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[Q] Das Land Gorthar (Südland) # 3
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12.05.2003, 23:27 #76
Superluemmel
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Etwas kaltes, feuchtes lag auf Frosts Stirn als sich der Mantel der Bewusstlosigkeit von seinem Geist löste.
Als nächstes fiel dem Krieger auf, dass die bohrenden Kopfschmerzen auf ein leichtes Pochen an den Schläfen zurückgegangen waren. Er lebte also tatsächlich noch...
Dieses Mal wäre seine Entscheidung beinahe ins Auge gegangen. Entweder er lernte, sich besser zu beherrschen oder er brachte sich noch selbst um. Ihm schien, als ob die
Flammenschneide jedes Mal wenn er sie zog stärker wurde. Gleichzeitig fiel es ihm um ein vielfaches schwerer, den Willen der Waffe zu brechen. Wenn er bedachte, dass er das Schwert bisher erst wenige Male im Kampf eingesetzt hatte...
Zwar lockte die Klinge durch ihre unglaubliche Wut und damit verbundene Durchschlagskraft, doch kostete sie ihn bei jedem Einsatz mehr als nur einen unbezahlbaren Kraftverlust. Gab er sich ihrem Blutdurst hin, war die gesamte Expedition zum Herzen des Feuers umsonst gewesen.
Er musste einen Weg finden, die Klinge zu kontrollieren. Ihr Einsatz war zu gefährlich. Sowohl für ihn selbst als auch seine Gegner. Noch nie zuvor war ihr aufgestauter Zorn dermaßen heftig auf Frost zurückgeworfen worden. Das nächste Mal würde er vielleicht nicht mehr mit dem Schrecken davonkommen...
Doch es wurde allmählich Zeit, unter die Lebenden zurückzukehren.
Vorsichtig öffnete Frost die Augen. Zu seinem eigenen Erstaunen war sein Blick scharf wie immer. Keine Nebenwirkung seiner Schwäche zu bemerken.

"Endlich seid ihr aufgewacht", begrüßte ihn eine rauhe Bassstimme.
Frost drehte leicht den Kopf und blickte direkt in das dunkelhäutige Gesicht eines breitschultrigen Mannes. Das rauhe Klima am Gletscher hatte seine Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Zwischen den rabenschwarzen Haaren fanden sich vereinzelt graue Strähnen. Ebenso wurde der kurz gehaltene, dunkle Vollbart von zwei grauen Streifen durchzogen, die von den Mundwinkeln ausgehend bis zum Kinn verliefen.

"Na, war's schön drüben?", fragte der Mann mit einem väterlichen Lächeln.
Frost wusste nicht so recht, was der Mann mit "drüben" meinte und so antwortete er vorsichtig.

"Entschuldigt mich, aber ich versteh nicht so recht."
Das Lächeln des Mannes verbreiterte sich zu einem schelmischen Grinsen.
"Ihr wart bewusstlos. Macht euch keine Gedanken darüber, wir Bergleute sind nunmal ein eigentümliches Volk."
Da konnte der Waffenmeister nur zustimmen. Obwohl sich ein Susdruck von Sorge in das Gesicht seines Gegenübers mischte, stemmte er sich mit einem leisen Seufzer in eine sitzende Position hoch. Seine Finger tasteten sanft wie die Fühler eines Insekts über die Wunde an seinem Hals. Ein straffer Verband spannte sich um seinen Brustkorb sowie den Schnitt, stellenweise war er noch feucht.
"Keine Sorge, ihr werdet's überleben", meinte der Bergmann mit seinem warmen Lächeln.
"Ihr habt zwar eine Menge Rotwein vergossen, aber die Wunde ist nicht tödlich. Passt dennoch in Zukunft besser auf, ein paar Finger weiter und ihr könntet Beliar in seinen Hallen besuchen."
Der Mann hatte wirklich einen seltsamen Sinn für Humor, das gestand ihm Frost jederzeit zu.
Der Waffenmeister erwiderte das Lächeln und setzte sich vollends auf.

"Wo ist mein Harnisch?"
"Kaum wach und schon wieder bereit für neue Schlachten?"
Der Bergarbeiter hob den Zeigefinger.
"Na, na, na, wir wollen doch mal nichts überstürzen. Keine Angst, eure Rüstung ist in sicheren Händen. Aber nehmt doch erstmal einen Schluck Tee."
Mit diesen Worten reichte er Frost eine dampfende Tasse. Dankbar nahm Frost den stark nach Kräutern duftenden Tee entgegen und nippte an ihm. Der Tee schmeckte nicht nur stark nach ihm unbekannten, würzigen Kräutern sondern auch gehörig nach Schnaps. Verflucht scharfem Schnaps.
"Na, das belebt doch Leib und Seele, findet ihr nicht?", grinste der Bergmann als er Frost überrascht die Luft einsaugen hörte.
"Mit dem Zeug kann man Tote erwecken...", murmelte er, nahm dann aber einen weiteren Schluck. Sein Gegenüber hatte vollkommen recht. Schon nach wenigen Sekunden breitete sich ein Gefühl wohliger Wärme in Frosts Magengrube aus.
"Dann ist es ja genau das richtige für euch", meinte der Bergarbeiter mit einem verschmitzten Grinsen.
Täuschte sich Frost oder wusste der Mann mehr als er zugab?

"Erlaubt mir eine Frage", fuhr der Dörfler nach einer kurzen Pause fort.
"Ihr kommt doch nicht von hier. Ihr seht weder aus wie ein Gorthaner noch sprecht ihr wie einer. Ihr seid aus dem Norden, nicht? Wie ist euer Name?"
"Frost", erwiderte der Krieger wahrheitsgemäß.
"Und ihr habt Recht, ich stamme aus Hammerfoldt."
Der Bärtige erhob sich von seinem Platz und wanderte quer durch den Raum zu einer ausladenden Holzbank. Seine Fingerspitze tippte in einem regelmäßigen Takt gegen den Rand seiner eigenen Tasse, als er begann, zwischen einigen Pergamentrollen herumzukramen.
"Also doch. Euer Schwert und die Rüstung haben euch verraten. Dennoch war ich mir nicht ganz sicher."
Frosts Stirn legte sich in Falten, als er sein Gedächtnis durchforstete. Nein, er war sich sicher, dem Mann noch nie begegnet zu sein.
"Kennen wir uns?", fragte er unsicher.
Der Bergarbeiter unterbrach für einen Moment seine Suche. Dann wandte er seinen Kopf und lächelte abermals sein freundliches Lächeln.

"Nicht persönlich. Aber ich habe schon einiges von euch gehört."
"Oh", rutschte es Frost heraus, "Ausnahmsweise vielleicht auch etwas gutes?"
Erneut das verschmitzte Grinsen.
"Unterschiedlich. Doch für mich und viele andere in dieser Siedlung zählt vor allem eines."
Nach einer kurzen Unterbrechung zog der Arbeiter eine etwas vergilbte Schriftrolle aus dem Pergamentgewühl und drückte sie Frost in die Hand.
"Wisst ihr was das ist?"
Verdutzt blickte Frost auf das Schrifstück. Außer einem Gewühl aus Zahlen und verschiedener Abkürzungen konnte er nichts außergewöhnliches erkennen.
"Nein, tut mir leid", gab er nach kurzem Studium zu.
"Müsst ihr auch nicht", lächelte sein Gegenüber.
"Ich sage es euch. Das ist die Zusammensetzung für ein extremst leicht entzündbares Gemisch. Weiß wie Mehl und ebenso unscheinbar, aber es brennt heißer als tausend Feuer."
Frost blinzelte. Worauf wollte der Mann hinaus?
"Ich... verstehe immer noch nicht."
Das Grinsen seines Gegenübers versuchte die Grenzen seines Gesichts zu sprengen.
"Erlaubt mir, mich vorzustellen. Mein Name ist Horasson und ich bin der Älteste dieser bescheidenen Siedlung. Darüber hinaus bin ich der Gründer der "Ehernen Maulwürfe". Nun, ich erwarte freilich nicht, dass euch dieser Name etwas sagt."
Horasson setzte sich wieder auf seinen Stuhl und nahm einen kräftigen Zug von seinem Tee.
"Lasst mich euch eine kleine Geschichte erzählen. Die Luzkanzacken sind schon seit langem für ihr Schwarzerz bekannt. Zwar kann es nicht mit dem khorinischen Erz konkurrieren, doch unser Schwarzstahl stellt seid jeher einen der wichtigsten Rohstoffe Gorthars dar. Ohne ihn wäre das Land auf teure Importe aus Khorinis angewiesen. Der Herzog wusste das."
Der Dorfälteste nahm einen weiteren Schluck.
"Dennoch wollte er uns nach einiger Zeit nicht mehr den vollen Lohn für unsere Arbeit auszahlen. Wahrscheinlich brauchte er dank den Orkkriegen mehr Stahl für den Bau seiner Schlachtschiffe und die Ausrüstung seiner Armee. Doch auch wir müssen von irgend etwas leben. Der Bergbau hat in dieser Region eine lange Tradition. Schon unsere Urgroßväter haben Löcher in den Berg getrieben und vor ihnen ihre Väter. Wir haben mit unserem Blut Gorthar mit aufgebaut. Trotzdem sollten wir nicht mehr unser rechtmäßiges Brot bekommen."
Horasson lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und strich sich mit der rechten über den Hinerkopf.
"Natürlich berichteten wir dem Herzog von unserer Not. Leider ließ er nicht groß mit sich reden. Er meinte nur, dass das Land derzeit in einer Krise stecke und wir schon bald wieder unseren vollen Lohn erhalten würden. Nun, erzähl das mal deiner Frau und deinen hungernden Kindern. Die Winter am Gletscher sind hart. Härter als irgendwo sonst in diesem Land. Deshalb", er legte erneut eine Pause ein, "gründete ich die Maulwürfe."
Jetzt glaubte Frost zu begreifen.
"Ihr wart auf dem Schlachtfeld! Natürlich, wie konnte ich nur vergessen... Ohne eure Unterstützung hätte es düster für uns ausgesehen. Das hat es ohnehin schon..."
Horasson winkte ab.
"Wir sind es, die zu danken haben. Ihr habt uns gezeigt, dass wir für unsere Rechte kämpfen müssen. Und Innos weiß, das haben wir."
Der Waffenmeister schüttelte den Kopf und senkte den Blick.
"Ich habe nichts getan. Nichts, außer gute Männer in den sicheren Tod zu führen."
"Oh doch, das habt ihr. Manchmal bedarf es nur eines Anstoßes, um eine Lawine in Bewegung zu bringen. Diesen habt ihr uns gegeben. Durch eure Hilfe konnten wir zurückholen, was rechtmäßig unser ist. Dafür sind wir euch auf ewig für Dank verpflichtet."
"Dankt nicht mir, dankt den Männern und Frauen, die auf dem Schlachtfeld ihr Leben gelassen haben. Deren Zukunft, ihre Hoffnung starb zusammen mit ihnen."
Horasson starrte einige Sekunden lang in den dampfenden Tee, bevor er antwortete.
"Ihr solltet euch nicht selbst mit solch bitteren Worten strafen. Damals sind viele Menschen gestorben, um anderen ein besseres Leben zu ermöglichen. Es war ein hoher Preis, das will ich nicht leugnen. Doch letztendlich war der Gewinn jeden Tropfen Blut wert. Es wird euch nicht helfen, euch selbst ins Verderben zu stürzen, indem ihr euch euer Leben lang Vorwürfe macht. Es gibt Leute, die große Stücke auf euch setzen."
Andere Leute...
Die beiden Fremden!

