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Die Küstenebene
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07.04.2003, 18:41 #76
Mykena
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Mykena hatte sich gezwungenermaßen den anderen drei Banditen angenommen. NIcht leicht, drei Männer auf einmal in Schach zu halten. Schon spürte sie einen Schmerz an ihrem linken Unterarm, einer der Kerle hatte sie doch tatsächlich mit seinem Messer erwischt. Zum Dank rammte sie ihm ihr Schwert in den Magen und die Sache hatte sich erledigt.

Bliebennoch zwei übrig. Hektisch schaute Mykena von einem zum anderen. Schnell wich sie dem Schwerthieb links aus und trat dann mit dem rechten Fuß gegen den anderen Banditen. Sogleich machte sie eine Drehung und hatte den zweiten Mann erwischt. Dummerweise nutzte der dritte in der Zwischenzeit ihre Ablenkung und rammte ihr unsanft seinen Dolch in die Schulter. Mykena schrie auf. So ein Mist. Sie spürte bereits das Blut. Mit aller Kraft schaffte sie es noch, dem Angreifer den Dolch aus der Hand zu schleudern. Doch der Kerl begann nun, mit Fäusten und Tritten auf sie einzuschlagen. Die Amazone versuchte sich vergeblich zu wehren, aber die Schulter schmerzte immer mehr und ihr wurde bereits schummrig vor Augen...
07.04.2003, 20:43 #77
Kano
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...Kano hatte gerade seinen Bogen aufgenommen, als die Amazone verletzt zu Boden sank und sich den Hieben des Banditen ausgesetzt sah. Der Schütze griff sich einen Pfeil aus seinem Köcher, legte ihn an die Sehne und zielte kurz auf den letzten Gegner. Der Pfeil schwirrte davon, zischte durch die Höhle. Nur Sekundenbruchteile später ruckte der Kopf des Halunken zu Seite weg, untermalt von einem Knacken. Augenblicklich stürzte der schocktote Körper zu Seite um und schlug dumpf auf dem Felsboden auf.

Der Milizionär rannte zu Mykena und hockte sich neben sie, eine Stichwunde in der Schulter und ein paar Prellungen von den Schlägen. Auch der Unterarm war verletzt, allerdings nur leicht.
„Nicht falsch verstehen, aber ich brauch dein Fläschchen…“
Kano zögerte kurz, dann suchte er an der Königin nach der heilenden Essenz, die sie mitgenommen hatte. Irgendwo musste das doch sein. Kurz bevor er hätte anfangen müssen, in der Rüstung zu suchen, fand er es jedoch und hob Mykenas Kopf etwas an und legte ihn auf seinem Bein ab.
„Hier, trink davon, es hat mir geholfen, es wird auch dir helfen.“

