütze?“
-„Oh, ach so. Nun, die Überlebenden der Tavernenüberfälle sagten, dass er weder Armbrust noch Bogen mit sich führt. Er kämpft wohl vornehmlich mit der Klinge, verfügt aber über magische Kräfte.“
Der Jäger nickte. „Gut.“ Er ging hinüber zu einem der zahlreichen Waffenständer und musterte die dort ausgestellten Schwerter. Zwei schmucklose Breitschwerter erregten sein Interesse. Er nahm die Waffen und wog sie prüfend in der Hand. Obwohl es ihnen an jeglicher Zierart fehlte, waren sie perfekt ausbalanciert. Der Glanz ihrer Klingenblätter unterschied sie um einen Hauch von ihren Schwestern. Diese Waffen waren mit Erz überzogen, mit echtem, magischem Erz. Soweit Guthwulf wusste, verfügten nur die höchsten Soldaten des Königs über solche Waffen. Der Kopfjäger hatte seine Wahl getroffen. Ohne Eile trat er an einen wuchtigen Holztisch heran, auf dem mehrere Handäxte ausgelegt worden waren, und fegte die Mordinstrumente mit einer schnellen Bewegung von der Tischplatte, um dann die beiden Schwerter dort abzulegen. Aus einem Regal nahm er sich zwei einfache, braune Waffengurte mit passenden Lederscheiden und warf sie ebenfalls auf den Tisch. Zwei gebogene Kampfdolche komplettierten das Arsenal an Nahkampfwaffen. Guthwulf verließ dieses Abteil der Halle und wandte sich den Schusswaffen zu. Die zahllosen Bögen würdigte er keines Blickes, dafür hielt er sich umso länger bei den Armbrüsten auf, nahm einzelne Exemplare aus ihren Halterungen, prüfte ihren Abzugmechanismus, ihre Spannkraft und ihr Gewicht. Seine Wahl fiel schließlich auf eine kleine, Handarmbrust, deren Flügel sich zusammenklappen ließen sowie ein größeres Exemplar, auf dessen Führungsrinne ein abnehmbares Magazin befestigt war, so dass es möglich war, die Waffe sowohl als Repetierarmbrust, als auch als gewöhnliche Armbrust mit höherer Durchschlagskraft und Zielgenauigkeit, dafür aber mit einer weit niedrigeren Schussfrequenz zu nutzen. Auch diese Waffe ließ sich zusammenklappen. Als letztes wurde dem Inventar des Kopfgeldjägers noch ein langer Ledergurt hinzugefügt, in dessen kleinen Schlaufen eine lange Reihe dünner, äußerst scharfer Wurfmesser steckte.
Guthwulf trat an den Tisch heran, öffnete die Stahlbrosche und warf sein Cape zur Seite. Dann schlang er sich die beiden Schwertgurte so um die Hüfte, dass sich deren Schnallen einige Zentimeter unter dem Bauchnabel des Kriegers traten und jeweils eine Schwertscheide an den Seiten beider Beine hing. Schabend glitten die beiden Erzklingen in ihr neues Ruhebett. Die beiden Dolche wurden vorn an den Gürteln befestigt, die Handarmbrust hinter der rechten Schwertscheide. Sie kam in eine eigens dafür konstruierte Metallscheide, die dafür sorgte, dass die beiden Flügel der Armbrust zusammengeklappt blieben, da zwei Federn im Schaft der Waffe einen stetigen Druck auf selbige ausübten, so dass die Flügel, zog man die Armbrust aus der Scheide, augenblicklich auseinanderklappten und das Mordwerkzeug einsatzbereit war. Der Gurt mit den Wurfmessern wurde quer über den Brustpanzer des Jägers geschlungen und diente in der Rückengegend gleichzeitig als Befestigungsort sowohl für einen mit Bolzen gefüllten Lederköcher als auch für die Repetierarmbrust, deren Größe es unmöglich machte, einen ähnlichen Mechanismus in sie einzubauen wie das bei der Handarmbrust der Fall war. Diese Waffe würde der Kopfjäger jedes Mal erst manuell auseinanderklappen müssen.
Alle Waffen waren befestigt, Guthwulf griff nach seinem Cape und warf es sich wieder um den Körper. Das schmutzigbraune Kleidungsstück reichte fast bis zum Fußboden und verdeckte das üppige Waffenarsenal des alten Kriegers somit völlig.
Langsam schritt der Jäger in Richtung des Torbogens, ein jeder Schritt wurde begleitet von schwerem, metallischem Klirren. Die breite Hutkrempe verbarg Augen- und Nasenpartie fast völlig im Schatten, lediglich der stoppelbärtige Mund war deutlich zu erkennen. Man brauchte kein Menschenkenner zu sein um zu erkennen, dass Ungar recht unbehaglich zumute war, als der hochgewachsene Wolf an ihn herantrat und sich das erste Mal in voller Rüstung vor ihm aufbaute.

„Ich bin bereit.“
Die Mundwinkel des glatzköpfigen Mannes zuckten. „Ähm ja, gut, dann komm mit. Ich bringe dich zurück.“
Gemeinsam durchwanderten sie die langen Gänge des Kanalsverstecks, trafen in der Eingangshalle schließlich auf Bort, welcher ihnen die riesige Schutztür aufsperrte. Zu dritt setzten sie ihren Weg zur alten Eisenleiter fort.
„Wir zählen auf dich, Wolf.“ Bort wollte dem Kopfgeldjäger auf die Schulter schlagen, doch dieser fing die Hand des Stadtwächters mit einer blitzartigen Bewegung ab. Behandschuhte Finger hielten das Gelenk des älteren Mannes fest als wäre es in einen Schraubstock geklemmt.
„Sei unbesorgt, Väterchen. Ich versage nie.“
Mit einem Ruck ließ Guthwulf die Hand des Kämpfers los, stellte dann den rechten, beschlagenen Stiefel auf die unterste Sprosse der Leider und begann sich ohne Eile an ihr hinaufzuziehen. Wieder dauerte es mehrere Minuten, bis er Licht am Ende der Dunkelheit erblickte. Schwielige Finger griffen an den Rand der rechteckigen Bodenöffnung, dann zog der Wolf sich ruckartig nach oben und richtete sich auf. Neben ihm schlug Adana sich die Hand vor den Mund und blickte den Kopfjäger mit großen Mondaugen an.
„Bei Innos, hast du dich verändert. Du siehst so…groß aus.“
Guthwulf erwiderte den Blick der fülligen Frau mit gleichgültiger Gelassenheit und wartete, bis sie sich wieder gefangen hatte. Schließlich ging ein Ruck durch das Weibsbild und sie drehte sich um, griff an die Tür des kleinen Holzverschlags, in dem sie beide standen, und stieß die Tür auf. Dann kramte sie in einem Haufen alter Lumpen, förderte schließlich einen prall gefüllten Lederbeutel zutage, den sie dem alten Recken in die Hand drückte. Ihr pausbäckiges Gesicht war zu einem Lächeln verzogen.
„Hier, das sollte deine Ausgaben decken, bis du deinen Sold abholen kannst.“
Guthwulf wog den Beutel in der Hand, befestigte ihn dann an seinem Gürtel.
„Aye.“ Langsam trat er auf die Türöffnung zu, senkte den Kopf und trat unter dem Rahmen hindurch auf den Hinterhof des kleinen Fachwerkhauses. Er wollte sich schon zum gehen anschicken, da rief Adana ihn noch einmal zurück. Als er sich umwandte, warf ihm die Frau einen kleinen Stoffsack zu, den der Wolf in einer fließenden Bewegung auffing.
„Bring uns seinen Kopf.“
Der Jäger fixierte die Dame mit seinen stahlgrauen Augen, hob dann die rechte Hand und tippte mit dem behandschuhten Zeigefinger an die Krempe seines Schlapphuts. Schweigend drehte er sich um und verließ den Hinterhof. Es war Mittagszeit, und die Straßen der Hafenstadt waren relativ unbelebt. Die Sonne schien, und ein leichter, kühler Wind wehte durch die Gassen, brachte Guthwulfs braunes Cape zum Wogen. Langsam drehte er sein Haupt, blickte die Straße zu beiden Seiten hinunter, bevor er sich dann schweren Schrittes auf den Weg machte. Seine Stiefel klackten über den groben Fels des Kopfsteinpflasters, ein einsames Geräusch inmitten der verlassenen Stille der mittäglichen Hafenstadt. Der Wolf war zurück. Die Jagd war eröffnet.
15.05.2003, 16:12 #12
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Die Seitengasse war dunkel, schmutzig und stank erbärmlich nach verrottendem Fisch. In den Nischen der heruntergekommenen Häuserwände gaben sich großmäulige Schläger, billige Prostituierte und zwielichtige Beutelschneider ein Stelldichein, an jeder Ecke blitzte der Stahl nur nachlässig verborgener Waffen, und das Wasser in der Bordsteinrinne hatte einen seltsam rötlichen Unterton. Der perfekte Ort für die Gesetzlosen und Geächteten dieser Stadt. Der perfekte Ort, um an gute Informationen zu kommen.
Langsam schritt Guthwulf die schmale Gasse entlang, den Hut tief ins Gesicht gezogen, den hageren Körper in das schwere Ledercape gehüllt. Im Mundwinkel des stoppelbärtigen Gesichts glühte ein halb aufgerauchter Tabakstengel, schickte seine bläulichen Rauchringe hinauf in die stinkende Luft der Hafenstadt.