"Vielleicht habt ihr Recht", meinte Frost schließlich und blickte Horasson ins Gesicht.
"Doch sagt, wie geht es meinen Begleitern?"
Abermals lächelte Horasson sein väterliches Lächeln.
"Meine Frau kümmert sich um sie. Euer Freund will dem Mädchen nicht von der Seite weichen. Ihr geht es schon besser, sie war offensichtlich vor allem erschöpft."
Frost atmete erleichtert auf. Dann war der Kampf doch nicht umsonst gewesen. Beruhigt ließ er sich zurücksinken.
"Habt Dank. Seid gewiss, dass ich mich für eure Hilfe erkenntlich zeigen werde."
Horasson leerte seine Tasse, bevor er aufstand und erneut zu seinem Arbeitstisch wanderte.
"Lasst mal gut sein. Ihr habt genug für uns getan. Kommt lieber schnell wieder auf die Beine. Es gibt viel zu bereden."
12.05.2003, 23:37 #77
Phoenixfee
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Phoenixfee bedankte sich höflich bei dem Wachposten und machte sich mit Samtpfote wieder auf dem Weg durch die Stadt in Richtung Festung auf.

Gorthar war größer das merkte sie jetzt in den verwinkelten Strassen und Gassen verirrte sie sich und kam jetzt schon zum 3 mal auf einen Platz aus, wo sie eigentlich nicht hinwollte.
Es war wohl doch am besten sich erst eine Unterkunft zu suchen und erst morgen Früh im Hellen zur Festung zu gehen und diesen Herrn Tanneberger aufzusuchen.
Nur, wo fand sie jetzt ein Gasthaus das noch offen hatte im Hafen war sie an eines vorbei gekommen aber das schien ganz geschlossen zu sein.

Einige Minuten Später, hatte Phoenixfee ein Gasthaus gefunden, "zum einäugigen Butt", las sie auf dem Schild über der Tür und offen schien auch zu sein.
Also betrat Sie das Gasthaus und sah den Wirt hinter der Theke.

Der Wirt schaute Samtpfote Skeptisch an, aber da Phoenixfee beteuerte das sie keinen anfallen würde, gab Er Ihr einen Schlüssel für ein Zimmer.
Phoenixfee ging hinauf legte den Bogen den Köcher und den Beutel ab, probierte das Bett aus und befand es für ausreichend.

Da im Gastraum noch einige Leute saßen beschloss Phoenixfee noch mal hinunter zu gehen, vielleicht brachte sie ja noch einiges in Erfahrung also lies sie Samtpfote auf Ihre Sachen aufpassen und ging hinunter in den Schankraum.
13.05.2003, 17:00 #78
I-Guthwulf-I
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Krachend knallte Holz auf Holz, gewissenhaft geschnitzte und sorgfältig glatt gehobelte Klingenblätter drückten sich gegeneinander, zwei stumme Kontrahenten, leblose Verlängerungen des Zorns ihrer Herren, im stillen Zweikampf vereint, nur um dann klappernd wieder voneinander abzulassen. Stahlgraue Augen blitzten zwischen zu schmalen Schlitzen verengten Augenlidern, verliehen dem verkniffenen, sonnengebräunten Antlitz eines alten Kriegers den Ausdruck erfahrener Kraft und Überlegenheit. Im Winkel des zusammengepressten Mundes steckte ein qualmender Tabakstengel, dessen rötliche Glut in unregelmäßigen Abständen hell aufleuchtete, ein steter Indikator, dass die Lippen sich gleich zu einem kurzen Zähnefletschen öffnen würden, um bläulichen Qualm aus der Mundhöhle in die Freiheit zu entlassen, dessen Aroma sich dem durchdringenen Schweißgeruch, der den weitläufigen Trainingsraum erfüllte, beimengte.
Es waren vier Männer, die ihre Kräfte an diesem von Fackeln erleuchteten Ort maßen. Der erste war ein breitschultriger, älterer Herr, dessen Raubvogelgesicht von einem dünnen, weißen Bart geziert wurde. Seine Kleidung wies ihn als Mitglied der Stadtwache aus. Der zweite war deutlich jünger, sein nackter Oberkörper narbenübersäht, sein Kopf kahlgeschoren. In den Händen hielt er eine klobige Keule aus Hartholz. Der dritte Mann war auf Anhieb nicht als Krieger zu identifizieren. Sein Leib war füllig, wenn auch noch nicht dick. Aus einem pausbäckigen Gesicht funkelten aufmerksame Schweinsäuglein. Wie der erste Mann trug er ein Holzschwert.
Ihnen gegenüber stand ein einzelner, hochgewachsener Mann mittleren Alters. Sein hagerer Körper wer gespannt, sein zerzaustes Haar schweißverklebt. Mißtrauisch beobachtete er seine drei Kontrahenten, ohne dabei jedoch auch nur einen Muskel zu bewegen. In seinem Mund steckte eine Jägerpfeife.
Der Kampf zwischen diesen vier Männern dauerte erst wenige Minuten, doch trotzdem atmeten sie alle bereits schwer. Die Gefechte wurden mit äußerster Heftigkeit geführt, und nur der Umstand, dass sie mit Holzwaffen kämpften hatte dafür gesorgt, dass sie noch allesamt am Leben waren. Trotzdem würde die Auseinandersetzung bald beendet sein, dessen war sich Guthwulf sicher. Er würde sie entwaffnen und bewusstlos schlagen. Der Kopfgeldjäger empfand kein Hochgefühl bei dem Gedanken an den bevorstehenden Sieg, er erfasste es mit der nüchternen Gelassenheit eines Mannes, der sein ganzes Leben bereits mit kriegerischen Tätigkeiten zugebracht hatte. Die ersten Minuten des Gefechts hatten ihm verraten, was er wissen musste. Die stahlgrauen Augen wanderten zu Hombarg, dem Narbigen. Seine Kraft war enorm, seine Geschwindigkeit jedoch ein Witz. Bort, der Stadtwächter war alt, seine Reflexe waren mit der Zeit langsamer geworden, und Igrom, das Schwein, schaffte es nicht, seine linke Seite ausreichend zu decken. Wenn er es richtig anging, würde der nächste Waffengang die Entscheidung bringen.

„Los!“
Borts Befehl hallte gellend durch den Raum. Die drei Männer griffen in einer fast synchronen Bewegung an, ihre drei hölzernen Waffen zerschnitten die Luft und rasten auf den alten Kopfgeldjäger zu. Dieser sprang nach links, entkam somit dem Aktionradius des Soldaten, dessen Angriff auf die rechte Flanke des Wolfes gerichtet war. Mit dem eigenen Holzschwert parierte Guthwulf den Hieb des Schweins, während er mit sich mit einer raschen Körperdrehung um den Leib den Narbigen wirbelte. Seine Holzkeule schlug wuchtig auf den Boden. Der Kopfjäger, nun in Hombargs Rücken, riss seinen Fuß nach oben, um dem Hünen kraftvoll in die durch seinen breitbeinigen Angriff ungeschützten Weichteile zu treten. Scheiß auf ehrenvolle Kämpfe. Hier zählte der Sieg.
Der Narbige ging stöhnend zu Boden, doch Guthwulf schoss bereits wieder nach vorn. Sein bestiefelter rechter Fuß setzte auf dem gekrümmten Rücken des Keulenschwingers auf, benutzte ihn als eine Art Kasten, um sich dann mit einem gewaltigen Satz über die Köpfe der heranstümenden Kontrahenten hinwegzusetzen. Ein geschickter Salto in der Luft, dann klackten die Steifelabsätze wieder auf festem Steinboden. Das Holzschwert beschrieb einen Sichelförmigen Bogen und krachte klappernd gegen die Schläge des Schweins. Die Wucht des Schlages schleuderte Ingrom gegen eine nahe Regalwand. Sein Schwert flog durch die Luft. Der Wolf warf seinen Körper nach rechts, rollte sich über dem Boden ab und kam mit ausgestreckter hand wieder auf die Beine. Seine Finger schlossen sich um den schweißnassen Griff des herbeifliegenden Schwertes.
Bort hatte die Zeit genutzt um Kräfte für seine nun folgende Attacke zu sammeln, mit beiden Händen jagte er seine Holzklinge senkrecht nach unten. Guthwulf kreuzte seine Klingen und fing den Hieb ohne Mühe ab. Mit dem linken Bein trat er wuchtig gegen Borts Kniescheibe. Der Stadtwächter schrie auf und sackte einem nassen Mehlsack gleich zu Boden. Er ließ seine Waffe fallen um presste die Hände gegen sein Bein.

„Du Schwein! Du hast mir mein Knie zertrümmert! Du dreckiger Sohn einer Ratte!“
Achtlos warf Guthwulf seine Schwerter von sich, griff in seinen Mundwinkel und zog ein letztes Mal an dem Stummel, der von seiner Jägerpfeife übriggeblieben war. Den qualmenden Rest warf er vor Borts zusammengekrümmter Gestalt auf den Boden und trat ihn mit der Spitze seines Stiefels aus.
„Ist nur aus dem Gelenk gesprungen. Halb so wild.“
Borts Antwort ging in einem schmerzhaften Gurgeln unter. Einen Moment erwog der Wolf, den alten Mann einfach liegen zu lassen und sich auf die Suche nach einem kühlen Schluck Bier zu machen, dann erinnerte sich jedoch an das versprochene Gold. Für 5000 Goldstücke renkte man auch mal eine Kniescheibe ein.
Der Wolf beugte sich über den verletzten Soldaten und packte sein Bein.