Vorsichtig, dass sie sich nicht verschluckte, gab er der Amazone etwas davon zu trinken und löste dann die Rüstung an der Schulter etwas, um die Wunde besser sehen zu können. Es blutete ziemlich und sie schien einiges verloren zu haben. Schnell riss er sich etwas Stoff vom Hemd unter seiner Rüstung hervor und legte der Kriegerin einen provisorischen Verband an, wie er es bei der Armee gelernt hatte. Das Meiste würde allerdings dennoch die Essenz machen müssen, konnte man nur hoffen, dass es noch nicht zu spät war, ihr Puls war schwach geworden und die Atmung flach…
07.04.2003, 23:08 #78
Superluemmel
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Ein langgezogenes Heulen begrüßte das traurige Gesicht des Vollmondes, als er sich hinter den dunklen Wolkenfetzen hervorschob.
Blass schimmerte die Geröllhalde nahe den hoch aufragenden Gipfeln des Kranzes aus Gebirgskämmen, die das Minental einschlossen. Es kam nicht oft vor, dass dieser Teil des Landes Besucher empfing.
Und die wenigsten von diesen ohnehin schon spärlich vertretenen, ruhelosen Wanderern bewegten sich auf zwei Beinen fort. Wenn ein Schatten auf dieses Meer aus Steinen warf, dann waren es meist Bluthunde oder andere Jäger auf der Jagd nach Beute.
Menschen waren eine Rarität in diesen hochgelegenen Gefilden.
Hier oben gab es nichts, was für die Zweibeiner von Interesse wäre.
Dennoch konnte es keinen Zweifel geben, dass es ein Mensch war, der sich sicheren Schrittes über das tückische Geröll bewegte. Es war kaum mehr als ein dunkler Schemen zu erkennen, ein schwarzer Fleck der mit dem Schatten der vorbeiziehenden Wolken zu verschmelzen schien.
Und doch war seine Anwesenheit nicht zu leugnen.
Fast völlig lautlos setzten seine von vielen Meilen und noch mehr Kämpfen gezeichneten Stiefel auf dem losen Schotter auf. Mehr als ein leises Knirschen war nicht zu vernehmen. Es war die Nacht selbst, die sich in Form der düsteren Gestalt in die Steinwüste hinausschob.
Ja, er hatte gewonnen.
Allerdings war Frost nicht stolz auf sich. Früher hatte es einmal eine Zeit gegeben, in der ihn die Siege mit Genugtuung erfüllt hatten.
Inzwischen konnten sie die Leere in seinem Herzen nicht mehr vertreiben. Es war ein Kampf gewesen.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Er war ein Krieger. Kämpfe gehörten zu seinem Leben wie das tägliche Brot. Sowie die Gewissheit, eines Tages zu sterben. Sei es in einem Kampf oder auf dem Sterbebett.
Machte es einen Unterschied?
Wohl kaum.
Vor Jahrzehnten hatte sich Frost für diesen Weg entschieden. Sich jetzt noch zu ändern glich einer Utopie. Einmal auf diesem Pfad gewandelt, gab es kein Zurück mehr. Er konnte nur noch weitergehen.
Was ihm blieb, war die Entscheidung wofür er kämpfte.
Das Denken, für eine edle Sache, für den König und das Wohl des Volkes in die Schlacht zu ziehen, hatte Frost schon lange abgelegt.
Diese Gedanken überließ er den Narren und den Priestern.
Sollten sie doch für ein höheres Ziel sterben. Für Frost waren es verschwendete Leben. Was brachte es, für etwas zu sterben, wenn man von dem Erreichten nichts mehr mitbekam, weil man als zerfetzter Kadaver auf dem "Feld der Ehre" lag und als Mahl für die Raben diente?
Nein, diese Mentalität war mitsamt seinem alten Leben gestorben.
Seitdem er auf sich alleine gestellt war, galt nur noch das eigene Überleben.
Redete er sich zumindest ein.
Wie jeder andere Mensch hatte auch er selbst seine Fehler. Einer seiner größten war sein Leichtsinn. Manche mochten es als selbstlos bezeichnen. In Wirklichkeit steckte sicherlich mehr dahinter. Niemand opferte einfach so sein Leben für andere. Dazu gehörte mehr.
Doch war es oftmals nicht leicht, in einer kritischen Situation nur nach dem eigenem Kopf zu handeln.
Der Alte hatte Recht gehabt.
Frost handelte wirklich zu sehr nach seinen Instinkten.
Ansonsten hätte er es wohl kaum geschafft, sich drei Mal umzubringen.
In letzter Zeit hatte der Waffenmeister viel nachgedacht. Wenn er so weitermachte, würde er früher oder später untergehen. Mit jedem Schritt kam er dem Abgrund näher.
Deshalb hatte er sich entschlossen, dem Greis gegenüberzutreten.
Sein Weg würde ihn über das Gebirge bis nach Drakia führen. Dort konnte er seine Überfahrt nach Gorthar sowie den Aufstieg in die eisige Umklammerung des Gletschers planen.
Doch dazu musste er zuerst diesen widerspenstigen Felsrücken überqueren. Um einer Entdeckung durch die unzähligen Orkpatrouillen zu entgehen, hatte sich Frost dazu entschlossen, abseits des Passes das Gebirge zu überqueren. Dieser Weg war zwar um ein Vielfaches kräftezehrender, jedoch auch sicherer.
Zumindest, was die Orks anging.
Ein leiser Fluch entfloh Frosts Kehle, als sich ein einzelner Stein löste und klackend in der Dunkelheit unter ihm verschwand. Im nächsten Augenblick bemerkte er, dass er selbst auf einer massiven Steinplatte stand.
Noch während sein Gehirn den Gedanken vollends verarbeitete, glitt bereits der
Eisbrecher lautlos zwischen Frosts Fingern hindurch ins Freie. Auf ein Knie herabgesunken beobachtete Frost die Umgebung.
Erneut suchte sich ein Steinchen seinen Weg über das Geröll in die Tiefe.
Der Wolkenvorhang lichtete sich für wenige Herzschläge und entließ das blasse Mondlicht hinaus in die Nacht.
Im fahlen Schein des Wolfsaltar zeichneten sich schwach die Umrisse mehrerer Gestalten ab. Für Orks waren sie zu schmächtig. Es musste sich also um Menschen handeln. Ihre Rücken waren seltsam gekrümmt, als ob sie eine schwere Last tragen müssten. Leblos hingen ihre Arme an den Körpern herab.
Man musste kein Hellseher sein, um zu bemerken, dass hier etwas nicht stimmte.
08.04.2003, 18:28 #79
Mykena
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Mykena war immer noch schummrig vor Augen. Sie mußte geschlafen haben oder zumindest gedöst. Sie konnte sich an nichts mehr erinnern. Das letzte was sie wußte, war der Kampf mit den Banditen. Dann war es schwarz vor ihren Augen geworden. Vielleicht war sie zwischendurch nochmal kurz aufgewacht, aber das hatte sie kaum mitbekommen. Sie glaubte sich nur noch schwach daran zu erinnern, dass ihr eine Flüssigkeit eingeflöst worden war, seitdem war alles dunkel.

Nun blinzelte die Amazone wieder. Sie versuchte sich halb aufzurichten, zuckte dann aber vor Schmerz auf.
"Autsch! Hmm, wo bin ich hier?"
Sie rieb sich den Kopf und befühlte ihre Schulter. Irgendwas schien mit ihr nicht in Ordnung zu sein. Sie lag irgendwo im Wald, überall Farn und Moos um sie herum. Und direkt vor ihr blickte sie in zwei besorgte blaue Augen.
"Was ist passiert?", fragte sie Kano weiter.
08.04.2003, 18:45 #80
Kano
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"Na verehrte Königin, wieder unter den Lebenden?"
Kano hockte neben der Amazone und sah zu der Verletzten hinab. Nachdem die Halunken besiegt waren und der Schütze seiner Begleiterin ein paar Schlücke des Tranks gegeben hatte, war sie ohnmächtig geworden. Der Soldat hatte sie noch in ihre Fell gehüllt, dass ihr Körper nicht auskühlte, dann hatte er sich daran gemacht, sich in der Höhle umzusehen.

Die Banditen hatten einiges zusammengeholt, ein paar Kelche, Leuchter und andere wertvolle Stücke. Aber mehr noch hatte den Schützen das Buch interessiert, welches er auf einem steinernen Altar gefunden hatte. Es war alt und dick, versehen mit alten Ornamenten. Sicher würde er darin Antworten finden, den Buchdeckel zierte immerhin das Abbild eines Dämonen, laut den Zeichnungen Thorins, des Dämons, der einst die Klinge geführt hatte.

Aber das zu lesen war für später bestimmt, erstmal musste die Kriegerin versorgt werden. Nachdem die Nacht überstanden war, hatte sie der Milizionär hinauf in den Wald getragen, in der Höhle war es zunehmend stickiger geworden und die Leichen hätten sich auch bald angefangen, unangenehm zu dampfen...