"Hey Großer! Du siehst müde aus, möchtest du dich nicht ein wenig bei mir ausruhen?"
-"Nein, komm zu mir, mein hübscher Prinz!"
"Ach hör nicht auf diese Schnepfen. Nur bei mir findest du wahres Glück!"
Der Kopfgeldjäger hob nicht einmal das Haupt. Mit stoischer Gelassenheit stapfte er weiter die feuchte Straße entlang, während die Huren hinter ihm weiter lautstark die Vorzüge ihrer Dienste anpriesen. Vor einer schäbigen Hüttentür hielt er an. Seine behandschuhte Hand glitt zur Klinke, schloss sich um das rostige Metall, und drückte es schließlich knirschend hinunter. Geräuschvoll schwang die Tür nach innen, gab den Blick auf einen kleinen, rauchverquollenen Raum frei. Ein spindeldürrer, ziemlich heruntergekommen aussehender Mann saß hinter einem wurmstichigen Schreibtisch, das fettige Haar hing ihm in dünnen Strähnen in sein hakennasiges Antlitz, seine knochigen Finger hatten sich um den Abzug einer kleinen, fleckigen Armbrust gekrümmt. Der eingelegte Bolzen zielte direkt auf Guthwulfs Brust.
"Hallo Ratho."
Die Armbrust wurde gesenkt. Ein Lächeln erschien auf dem hohlwangigen Gesicht, in den aufmerksamen Schweinsaugen blitzte es hinterhältig.
"Ah, der Wolf ist zurückgekehrt. Sei mir gegrüßt, setz dich. Ach, und mach die Tür zu."
Während der Kopfgeldjäger tat, wie ihm geheißen, hantierte Ratho mit einigen dunkelbraunen Tabakblättern herum, drehte sich schließlich zu einem dicken Stengel, dem des alten Kriegers nicht unähnlich. Die Jägerpfeife war in diesen Gefilden sehr verbreitet.
"Ich dachte du wärst tot."
Guthwulf lehnte sich in dem alten Stuhl zurück und schob seinen Hut ein wenig aus der Stirn.
"Das war ich auch."
Ratho kicherte, ein häßlicher Laut, passend zu der gesamten Erscheinung des Mannes. Die Armbrust war inzwischen vom Tisch verschwunden. Der Wolf wusste, dass sie in einer Schublade des Schreibtisches aufbewahrt wurde, gleich neben einem alten, schartigen Krummdolch.
"Also, was kann ich für dich tun? Bist du gekommen um nach Kid zu fragen? Tut mir leid, der ist vor einigen Tagen aufgebrochen. Hatte wohl ’nen ziemlich großen Auftrag erhalten."
Kid. Guthwulf hatte seinen ehemaligen Schüler nicht vergessen. Ja, diese kleine Ratte würde ihren gerechten Lohn noch erhalten. Der Wolf würde seinen Kopf ausnahmsweise ganz ohne Bezahlung von den Schultern trennen. Die Befriedigung seiner Rachegefühle waren für ihn Belohnung genug. Aber das war Nebensache. Kid musste warten.
-"Nein, der Welpe interessiert mich nicht. Ich bin auf der Suche nach einem Mörder. Er hat viele Menschen in den Tavernen der Stadt umgebracht. Weißt du etwas darüber?"
Rathos Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen, als er nachdachte.
"Hmmm...ja...ja, ich denke ich kann dir ein paar Takte darüber erzählen. Schlimme Sache, das Ganze. Gab nur ne Handvoll Überlebender. Was die für Geschichten erzählt haben, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Ich sag dir eins." Der schmierige Mann beugte sich ein Stück weit vor. Seine Stimme hatte einen beschwörenden Klang angenommen. "Wenn das Kopfgeld nicht verdammt hoch ist, lass die Finger von ihm. Der Typ ist gefährlich."
Eine kleine Pause entstand. Guthwulf zog an seiner Jägerpfeife. In dem dämmrigen Zwielicht des Raumes war das rötliche Glühen des Tabaks fast überdeutlich zu sehen. Der Kopfjäger griff unter sein Cape, dann klimperten mehrere Goldstücke auf der morschen Schreibtischplatte.
"Sprich."
Ratho klaubte das Gold zusammen, biss probeweise in eine der Münzen, bevor sich sein schmaler Mund zu einem verschmitzten Grinsen verzog.
"Nun gut. Was willst du wissen?"
-"Name."
"Man nennt ihn nur Tavernenkiller. Name unbekannt."
-"Aussehen."
"Soll 'ne schwarze Rüstung und 'nen schwarzen Mantel getragen haben. Ziemlich bleich, der Bursche. Haarfarbe kenn ich nicht."
Guthwulf nickte. Das war doch schonmal etwas.
"Motive?"
Ratho zuckte mit den Schultern.
"Man weiß nichts Genaues. Es heißt, er wäre hinter dem Leiter eines Kultes her. Irgendso'n verblendeter Erlösungsmist. Warte mal... Ah, hier."
Der Mann hatte in seinem Schreibtisch gekramt, zog nun eine einfache Silberkette aus einer der Schubladen. An ihr hing ein flaches Amulett in der Form einer Sonne. Weder Kette noch Anhänger waren gut gearbeitet, so dass das Schmuckstück annähernd wertlos sein dürfte. Ein Glück, denn sonst hätte Ratho es sicher schon zu Geld gemacht.
"Gib her."
Guthwulf nahm das Kleinod entgegen und schob es in seinen Gürtel. Wieder klimperte Gold auf dem Schreibtisch.
"Du wolltest mir etwas über die Absichten des Typen erzählen."
-"Achja. Also da ist dieser Kult, muss wohl ne ziemlich weit verbreitete Sache sein, allerdings im Untergrund."
Was Ratho nicht sagte. Da wäre der eben aus der Kanalisation emporgestiegene Wolf ja gar nicht drauf gekommen.
"Diese Burschen wollen irgendwas beschwören um die Welt zu verbessern, das übliche halt. Naja, aus irgendeinem Grund hat dieser Mörder es sich in den Kopf gesetzt, diesen Kult zu zerschlagen. Und er geht dabei nicht zimperlich vor." Ratho kicherte. -"Weißt du wo ich ihren Anführer finden kann?"
"Nein, das weiß anscheinend niemand. Und es kann äußerst ungesund sein, danach zu fragen."
Der Kopfgeldjäger fuhr sich über die Stoppeln seines Kinns. Verdammt, das waren wirklich magere Anhaltspunkte. Ein verschwundener, namenloser Mörder, der hinter einem verschwunden, namenlosen Kultistenführer herjagte. Wie sollte ein Mann wie Guthwulf so zu einer frischen Fährte kommen?
Der Wolf wollte sich schon erheben, als Ratho noch etwas einfiel.