„Das wird jetzt weh tun.“
Mit einem Ruck brachte der Kopfjäger die Kniescheibe wieder in ihre alte Position. Bort schrie auf, als wäre ihm der gesamte Unterkörper abgeschlagen worden. Guthwulf erhob sich und musterte die beiden anderen Krieger. Hombarg kauerte in einer Raumecke und hielt sich noch immer seinen Hosenstall, während Ingrom noch nicht aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht war. Von seiner Schläfe sickerte ein feines Blutrinnsal. Keiner von beiden würde an seiner Verletzung sterben, also kümmerte sich der Wolf nicht weiter um sie. Stattdessen wartete er, bis Bort wieder auf die Beine kam. Der Soldat betastete sein Knie, sah dann zu dem Kopfgeldjäger hinauf.
„Scheint wirklich wieder in Ordnung zu sein.“
-„Aye.“
Der Soldat wischte sich den Schweiß von der Stirn, betrachtete dann den Übungsraum. Ein zerstörtes Regal, zwei verletzte Kämpfer. Der Schaden hielt sich Guthwulfs Meinung nach in akzeptablen Grenzen. Bort schien ihm in diesem Punkt zuzustimmen.
„Das war wirklich ganze Arbeit. Ich sehe, die Ertüchtigungsübungen haben dir gutgetan. Schmerzen deine Wunden noch?“
-„Nein.“
„Wie sieht es mit der Beweglichkeit aus?“
-„Schneller als der Tod.“
Bort grinste. „Gut, sehr gut. Mir scheint, du bist wieder gesund. Vielleicht sogar gesünder als zuvor. Folge mir.“
Der Kopfgeldjäger griff nach seinem Hut, den er vor Beginn des Kampfes auf eines der Regale gelegt hatte und schlenderte hinter dem voranschreitenden Stadtwächter her. Gemeinsam verließen sie den Übungsraum und wanderten den bereits bekannten Steinkorridor entlang. Nachdem etwa zwei Minuten vergangen waren, hielt der alte Soldat vor einer weiteren Holztür, über deren Rahmen ein stilisierter Bogen in den Fels gemeißelt war. Der angrenzende, der wiederum in etwa die selben Ausmaße hatte wie der Raum für das Schwerttraining, war noch viel spärlicher eingerichtet als die vorigen Zimmer, die der Wolf zu Gesicht bekommen hatte.
Nur drei Schritte von der Tür entfernt befand sich eine rechteckige Holztheke, welche von zwei wuchtigen Schränken aus Eichenholz flankiert wurden. In mehreren dutzend Schritten Entfernung, an der gegenüberliegenden Raumwand, waren drei verschiedene Zielscheiben aufgebaut, eine kreisrunde, große, eine deutlich kleinere, gleichförmige, sowie eine der Übungspuppen, die Guthwulf schon von seinem Schwerttraining kannte. Vor der Theke stand ein untersetzter, bärtiger Mann und musterte die beiden Neuankömmlinge mit misstrauischem Blick.

„Was kann ich für euch tun?“
Bort trat an den Mann heran und schüttelte ihm die Hand.
„Mein Freund hier braucht Übung.“
-„Waffe?“
„Armbrust.“
Der Bärtige nickte und humpelte zu einem der beiden Schränke. Als er ihn öffnete, blickte Guthwulf auf eine wahrhaft beträchtliche Ansammlung von Armbrüsten verschiedenster Art. Von Handarmbrüsten über Jagdschusswaffen, Zierarmbrüste bis hin zu mächtigen, klobigen Kriegswaffen war alles vertreten. Der Wolf war beeindruckt.
„Wie sieht’s hiermit aus?“
Der Meister der Waffenkammer trat an den Kopfgeldjäger heran und präsentierte ihm eine schlanke, kunstvoll geschnitzte Repetierarmbrust aus dunklem Ebenholz. Guthwulf nahm die Waffe in die hand und unterzog sie einer sorgfältigen Musterung. Um zeitraubendes Nachladen zu ersparen, hatte man oben auf die Armbrust eine rechteckige Kammer aus Holz gesetzt, die als Magazin für Reservebolzen diente. Wenige Zentimeter hinter dieser Vorrichtung befand sich ein Griff, den man herunterziehen konnte, um die Waffe zu spannen und gleichzeitig eine Kammer am Boden des Reservemagazins zu öffnen, um somit einen Bolzen in die Führungsrinne zu befördern. Ein feines Mordwerkzeug.
„Munition.“
Der bärtige Mann griff unter den Thekenrand und förderte einen ledernen Köcher voller Bolzen zutage. Guthwulf nahm sich genau drei der kleinen Pfeile heraus und ließ sie in das Magazin gleiten, dann zog er an dem Griff und lud die Waffe.
„Zur Seite.“
Bort und der Verwalter der Schusswaffen traten zurück. Der Kopfgeldjäger baute breitbeinig sich vor der Theke auf, die leichte Armbrust lässig in der rechten Hand halten, den Lauf zu Boden gerichtet. Seine stahlgrauen Augen musterten die drei Zielscheiben, stellten sich vor es wären Menschen, die ihm dort gegenüberstanden. Ja, jetzt konnte er ihre Augen sehen, wie sie in den schweißnassen Gesichtern blitzten. Die Sonne brannte ihm heiß und grell in den Nacken, während ein sanfter Wind sein zurückgeschlagenes Cape wogen ließ. Seine Finger zuckten, doch er bewegte sich noch nicht, sondern prägte sich die Position jedes Gegners sorgfältig ein, solange, bis er sich sicher war, sie auch mit geschlossenen Augen noch vor sich sehen zu können. Dann ging alles ganz schnell.
Der Arm schoss nach oben, richtiete die Armbrust auf die erste, große Zielscheibe, während die andere Hand an den Ladegriff schoss. Der Abzugsfinger krümmte sich, und der Bolzen sauste davon. Er war noch nicht im Ziel eingeschlagen, da ruckte die Schusswaffe zur Seite, richtete sich auf das nächste Ziel, während der Griff kraftvoll nach unten gerissen wurde. Kaum rastete er wieder ein, flog der nächste Bolzen seinem Ziel entgegen. Widder bewegte sich die Armbrust, der Griff klackte, die Sehne schnellte nach vorn. Die Bolzen schlugen in einem zeitlichen Abstand von etwa einer Sekunde ein.
Guthwulf ließ die Armbrust sinken, drehte sich zu den völlig perplex dreinstarrenden Männern um und drückte dem Waffenmeister die Armbrust wieder in die Hand. Mit einem Finger tippte er grüßend an den Hut und schickte sich an, den Raum zu verlassen.

„Wollt Ihr Eure Ergebnisse denn nicht kontrollieren.“
-„Nicht nötig. Sie sind alle tot.“
Die Tür schloss sich, die schweren Stiefelschritte entfernten sich. Zurück blieben zwei Menschen, die mit entgeisterter Mine abwechselnd ihren Gegenüber, dann wieder die Zielscheiben musterten. Worauf hatten sie sich hier nur eingelassen?
13.05.2003, 17:01 #79
Der Inquisitor
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"Der Kult war da... Leon war da... Tak war da..."
Dorrien fuhr sich mit der Hand über sein Gesicht, doch dieser Versuch, seine Wut zu zügeln, war sinnlos.
"Sie waren alle dort, Tannenberg. Alle auf einem Haufen. Es hätte ein Schlag gegen den Feind sein können wie noch nie zuvor. Und dann... dann... HAT DIESER VERDAMMTE FROST ANGEGRIFFEN!"
Die Stimme des Inquisitors überschlug sich fast, das Tintenfass kippte um, als er seine Faust auf den Schreibtisch niederfahren ließ.
Tannenberg stand am Fenster und sah über die Dächer der Stadt, er nickte ruhig.
"Also kann man sagen, Frost hat die Aktion versaut?"
Dorrien lachte verbittert.
"Genau so ist es, Tannenberg, genau so ist es! Warum hat der verdammte Rat den Kerl angeheuert? Ich hätte ihnen auch gleich sagen können, das Frost nur Ärger bedeutet!"
Der alte Inquisitor nickte erneut und srehte sich langsam um. Mit gemessenen Schritten ging er zurück zu seinem Schreibtisch, setzte sich und stellte das Tintenfass wieder hin.
"Das ist natürlich ungut... Aber auch wieder vorteilhaft."
Dorrien zog überrascht die Augenbrauen hoch.
"Vorteilhaft? Wie das?"
Tannenberg lächelte kühl und reichte seinem ehemaligen Schüler ein Pergament sowie eine Schreibfeder.
"Nun, schreib hier deinen Bericht nieder. Übertreib ruhig ein wenig. Zieh' Frost durch den Dreck, so, dass es nicht verdächtig wird aber auch so, dass jedem auffällt, welchen Schaden Frost angerichtet hat. Ich denke, das dürfte uns im Rat einige Pluspunkte verschaffen."
Plötzlich machte es >lick< und Dorrien verstand was Tannenberg meinte. Ein breites, hämisches Grinsen erschien auf seinem eben noch wutverzerrten Gesicht, eine Augenblick später führte die Schreibfeder einen wilde Tanz auf, Strich um Strich und Punkt um Punkt brachte sie Frost näher an sein Verhängnis...
13.05.2003, 17:21 #80
Satura
Beiträge: 589

Prüfend betrachtete Satura die Wunde, die Leons Dolch in ihrem Oberschenkel hinterlassen hatte. Dank der heilenden Salben hatte sie sich nicht entzündet und war offensichtlich schon wieder am Abheilen. Nachdenklich strich sie mit dem Zeigefinger den glatten Schnitt entlang. Ihre lederne Rüstungshose musste wohl verstärkt werden...