"Bleib ruhig liegen, du bist verletzt worden und hast einiges an Blut verloren...Aber Respekt, du hast dich gut geschlagen da unten. Es braucht nur ein wenig, bis du wieder richtig einsatzfähig bist, also schone dich lieber, dann geht es schneller. Hier, trink etwas."
Kano hob vorsichtig ihren Kopf und hielt die Wasserflasche an den Mund.
"Aber nicht zu hastig...es ist genug da."
08.04.2003, 19:48 #81
Mykena
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Mykena trank eilig und schob das Wasser dann wieder zur Seite.
"Aaah, danke. Geht schon. Eine Amazone spürt keinen Schmerz, wir müssen weiter und außerdem will ich endlich zurück ins Lager."
Sie erhob sich langsam und unter Zähneknirschen, dann stützte sie sich auf ihren Speer und schaute sich um. Sie waren mitten im Wald, irgendwo am Ende der Welt.
"Hast du wenigstens gefunden was du gesucht hattest? Gab es noch andere Dinge zu holen bei den Banditen? Die haben doch sicher keine wertlosen Sachen geschmuggelt."
Die Amazone reckte sich leicht dass die Knochen knackten. Gleichzeitig verspürte sie jedoch wieder ihre Schulter und unterdrückte einen Schmerzensschrei. Twix kam an und leckte ihr mitleidig die Hand.
Mykena lächelte.
"Ja mein Süsser, bin schon wieder wohlauf. Brauchst dich nicht zu sorgen. Jetzt gehts heim, jetzt kann uns nichts mehr aufhalten. Oder?"
Ihr Kopf drehte sich zu Kano.
08.04.2003, 19:58 #82
Kano
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Dieser zuckte mit den Schultern und nahm seine Ausrüstung auf...und die der Amazone, die sie nun nicht mehr tragen konnte.
"Bist du sicher das es geht?"
Kano konnte ihr die Schmerzen ansehen, aber sie riss sich zu sehr zusammen, als dass er ihr den Stolz jetzt nehmen würde. Der Milizionär ging zu ihr und stützte sie etwas ab, ob sie nun wollte oder nicht. Doch bevor es losging hielt er ihr noch die geschlossene Hand entgegen. Langsam drehte sich der Handrücken nach unten und die Faust öffnete sich.
"Das hier hab ich noch gefunden."
Unter den Fingern erschien eine Kette aus reinem Gold, verziert mit einem Anhänger, einem Robin so strahlend rot wie die untergehende Sonne, welche sich gerade hinter Horizont schob...
"Ich denke, das ist eher etwas für dich, oder? Das Mindeste, was ich dir für deine Hilfe geben kann...Außerdem steht es dir besser als mir, auch wenn es nur ein Tropfen im Meer deiner Schö..."
Er hielt inne und sah sie an, schaute dann aber schnell verlegen weg...
08.04.2003, 20:49 #83
Mykena
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Mykenas Augen leuchteten erfreut auf. Die Kette funkelte sie rubinrot an, als wolle sie ihr sagen 'komm, leg mich an'. Irgendwas Geheimnisvolles umgab den Stein. Sein Leuchten war nicht nur einfach rot, es war blutrot. Als hätte es eine besondere Aura, irgendeine uralte Wirkung, die es noch zu entdecken galt. Sie würde die Hohepriesterin mal fragen, wenn sie zurück im Lager war. Vielleicht hatte es magische Kräfte, wer weiß.

"Oh, es ist wunderschön", Mykena strahlte förmlich. Selten hatte ihr jemand etwas geschenkt, und nun dieses funkelnde, leuchtende Schmuckstück. Unvermittelt zog sie Kano an sich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
"Danke!"
Sie strahlte immer noch und ließ sich weiter vorwärtsziehen, zurück zum Fjord, wo ihr Boot lag.
08.04.2003, 21:12 #84
Superluemmel
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Der Wind trug ein Stöhnen über die Felsen.
Eine der Gestalten wuchtete ihr Bein nach vorne und stakste ein paar Schritte nach vorne. Ihre Bewegungen kamen nur schleppend und wurden von einem leisen Schlurfen begleitet. Das zweite Bein der Gestalt wurde wie ein Sandsack hinterhergeschleift.
Wankend blieb sie stehen. Die Kinnlade hing kraftlos herunter, die Arme baumelten von einer Seite zur anderen. Wieder dieses schlurfende Geräusch.
Gespannt wartete Frost weiter ab. Sein Atem ging flach, er selbst war zu einem reglosen, schwarzen Fleck mutiert. Jeder Atemzug wurde genau kontrolliert. Selbst eine noch so schwache Atemwolke konnte ihn verraten.
Schwaches Mondlicht spähte durch die Wolken hindurch und verwandelte das Geröllfeld in eine Wüste aus blassen Grautönen. Ruckhaft drehte sich eine der Gestalten zu Frost herum.
Dabei schob sie ihren aschfahlen, kahlen Schädel ins Licht. Und entblößte ein klaffendes Loch in ihrem Gesicht. Pergamentartige Hautfetzen hingen von den Rändern der Wunde herab, gewährten einen unappetitlichen Einblich auf das Innenleben des Kopfes. Glanzlose, gebrochene Augen starrten an dem Waffenmeister vorbei in die Unendlichkeit.
Frost schluckte krampfhaft.
Untote.
Als der Wind erneut auffrischte, konnte der Krieger auch den faulig süßlichen Gestank von verwesendem Fleisch riechen. Angewidert rümpfte er die Nase. Verdammte Kreaturen Beliars....
Allein schon der Anblick der halb verwesten Gesichter sorgte für Übelkeit. Frost hatte schon mit angesehen, wie gestandene Krieger angesichts einer Horde von Untoten in wilder Panik das Weite suchten.
Selbst ihm lief jedes Mal ein eisiger Schauer den Rücken hinunter, wenn er gegen diese Kreaturen des Todes antrat.
Momentan konnte er sechs der schwerfälligen Untoten ausmachen. Doch wer wusste schon, was sich hinter dem Schleier der Dunkelheit verbergen mochte....
08.04.2003, 21:14 #85
Kano
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Völlig überwältigt hatte sich Kano küssen lassen und nicht im Geringsten gewehrt.
Allerdings machte es ihn umso verlegener...weshalb er dann auch mit der Amazone aufbrach. Er wollte mindestens am Boot sein, wenn es so richtig dunkel wurde. Es war ein recht beschwerlicher Weg, die Kriegerin stützen und die Ausrüstung tragen...aber was sollt's.