"Achja, und du bist nicht der einzige, der diesen Burschen sucht. Die gesamte verdammte Inquisition ist hinter ihm her, und das schon seit längerer Zeit. Ich würde sagen du solltest dich an diese Leute halten, wenn du deiner Beute näher kommen willst. Aber sei vorsichtig. Der Inquisitor hat eine Abneigung gegen gewöhnliche Bürger, das gilt erst recht für gesetzlose Streuner wie dich. Der direkte Weg scheint also nicht ratsam."
Guthwulf nickte. Keine gute Spur, aber immerhin eine Spur. Der Kofgeldjäger erhob sich, schüttelte dem schmierigen Informationsverkäufer die Hand und trat dann an die schäbige Holztür heran.
"Halt die Ohren weiterhin offen und gib mir Bescheid, wenn du was Neues erfährst. Wir sehen uns."
Ratho nickte. Ein breites Grinsen machte sein häßliches Gesicht noch um eine Nuance häßlicher.
"Bleib am Leben, Wolf."
Die Tür schwang auf, und der alte Krieger verließ das dreckige Fischerhaus. Sein nächstes Ziel stand fest. Um an die Inquisition heranzukommen, bedurfte es einiger Vorsicht. Unauffälligkeit war der Schlüssel. Der Wolf spuckte auf das dreckige Kopfsteinpflaster. Es wurde also Zeit, unsichtbar zu werden.
15.05.2003, 18:25 #13
I-Guthwulf-I
Beiträge: 58
[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Schabend glitt die scharfe Klinge des Krummdolches über die rauhe Oberfläche des braunen Holzstücks, erbarmungslos schnitt der kalte Stahl durch das tote Pflanzenmaterial, schälte Schicht um Schicht vom Kern des Astes, zwangen ihn so in die Form, die der Herr der beiden kräftigen, behandschuhten ihm zugedacht hatte. Platschend fielen die einzelnen Holzschnitze in die schillernde Dreckpfütze, in dessen Nähe sich der hagere Mann an eine der steinernen Hauswände gelehnt hatte, um mit tief in das sonnengebräunte Gesicht gezogenem Schlapphut seiner stillen Beschäftigung nachzugehen. Er war ein Mensch wie jeder andere, groß, aber nicht sonderlich breit, weder edel noch auffällig gekleidet. Das schwere, schmutzigbraune Ledercape erweckte den Eindruck, als müsse dieser Mann den ein oder anderen Regenschauer im Freien verbringen, seine Bewegungen waren die eines Mannes, dem das Wort Eile unbekannt zu sein schien, gelassen und doch chirurgisch präzise. Ein weiterer der zahllosen Streuner, die die Gassen der Hafenstadt bevölkerten.
Und doch, es war kein Zufall dass dieser ältere Kerl gerade hier, auf der Hauptstraße der Stadt stand, gelehnt an eine Hauswand, von der aus man die zur Burg führende Straße im Auge hatte.
Die Inquisition hatte sich keine Mühe gegeben, ihre Ankunft zu verbergen. Eilig waren sie die Straße emporgestapft, hatten sich in ihrer Burg verschanzt und sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Guthwulf wusste, dass sie irgendwann wieder herauskommen würden. Geduld war eine Tugend, die der Wolf im Laufe seines Lebens im Übermaß entwickeln hatte, sie sogar entwickeln musste. Nur der geduldige Jäger würde seine Beute zu fassen bekommen. Er würde hier ausharren, reglos, abwartend, würde schnitzen und beobachten. Guthwulf hob den Kopf, seine grauen Augen funkelten im Schatten des Huts, eine stumme Drohung an jeden, der sich zwischen ihn und der Erfüllung seines Auftrages zu stellen wagte. Der Augenblick des Handelns würde kommen. Der Wolf lag auf der Lauer.
16.05.2003, 10:29 #14
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Die Sonne blinzelte durch die trüben, dreckverkrusteten Fensterläden des stillen Schankraumes, brach sich in den mikroskopisch kleinen Körpern der durch die Luft tanzenden Staubflocken, zauberte ein ebenes, goldenes Linienmuster auf die zerschrammten Holztische, die umgestürzten Schemel und auf den in einer alten, braunen Lederrüstung steckenden Leib des vor sich hindösenden Mannes. Reglos saß er da, den Rücken weit in den einfachen Stuhl gelehnt, die bestiefelten Beine auf dem Tisch übereinandergelegt, den breitkrempigen Hut weit in das stoppelbärtige Gesicht gezogen. Auch als der feiste Wirt stolpernd die Treppe hinunterkam und seinen enormen Bierbauch durch den Türrahmen zwängte, zuckte kein Muskel des älteren Kneipenbesuchers. Der Wirt ließ seinen Blick durch den Schankraum schweifen. Bis auf den abgehalftert aussehenden Schläfer war er leer, er hatte persönlich dafür gesorgt dass auch der letzte Zecher die Pinte kurz nach der Mitternachtsstunde räumte. Bei dem staubigen Wanderer hatte er eine Ausnahme gemacht.
"Hey Wolf, steh auf. Die Sonne scheint bereits."
Die Hand des Kopfjägers wurde langsam gehoben, die behandschuhten Finger schoben den alten Hut langsam aus der Stirn. Im Schatten der Krempe blitzten graue Augen, als Guthwulf den Kopf wandte, und zum Wirt hinüberblickte.
"Ich weiß."
Der feiste Mann grinste, setzte dann seinen Weg durch den Schankraum weiter fort, wobei der die umgestürzten Stühle wieder aufrichtete und die schillernden Bierlachen mithilfe eines faserigen, fleckigen Tuches von den breiten Tischen wischte. Als er damit fertig war, zog er sich einen der hölzernen Schemel heran und setzte sich dem alten Wolf gegenüber. Dieser hatte seine Beine soeben von der Tischplatte befördert, setzte die Füße nun mit einem schweren, metallischen Klirren auf die Fußbodenbohlen, machte sich dann daran, die im Laufe der Nacht leicht verrutschten Schwertgurte wieder zurechtzurücken.
"Neuen Auftrag bekommen, was?"
-"Aye."
"Dicker Fisch?"
-"Aye."
Der dicke Schenkenbesitzer nickte und deutete mit der speckigen Hand auf die zahlreichen Waffen, die da an Guthwulfs Körper klimperten.
"Schwer zu übersehen. Dein Boss muss ziemlich reich sein."
Der Wolf blieb eine Antwort schuldig. Stattdessen griff er in den schmalen Kragenausschnitt seiner Rüstung, fingerte einen ledernen Beutel zutage und öffnete selbigen mit einer schnellen, routinierten Bewegung. Ein starker, würziger Geruch entstieg dem kleinen Behältnis. Ohne Eile zupfte der Kopfgeldjäger einige braune Blätter auf den Tisch, zog dann die Handschuhe von den Fingern und legte sie neben den Tabak auf den Tisch. Hagere Finger begannen das Pflanzenmaterial mit flinken Bewegungen zu einem fingerlangen Stengel zu rollen. Der Wirt sah dem Wolf ohne wirkliches Interesse bei seiner Arbeit zu. Er war schon tausendmal Zeuge dieser Prozedur geworden, ja hatte sie sogar von diesem schweigsamen, stoppelbärtigen Mann erlernt. Seit Jahren besuchte Guthwulf diese Schenke in regelmäßigen Abständen, da sie direkt an der Hauptstraße lag und somit einen perfekten Blick auf das Geschehen in der Hafenstadt bot. Es war der bevorzugte Platz des Wolfes, sich unbemerkt auf die Lauer zu legen.
"Bin gleich wieder da."
Der Wirt erhob seinen Feisten Körper und stapfte von dannen. Guthwulf rieb sich den Schlaf aus den Augen, wandte dann den Kopf und starrte aus dem Fenster. Es war noch verhältnismäßig früh, und so herrschte nur mäßiger Betrieb auf der Hauptstraße Gorthars. Wie er, schien auch die Hafenstadt gerade erst zu erwachen.
Der Wirt kehrte zurück, in der einen Hand hielt er eine schwere Tonkanne, die Andere umklammerte zwei grobe Krüge desselben Materials. Als er seine Fracht klackend auf den Tisch stellte, schwappte ein wenig weißlicher Schaum über den Kannenrand, lief langsam an der Außenwand herunter.