Seit sie in jener blutigen Nacht in dem Bergarbeiterlager angekommen waren hatte Satura in einem Dämmerschlaf im Bett gelegen und neue Kraft getankt während die Wunde heilte. Leon war nicht von ihrer Seite gewichen - sein Gewissen schien ihn zu quälen...
Die Amazone erhob sich von ihrem Lager und versuchte dabei, ihr verletztes Bein so wenig wie möglich zu belasten - was ihr gründlich mißlang. Sie biß die Zähne zusammen, als ein stechender Schmerz durch den Muskel ihres Oberschenkels fuhr, und trotzdem entwich ihren Lippen ein leises Stöhnen. Leon, der auf einem Stuhl neben ihrem Bett eingenickt war, zuckte im Schlaf kurz, ohne die Augen zu öffnen.

Satura gürtete ihr Schwert um - sie hatte schon länger nicht geübt, und der Tag ihrer Prüfung bei Samantha war bedrohlich nahe gerückt... Sie dachte kurz an Isgaron, den sie in der Stadt Gorthar zurückgelassen hatte. Ob er wohl inzwischen auch ein überzeugter Kultist geworden war? - Nein, der sicher nicht, der hing zu sehr an seinem Schläfer.

Dann trat sie aus der einfachen, dunklen Hütte in die Sonne. Im ersten Moment kniff sie ob der ungewohnten Helligkeit die Augen zusammen, doch bald gewöhnten sich ihre Pupillen an das Tageslicht.
Die Amazone zog mit einer schnellen Bewegung ihr Schwert, und machte einige schnelle Schläge mit rechts und links, um ihre Handgelenke zu lockern.
Dann begann sie wieder zu üben, und schon bald fühlte sie wieder, wie die Klinge ihr gehorchte. Auch wenn sie ihre Beinarbeit vernachlässigen musste, so gelangen ihr die Schläge im Laufe des Tages zumindest mit Rechts und Links gleich gut. Die Klinge ihres Kurzschwertes durchschnitt sirrend die heiße Luft und blitzte im Sonnenlicht auf. Hätte sie damals nur eine Sekunde mehr gehabt... dieses Schwert hätte Leon wenn nicht den Tod, so zumindest ins Amazonenlager gebracht.
Ja, sie war wütend auf ihn. Sie hatte ihm vertraut - nie hätte sie auch nur im Traum daran gedacht, dass er sie verletzen würde.
Voller Wut ließ sie ihr Schwert immer schnellere, immer kleinere Kreise beschreiben.
13.05.2003, 18:10 #81
Phoenixfee
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Phoenixfee wartete, sie war am frühen Nachmittag an der Festung gewesen aber die Wachen hatten sie nicht eingelassen sie hatte ihnen eine Nachricht für Dorren oder dem Herren Tannenberg gegeben.
Selbst das Sie gesagt hat das sie eine Schülerin Dorriens war hatte die wachen nicht dazu veranlasst sie einzulassen.
Höflich aber bestimmt hatten sie Ihr zu verstehen zu geben das die Herren Inquisitoren zurzeit andere Probleme hatten und sie sich zu gegebener Zeit dann melden würden.

In der Zwischenzeit war Sie in den nahen Kaufmannsläden gewesen die sie auf dem Weg hierher gesehen hatte und hatte ein Paar neue Pfeile und Vorräte gekauft.

Als sie zurückkehrte meinte sie hinter einem der Fenster Dorrien gesehen zu haben wie er davor nachdenklich auf und ab schritt.
und in der Tat, nach genauerem beobachten hatte sich Ihr erster verdacht bestätigt das hinter dem Fenster war Dorrien.
Aber alles Rufen hatte nichts genützt das Fenster war zu weit weg und zu hoch, obwohl es aufstand hatte Er sie nicht gehört, das konnte auch daran liegen das er wohl über was sehr angeregt nachdachte und für seine Umwelt zurzeit kein Auge hatte.

Phoenixfee überlegte schon seit einiger zeit was sie machen könnte um Dorriens Aufmerksamkeit auf sich zu locken, den wie es aussah hatten die Wachen Ihre Nachricht noch nicht an Dorrien weitergeleitet.

Langsam wurde Fee Sauer, am liebsten würde sie ja diesen Faulen und auch noch Korpulenten Wachheini in seinen Hintern treten, aber das hätte wohl Schwierigkeiten gegeben als kam ihr ein anderer Einfall.
Grinsend nahm sie Feder Tinte und ein Papier aus ihren Beutel und fing an zu schreiben:
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Hallo Dorrien

Die wachen sind wohl zu faul um dir meine Nachricht weiter zu geben also bekommst Du hiermit meine erste Luftpost.

Die Wachen lassen mich nicht hinein und ich warte hier schon seit Stunden.

Schöne Grüße Phoenixfee

P.S.: ich bin wieder gesund und würde gerne weiter unterrichtet werden.

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Sie faltete das stück Papier zusammen und suchte einen der ramponierteren Pfeile aus Ihrem Köcher aus, Brach die Spitze ab und band die Nachricht mit einem Stück Stoff um den Pfeil.
Sie nahm ihren Bogen und spante den Pfeil ein, Zielte und schoss.

Der Pfeil flog hoch eigentlich zu hoch, doch das hatte sie beabsichtigt.
Sie wollte den Pfeil nicht mit voller Geschwindigkeit durch das Fenster Schiessen wo möglich hätte sie Dorrien getroffen oder etwas wertvolles zerbrochen und das wollte sie nicht.
Der Pfeil sollte möglichst sachte durch das Offene Fenster Fallen und das tat er auch, nachdem der Pfeil auf seiner Flugbahn den Scheitelpunkt erreicht hatte und wieder herab fiel und genau in das offene Fenster hinein, in dem sie kurz vorher Dorrien noch entlang gehen gesehen hatte.

super Treffer freute Fee sich nun hoffte sie das Dorrien das wenigsten mitbekommen hat das ein Pfeil in sein Zimmer geflogen gekommen war.
13.05.2003, 18:16 #82
Superluemmel
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Bis tief in die Nacht war das Gespräch zwischen Horasson und Frost weitergegangen.
Der Waffenmeister bewunderte den Dorfältesten für seine ruhige aber doch offene und ehrliche Art. Es kam nicht oft vor, dass man auf einen derart gastfreundlichen Menschen traf. Vor allem nicht, wenn dieser Mensch offensichtlich genug über das eigene Leben wusste, um eine Biographie zu schreiben. Doch anstatt den Waffenmeister abzulehnen, behandelte ihn Horasson wie ein Mitglied seiner eigenen Familie.
In diesem Dorf herrschte eine völlig andere Mentalität vor. Vielleicht öffnete die harte Arbeit in den Minen den Leuten Herz und Seele.
Erst spät am Nachmittag trat Frost aus dem Haus des Ältesten in den Schein der untergehenden Sonne. Bei dem Anblick des am Horizont verschwindenen, orangeroten Feuerballs musste er unwillkürlich an den Kampf auf dem Schlachtfeld denken.
Hoffentlich musste er so etwas nie wieder tun. Verdammt, was war nur mit Tak los?
Traurig schüttelte Frost den Kopf. Er war auf seinen eigenen Schüler losgegangen. Die Entscheidung war ihm aus der Hand genommen worden. Hätte er nicht eingegriffen, wären die Frau sowie der Spitzel des Inquisitors jetzt tot. Selbst das Einschreiten der Kultisten hätte den Druiden nicht davon abhlten können, die beiden umzubringen.
Nein, es war die richtige Entscheidung gewesen. Egal welche Folgen er dafür tragen musste, er konnte wenigstens mit reinem Gewissen weiterleben. Was wohl aus Esteron und dem Inquisitor geworden war?
Wahrscheinlich war Dorrien schnell heim zu Tannenberg gewetzt um ihm etwas vorzuheulen. Sollte er nur. Diese Toriner würden schon noch sehen, was sie davon hatten.
Und Esteron? Seit dem Angriff der Riesenschnecke hatte Frost ihn nicht mehr gesehen. Der Krieger hoffte, dass der pfiffige Wanderer heil entkommen war. Falls es wirklich zu Problemen mit der Inquisition kommen sollte, hatte er somit wenigstens einen Zeugen.
Seinen Gedanken nachhängend, wanderte Frost ziellos durch die Siedlung der Bergarbeiter. Die Hütten der Bewohner drängten sich dicht nebeneinander an den sanft ansteigenden Hang. Ihre mit dunklen Ziegeln bedeckten Dächer mit den spitzen Giebeln reckten sich dem in sanftse Rot getauchten Himmel entgegen. Eine beruhigende Stille lag über dem Dorf.
Nur aus den Fenstern eines einzigen Hauses fiel heller Lichtschein. Das Klirren von tönernen Krügen und helles Lachen drang aus der offenstehenden Tür. Von Horasson hatte Frost erfahren, dass die Siedlung heute ein traditionelles Fest feierte. Obwohl er den Krieger ebenfalls eingeladen hatte, lehnte Frost ab. Er wollte sich nicht zu sehr in das Leben dieser Menschen einmischen.
Ein helles Sirren riss den Waffenmeister aus seinen Gedanken. Sein Gehirn brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um das Geräusch zuzuordnen. Eine Klinge, dem hellen Ton nach zu urteilen wahrscheinlich recht kurz, die kraftvoll die Luft durchschnitt.
Waren nicht alle Einwohner bei dem Fest?
Neugierig geworden näherte sich der Krieger dem Ursprung des Geräuschs. Tatsächlich, als er um eine der Häuserecken lugte, erkannte er eine schlank gewachsene Frau, die mit wütenden Hieben die Luft mit ihrem Kurzschwert zerteilte. Sie legte viel Kraft in ihre Schläge, schien jedoch leichte Probleme mit ihrem Bein zu haben. Jedenfalls beschränkte sie sich darauf, sich so wenig wie möglich zu bewegen.
Ein lautes Klirren hallte durch die Abenddämmerung, als ihr Schwert unverhofft auf ein Hindernis stieß. Im letzten Licht der untergehenden Sonne blitzte eine ungewöhnlich lange, schlanke Klinge.
"Es freut mich zu sehen, dass ihr wohl auf seid."
Die Häuserschatten spien die Gestalt des Waffenmeisters aus. Der Eisbrecher drehte sich leicht und schob spielerisch das Kurzschwert zur Seite.
"Doch warum so wütend? Wut ist ein unzuverlässiger Kampfgefährte. Ihr verliert zu schnell die Koordination über eure Schläge."
13.05.2003, 18:24 #83
Der Inquisitor
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"WAAAAAAAAAA, SADDAM SCHIESST MIT MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN!!!!"
Dorrien sprang entsetzt einen Schritt zurück, als der Pfeil plötzlich durch das Fennster geraucht kam und vor ihm auf dem Boden landete. Dabei prallte er gegen die Lehne eines stuhles, selbiger kippte nach hinten und riss den Hexenjäger mit. Ehe Dorrien es sich versah, landete er, aufgrund seines Schienenpanzers vernehmlich scheppernd, auf dem Boden.
Der Inquisitior sah sich um. Was hatte er denn jetzt schon wieder angestellt? Er war wohl einfach zu nervös...
Er rappelte sich auf und stellte auch den Stuhl wieder hin, anschließend suchte er das Geschoss, das durchs Fenster geflogen war. Es war auch kein Kunststück, dieses zu finden. die Spitze es Pfeils war abgebrochen, ein Zettel hing an selbigem. Dorrien faltete das Pergament auf, es war eine wenige Zeilen lange Botschaft von Phönixfee...
Sieh an, sie war also wieder gesund. Und wartete auf ihn. Nicht schlecht, sie war eine verlässliche Person und könnte in dieser Situation sehr nützlich sein...
Der Hexenjäger zögerte nicht lange, er rief einen Soldaten und gab ihm den Auftrag, die Amazone auf sein Zimmer zu führen.
13.05.2003, 18:48 #84
Phoenixfee
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Phoenixfee stellte erleichtert fest das Ihre Nachricht angekommen war, kurz nachdem der Pfeil durchs Fenster geflogen war Stand Dorrien mit diesem und der Nachricht in der Hand, in dem Fenster und winkte.