Längst war die Sonne untergegangen und Millionen und Abermillionen Sterne bedeckten den Himmel, als die Beiden und der Wolf das Boot erreichten. Vorsichtig hob der Soldat seine Begleiterhin ins Boot und schob Wölfchen hinterher. Auch die Ausrüstung lud er in das Wasserfahrzeug und schob es schließlich vom Ufer weg, sprang hinein und setzte sich auf die Ruderbank, wie immer...

Platschend tauchten die Ruder ins Wasser und trieben das Boot durch kräftige Züge voran. Diesmal hatte er die Königin am Heck platziert, dass der Bug nicht wieder so tief hing...außerdem konnte er sie so ansehen...
In gewisser Weise machte er sich Vorwürfe, sie mitgenommen zu haben, jetzt, wo sie verletzt war. Aber andererseits war sie eine gute Freundin und einer der wenigen Menschen, die er wirklich mochte, in dieser rauhen Welt...
09.04.2003, 19:12 #86
Superluemmel
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Das Klacken eines losen Steins hallte durch die Nacht.
Noch bevor er ein weiteres Mal aufschlagen konnte, schnellte bereits ein Schatten über das unsichere Terrain. Sirrend zerschnitt ein silberner Schemen die kühle Luft, traf schmatzend auf fauliges Fleisch und bahnte sich unbarmherzig seinen Weg durch Knochen und Muskelfasern.
In einer stinkenden Wolke aus Körpersäften kam der
Eisbrecher ins Freie, beschrieb einen perfekten Halbkreis und durchstach die Stirn eines weiteren Untoten.
Diese gesamte Gegend war verseucht von diesen Bestien!
Frost wusste nicht, wie es die beiden Zombies geschafft hatten, sich bis auf so wenige Schritt an ihn heranzuschleichen. Vielleicht hatte sie einfach Glück gehabt und ihre steifen Glieder unbewusst über sicheren Boden gelenkt.
Oder... nein, das war unmöglich.
Ein kräftiger Ruck befreite die Ironiaklinge aus dem Kopf des zusammensackenden Zombies. Im selben Moment knickten die Beine des Kriegers ein, nur um ihn kurz darauf kraftvoll vom Boden in die Luft zu katapultieren.
Ein blitzschneller Salto in der Luft, begleitet von dem tödlichen Zucken von Stahl.
Stöhnend kippte ein weiterer Untoter zu Boden, seine Brust durch einen kraftvollen Hieb gespalten. In der Zwischenzeit waren noch mehr Zombies aus ihren düsteren Verstecken getreten und kamen mit stockenden Schritten auf den knieenden Waffenmeister zu.
Diese Kreaturen waren extremst träge und stellten für einen erfahrenen Kämpfer kaum eine Gefahr dar.
Zumindest, solange sie ihn nicht erwischten.
In den von Maden zerfressenen Armen lagen übermenschliche Kräfte verborgen, genug, um einem Mann mit einem einzigen Schlag die Rippen zu brechen. Und in dem halb zerfallenen Fleisch lauerten noch weitere Gefahren.
Krankheiten, entstanden durch die fortschreitende Verwesung der untoten Körper. So mancher tapfere Kämpfer entkam einem Kampf mit Zombies, nur um wenig später von einer mörderischen Seuche dahingerafft zu werden.
Alleine waren die langsamen Monster wenig gefährlich.
Wenn sie jedoch wie jetzt zu Dutzenden angriffen, stellten sie eine mehr als ernst zu nehmende Gefahr dar.
09.04.2003, 22:19 #87
Superluemmel
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"Zurück zu Beliar, unheiliges Gezücht!"
Der Eisbrecher zuckte zornig nach auf einen der wandelnden Kadaver zu, schnitt schmatzend durch das tote Fleisch und hinterließ auf seinem Weg eine Schneise der Verwüstung.
Keuchend taumelte einer Zombies nach vorne, schwang gleichzeitig seinen Arm wie eine Keule nach Frosts Gesicht.
Zischend zerteilte das faulende Fleisch die Luft über Frosts Kopf, als sich der Waffenmeister rechtzeitig wegduckte.
Einen Augenblick später explodierte die lückenhafte Formation der Untoten in einem Schauer aus Leichenteilen. Die Langsamkeit der zu unheiligem Leben erwachten Leichname ausnutzend, schlängelte sich Frost zwischen den Gegnern hindurch und ließ seine Klinge frei fahren.
Die mehrfach gehärtete Klinge holte eine blutige Ernte ein. Knochen splitterten unter ihrem Aufprall wie morsches Holz. Sehnen wie Muskeln wurden gleichermaßen durchtrennt, ohne die Schneide sonderlich zu bremsen.
Doch so viele Zombies er auch endgültig zur Ruhe schickte, die Dunkelheit spie immer weitere aus. Ein wütender, beidhändig geführter Hieb schleuderte zwei der Modersäcke zu Boden und verschaffte Frost etwas Luft.
Die Zombies näherten sich in einem beständig enger werdenden Halbkreis. Nur zum Hang hin hatte der Waffenmeister noch etwas Freiraum.
Das Schwert fest umklammernd wich er vorsichtig vor der anrückenden Horde zurück. Ein Geräusch zu seiner Linken ließ Frosts Kopf herumrucken. Polternd purzelten einige Steine zur Seite und suchten sich ihren Weg den Hang hinab.
Dann schoss eine von faltiger Haut überzogene Hand unter dem Geröll hervor und suchte sich festen Halt.
Kurz darauf fand eine zweite ihren Weg ins Freie. Auch an anderen Stellen des Geröllfeldes begannen sich kleine Hügel im Schutt zu bilden, weitere Zombies kämpften sich aus ihrem Grab frei.
Frost fluchte lauthals.
Das war keine Schutthalde, das war ein verdammter Friedhof!
Knackend brach der Schädelknochen eines Untoten unter Frosts Stiefelabsatz. So schnell es die im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden schießenden Zombies zuließen, hackte sich der Gildenlose einen Weg vom Haupttrupp der Toten fort den Hang hinauf.
Sein Herzschlag schoss in astronomische Höhen, als er herumfuhr und die Zombies erstmals in ihrer vollen Zahl erblickte.
Bei den Göttern, das waren mehrere Dutzend.
Und es wurden beständig mehr.
Eine kleine Armee gegen einen einzelnen Mann. Allein die bloße Zahl der Untoten war erdrückend. Selbst optimistisch betrachtet, standen Frosts Chancen diesen Kampf zu überleben denkbar schlecht.
12.04.2003, 00:00 #88
Superluemmel
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Schmatzend bahnte sich der Eisbrecher seinen Weg durch untotes Gewebe, bis er inmitten eines Knochenschauers den Brustkorb des Zombies verließ.
Die Schatten verschwammen für einen Augenblick, als Frost blitzschnell herumwirbelte. Ein vorschnellender Arm verschwand haltlos in der Dunkelheit und klatschte entfernt auf den Steinen auf, als sie durch einen schnellen Hieb vom Rest ihres Körpers getrennt wurde.
Von seinem eigenem Schwung nach vorne getragen, stürzte der Untote nach vorne, stolperte über seine eigenen, steifen Beine und fiel der Länge nach hin. Doch beinahe im selben Moment in dem er zu Boden ging, hinkten zwei weitere Zombies auf den Waffenmeister zu.
Der
Eisbrecher beendete gerade seine Kreisbewegung im Hinterkopf des gestürzten Gegners. Für einen weiteren Schlag würde keine Zeit bleiben.