"Durst? Geht auf's Haus."
Der Wolf wartete, bis der Schenkenbesitzer beide Krüge gefüllt hatte, dann griff er sich eines der beiden Tongefäße vom Tisch und setzte es an die Lippen. Das Bier war kühl und bitter, der Jäger schmeckte, dass es ein wenig mit Wasser gepanscht war. Das war Guthwulf nur recht. Er wollte wach werden, nicht betrunken.
"Danke."
Der Wirt nickte und trank selbst aus seinem Krug. Ein feines Rinnsal lief ihm dabei aus dem Mundwinkel, rann seinen Hals hinab und bildete schließlich einen dunklen Fleck am Kragenansatz des schmutzigen Hemdes, das er trug.
"Und, wessen Kopf steht diesmal auf der Abschussliste?"
Der Wolf starrte weiter aus dem Fenster. Seine rauhe Stimme war leise, fast flüsternd.
"Ein weißer Mann in schwarzer Rüstung."
"Ahja." Wie immer konnte diese Antwort nichts und alles bedeuten. Guthwulf wusste aber, dass sich der Wirt mit dieser Aussage zufrieden geben würde. Nur lebensmüde Kopfjäger posaunten die Namen ihre Zielpersonen überall herum. Der alte Krieger hatte nie zu dieser Sorte gehört.
Langsam kletterte die Sonne den Horizont hinauf, vertrieb die dunklen Schatten der Nacht, tauchte die Welt in ihr güldenes Licht. Schweigend tranken die beiden Männer ihr Bier, den Blick auf die Hauptstraße Gorthars gerichtet, und harrten der Dinge, die da kamen.
16.05.2003, 17:10 #15
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Was ein Gemetzel.
Aus dem Schatten einer Häusernische blinzelte Guthwulf auf die offene Tavernentür, senkte dann den Blick, um sich wieder seiner Schnitzerei zu widmen. Ruhig und sauber glitt die Klinge des Krummdolches über das Holz, kein Zittern, kein nervöses zucken verriet, dass der Kopfjäger gerade Zeuge eines kurzen, aber blutigen Kampfes innerhalb des Schankraumes der Kneipe "Zum Hecht im Karpfenteich" geworden war. Die Männer der Inquisition meinten es anscheinend verdammt ernst. Und sie hatten es auf diesen Kult abgesehen, vielleicht noch mehr, als sie den Tavernenkiller suchten. Das war schlecht, denn es war der Kult, der Guthwulf mit einer satten Prämie von sage und schreibe 5000 Goldstücken belohnen wollte, sollte es ihm gelingen, den schwarzen Krieger niederzustrecken. Ein Honorar, welches einem Jäger nicht alle Tage angeboten wurde, und welches der Wolf gedachte einzustreichen. Wenn diese Narren die Verstecke dieser verblendeten Gebetsfetischisten jetzt aber stürmten, würde Guthwulf bald wieder mit leeren Händen dastehen. Was nützte einem der Kopf eines Verbrechers, wenn es niemanden gab, der dafür bezahlte? Nein, das konnte der alte Recke nicht zulassen. Er hatte sich seine Altersvorsorge verdient.
Der Wolf stieß sich von der Hauswand ab und trat auf die Straße hinaus. Gelassen und ohne Eile stapfte er die Gasse entlang, den Hut tief ins Gesicht gezogen, das schwere Ledercape umhüllte seinen Körper. Ungehindert verließ er das Armenviertel, bog auf die Hauptstraße ein und wandte sich in Richtung der Schneidergasse. Schon wenige Minuten später pochten behandschuhte Finger gegen die Tür eines kleinen, älteren Fachwerkhauses. Ein Rumpeln und Poltern, begleitet von einem gedämpften "Ich komme" war die Antwort. Die Tür wurde geöffnet, und Adana starrte in das hagere Gesicht des Kopfgeldjägers. Die Miene der fülligen Frau verriet tiefe Überraschung.

"Was...wie...du hast so schnell...?"
-"Die Inquisition hat eure Freunde im "Hecht im Karpfenteich" erwischt."
"WAS?"
Die Miene des Wolfs blieb völlig ungerührt, auch als die kleine Frau ihn an den Schultern packte und ihn mit ungläubigen Augen durchbohren wollte.
"Was hast du gesagt?!"
-"Sie sind Futter für die Ratten. Die Überlebenden werden brennen."
Das war es, was die Inquisition mit allen Ketzern machte. Man brauchte also kein Hellseher zu sein um zu wissen, was als nächstes passieren würde. Adana fuhr sich gedankenverloren durch die Haare, drehte dann den Kopf und brüllte ins Haus.
"Bort! Komm her, schnell!"
Der Stadtwächter erschien. Sein Haar war zerzaust. Guthwulf wollte nicht wissen, wobei er die beiden Kultisten eben gestört hatte.
"Was ist los?"
-"Sie haben den Hecht auch erwischt."
"Beim lichterfüllten Erlöser, das darf nicht wahr sein...wir...wir müssen..."
"Wir müssen die Waldfeste warnen. Unsere Brüder und Schwestern..."
-"Sei still, Weib!"
Bort funkelte die füllige Dame zornerfüllt an, wandte dann den Blick zu Guthwulf, musterte den Kopfgeldjäger mit finsterer Miene. Man konnte sehen, dass der Stadtwächter nachdachte.
Schließich ging ein Ruck durch Borts Leib.

"Nun gut. Ich sehe, wir müssen handeln. Wolf, du musst etwas erledigen."
Schweigend streckte Guthwulf die behandschuhte Hand aus. Seine Augen waren zwei stahlgraue Teiche der Kälte.
"500 Goldstücke."
-"Du verdammter...ach was soll’s. Es ist zu wichtig. Na schön, warte hier."
Resignierend verschwand Bort im Inneren des Hauses. Wieder hörte man es poltern und scheppern. Guthwulf lehnte sich an den Türrahmen und drehte an einem halbfertigen Tabakstengel. Er hatte Zeit.
Bort kam nicht heraus, er stürzte fast. Seine Stimme klang triumphierend, als er dem Kopfjäger zwei Pergamentstücke sowie einen schweren Lederbeutel in die Hand drückte.