einige Minuten Später kam ein recht außer atemgeratener Soldat aus dem Tor gestürmt und lief auf Phoenixfee zu.

Der ehrenwerte Inquisitor Dorrien wünscht sie zu Sprechen sagte der Soldat zu Fee.
Ach so, auf Einmal. Ich warte hier schon seit Stunden Ihr Kamerad am Tor wollte meine Botschaft schon vor Stunden an Dorrien weiterleiten, aber wenn ich Ihm gerade nicht selber eine geschickt hätte, könnte ich bei eurer Schneckenpost wohl noch lange warten. Erwiderte sie etwas säuerlich.

Umgehend machten sich der Soldat mit Phoenixfee und Samtpfote in Begleitung auf den weg diese zu Dorrien zu Führen.
Einige Minuten Später klopfte er an eine Zimmer Tür und meldete Die Dame und Ihr Wolf die sie zu sehen wünschte sind hier. Sir.
Ja Sie können eintreten hörte Fee, Dorrien durch den Türspalt sagen und der Soldat winkte sie hinein.
13.05.2003, 19:09 #85
Satura
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Die Sonne machte sich daran, ihren Lauf für diesen Tag zu beenden, und die Dämmerung tauchte das Land in die ihm so bekannte blutrote Farbe.
Die Amazone führte ihr Schwert noch immer kraftvoll, ignorierte den beginnenden Schmerz in ihrem Arm. Nie wieder, schwor sie sich, würde sie einem Mann vertrauen. Nicht, dass sie Leon vertraut hätte, aber sie hatte begonnen, ihm zu vertrauen.
Ihr Herz war voller Schmerz und Haß, von dem sie selbst nicht sagen konnte, woher er kam. Doch diese Wut verlieh ihr eine seltsame Kraft, eine ungeahnte Stärke. Ihre Augen, die zuvor noch matt gewesen waren von den letzten, kräftezehrenden Tagen der Verwundung, strahlten neuen Mut aus.
Ihr Schwert folgte den Befehlen ihrer Gedanken, und sie spielte immer wieder die Situation durch, die sie so viel Blut gekostet hatte. Wenn sie ihr Schwert nur gleich gezogen hätte, wenn sie doch nur nicht gezögert hätte, sich nicht ablenken hätte lassen von dem, was sie in Leon zu sehen glaubte - einen Freund. Nein, das nächste Mal würde sie nicht zögern. Keine Gnade mehr. Bei diesen Gedanken packte sie den Griff des Schwertes mit beiden Händen und stieß es mit einer wütenden Bewegung bis zum Parierkreuz in den Boden. Dabei folgte sie dem Schwert und ging in die Knie, was ihre Wunde mit einem stechenden Schmerz quittierte. Diesen Schmerz verachtend riß sie ihr Schwert wieder aus dem Boden - sich Leon blutend vor ihr liegend vorstellend...
Und dann kämpfte sie weiter gegen den unsichtbaren Gegner, all ihren Zorn in ihre Schläge legend... bis ihre Wut klirrend von einer schlanken Klinge gestoppt wurde.

Saturas grüne Augen funkelten den unbekannten Krieger wütend an. "Vielleicht solltet Ihr euch vor solcher Wut in Acht nehmen, statt sie in Frage zu stellen. Wer seid Ihr überhaupt, eine fremde Frau mit einem Schwert zu begrüßen, habt Ihr keinen Anstand?" Satura staunte selbst über die Worte, die wie giftige Pfeile ihren Mund verließen. Sie hielt ihr Schwert weiterhin erhoben und preßte es gegen seine Klinge. Der Krieger hielt dem ohne Mühe stand - seine Waffe gab nicht einen Millimeter nach. Satura wußte, dass sie nicht einmal den Hauch einer Chance gegen den fremden Krieger hatte, der über den Ärger der Amazone eher belustigt zu sein schien.
13.05.2003, 19:31 #86
Der Inquisitor
Beiträge: 526

"Ach, sieh an! Tatsächlich..."
Dorrien grinste und erhob sich von seinem Stuhl, als die Amazone den Raum betrat. Er schüttelte ihr kurz die Hand und ihrer Wölfin die Pfote.
"Du willst also die Ausbildung forführen? Das ist gut. Ich denke wir fangen gleich mal an... Folge mir..."
Der Inquisitor verließ das Zimmer und führte die Amazone in einen großen Saal, der offensichtlich für Kampftraining gedacht war. In einer Ecke befanden sich einige Zielscheiben.
"Tja, Phönix. Altes Spiel... Scheiben abknallen. Sollte allerdings kein Problem mehr sein denke ich. Nur noch um mich zu vergewissern. Danach können wir mit den interessanten Dingen anfangen."
13.05.2003, 19:47 #87
Superluemmel
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Ein Dornenbusch, ja, er hatte mitten in einen stachligen Dornenbusch gelangt. Gut, dass er meistens Handschuhe trug. In diesem Fall bestanden sie aus seiner eisigen Ruhe.
Für die Dauer einiger Sekunden hielt Frost dem Druck der Frau stand, dann schwenkte er den Eisbrecher zur Seite. Des Widerstandes beraubt, taumelte sie zur Seite, fing sich jedoch gleich wieder.
"Frost", stellte sich der Waffenmeister kurz angebunden vor.
Der Eisbrecher beschrieb einen weiten Bogen um dann als silbriger Blitz zurückzukehren. Klirrend krachten die beiden Klingen erneut aufeinander, als die Fremde ihr Kurzschwert in die Höhe riss.
"Niemand besonderes. Nur ein einsamer Wanderer, der ziellos durch die Lande streift."
Sirrend schmiegten sich die Schwerter aneinander, glitten funkensprühend aneinander ab und kamen schließlich wieder frei. Gelassen trat Frost einen Schritt zurück und hielt die Fremde mit spielerischen Schlägen auf Distanz.
"Und ihr glaubt, dass es euch besser gehen wird, wenn ihr auf eine arme, altgediente Klinge eindreschen könnt?"
Urplötzlich sprang der Waffenmeister nach vorne. Das Kurzschwert glitt an der Schneide des Eisbrechers ab und wurde schließlich von den ausladenden Parierstangen aufgefangen. Ein kurzer Ruck ließ die beiden Waffen verkanten.
"Euer Bein wird sich sicherlich noch bei euch bedanken. Tragt ihr eigentlich auch einen Namen? Oder versucht ihr euch namenlos durch das Leben zu pieken?"
13.05.2003, 19:57 #88
Phoenixfee
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Phoenixfee Tat was ihr aufgetragen wurde. Nahm ihren Bogen von der Schulter und einen Pfeil aus dem Köcher, zielte kurz und der erste Pfeil traf eine der Zahlreichen Scheiben mitten ins Schwarze und kurz darauf steckte in jeder Scheibe ein Pfeil im Innenkreis.

Na zufrieden? Fragte sie lächelnd seit ich mich wieder fit genug gefühlt hatte als ich aus dem Koma erwacht war, hab ich jeden tag fleißig Trainiert

Gespannt wartete sie auf die Antwort von Dorrien.
13.05.2003, 20:06 #89
Satura
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"Mein Name ist Satura," preßte sie zwischen zusammengekniffenen Lippen hervor. Es hatte sie Kraft gekostet, seine spielerisch wirkenden Schläge zu parieren, und nun löste sie ihr Kurzschwert aus der Umklammerung seiner Waffe. Frost ließ die Amazone gewähren, und sie steckte ihr Schwert mit einer schnellen Bewegung in die einfach gearbeitete Scheide.
Satura warf einen Blick auf ihr Bein - der beigefarbene Verband blitzte aus dem Riß in der Lederhose hervor. "Meinem Bein geht es gut." meinte sie knapp.
Sie musterte den Krieger. Ein seltsamer Mann; seine Augen waren klein und ihr Blick stechend und straften die Ruhe, die in seiner Stimme lag, Lügen. Diese Augen strahlten etwas seltsam Beruhigendes aus doch gleichzeitig lag in ihnen eine tiefe Verletztheit und Unruhe.
Ihr Gegenüber war von kräftiger Gestalt, und trug über einer auffälligen, schwarz glänzenden Rüstung einen dunklen Umhang.