Die Zeit schien stehenzubleiben.
Von einer Sekunde auf die andere bewegten sich die Zombies noch langsamer als zuvor fort. Geräusche drangen nur noch verzerrt und seltsam langgezogen an die Ohren des Kriegers. Sein eigener Herzschlag hämmerte wie das Wummern von Kriegstrommeln in seinen Ohren.
Wie in Zeitlupe wankten die Untoten auf ihn zu. Eine fette, aschfahle Made wand sich aus der Nase des einen und plumpste zu Boden. Die Zunge des anderen hing wie ein trockener Lappen halb aus dem offenstehenden Mund heraus und wippte bei jeder seiner Bewegung mit. Faulige Finger streckten sich nach dem Krieger aus, gelbliche Knochen schimmerten unter der aufgerissenen Haut hervor.
Der süßliche Gestank der Verwesung brachte Frosts Magen zum Revoltieren.
Er hatte keine Wahl.
Im selben Moment in dem sich seine Finger um den Griff der
Flammenschneide legten, starben alle Hoffnungen, die Waffe nach Möglichkeit ruhen zu lassen.
Es gab keinen anderen Ausweg mehr. Seit dem Duell mit Clay hatte Frost das Schwert nicht mehr gezogen, ja, soweit es ging nicht einmal mehr berührt. Jetzt fühlte er den aus Horn gefertigten Griff unter seiner Berührung erglühen. Liebevoll schmiegte sich die Waffe in die Umarmung seiner Hand.
Sie war bereit, abermals Leid in die Welt außerhalb ihres ledernen Ruhebettes hinauszutragen.
Hell sirrend glitt die Klinge aus der Scheide. Kaum raste sie auf den ersten Zombie zu, da verwandelte sich das Sirren in ein schauerliches Heulen. Mit brutaler Wucht fraß sich die
Flammenschneide durch Fleisch und Gebein.
Die beiden Untoten erstarrten.
Für die Dauer eines Atemzuges blieben sie schwankend stehen, dann kippten sie um - Ober- und Unterkörper jeweils in verschiedene Richtungen.
Bevor der Schwung der aus ihrem Schlummer gerissenen Klinge ins Leere vergehen konnte, zwang Frost das Schwert herum. Blitzend schnitten seine beiden Schwerter durch die Luft, als er abermals auf dem Absatz herumfuhr und die Waffen fahren ließ.
Weitere Gegner krachten sandgefüllten Säcken gleich auf den harten Fels, rutschten haltlos auf dem Schotter den Hang hinab und rissen dabei noch mehr ihrer von Maden zerfressenen Kameraden zu Boden.
Noch einmal gab sich Frost dem Gesang seiner Klingen hin, verwandelte mit geschmeidigen Bewegungen das Geröllfeld in ein Schlachtfeld.
14.04.2003, 22:48 #89
Superluemmel
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"Es..."
Der Eisbrecher hinterließ eine blutige Schneise im Brustkorb eines Zombies, schleuderte ihn zurück und grub sich tief in die Seite eines weiteren Angreifers.
"...sind..."
Die Flammenschneide kreuzte den Weg der Ironiaklinge, strich geradezu zärtlich über die Kehle eines Untoten. Gurgelnd kippte der Kopf nach hinten und kullerte zu Boden.
"...zu..."
In einer blitzartigen Rotation entlud Frost die kurz zuvor aufgebaute Körperspannung. Sein Bein schwang in einem weiten Halbkreis nach oben, zertrümmerte mit einem trockenen Knacken die Schläfe eines Gegners. Nur Augenblicke später komplettierte sein zweiter Stiefel die Bewegung, mimte seinen Vorgänger nach und schmetterte zwei weitere Zombies zu Boden.
"...viele!"
Ein Wirbel aus blitzenden Klingen zerschnitt mit der Gewalt einer Sense die Luft, fegte durch halb vermoderte Leiber und schleuderte ihr untotes Leben in die Nacht hinaus.
Bleiches Mondlicht ließ die Bewegungen seltsam abgehakt erscheinen. Das dumpfe Aufklatschen schwerer Körper begleitete den Waffenmeister auf seinem Weg des Leids. Eisblaue Augen funkelten kalt im schwachen Licht. Das schauerliche Heulen der
Flammenschneide vermischte sich mit dem Stöhnen der Zombies zu einem unheilvollen Chorus.
"Ich verfluche euch alle!"
Brüllend gab sich Frost dem Gesang des Todes hin, trieb seine Klingen mit unbändigem Zorn durch untotes Fleisch.
Dann passierte es.
Zu spät bemerkte er den vorschnellenden Arm, zu langsam riss er das Schwert in die Höhe.
Von übermenschlicher Kraft getrieben hämmerte die geballte Faust in seine Seite. Knochen gaben knackend nach und splitterten unter dem nachrückenden Arm, als sie gegen den fast undurchdringlichen Hornpanzer des Waffenmeisters krachten.
Mitten in der Angriffsbewegung wurde Frost herumgerissen. Seine Füße verloren Kontakt zum Boden. Unkontrolliert wurde er zur Seite geschleudert.
Sein rechter Fuß striff über den Schotter, prasselnd ging ein Schauer von Steinchen auf die umstehenden Untoten nieder. Knurrend presste Frost die Kiefer zusammen, knickte den Fuß nach unten und versuchte seinen Sturz zu stabilisieren.
Plötzlich ging ein harter Ruck durch seinen Körper, als sich sein Stiefelabsatz in einer Felsspalte verhakte. Der Sturz des Kriegers verwandelte sich obgleich des abrupten Stops in einen Überschlag. Geistesgegenwärtig drehte Frost seinen Fuß herum und gab der ungewollten Bewegung einen kräftigen Seitwärtsdrall.
Steine spritzten in Frosts Gesicht. Seine zwei Klingen zogen wenige Fingerbreit über den Boden ihre tödlichen Kreisbahnen. Beinknochen wurden glatt durchtrennt, Sehnen gaben widerstandslos nach.
Dann schlug er auf dem Geröll auf.
Scharrend und inmitten einer gewaltigen Staubwolke rutschte Frost haltlos über die nachgebenden Steine. Der faulige Gestank der Untoten nahm ihm den Atem, als sie einer Welle gleich über ihm zusammenschlugen.
Nein, es konnte nicht so enden.
Mit einem gellenden Schrei wirbelte Frost seine Schwerter herum, zog die Beine an den Körper und sprang in die Höhe. Noch einmal zwang er seine schmerzende Sprungmuskulatur, seinen Körper durch das Meer aus lebenden Leichen zu tragen. Noch einmal brachten seine Waffen den endgültigen Tod über die Gegnermassen.
Bis er mit dem Rücken gegen kalten Fels stieß.
Gehetzt sah sich der Waffenmeister um. Von allen Seiten kamen die Untoten auf ihn zu, hievten ihre von Maden und Würmernzerfressenen Körper mit schlurfenden Schritten über den steinigen Untergrund. Einer von ihnen glitt auf dem Schotter aus und wurde kurz darauf von den nachfolgenden niedergetrampelt.
Es gab keinen Ausweg. Er stand im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Rücken zur Wand.
Die einzige Möglichkeit zur Flucht stellte ein gut fünf Schritt hoher und nahezu senkrecht abfallender Felsen dar. Wie ein unförmiger Thron stand er mitten in dem Geröllfeld und blockierte die über ihm liegenden Steinmassen vom Weiterkommen. Feine Steinpartikel rieselten von seiner Spitze auf den in die Enge getriebenen Krieger herab.
Ein bösartiges Grinsen machte sich auf Frosts Gesicht breit, als er in die gebrochenen Augen der anrückenden Totenarmee blickte.