"Ich hab sie gefunden, bei allem Licht dieser Erde, Glück gehabt. Hier..." Der Stadtwächter deutete auf das erste Pergament. Es handelte sich um eine Karte. "Dieses Schriftstück wird dich über die Berge und bis in den großen Wald führen, in dem die Festung unserer Brüder liegt. Gib ihnen diesen Brief. Du musst sie warnen, hörst du?"
Der Wolf steckte das Gold in seinen Gürtel, nahm dann Karte und Brief.
"Unsere Büder werden dich allerdings nicht einfach in die Festung einlassen. Du brauchst eine..."
-"Kette." Kommentarlos griff Guthwulf in den Halsausschnitt seiner Rüstung und förderte das silberne Kleinod zutage, welches er am Tage zuvor von Ratho bekommen hatte. Borts Augenlider formten sich zu schmalen Schlitzen.
"Woher hast du die?"
-"Ist mir zugeflogen."
Die Kette verschwand wieder unter der Rüstung. Der Stadtwächter seufzte.
"Nun gut, dann muss ich dir wenigstens keine mehr geben. Du weißt, was du zu tun hast?"
Der Kopfjäger nickte. Er würde sich auf den Weg zu dieser Festung machen, die Menschen dort warnen und sehen, dass er sich einen guten Batzen Gold verdienen konnte. Niemand brachte ihn um sein Kopfgeld.
"Gut, dann verlier keine Zeit. Mach dich sofort auf den Weg, trödle nicht, dann kannst du den Marsch zügig schaffen. Denk daran, erwischen sie die Waldfestung, sieht es düster aus mit deiner Bezahlung. Nur dort lagert genug Geld, um das Kopfgeld zu decken."
-"Aye."
Guthwulf wandte sich ab und trat auf die belebte Straße hinaus. Er hörte, wie hinter ihm die Tür verrammelt wurde. Ein hauchdünnes Lächeln huschte über die spröden Lippen des Wolfes. Er könnte wetten dass den beiden Kultisten die Lust an dem vergangen war, wobei der sie eben gestört hatte.
Zielstrebig stapfte er durch das Gossengewirr der Hafenstadt, passierte schließlich das mächtige Stadttor, um sich, immer der Handelsstraße folgend, auf de Weg in Richtung Gebirge zu machen. Es hatte sich alles ein wenig anders entwickelt, als Guthwulf es gern gesehen hätte, aber es würde auch so klappen. Er war anpassungsfähig und egal wie die Sache für den Kult ausging, er würde dafür sorgen, dass seine Taschen sich letztendlich mit Gold füllte. Wessen Köpfe dafür rollen musste, interessierte den alten Krieger nicht im Geringsten, solange es nur nicht sein Eigener war...
17.05.2003, 14:31 #16
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Schweigend war Guthwulf dem alten Kultisten durch das verwirrende Ganglabyrinth gefolgt, hatte sich die zahllosen Abzeigungen und Gangbiegungen so gut eingeprägt, wie es in dieser kurzen Zeit möglich war. Schien verdammt groß zu sein, diese Festung. Seit wann besaßen verblendete Gebetsvereingungen derartige Bollwerke? Der Wolf vermutete, dass mehr hinter der Fassade der religiösen Gemeinschaft steckte, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Große Festungen hatten meistens auch eine ganze Menge Reichtum zu beherbergen. Der Kopfgeldjäger war hier also im wahrsten Sinne des Wortes goldrichtig.
Kurz nachdem er gemeinsam mit seinem Führer Adolf in das kleine, spärlich eingerichtete Zimmer getreten war, machte er es sich an der kahlen Steinwand bequem und unterzog den in die Jahre gekommenen Exkopfjäger einer schnellen, trotzdem nicht weniger gründlichen Musterung. Hagerer Körperbau, leicht untersetzt, das spärliche Haar ordentlich gekämmt, den gräulichen Schnurrbart gestutzt. Die kleinen, aus einem faltigen Gesicht hervorblitzenden Augen hatten einen aufmerksamen Ausdruck. Ja, dieser alte Kerl schien wirklich einmal ein Krieger gewesen zu sein.
Die bräunliche Kleidung, in der Adolf seinen Körper hüllte, war einfach, doch von geradem Schnitt und offensichtlich frisch gewaschen, die Hosenbeine steckten in hohen, pechschwarz glänzenden Lederstiefeln, bildeten somit einen krassen Gegensatz zu Guthwulfs Rüstung, an dessen Ledercape noch immer der Staub der Wanderung klebte.
Und dieses Väterchen hatte also einen Auftrag für den Wolf. Ein flüchtiges, hauchdünnes Lächeln huschte über die spröden Lippen. Es war erstaunlich, wie gut die Geschäfte momentan liefen. Sein Geldbeutel war so voll wie in seinen Jugendjahren, seine Dienste offenbar gefragter denn je. Zumindest bei den Angehörigen dieses Kultes schien sein Name bekannt zu sein. Der Jäger zog seinen Hut tiefer in das hagere Gesicht. Seine Stimme war tief, rauh und so ruhig, dass man fast denken könnte, er spräche über seine Absicht, nun zu Bett zu gehen.

"Die Inquisition hat viele Männer. Ich werde mit ihnen kämpfen müssen."
Die stahlgrauen Augen blitzen im Schatten der breiten krempe, als der Wolf den Kopf hob und dem alten Mann in das faltige Antlitz starrte.
"Das wird nicht billig werden."
17.05.2003, 15:32 #17
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Gelassen nahm der Wolf das Pergamentstück entgegen und betrachtete das darauf gezeichnete Gesicht. Burkhardt also. Burghardt, das Schwein. Seine augedunsenen Gesichtszüge sollten nicht schwer zu finden sein. Guthwulf steckte das Pergamentstück in seinen Gürtel, direkt neben die Phantomzeichnung seiner ersten Zielperson und blinzelte kurz zu Adolf hinüber. Die Tatsache, dass er Kid erwähnte hatte zeigte deutlich, dass er für einen im Wald hausenden Kultisten verdammt gut informiert war. Der Wolf konnte nicht verhindern, dass ein flüchtiges, hauchdünnes Lächeln über sein stoppelbärtiges Gesicht huschte. Man merkte dem alten Mann seine Vergangenheit als Kopfjäger an. Männer vom Schlage wie sie es waren machten sich nichts aus Unwissenheit sondern sahen zu, dass die immer auf dem Laufenden blieben. Das war auch der Grund warum sie länger lebten als andere im Kriegshandwerk tätige Männer und Frauen.
Guthwulf wollte die Frage, ob er noch fragen hätte, schon verneinen, als ihm doch noch etwas einfiel. Mit routinierten Bewegungen entrollte er den zweiten Steckbrief, den er bei sich führte, und hielt ihn Adolf unter die Nase. Der Kult hatte ihm diesen Auftrag erteilt, und so war es wahrscheinlich, dass die Bewohner der Waldfeste daran interessiert waren, diesen namenlosen schwarzen Gesellen möglichst schnell unter der Erde zu sehen. Vielleicht hatten sie Informationen, die Bort in seinem Rattenloch nicht in Erfahrung bringen konnte.