"Nun, Ihr könnt mir vielleicht sagen," begann sie, "wo wir uns hier befinden... mein Begleiter und ich, wir müssen auf dem schnellsten Wege nach Khorinis zurück." Satura hatte keine Ahnung, wie sie hierhergekommen war; die letzten Tage lagen im Nebel der Ohnmacht, und keine Erinnerung war greifbar.
13.05.2003, 20:28 #90
Superluemmel
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Auch der Eisbrecher verschwand mit leisem Sirren in seinem ledernen Ruhebett.
Beiläufig ließ Frost seinen Mantel über die beiden Schwertgriffe fallen. Dann wanderte er mit ruhigen Schritten zu einem kleinen Mauervorsprung, um sich dort niederzulassen.
"Ihr wollt nach Khorinis?", fragte er mit seiner leisen, geisterhaften Stimme die er meist aufzusetzen pflegte, wenn er fast allein war.
"Nun, da habt ihr ein gutes Stückchen Weg vor euch. Und kein ungefährliches."
Frosts Hand löste sich aus dem Faltengebirge seines Mantels und wies auf die Gipfel, die den Göttersitz wie einen Krank umrahmten.
"Das sind die Luzkanzacken. Der größte Teil von Gorthars Süden wird von diesem Gebirge eingenommen."
Die Hand es Waffenmeisters senkte sich, um in einer seiner Manteltaschen zu verschwinden.
"Diese Siedlung gehört den Arbeitern, die versuchen den Bergen sein Erz zu entreißen. Die Hauptstadt ist mehrere Meilen entfernt. Zudem müsstet ihr abermals das Schlachtfeld überqueren."
Sein Kopf ruckte in Richtung von Saturas verletzten Bein.
"Mit dieser Verletzung könntet ihr ernsthafte Probleme bekommen. Nicht nur das Schlachtfeld stellt eine Gefahr dar, ebenso die vielen Banditen. Vielleicht habt ihr ja sogar Glück und trefft auf ein paar Orks."
Der Krieger wandte seinen Kopf ab und sah zu dem Haus zurück, aus dem noch immer die Geräusche des Festes drang.
"Von Zeit zu Zeit schicken die Arbeiter ihre Händler los, um ihre Waren in der Stadt loszuwerden. Falls ihr es wirklich eilig habt, könntet ihr den Ältesten fragen wann die nächste Karavane loszieht."
Frost Blick wanderte zurück zu Satura. Einige Sekunden lang verharrte er auf der jungen Frau, abschätzend, berechnend.
"Doch solltet ihr besser vorsichtig sein. Erinnert ihr euch an die Nacht auf dem Schlachtfeld? Dieser Kerl der euch angegriffen hat... sein Name ist Tak. Mit Sicherheit ist er noch immer am Leben. Und wie ich ihn kenne, sucht er nach euch und eurem Freund. Falls er euch aufspüren sollte..."
Der Waffenmeister brach ab. Sein Blick bohrte sich direkt in Saturas.
"Was will er von euch? Er sagte zu mir, dass ihr über Wissen verfügt, das der Inquisition auf keinen Fall in die Hände fallen darf. Was ist es? Warum will er euch unbedingt töten?"
13.05.2003, 20:47 #91
Satura
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Schlachtfeld? Satura erinnerte sich an die tote Ebene, deren Staub aus den Knochen hunderter tapferer Krieger war. Da war doch etwas gewesen... Nur schemenhaft tauchte die Erinnerung an die erbarmungslos ihren Nacken umklammernde Hand auf. Sie hatte den Angreifer nicht sehen können, nur seinen harten Griff und seinen heißen Atem gespürt, der ihre Nackenhaare sich sträuben hatte lassen.
"Töten?" Satura zuckte mit den Schultern. "Ich habe keine Ahnung warum, oder wer das überhaupt war... da müsst ihr Leon fragen. Ich erinnere mich an kaum etwas, was in den letzten Tagen passiert ist." Sie legte eine kurze Pause ein, und meinte dann: "Ich habe mich diesem Kult nur angeschlossen, um Leon zu finden. Er war in Gefahr - und mir war es bestimmt, ihn dort herauszuholen. Ich weiß nichts über diesen Kult - das einzige, was mir blieb, ist dies Amulett." Satura fingerte an ihrem Umhang herum und hielt dem Krieger das Abzeichen des Ordens der aufgehenden Sonne entgegen. Frost wog das aus leichtem Metall gearbeitete Amulett prüfend in seiner Hand.

Die Amazone fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken, alleine mit Leon die gefährliche Rückreise nach Gorthar antreten zu müssen. Sie erinnerte sich nur zu gut an die Begegnung mit dem Schattenläufer... und der war wahrscheinlich das geringste Übel, wenn sie an Banditen oder Orks dachte.
"Und mit den Händlern zu reisen ist sicherer? Glaubt Ihr nicht, dass sie noch eher den Angriffen mordlüsterner Wegelagerer und Herumtreiber ausgesetzt sind?" Sie lachte bitter. "Mein Schwert wird uns schützen. Dieser Tak soll wissen, dass wir uns nicht kampflos ergeben werden!" Die letzten Worte sagte sie mit lauter Stimme, während ihr Blick nervös umherglitt.
13.05.2003, 21:06 #92
Superluemmel
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Die Stirn des Kriegers wurde von tiefen Furchen durchzogen, als er seinen Kopf in den Nacken legte und in den klaren Sternenhimmel starrte.
"Nichts gegen eure Kampfkünste, aber ich bin mir sicher, dass sich Tak von eurer Klinge beeindrucken lassen wird."
Der Krieger sog die kühle Nachtluft ein und schloss die Augen.
"Tak weiß, wie man schnell und effizient tötet. Und wie er dabei selbst am Leben bleibt. Unterschätzt ihn und ihr seid schneller tot als ihr überhaupt mitbekommen habt, dass er hinter euch stand."
Traurig schüttelte Frost den Kopf.
"Nein, haltet euch von ihm fern wenn euch etwas an eurem Leben liegt. Ich weiß nicht was in ihn gefahren ist, aber in seinem jetzigen Zustand ist er überaus gefährlich."
Frost rutschte ein Stück nach hinten und lehnte sich gegen die Hauswand. Die Schatten des Hauses verschluckten sein Gesicht und eien Teil seines Oberkörpers.
"Die Menschen hier sind keine Krieger. Sie wissen nicht, dass Tak hinter euch her ist. Falls sie euch begleiten, könnte es ihren Tod bedeuten. Sie haben euch das Leben gerettet. Ich weiß nicht, ob ihr ihnen so danken solltet. Doch wenn ihr alleine reist, seid ihr so gut wie tot. Und dann," Frost lehnte seinen Kopf gegen die kalte Mauer und blickte abermals zu den Sternen hinauf, "hätte ich mich umsonst mit der Inquisition angelegt."
13.05.2003, 21:21 #93
Satura
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Satura legte ihren Kopf schief. Die Inquisition? Was bei Beliar war hier los - so lange konnte sie doch gar nicht geschlafen haben! Sie sah Frost fragend an. "Entschuldigt, aber was ist diese Inquisition?"
Sie lehnte sich an die Mauer des Hauses und entlastete das verletzte Bein. Es war dunkel geworden, und aus den Häusern drangen gedämpfte Stimmen und flackerndes Licht.
Erst langsam begriff sie, in was für ein Wespennest sie gestochen hatte... noch vor wenigen Wochen war sie ein einfaches Mädchen gewesen, auf dem Weg zu ihrer neuen Lehrmeisterin... und jetzt war man hinter ihr her und wollte sie töten. In was für eine Sache war Leon da hineingeraten? Und warum hatte sie nicht den Rat Samanthas beherzigt, nicht nach Gorthar zu fahren?
Ihre Züge verhärteten sich, und sie griff intuitiv zu ihrem Drachenamulett. Es fühlte sich kühl an, doch Satura schien es, als hätte es ab und an leicht aufgeflackert. "Dieser Tak ist jedenfalls nicht in der Nähe." meinte sie, zu dem fremden Krieger gewandt. "Und jetzt erzählt mir von der Inquisition, und von diesem Tak. Wie ich bereits sagte, meine Erinnerung an die Ereignisse der letzten Tage ist getrübt." Im selben Augenblick biß Satura sich auf die Zunge - wieso erzählte sie ihm das? Woher konnte sie wissen, das er das nicht zu seinem eigenen Vorteil nützen würde?
13.05.2003, 21:59 #94
Superluemmel
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Ein leiser Seufzer drang aus den Schatten.
"Ihr scheint nicht sonderlich viel über diese Welt zu wissen. Nun, Unwissenheit kann ein Segen sein. In dieser Welt gibt es zu viel... teilweise... unfassbare Dinge."
Er lachte bitter.
"Wenn ihr wüsstet, was diese Augen gesehen haben... Wandelndes Metall und lebende Tote, glorreiche Siege und vernichtende Niederlagen. Menschen, die für einen Sack Gold ihre eigene Mutter verraten haben. Religiöse Spinner, die anderen ihren Glauben aufzwängen und jeden morden, der sich gegen sie stellt."
Die Rechte des Waffenmeisters hob sich und verharrte auf einer Höhe mit seinem Gesicht. Schweigend betrachtete Frost die feinen Linien auf seinem Handrücken, folgte mit dem Blick der kleinen Narbe die sich vom Daumen bis zur Handwurzel zog.
"Diese Hand," fuhr er fort, "hat getötet und bewahrt. Sie führte tödlichen Stahl um über Leben und Tod zu richten. Ja, ich habe Menschen getötet. Andere machen sich nicht einmal selbst die Hände schmutzig."
Ruckartig ballte er die Hand zur Faust und ließ sie sinken.
"Die Inquisition ist ein ganzer Orden von religiösen Fanatikern. Hier im Süden bekommt man selten etwas von ihnen mit. Doch in ihrer Heimat Torin regieren sie mit eiserner Faust und lassen alle Widerstand leistenden aus dem Weg schaffen. Es gibt mehrere Unterorden, und jeder einzelne ist verrückter und rücksichtsloser als der andere."
Der Kopf des Waffenmeisters drehte sich zu Satura.
"Ich glaube nicht, dass ihr euch an ihn erinnert, aber dieser Pyromane der mich begleitet hat, ist einer der Anhänger der Inquisition. Soweit ich weiß sogar ein Schüler Tannenbergs, einem der größten Spinner. Glaubt bloß nicht, dass ich mich freiwillig mit solchen Leuten abgeben würde. Leider sind diese Kerle anhänglicher als Kletten."
Frost schwang seine Beine vollends auf den Mauervorsprung und stützte seinen Arm auf das angezogene Knie.
"Beide gehören zum Ordo Haereticus. Als ob die anderen Orden nicht schlimm genug wären, dieser stellt die Spitze dar. Am liebsten verbrennen sie öffentlich Unschuldige. Nein, keine Unschuldigen. "Ketzer" und arme, vom rechten Weg abgekommene Lämmer."
Selbst ein Tauber hätte den Sarkasmus in Frosts Stimme nicht überhören können.
"Ich denke es wäre sinnlos zu leugnen, dass ich diesen Verein nicht ausstehen kann. Sie sind genauso verblendet in ihrem Glauben wie die Paladine, nur noch etwas radikaler."
Frost legte eine kurze Pause ein, bevor er weitersprach.
"Was Tak betrifft... Nun, eigentlich sollte ich ihn stoppen. Habe ich aber nicht, weil dies über den Tod Unschuldiger geführt hätte. Das gibt der Inquisition ausreichend Angriffspunkte, um mich zu verwunden. Ihr müsst wissen, Tak war nicht immer so. Sonst hätte ich ihn niemals ausgebildet."
Die linke Hand des Kriegers schob sich unter seinen Hinterkopf.
"Ja, ich war sein Lehrer. Ich habe ihm beigebracht, wie er sich selbst verteidigen kann. Doch jetzt..."
Für ein paar Momente lang suchte Frost nach den richtigen Worten.
"Er hat sich verändert. Und das nicht zum Guten. Dennoch, er ist noch immer der selbe Mensch. Ich habe nicht das Recht, über ihn zu richten."
13.05.2003, 22:15 #95
Satura
Beiträge: 589