"Nein."
Der Krieger ging tief in die Knie. Seine Sehnen verhärteten sich zu Stahlseilen, Würmern gleich traten die Muskeln an seinen Armen hervor, als sich seine Hände um die Schwertgriffe verkrampften.
Er spürte die Waffen unter seinen Fingern vibrieren. Sie erwarteten mit grimmiger Entschlossenheit seinen letzten Zug.
"So leicht erwischt ihr mich nicht!"
Mit einem gellenden Schrei fuhr Frost herum. Seine Stiefel stemmten sich mit aller verbleibenden Macht in den Untergrund. Den Schwung der Drehung nutzend, wuchtete er seine Klingen über die gesenkte Schulter hinweg.
Frosts Arme und Schultern explodierten gleichzeitig in brutalem Schmerz, als er die Schwerter in einem gewaltigen Hieb gegen den Fels donnerte.
Im selben Moment in dem die Knie des Kriegers den Boden berührten, ging ein Knirschen durch den Fels.
Der Erdboden erzitterte.
Knackend klaffte ein haarfeiner Riss in dem Felsbrocken auf. Kleinere Steinbrocken lösten sich und kullerten den Hang hinab, als sich der Riss mit beachtlicher Geschwindigkeit über den gesamten Felsen ausbreitete.
Dann wurde der Druck der abrutschenden Felsmassen zu groß. Donnernd löste sich die Lawine aus losem Schotter. Das Meer aus Steinen setzte sich abermals in Bewegung und zog in Begleitung einer gewaltigen Staubwolke gen Tal.
Mit brachialer Gewalt prasselten die Felsen auf den noch immer regungslos knieenden Krieger nieder und rissen ihn mitsamt seines Bewusstseins mit sich.
17.04.2003, 12:21 #90
Superluemmel
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Stille hatte sich mit der Schwere eines Leichentuch über das Geröllfeld gelegt.
Das Meer aus Steinen war abermals zum Stillstand gekommen. Längst war die gewaltige Staubwolke, die vom Lawinenabgang gekündigt hatte, in der sternenklaren Nacht entschwunden.
Inzwischen stachen die ersten Lanzen der Morgensonne hinter dem wie abgeschnitten wirkenden Horizont des Fjordes hervor. Der stahlblaue Himmel kündigte von einem weiteren, siedendheißen Tag.
Das Klacken von Steinen zerriss die morgendliche Stille.
Ein paar kleinere Steinchen hatten sich von ihrem Platz gelöst und sprangen nun polternd und klackend den Berg hinab. Es dauerte nicht lange, da folgten weitere Kiesel dem Beispiel ihrer Vorgänger.
Schließlich fingen einige größere Brocken an, sich zu bewegen. Eine Hand schob sich unter den Felsen hervor, krallte sich zitternd im Schotter fest.
Verkrustetes Blut bedeckte die Finger wie eine zweite Haut. Endlich bäumten sich die Felsbrocken weiter auf, dann stürzten sie krachend zur Seite und lösten kleinere Lawinen aus, die geräuschvoll ins Tal rasten.
Keuchend zog sich Frost ins Freie, kroch einen halben Schritt weit über das Geröll und blieb erschöpft liegen. Ein qualvolles Husten schüttelte seinen Körper, eine schmierige Blutspur zeichnete seinen Weg über die Felsen nach.
Seine Hand tastete suchend über die Steine, bis er rauhes Leder unter seinen Fingern fühlte. Rasselnd sammelte Frost die Luft in seiner Lunge. Die Muskeln seiner blutüberströmten Arme spannten sich abermals an. Stöhnend versuchte sein geschundener Körper, sich erneut in die Höhe zu stemmen.
Mit Hilfe seiner beiden Schwerter schaffte es der Waffenmeister stockend, sich in eine knieende Position hochzuziehen. Bevor er es wagte, sich vollends aufzurichten, vergingen weitere Minuten.
Wankend wie ein vom Sturm gebeuteltes Schiff stand er inmitten des Feldes aus Steinen in der prallen Morgensonne.
Ein heiseres Lachen entrang sich seiner Kehle, wurde jedoch von blutigem Husten unterbrochen.
Da lagen sie nun, diese verdammten Zombies. Zerschmettert von Tonnen von Steinen. Dieses Mal für alle Ewigkeit begraben.
Torkelnd und schwer auf seine Schwerter gestützt schleppte sich Frost den Hang hinab. Ha, so schnell ließ er sich nicht unterkriegen.
Zwar konnte er die Schmerzen in seinem Körper kaum noch den jeweiligen Knochen und Gliedern zuordnen. Aber er konnte noch laufen. Jawohl, das konnte er....
Dabei ließ er sich auch nicht von dem Umstand stören, dass sein gebrochenes rechtes Bein den Dienst verweigerte. Er hatte gesiegt, das war das Einzige das zählte.
Ebenso ignorierte er das seine Wange hinablaufende, warme Blut. Sein Brustkorb hatte sich schon längst in einen Käfig der Qual verwandelt. Doch solange er noch laufen konnte, war ja alles in Ordnung....
Ein vorstehender Felsen verwandelte Frosts schleppenden Gang in ein haltloses Taumeln. Strauchelnd ging der Krieger zu Boden, überschlug sich mehrmals und schlitterte ungebremst inmitten einer größer werdenden Staubwolke den Hang hinunter.
Reglos blieb er am Ende seiner Rutschpartie auf dem Rücken liegen. Irgendwo in dem Meer aus Blau über ihm kreiste ein schwarzer Schatten. Schwacher Wind blies dem Krieger einige staubverkrustete Haarsträhnen ins Gesicht.