"Was weißt du über den Tavernenkiller?"
Der alte Mann warf nur einen flüchtigen Blick auf das Pergament, zuckte dann gleichgültig mit den Schultern.
"Nicht allzu viel. Nur dass er sein Handwerk versteht. Falls es dir gelingt, seine Fährte aufzuspüren - was an sich schon nicht einfach werden dürfte - solltest du aufpassen. Er schlägt meist dann zu, wenn man es nicht erwartet. Neulich hat er fünf unserer Krieger getötet ohne dass ihn jemand gesehen hat. Und er beherrscht eine sonderbare Art der Magie, die mir bisher noch nicht untergekommen ist. Laut den Augenzeugen kann er Bäume zum reden bringen und solche Sachen.... also halt dich von Botanik fern wenn du ihm begegnest. War das jetzt alles?"
Ohne Eile steckte der Wolf die Zeichnung wieder in seinen Gürtel, hob dann den Blick, um Adolf anzufunkeln.
"Haltet das Gold bereit, ich bin bald zurück."
In einer fließenden Bewegung wandte er sich ab, öffnete die Tür und trat auf den Korridor hinaus. Seine schweren Lederstiefel klackten über den nackten Felsboden, die lederne Hose knarzte bei jedem Schritt, als der Kopfjäger die gewundenen Gänge entlangschritt, das braune Cape wallte um seinen hagren Körper. Nächste Abzweigung links....geradeaus....vorbei an den nächsten Biegungen....jetzt rechts...
Guthwulf trat in die riesige, rechteckige Vorhalle der Burg hinaus. Die auf den Stegen patroullierenden Kultisten warfen ihm einige neugierige Blicke zu, beachteten ihn sonst allerdings nicht weiter. Wortlos wurde das massive Hügeltor geöffnet, und der Wolf trat hinaus in den Waldnachmittag. Kurz musterte er die mächtigen Stämme der Baumriesen, die weit ausladenden Blattkronen und das dichte Buschwerk.
> Halte dich von der Botanik fern < Der Kopfjäger schmunzelte. An Adolfs Stelle würde er sich viel mehr um die Sicherheit der Burg sorgen als um die des erfahrenen Kriegers. Sie lag mitten in einem Waldstück, nicht gerade ideal, wenn ein verrückter, der Naturmagie mächtiger Massenmörder es auf den Kult abgesehen hatte. Nun ja, das war wirklich nicht Guthwulfs Problem. Er würde dafür sorgen, dass er gut abkassierte, und die Fanatiker auf allen Seiten dann ihrem Schicksal überlassen. Und wer konnte es schon wissen, wenn die Überlebenden des unausweichlichen Gemetzels zahlenmäßig gering genug war, könnte der Wolf vielleicht Hyäne spielen und dem angeschlagenen Siegertier den Rest geben, um sich dann an beiden Kadavern zu laben....
18.05.2003, 12:03 #18
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Die Sonne hatte ihren Zenitstand bereits fast erreicht, als Guthwulf wieder durch die Tore der Hafenstadt stapfte. Die Tormachen musterten den hageren Neuankömmling mit misstrauischer Miene, der Wolf sah, dass ihre Hände instinktiv zu den Schwertern an ihren Gürteln glitten. Einer von ihnen, ein untersetzter, zur Fettleibigkeit neigender Bursche, machte Anstalten sich dem Kopfgeldjäger zu nähern. Es war ein kühler Tag, und ein plötzlicher Stoß des steifen Hafenwindes verfing sich in Guthwulfs Kleidern, bauschte das schwere Ledercape auf, entblößte den doppelten Waffengurt und die beiden blitzenden Griffe der in ihren Lederscheiden steckenden Erzklingen. Plötzlich hatten es die Stadtgardisten garnicht mehr eilig, den stoppelbärtigen Krieger aufzuhalten, schweigend und ohne Eile passierte er den Torbogen, wanderte dann langsam die Hauptstraße hinauf, um wenig später in eine weniger belebte Seitengasse abzubiegen.
"Pssst. Hey. Wolf."
Der Kopfjäger hob den Kopf und wandte den Blick, um die dürre Gestalt zu mustern, die rechts neben ihm im Schatten einer Häuserecke lungerte. Er brauchte das fettige Haar, die schmutzigen Kleider und die alte Armbrust garnicht erst zu sehen, er wusste sofort, wen er vor sich hatte. Seit Jahren machte er mit ihm Geschäfte. Der Kopfjäger tippte an seinen Hut.
"Ratho."
Der rattengesichtige Mann humpelte aus seinem dunklen Versteck, ein schiefes grinsen zierte seine rissigen Lippen.
"Hehe, da bist du ja. Warte schon seit dem verdammten Sonnenaufgang auf dich."
Der Wolf zog seinen Hut ein wenig tiefer in das hagere Gesicht.
"Hatte Geschäfte zu erledigen."
-"Sicher, wer hat das nicht." Ratho kicherte wissend, wurde dann jedoch schnell wieder ernst. "Ich hab nachrichten für dich. Nicht mehr ganz frisch, aber du warst ja auch nicht in der Stadt."
-"Sprich."
Rathos Augen huschten in ihren Höhlen umher, so als müsse er sich erst absichern, dass es keine ungebetenen Zuhörer gab.
"Also gut, hör zu. Einer meiner Informanten sagt, er habe den Tavernenkiller hier in Gorthar gesehen."
Mit "Informanten" meinte Ratho das weitverzweigte Netz aus Taschendieben und Kleinkriminellen, die er dafür bezahlte, ihre Augen und Ohren offen zu halten. Für gewöhnlich war auf sie Verlass, also griff Guthwulf in seinen prallen Lederbeutel und drückte dem abgerissen aussehenden Burschen ein paar Goldstücke in die Hand.
"Wann und wo?"
-"Gestern Abend, in der Taverne "Zur Luzkanklaue". Der Junge war sich nicht vollends sicher, dass es sich wirklich um den Tavernenkiller handelt, aber er meint, eine schwärzere Rüstung habe er in seinem Leben noch nicht gesehen. Größe und Statur passten auf jeden Fall und wer weiß, dieser Mann beherrscht die Magie, vielleicht kann er auch sein Gesicht verändern?"
Möglich war alles. Der Kopfjäger strich nachdenklich über sein stoppelbärtiges Kinn. Im Zwielicht der Straßenecke waren Nasen- und Augenpartie des Kriegers vollständig im Schatten der Hutkrempe verborgen.
"Zur Luzkanklaue also..."
Der Wolf nickte seinem Partner dankend zu.
"Ich werd mich dort mal umsehen."
-"Sei bloß vorsichtig. Du bist mein bester Kunde!" rief der rattengesichtige Typ dem Kopfjäger noch hinterher, doch dieser hatte sich bereits wieder auf den Weg gemacht. Zügigen Schrittes stapfte er durch die Gassen der Hafenstadt, gelangte schließlich zu einer windschiefen Taverne, auf deren halbverwitterten Holzschild eine stilisierte Kralle aufgemalt worden war. In gemessenem Tempo trat Guthwulf in den nur mäßig gefüllten Schankraum, seine Lederstiefel klackten schwer über die hölzernen Bohlen des Fußbodens. Als der Wirt den Wolf bemerkte, nickte er ihm grüßend zu. Der Jäger wohnte nun schon fast sein gesamtes Leben in dieser Stadt, er kannte die ansässigen Leute.
"Sei mir gegrüßt, Guthwulf. Was kann ich für dich tun."
Der alte Krieger trat an die Theke heran, stützte sich mit einem Ellbogen auf die schartige Holzplatte, während die andere einige Münzen springen ließ.
"Ein Krug Bier und ein paar Informationen."
Der Wirt nickte und bückte sich nach einem der einfachen Tonkrüge, den er dann an einem nahen Bierfass füllte. Klackend wurde das Gefäß auf der Theke abgestellt.
"So, und nun erzähl. Was liegt an?"
Der Wolf nahm einen großzügigen Schluck aus dem Krug, dann glitten seine behandschuhten Finger langsam nach oben, um den ledernen Schlapphut ein wenig aus der Stirn zu schieben. Ein paar Bierschaumflocken hatten sich in den bräunlich-blonden Bartstoppeln verfangen, wurden nun mit einer routinierten Bewegung weggewischt.
"Ich suche nach einem Mann in schwarzer Rüstung. Groß und hager. Hab gehört er wär gestern bei dir untergekommen."
-"Aye, das ist richtig." Der Wirt nickte. "Komischer Kauz. Hatte eine Frau dabei, kamen gestern Abend hier an. Haben sich bei mir einquartiert, die Frau ist allerdings schon weg."
"Der Mann ist noch da?"
Wieder nickte der Wirt. Ein zufriedenes Lächeln huschte über das Gesicht des Wolfs.
"Sehr gut."
-"Soll ich nach ihm schicken?"
"Nein." Der Kopfjäger griff an seinen Gürtel. In den Händen hielt er einige braune Tabakblätter, die er jetzt auf der Tischplatte auslegte, um dann damit zu beginnen, sie zu einem handlichen Stengel zusammenzurollen.
"Ich warte."
Der Tavernenbesitzer musterte Guthwulf mit einer undefinierbaren Miene.
"Du planst doch keinen Ärger hier in meiner Schenke?"
Der alte Krieger antwortete nicht, sondern starrte weiter stumm auf die zu den Schlafräumen führende Treppe. Der Wirt seufzte.
"Verdammt, Wolf, mach keinen Mist. Wenn du hier etwas zerstörst, dann bezahlst du es, verstanden?"
Wortlos stellte der Kopfjäger einen ganzen Beutel voller Geld auf die Theke.
"Den Rest gibts später."
Der feiste Schenkenbesitzer schlug die Hände über dem Kopf zusammen.
18.05.2003, 13:27 #19
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Das war also der berüchtigte Tavernenkiller. Stahlgraue Pupillen blitzten aus dem Schatten der Hutkrempe, unterzogen den schwarzen Krieger einer eingehenden Musterung. Körperbau und Kleidung trafen durchaus auf das Täterprofil zu, doch das Gesicht...die Augenlider des Wolfes verengten sich.
Das Antlitz, welches dem Kopfjäger da entgegenblickte, wollte nicht mit den Aussagen, bei dem Wahnsinnigen handele es sich um eine lebende Leiche, zusammenpassen. Die Haut des Mannes war von gesunder Farbe, der dunkle Bart ordentlich gestutzt. Die blauen Pupillen hatten weder den fiebrigen Glanz eines Irren, noch lagen sie tief in den Höhlen. Entweder war der Tavernenkiller ein Meister der Tarnung, die Informationen des Wolfs waren nicht richtig oder er hatte hier schlichtweg die falsche Person aufgestöbert. Nachdenklich zog Guthwulf an seiner Jägerpfeife. Knisternd fraß sich die Glut den Tabakstengel hinauf, ihr blauer Rauchfaden vereinigte sich mit der qualmenden Dunstwolke, die in diesem Augenblick zwischen den zusammengebissenen Zähnen des Kopfgeldjägers in die Freiheit entwich. Gelassen wartete der Wolf, bis der Fremde die Treppe vollends herabgestiegen war, erhob sich dann mit langsamen, beinahe bedächtigen Bewegungen und verstellte dem schwarzen Krieger den Weg. Dieser hatte ihn bereits bemerkt und blieb ebenfalls stehen. Gleichgültiges Grau traf auf kaltes Blau, als ihre Blicke sich kreuzten. Guthwulfs Finger glitten ohne Eile an sein Cape, schlugen es mit einer fließenden Bewegung zurück. Das warme Licht der Sonne brach sich im blitzenden Stahl der beiden Schwertgriffe, brachte die lange Reihe der Wurfmesser zum Blinken. Die wenigen Besucher, die sich zu dieser Tageszeit in der Taverne aufhielten, zogen sich in die hinteren Bereiche des Schankraumes zurück. Es wurde still, so dass die emotionslose, gleichgültig ruhig und tonlos klingende Stimme des Wolfes überall deutlich zu hören sein musste.