Die junge Amazone hatte Frosts Worten aufmerksam gelauscht. Er hatte Recht; sie hatte keine Ahnung von dieser Welt. Die Inquisition und die Paladine waren ihr gleichermaßen fremd, sowohl die Menschen hinter diesen Orden, als auch deren Gesinnung.
"Hört, ich mag Euch naiv und unerfahren scheinen, doch alles, was ich zu wissen brauche ist hier drinnen." Satura legte ihre geballte Faust auf ihr Herz. "Ich habe noch nie einen Menschen getötet, und ich kann mich mit keinem Kult identifizieren, ganz gleich, ob er nun dem edlen Innos oder einem Erlöser dient. Es mag sein, dass Ihr Menschen getötet habt, doch ihr seid nicht hier, um mich zu töten - und das ist, was für mich zählt." Die Stimme der jungen Frau war fest und ihr Blick suchte die Augen ihres Gegenübers. Ihre Hand hielt ihr Drachenamulett fest umschlossen; und das Amulett sagte ihr, dass von diesem Mann keine Gefahr für sie ausging - zumindest nicht für diesen Moment. Die ganze Geschichte wurde nicht einfacher... dieser Mörder, sein Schüler? Warum sprach dieser Mann so seltsam bedächtig? Was war das für ein Mensch, der ihr hier gegenüberstand? Er wirkte gebrochen - und stark zugleich, sehr alt - und doch jung, offen einerseits, und doch verschlossen.

"Also sagt mir, warum Ihr hier seid. Sagt mir, warum Ihr Leon und mich begleitet habt. Und sagt mir, wie Leon und ich heil nach Gorthar kommen können - um der Inquisition zu berichten und so diesen Tak loszuwerden... Denn wir werden wohl kaum mehr als Beute interessant sein, sobald die Inquisition weiß, was Leon herausgefunden hat."
13.05.2003, 22:48 #96
Phoenixfee
Beiträge: 1.572

Mhh ja ich bin zufrieden Sagte Dorrien Die Grundkenntnisse im Umgang mit dem Bogen hast du drauf, Glückwunsch Prüfung bestanden.
Morgen sehen wir weiter dann fangen wir mit beweglichen Zielen an.
Mal sehen wie du dich da anstellst.

Phoenixfee war die Freude wohl anzusehen
Gut, langsam wurde das Training auf die unbeweglichen Ziele langweilig. Sagte Sie grinsend.

Na mal sehen, wie du dich mit den beweglichen ziele anstellst, aber ich muss bald wieder aufbrechen ich hab hier in Gorthar einiges zu erledigen. sagte Dorrien so aber ich muss noch ein Bericht fertig schreiben. Hast du eigentlich ein Schlafplatz?
Nein, zurzeit nicht. Letzte Nacht hatte ich mich im einäugigen Butt einquartiert aber irgendwie hab ich das Zimmer heute Morgen bezahlt und hab da ausgecheckt.
Erwiderte Phoenixfee irgendwie war ich auch beunruhigt. Es gehen viele Gerüchte herum, unteranderem das hier vor einiger Zeit ein Mysteriöser Killer herum gegangen ist der Anhänger dieses Kultes getötet hat und auch unbeteiligte die nur zur falschen zeit am falschen Ort waren.
Kann das sein das deine Anwesenheit hier in Gorthar etwas mit diesem Kult zu tun hat.
fragte sie Dorrien.
Darüber reden wir morgen. Ich muss noch den Bericht fertig machen, aber du kannst diese Nacht hier in der Burg Übernachten. Sagte Er ich werd einen der Soldaten anweisen dir ein Quartier zu geben. einen entgegenkommenden Soldaten beauftragte Er dann auch damit Phoenixfee ein Zimmer zu geben und verabschiedete sich von Ihr und Samtpfote.

Phoenixfee folgte dem Soldaten und dieser brachte sie nicht weit von Dorriens Zimmer zu einer anderen Tür. Hier dieses Zimmer ist Frei ich wünsche euch eine gute Nacht. mit diesen Worten reichte Er Ihr den Schlüssel für das Zimmer und verabschiedete sich.

Sie ging hinein schloss die Tür und legte sich aufs Bett, wo sie nach einiger zeit in einem Tiefen schlaf fiel.
14.05.2003, 01:42 #97
manmouse
Beiträge: 6.742

"Esteron! Macht dass ihr hier wegkommt! Südlich von hier gibt es eine Siedlung von Bergarbeitern! Wir treffen uns dort!" hatte Frost gerufen..........

Was war nur in der Schlucht der Toten geschehen? Tak, sie hatten Tak gefunden. Oder besser er sie. Es war ein Kampf ausgebrochen.
Esteron hatte nicht im geringsten verstanden, um was es eigentlich gegangen war. Dieser Tak war aufgetaucht. Mit zwei Geiseln. Ein Mann und eine verletzte Frau. Frost und sein ehemaliger Schüler hatten diskutiert. Gekämpft. Und zum allem Verdruss war am Horizont noch eine kleine Armee erschienen. Und dieses komische Tier........

"Esteron! Macht dass ihr hier wegkommt! Südlich von hier gibt es eine Siedlung von Bergarbeitern! Wir treffen uns dort!"

Esteron war geflohen. Gelaufen. Wohin wusste der junge Mann nicht. Er lief. Er musste dem Kampf entrinnen, bevor er ein zweites Mal in dieser Schlucht sterben würde. Unschuldig zu sterben!
Die Angst zu sterben, hatte den jungen Mann nur noch mehr angetrieben. Angetrieben, zu einer Flucht ohne erkennbares Ziel vor Augen.
Der Wanderer stolperte, fiel zu Boden. Kein Schmerz, nur die Angst. Aufgestanden und weiter gelaufen.
Süden, wo war Süden? Wo war dort? Esteron war gelaufen, gelaufen ohne Ziel.......

"Esteron! Macht dass ihr hier wegkommt! Südlich von hier gibt es eine Siedlung von Bergarbeitern! Wir treffen uns dort!"

Noch immer hallten Esteron diese Worte in den Ohren.
Der Wanderer war erst langsamer geworden, als er dachte halbwegs in Sicherheit zu sein.
Der Lärm von klirrenden Waffen und Schreien war schon lange verstummt, als Esteron gierig nach Luft ringend, stehen blieb. Seine Lunge brannte. Seine Haare waren vom Schweiß verklebt und hingen strähnig in sein Gesicht.
Nach wenigen Momenten der Ruhe sah sich Esteron um.
Wo war er hier? Und wo war Süden? Esteron grübelte, denn der junge Mann wusste nicht einmal wo sich die anderen Himmelsrichtungen befanden.
Was war das? Schreie? Waren ihm die Schurken auf den Versen?
Esteron rief sich zu wieder Eile auf und lief schnell weiter. Weiter in das ihm unbekannte Land.....

"Esteron! Macht dass ihr hier wegkommt! Südlich von hier gibt es eine Siedlung von Bergarbeitern! Wir treffen uns dort!"

Der Wanderer war die Nacht hindurch gelaufen. Ohne Rast. Ohne Pause. Er bemerkte nicht, wie ihm sein Geist die Schreie nur vorgetäuscht hatte. Der junge Mann war ein Opfer seiner Angst geworden. Erst im Morgengrauen hatte er sich getraut eine kleine Rast einzulegen. Und erst jetzt bemerkte Esteron, das er genau in die falsche Richtung gelaufen war. Jetzt im Morgengrauen und mit halbwegs klarem Verstand bemerkte der Wanderer, das er sich wieder auf der Eingangsseite zu der Schlucht befand. Nicht unweit von hier, hatte er mit Frost vor einer Weile Rast gemacht.

War Esteron soweit gelaufen? Der junge Mann grübelte, hier war er falsch. Frost hatte von einer Bergarbeitersiedlung gesprochen. Doch er Berg lag am Ende anderen Ende der Schlucht.
Esteron blickte auf, sein Blick glitt zu der grauweißen Silhouette des Gipfels. Was sollte er jetzt tun?
Zurück durch die Schlucht wandern? Und das auch noch alleine, ohne Erfahrung im Kampf?
Der Truppe in die Arme laufen? Diesem Irrem? Er würde eher sterben als das Ende der Schlucht lebend erreichen. Doch wenn er hier sitzen bleiben würde, war er ebenso dem Tod ausgeliefert. Dem Tod!
Erst jetzt erinnerte sich der Wanderer an das beklemmende Gefühl das er in der Schlucht gehabt hatte. Er wusste das der General, dessen Seele jetzt einen Kampf in seinem Körper kämpfte, dort seine Lebende Hülle verlassen hatte. Auf dem Schlachtfeld. Doch was war damals wirklich dort vorgefallen? Was war geschehen?

Der Wanderer stand auf. Er hatte nicht zu verlieren. Er musste in die Schlucht. Er musste eine Antwort finden. Und auch Frost, er wusste bestimmt eine Antwort auf seine Fragen. Denn der General kannte den Waffenmeister. So musste Frost auch von dem General wissen. Er würde die Bergarbeitersiedlung finden, und wenn nicht sie dann eben den Tod.