"Scheisse...."
Selbst flüsternd hörte er sich kaum besser an als eine der Gebirgskrähen.
Hatte er dieses Gemetzel nur überlebt, um nun mit zerschlagenen Knochen hier, auf einem von allen Göttern verlassenen Geröllfeld an der Küstenebene von Khorinis elendig zu verrecken?
Das Rauschen des nahen Fjordes drang an Frosts Ohren. Eine letzte Kraftanstrengung ließ seinen Kopf zur Seite kippen. Nur wenige Schritt unter ihm erstreckten sich die glitzernden Wogen des Fjordes. Ein schillerndes Meer aus funkelnden Kristallen....
Abermals peinigte ein Hustenanfall Frosts Körper, ließ jegliches Gefühl in seinem Brustkorb in Schmerzen vergehen und riss sein Bewusstsein fort in einen Ozean aus Schwärze.
18.04.2003, 09:03 #91
Hummelchen
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Wirklich frische Kräuter sammelte man vor dem Sonnenaufgang. Und da Kresse, Lauch und Ampfer bereits ihre zarten Blättchen aus der Erde steckten, hatte sich Hummelchen mit einem Korb bewaffnet und war mit ihrem dank Thaleiia Hilfe besonders kopakt ausgestatten Vogel ein Stück die Künste entlanggeritten. Sie wusse, dass an der oberen Steilhängen Mulden mit sehr guter Erde waren. Dort wollte sie nach den Kräutern suchen.

als sie sich der Gegend näherte, bekam sie zunächst einen Schreck. Hier musste es einen Erdrutsch gegeben haben. die fruchtbaren terassen waren mit riesigen haufen fels verschüttet und men sah leider auch blutspuren.