"Dein Weg endet hier, Tavernenkiller."
18.05.2003, 14:02 #20
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Tak? Wer bei allen verfluchten Göttern dieser erbärmlichen Welt war Tak? In Guthwulfs Augen blitzte es. Der schwarze Krieger konnte mit diesem Namen nur den Tavernenkiller meinen. Das hieß im Klartext, er kannte ihn. Das wiederum hieß, dass er dem Wolf jetzt alles über ihn erzählen würde, auf die eine oder die andere Weise. So rührte sich der Kopfgeldjäger keinen Zentimeter, als der schwarze Mann ihn dazu aufforderte, sondern blieb weiter reglos, die Hände nur wenige Fingerbreit von den Griffen der Schwerter entfernt, inmitten des Schankraumes stehen.
"Nicht so schnell, Gringo."
Der Tabakstengel in Guthwulfs Mundwinkel glühte auf. Bläulicher Qualm stieg gen Schankraumdecke.
"Du kennst den Tavernenkiller? Sprich, was hast du mit ihm zu schaffen?"
Der Wolf musterte den Krieger. Er trug eine schwarze Rüstung, war er vielleicht ein Komplize des gesuchten Mörders? Ein Freund? Ein Bruder? Konnte man ihn als Druckmittel benutzen, um die Zielperson aus ihrem Unterschlupf zu locken? Die nächsten Worte des Burschen würden ihm Aufschluss darüber geben.
18.05.2003, 14:42 #21
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
"Du ähnelst diesem Tak mehr, als dir lieb sein könnte, Gringo."
Die Tatsache, dass der Mann sich offensichtlich nicht gegen ihn zur Wehr setzen wollte, ärgerte Guthwulf ein wenig. Er mochte es nicht besonders, wehrlosen Menschen den Kopf abzuschlagen. Wenn dieser Kopf allerdings 5000 Goldstücke wert war, machte er jedoch eine Ausnahme.
"Ich hoffe du hast bessere Gründe als den Stadtrat, um deinen Hals zu retten."
Der Wolf hatte auf seinem Weg in die Taverne keinerlei Sonderpatroullien der gorthanischen Soldaten gesehen. Falls dieser Typ die hohen Tiere innerhalb der Burg also kannte, konnte er ihnen nicht sonderlich viel wert sein. Abgesehen davon war der Kopfgeldjäger ein bekannter Mann in bestimmten, sehr armen, sehr unsicheren Regionen dieser Stadt. Die Wachen würden sich dreimal überlegen, nach einem schwer bewaffneten Krieger mitten in den schmutzigen Gossen des Hurenviertels zu suchen.
Guthwulf trat an die Theke heran und stellte sich direkt neben den schwarzen Recken. Seine Bewegungen waren gelassen, seine Stimme klang weder bedrohlich noch schneidend. Diese ganze Angelegenheit berührte ihn nicht persönlich, es war seine Arbeit, seine Art, am Leben zu bleiben. Ihm ging das Schicksal des Tavernenkillers ebenso nahe wie die Zukunft dieses Mannes, es kümmerte ihn nicht mehr als ein Schuster sich um sein neustes Paar Schuhe sorgte. Sein einziges Ziel war, Profit daraus zu schlagen.
Mit routinierten Bewegungen nahm der Wolf den Tabakstengel aus dem Mund und drückte den Stummel auf der hölzernen Theke aus, griff dann nach seinem halbgeleerten Bierkrug. Sein Blick war auf die schillernde Flüssigkeit innerhalb des einfachen Tongefäßes gerichtet.

"Du hast nun drei Möglichkeiten, Gringo. Erstens." Der behandschuhte Zeigefinger der linken Hand hob sich. "Du sagst mir deinen Namen und deine Herkunft. Du erzählst mir alles, was du über den Tavernenkiller weißt, was du mit ihm zu schaffen hast und erklärst mir, warum ich dir glauben sollte. Zweitens." Der Mittelfinger wurde gestreckt. "Du gehst nach draußen, und wir regeln diese Angelegenheit wie Krieger. Solltest du versuchen zu fliehen, gib es auf. Ich finde jeden, und zwar immer. Drittens." Der Ringfinger gesellte sich zu seinen beiden Vorgänger. "Du bleibst schweigend hier sitzen und ich schlage dir deinen Schädel von den Schultern, da ich dann annehmen muss, dass du gelogen hast."
Die drei Finger krümmten sich, und die Hand wurde langsam wieder auf die Theke gelegt. Der Kopfjäger nahm einen bedächtigen Schluck aus seinem Bierkrug, bevor er weitersprach. Noch immer war seine Stimme bar jeder persönlichen Anteilnahme an dieser Angelegenheit.
"Was darf's sein, Gringo?"
18.05.2003, 15:27 #22
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Guthwulf wandte nicht einmal den Kopf, um einen Blick auf die Klinge zu werfen. Stattdessen setzte er sich schweigend seinen Bierkrug an die Lippen und ließ sich den kleinen Rest, welcher dem Durst des Wolfes bis dahin entkommen war, auch noch durch seine Kehle rinnen. Klackend stellte er das Gefäß wieder auf den Tisch, um sich dann ohne Eile zu erheben.
"Du hattest deine Chance, Gringo."
Die Stimme des Kopfjägers hatte sich um keine Nuance verändert, sie klang noch immer, als unterhielte man sich über den Ablauf eines ereignislosen Tages, anstatt über Leben und Tod. Langsam trat er hinter den schwarzen Krieger, warf die Flügel seines Capes mit einer bedächtigen Bewegung über die Schultern, um so die Arme frei zu haben. Die behandschuhten Finger glitten an die Griffe seiner Schwerter, schlossen sich um den kalten, lederumwickelten Stahl. Die Muskeln des Wolfes spannten sich. Der Blick der kalten Augen war starr auf den schwarzen Burschen gerichtet, jede noch so kleine Bewegung würde ihm nicht entgehen. Er hoffte, dass er sich wehren würde, dass er seinerseits die Schwerter ziehen und ihm wenigstens einen ordentlichen Kampf liefern würde. Wenn Guthwulf eines nicht leiden konnte, dann waren es großmäulige Schwätzer, deren Köpfe dann allerdings schon nach einigen Sekunden über den Fußboden rollten, wenn es hart auf hart kam.
"Wehr dich, Gringo."
In einer einzigen, fließenden Bewegung zischten die Schwerter aus ihren ledernen Betten, zwei silbergraue Blitze durchschnitten die Luft, ihre dünnen, tödlich scharfen Leiber machten sich auf den Weg, ihr blutiges Werk zu verrichten. Doch es schien, als würde der ältere Kopfgeldjäger nicht enttäuscht werden...
18.05.2003, 16:09 #23
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
Guthwulf erstarrte in der Bewegung, sein freier, linker Arm hing unbewegt in der Luft, das Klingenblatt des glänzenden Erzschwertes befand sich nur wenige Zentimeter vom Körper des schwarzen Mannes entfernt. Im Schatten der Hutkrempe verengten sich die faltigen Augenlider des Kopfjägerds zu schmalen Schlitzen, das hagere Gesicht blieb jedoch weiterhin ausdruckslos. Der Wolf fing den Blick des Kriegers mit seinen Augen, nagelte ihn fest, ließ ihn nicht mehr los. Schweigend starrten die beiden Männer sich an, ihre Leiber schienen erfroren, das lebensgroße Kunstwerk eines Bildhauers mit Sinn für das Dramatische.
Guthwulf war zu allem bereit. Er dachte nicht daran, seine Schwerter fallen zu lassen, niemals würde er sich freiwillig der Gnade eines dahergelaufenen Gringos ausliefern. Das hatte er noch nie getan, und das würde er auch nie tun. Sollte ihm dieser Welpe seinen Arm tatsächlich brechen, würde ihn das zweite Schwert des Kopfjägers noch im selben Sekundenbruchteil durchbohren. Eine Pattsitiuation, wie sie klassischer nicht sein konnte. Der Wolf mochte die Spannung. Sie gab ihm das Gefühl, wirklich am Leben zu sein. Als er das Wort ergriff, schwang ein ironischer Unterton in seiner Stimme.