Ohne Hast schritt Esteron auf die Schlucht zurück. Er würde eine Weile brauchen, bis er sie wieder erreichen würde, doch er war gewillt. Der Mut gab ihm die Stärke, die er brauchen würde.

Gegen Mittag wurde das Wetter zunehmend schlechter, während sich Esteron der Schlucht erst einmal von der Seite her genähert hatte. Er dufte keinesfalls den Truppen in die Hände fallen.
Anfangs wehte der Wind nur vereinzelte Wolkenschleier über den Himmel. Doch nach und nach schlossen sich die einzelnen Wolken zu einer dichten Formation zusammen, bis diese schließlich zu einer Sturmfront geworden war.
Der Himmel war bereits so dunkel wie in der Dämmerung, und der Regen war mittlerweile so stark geworden, das er den Boden in Schlamm verwandelte, während Esteron, die ersten kalten Sturmböen ins Gesicht pusteten.
Doch Esteron schritt weiter. Feuchte Kleider, keine Ruhepause, keine Wärme und kein Nachgeben. Er war gewillt sein Ziel zu erreichen, zu jedem erdenkbarem Preis.

Immer wieder rief sich der junge Mann die Worte von Frost ins Gedächtnis.

"...... Südlich von hier gibt es eine Siedlung von Bergarbeitern! Wir treffen uns dort!........"
Ja, sie würden sich dort treffen. Fragte sich nur ob an einem Stück und vor allen Dingen wann.
14.05.2003, 10:39 #98
Superluemmel
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Noch in der letzten Nacht
Der Waffenmeister atmete tief durch.
Warum war er hier?
Diese Frage stellte er sich selbst öfters. Warum war er nach Gorthar gereist? Wegen dem Alten. So dachte er zumindest. Aber warum hatte er dann den Auftrag des Stadtrats angenommen? Natürlich, er brauchte Geld. Den Göttersitz zu besteigen war kein Zuckerschlecken. Ohne die richtige Ausrüstung war das Unternehmen schon im Voraus zum Scheitern verurteilt.
Doch warum hatte er Tak nicht aufgehalten? Nur weil er sein Schüler war? Oder weil ihm eine leise Stimme in seinem Inneren zugeflüstert hatte, dass der Druide Recht hatte?
"Ursprünglich wollte ich mich mit... einem alten Bekannten treffen", antwortete der Krieger nach einigen Minuten des Schweigens.
"Doch dann wurde ich vom Stadtrat Gorthars beauftragt, Taks Treiben Einhalt zu gebieten. Deshalb wird meine Entscheidung auf dem Schlachtfeld sicherlich noch Folgen mit sich ziehen. Die Bluthunde der Inquisition warten nur auf ein Zeichen der Schwäche. Es ist gut möglich, dass diese Entscheidung ausreicht um mich an den Galgen zu bringen."
Eine einzelne Sternschnuppe zog ihren weißen Schweif über den Nachthimmel.
"Seht, die Götter weinen. Ob das ein Zeichen ist?"
Erneute Stille. Auch das Fest schien mittlerweile sein Ende gefunden zu haben.
"Ich weiß selbst nicht warum ich euch geholfen habe. Manchmal muss man eine Entscheidung treffen. Ich habe mich entschieden. Ob es die richtige war, wird sich zeigen. Doch jetzt ist es ohnehin zu spät um noch etwas daran zu ändern."
Frosts Mantel rutschte zur Seite, als sich seine Hand auf dem Knauf des Eisbrechers niederließ. Zärtlich striffen seine Finger über das sauber gearbeitete Metall.
"Falls ihr es wünscht, werde ich euch nach Gorthar begleiten. Tak wird es nicht wagen, euch anzugreifen wenn ihr in meiner Nähe bleibt. Das letzte Mal hatte er den Vorteil der Überraschung auf seiner Seite. Jetzt sind wir vorbereitet."
Ob sich Tak wirklich von Frosts bloßer Anwesenheit abschrecken lassen würde, wagte der Waffenmeister selbst zu bezweifeln. Doch verriet seine Stimme nichts von seiner inneren Unsicherheit.
"Allerdigs muss ich noch auf meinen Begleiter warten. Ich kann ihn nicht einfach zurücklassen. Denkt über mein Angebot nach. Und gönnt euch etwas Schlaf. Ihr seht müde aus."
14.05.2003, 17:47 #99
Skeleon
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Als Leon endlich erwachte war es bereits wieder später Nachmittag.
Schmerzhaft meldete sich sein Kreuz. Mit einem Ächzen erhob er sich von dem harten Holzstuhl, in dem sitzend er die ganze letzte Nacht über Satura gewacht hatte.
Satura?
Weg.

Langsam richtete Leon sich auf.
Er befand sich in dem kleinen, doch gemütlich eingerichteten Zimmer, in das ihn einer der Bergarbeiter in der letzten Nacht verwiesen hatte. Das hellrote Licht des frühen Abends strahlte durch ein westwärts gerichtetes Fenster und Leon verfolgte die angestrahlten Staubteilchen einen Moment bei ihrem Tanz durch den Raum mit seinen Augen.
In den letzten Tagen war viel geschehen - viel schreckliches.
Er schüttelte stumm den Kopf, dann machte er sich daran, das Haus zu verlassen.

Eine merkwürdige Stadt, diese Bergarbeitersiedlung ... in recht großem Abstand voneinander standen hier kleine und große Steinhäuser, hier und da ragten Grundmauern oder andere Ruinen aus dem staubigen Boden und überall rund um ihn herum konnte Leon Felswände ausmachen. Nur im nördlichen Teil öffnete sich die steinerne Hügelkette, in die sich die Ansammlung von Hütten gefressen hatte und gab den Blick auf den bewaldeten Talkessel frei, den Leon vom Schlachtfeld aus erblickt hatte. Zwei hölzerne Wachtürme flankierten den Durchlass, auf jedem davon brannte ein Wachtfeuer - auch diese hatte Leon in der letzten Nacht gesehen, fahl gegen die Dunkelheit schimmernd.

Hier und da rannten Kinder die Straßen auf und ab, einige Frauen standen an einem Stand mit Mehlsäcken vor einer weiteren Hütte - scheinbar die allgemeine Vorratskammer des Lagers - aber sonst war es hier absolut menschenleer.
Wie aus großer Ferne vernahm er monotones Klopfen, wie Stahl auf Stein. Natürlich, das war eine Minenkolonie. Irgendwo in einem Tunnel hackte ein Arbeiter wohl nach dem Schwarzerz - Leon hatte davon reden hören, war jedoch immer mehr von dem blauen Erz von Khorinis fasziniert. Er fischte in seiner Tasche nach einem der Erzbrocken. Feine blaue Adern durchzogen das Gestein und der Brocken schien innerlich zu schimmern, kaum wahrnehmbar und vom Tageslicht überdeckt. Mit einem Lächeln schob Leon den Brocken zurück.

Ziellos schlenderte er eine Weile durch die kleine Siedlung. Alle Männer der Gemeinde schienen jetzt unter Tage zu sein, bis auf die beiden Wachleute auf den Türmen - einfachstes Volk, nicht auf Überwachung geschult. Hier wäre eine Diebestour bei Tageslicht ohne Probleme machbar. Doch Leon hatte sich bereits genug Ärger eingehandelt. Unvermittelt musste er wieder an Satura denken, wie sie mit blutüberströmtem Oberschenkel, eingeknickt vor ihm kniete.
Er blickte betrübt zu Boden, als er plötzlich eine Bewegung vor sich ausmachte.
Auf ihn zugestiefelt kam die breitgebaute Gestalt des unbekannten Kriegers - der Mann, der in der letzten Nacht auf den Tavernenkiller einen blitzschnellen Angriff gestartet hatte, der letztlich Satura und Leon vor ihm bewahrt hatte.
Er blickte dem Krieger misstrauisch entgegen und verschränkte die Arme vor der Brust.
Warum hatte der Mann das überhaupt getan? Wer war er? Vertrauenserweckend sah er nicht gerade aus.
Er blieb Leon direkt gegenüber stehen und sah ihn aufmunternd an - obwohl er selbst gebrochen und alt aussah, halb gebückt und schwer am Hals bandagiert, wie er da stand.
14.05.2003, 18:33 #100
Superluemmel
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Mit ruhigem Blick musterte Frost den vor ihm stehenden Mann. Er war ein Stück kleiner als er selbst. Eine lederne Jacke versuchte seine schlanke Statur zu verschleiern, scheiterte jedoch an dem scharfen Gletscherwind, der den festen Stoff an seinen Körper drückte.
Stellenweise war das Leder bereits rissig geworden und ließ helle Linien erkennen, die sich wie feine Adern über das Kleidungsstück zogen. Dunkle Augen stachen zwischen einzelnen Haarsträhnen hervor, jagten Frost eine Welle aus geballtem Misstrauen entgegen. Auch die Haltung des Jungen sprach Bände. Trotzig vor der Brust verschränkte Arme ließen Frost die Ablehnung geradezu körperlich spüren.
"Sieh an, ein weiterer Dornenbusch."
Ein schmales Lächeln umspielte Frosts Mundwinkel.
"Erlaubt mir eine Frage : Seid ihr ebenso stachelig wie eure Freundin?"
Für die Dauer weniger Sekunden ließ Frost die Frage im Raum stehen, bevor er weitersprach.
"Obwohl ihr sicherlich nichts mit meinem Namen anzufangen wisst, er lautet Frost. Ich hoffe ihr habt den Schock der Nacht heil überstanden. Es tut mir leid was auf dem Schlachtfeld vorgefallen ist, doch hatte ich keine andere Wahl als Tak anzugreifen. Wenn ich noch länger gezögert hätte, würdet ihr jetzt wahrscheinlich nicht vor mir stehen. Zu meiner Erleichterung scheint es sowohl euch wie auch eurer Freundin wieder besser zu gehen. Ich habe gehört ihr wollt zurück zur Hauptstadt? Kein ungefährliches Unterfangen, gerade jetzt wo Tak dort draußen sein Unwesen treibt. Falls ihr es wünscht werde ich euch begleiten. Ich kenne Tak... recht gut. Wahrscheinlich wird es nicht wagen, euch abermals anzugreifen wenn ich in eurer Nähe bin."
Aufmerksam beobachtete Frost das Gesicht des Jungen. Manchmal konnte selbst ein Wimpernzucken mehr über eine Person aussagen, als jedes Wort.
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