"Sieht mir ganz danach aus, als würde das hier länger dauern. Erzähl mir solange doch was über diesen Tak, Gringo."
Der Kopfjäger war selbst fast überrascht. Hatte er da tatsächlich eine humorvolle Bemerkung gemacht? Bei den Göttern, er schien langsam wirklich alt zu werden. Die Anspannung der drahtigen Muskeln musste jeden Gedanken an einen alten Mann jedoch als Lüge strafen. Der Wolf war weder schwach, noch müde. Zur Not würde er die ganze Woche in dieser Taverne stehen und darauf warten, dass dieser dunkle Gringo den nächsten Zug tat. Im Warten hatte der Jäger Erfahrung...
18.05.2003, 16:40 #24
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
"Du bildest Mörder aus, Gringo?"
Ein schiefes Grinsen huschte über Guthwulfs hagere Züge, nicht mehr als ein flüchtiger Windhauch, bevor der Wolf wieder in seine übliche Ausdruckslosigkeit verfiel.
"Du bist ehrloser als ich dachte."
Die Klinge des Kopfgeldjägers schwebte in der Luft, ein tödlicher Stachel geronnenen Silbers, bereit den angespannten Körper des schwarzen Mannes in seine blutigen Einzelteile zu zerlegen.
Innerlich bedauerte Guthwulf seine Fehleinschätzung. Er hatte diesen Krieger für einen Menschen mit Prinzipien, auch wenn sich diese Prinzipien von denen des Wolfs deutlich unterschieden. Anscheinend hatte er sich getäuscht. Nach allem, was man sich über diesen Tavernenkiller erzählte, handelte es sich bei ihm um einen gewissenlosen Schlächter, der aus reinem Vergnügen tötete. Der Wolf betrachtete das Kriegshandwerk als notweniges Übel und verachtete somit jeden, der wirklichen Gefallen an dem Tod anderer Menschen fand. Und dieser Welpe dort hatte ein solch niederes Wesen zu dem gemacht, was er war. Guthwulf spuckte auf den Boden.

"Lass meinen Arm los, Gringo, ich werde dir Zeit geben, deine Waffen zu ziehen und dich zu wehren, bevor ich dich töte. Für ehrlose Frauenmörder wie dich verlange ich nichteinmal ein Kopfgeld."
19.05.2003, 12:15 #25
I-Guthwulf-I
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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3 -
"Wie gütig von dir Gringo."
Guthwulfs Stimme klang weder dankbar noch hatte sie überhaupt einen freundlichen Unterton. Genau genommen hatte sie gar keinen Unterton, sondern war von der unnahbaren Gleichgültigkeit eines uralten Felsblocks. Die Waffe des Kopfgeldjägers bewegte sich um keinen Millimeter.
"Ich lehne dein Angebot aber ab."
Weitere Erklärungen schienen dem Wolf müßig. Einem großspurigen Schwätzer die Welt der Erwachsenen darzulegen war die Aufgabe eines Vaters, der bei diesem weltfremden Burschen ganz offensichtlich versagt hatte. Dass ihn Taks Beweggründe so wenig interessierten wie den Fisch im Teich die politische Situation in Myrthana, das verstand der dunkel gekleidete Recke anscheinend nicht. Er war hinter dem Gold her, dass auf den Kopf des Tavernenkillers ausgesetzt war. Nur die bare Münze war für ihn von Bedeutung. Selbst wenn sich herausstellte dass dieser Tak ein weiser Mönch war der die Tavernen lediglich von dämonischen Unwesen befreit hatte, so blieb sein bleicher Schädel trotzdem stattliche 5000 Goldstücke wert. Das einzige, was Guthwulf also dazu bewegen konnte, seine Jagd zu beenden war die Sicherheit, dass Taks Kopf wertlos geworden war. So simpel war die Welt, und der Wolf hatte nicht vor sie durch leere Hüllen der Schwäche wie Moral und Glauben unnötig zu verkomplizieren. Früher, ja früher war das einmal anders gewesen. Damals waren die Umstände aber auch völlig andere. Menschen, die lange tot waren, hatten gelebt, Menschen, die den alten Krieger hassten, hatten ihn geliebt und Menschen, deren Köpfe der Jäger längst gegen klimperndes Metall eingetauscht hatte, hatten ihn gejagt. Damals war er jung und unerfahren gewesen, ein Welpe, leichte Beute in einer von Geiern und Hyänen regierten Welt. Aber er hatte überlebt, hatte sich auch ohne schützendes Rudel durch seine Jugend gekämpft und war zu dem geworden, was er war...

Plötzlich flog die Tavernentür mit einem lauten Knall aus den Angeln, krachte auf den schmutzigen Holzboden, wirbelte dicke Wolken alten Staubes in die Luft. Guthwulf starrte dem schwarzen Burschen ungerührt weiter in das bärtige Gesicht, nahm aber aus den Augenwinkeln wahr, wie eine Gruppe von etwa fünf oder sechs Personen durch die aufgesprengte Tür trat. Das Klacken schwerer Stiefelsohlen erfüllte den Raum, als sich die unbekannten Gestalten in der Schenke verteilten. Einer baute sich einige Meter hinter dem Kontrahenten des Wolfs auf, so dass dieser einen Blick auf ihn werfen konnte. Schmutzige Stoffhose, grobes Lederwams, schwere Eisenkeule, das narbige Gesicht zu einem dumpfen, zahnlückigen Grinsen verzogen. Primitive Schläger, wie man sie im Hurenviertel zuhauf antraf. Für zehn Goldstücke brachten diese Typen ihre eigene Mutter um, sofern sie das noch nicht getan hatten. Der alte Krieger kannte nur eine Person, die dumm genug war, diese Ratten anzuheuern.

"Ah, schau doch mal an. Der Wolf hat sich doch tatsächlich von seinen Wunden erholt. Gratulation, eine reife Leistung." Ein affektiertes Lachen unterbrach den Fluss der wohlartikulierten Worte. Guthwulf kannte diese Stimme. Ihrem Besitzer hatte er vor nicht allzu langer Zeit einen sehr unschönen Tod versprochen. Der Kopfjäger wandte den Kopf immer noch um keinen Deut.
"Zieh Leine Kid."
Wieder dieses affektierte Lachen. Die Finger des Wolfes schlangen sich fester um die beiden Schwertgriffe.
"Ich denke nicht dass ich das tun werde, alter Mann. Da du so unendlich nett warst, den Tavernenkiller für mich aufzuspüren, bleibt mir eine Menge Arbeit erspart. Mein Auftraggeber wird sehr erfreut sein."
-"Ich war eben schon immer schneller als du, Kid."
Irgendwo in Guthwulfs Rücken erhob sich jemand von seinem Stuhl. Der Kopfjäger blickte dem schwarzen Recken schweigend in die Augen. Seine Lippen bewegten sich nicht, doch trotzdem musste die dunkle Stimme des Jägers für seinen bärtigen Kontrahenten zu hören sein.
"Zwei hinter dir, Gringo. Jetzt kannste mal zeigen ob deine Klingen schärfer sind als dein Verstand."
Schritte näherten sich den beiden reglosen Kriegern.
"Nun gut Wolf, dann wollen wir diese unwürdige Farce doch beenden. Bort wird hoch erfreut sein."
Stahl wurde mit einem schabenden Geräusch aus einer ledernen Scheide gezogen. Die Augen des Kopfjägers blitzten auf als er seinen Körper drehte und mit der freien Hand das Schwert zur Seite schwang, um einen herankommenden Hieb abzublocken.
"Jetzt Gringo!"
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