Das bedeutete, hier war jemand zu Schaden gekommen. Hummelchen griff zu ihrem Messer, das eigentich nur zum Blättchenschneiden gedacht war und ging langsam Schritt für Schritt weiter. Dem Vogel hatte sie befohlen, sich ganz ruhig zu verhalten.
18.04.2003, 12:42 #92
Superluemmel
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Warmer Sonnenschein kitzelte auf Frosts Haut, als sich der Mantel der Bewusstlosigkeit zögerlich von seinem Geist löste.
Seltsamerweise wollte sich sein linkes Auge nicht öffnen lassen. Etwas hinderte sein Augenlid, sich zu heben. Doch das war vorerst nebensächlich.
Reglos blieb Frost liegen. Solange er sich nicht bewegte, konnte er die Schmerzen besser zuordnen. Mit ziemlicher Sicherheit war sein rechtes Bein gebrochen, ebenso mehrere Rippen.
Nur vorsichtig sog er die Morgenluft ein. Das Kratzen in seinem Hals konnte sich jederzeit in einen schmerzhaften Hustenreiz verwandeln. Dröhnender Kopfschmerz kündigte von einer Gehirnerschütterung. Die Schnittwunde an seinem linken Handballen war wieder aufgeplatzt. Seine gesamte Hand war von einer klebrigen Kruste aus getrocknetem Blut überzogen.
Blut....
Geistesgegenwärtig krochen Frosts Finger zu der neben ihm liegenden
Flammenschneide. Momentan schien die Klinge gesättigt. Bei der Menge an vernichteten Zombies nicht allzu verwunderlich.
Doch sobald ihr Hunger wieder erwachte, war eine Katastrophe vorprogrammiert. Die gesamten Felsen waren blutverschmiert....
Mit zitternden Fingern schob Frost die Waffe über die Felsen auf ihre Scheide zu. Nach mehreren Minuten schaffte er es endlich, die Spitze etwas anzuheben und das Schwert in Sicherheit zu bringen.
Erschöpft ließ er sich zurücksinken. Über ihm erstreckte sich ein wundervoller, blauer Himmel. Eine seltsame Ruhe lag über der Szenerie. Nur ab und an rauschten die Wasser des Fjordes leise gegen die Felsen.
Frosts Rechte schloss sich um den Griff des
Eisbrechers. Langsam zog er das Schwert näher an seinen Körper, bis er das vertraute Heft an seine Brust drücken konnte.
Dann schloß er die Augen. Allmählich beruhigte sich sein Atem. Wenigstens war ihm ein treuer Begleiter geblieben. Unzertrennlich, bis zum bitteren Ende....
18.04.2003, 14:46 #93
Hummelchen
Beiträge: 399

Vorsichtig stieg Hummelchen über das Geröll, nachdem sie den Korb mit den Kräutern abgestellt hatte. Wenn hier Blut war, gab es sicher jemanden, der dieses Blut verloren hatte. Und einen Erdrutsch hatte es hier auf jeden Fall gegeben. Wer weiß, wer da unter den Steinen lag.

Behutsam, um keinen ebentuell Verschütteten zu verletzen, begann sie einige Steine beiseite zu räumen. Irgendwo lagen hier doch sicher Verletzte, Schließlich konnte ja nicht die Erde geblutet haben.

Dann sah sie ihn plötzlich. dort lag ein Krieger in Rüstung und starrte mit offenen Augen in den Himmel. sicher war er tot. Über seinen Beinen lagen gewaltige Felsbrocken und es war ein Wunder, dass sein Oberkörper aus dem Chaos herausragte.

"Hallo, lebt hier noch jemand?" Hummelchen hatte einen Kloß im Hals und näherte sich dem Toten langsam.
18.04.2003, 15:00 #94
Superluemmel
Beiträge: 3.057

Aus weiter Ferne drang eine Stimme an Frosts Ohr.
War das Beliar oder Innos, der den Krieger zu sich rufen wollte?
Zu seiner Verwunderung klang es nach einer Frauenstimme. Seltsam, aus irgendeinem Grund war er stets davon ausgegangen, dass die drei Götter männlich waren.
Das Klacken von Steinchen hallte dem Wummern von Kriegstrommeln gleich in Frosts Kopf wider. War er... nicht tot?
Vorsichtig öffnete der Krieger sein rechtes Auge. Die Kruste aus Blut verklebte noch immer sein zweites. Im festen Glauben sterben zu müssen, hatte er sich nicht die Mühe gemacht, die Blutkruste abzukratzen.
Mühsam wälzte er den Kopf auf die Seite. Goldene Lichtlanzen blendeten seine Sicht. Ein verschwommener Schatten zeichnete sich vor der grellen Sonne ab und bewegte sich auf ihn zu.
Ein Bote des Lichts, der gekommen war um ihn zu holen?
Seltsam, nach all dem Ärger mit den Paladinen hatte Frost nicht mehr damit gerechnet, in Innos Hallen einzugehen....
18.04.2003, 15:12 #95
Hummelchen
Beiträge: 399

Der Kopf hatte sich bewegt. Der war gar nicht tot und jetzt blinzelte er sogar noch mit den Augen. donnra steh uns bei, der Mann steckte tief in den Steinberg und lebte noch. Noch konnte man hier ruhig sagen, denn bei den Steinlasten auf seinem Leib war es wohl nur eine Frage der zeit, bis Beliar ihn zu sich holte.

Schnell sank die Amazone in die Knie und holte ein Taschentuch aus der Tasche, mit dem sie ihm den Staub aus dem Gesicht wischte. Daraufhin hob er leicht die Hände, als wolle er die Berührung abwehren. Donnra sei Dank, seine Arme waren auch noch beweglich und lagen sogar frei. Nur wie sollte sie den Mann aus den Steinen herausbekommen? Sie war doch kein Baal. Die hätten das mit Teleport leicht geschafft. Sie musste unbedingt Hilfe holen.

"Hast du Schmerzen? Wie ist das denn passiert?"
18.04.2003, 15:30 #96
Superluemmel
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Allmählich verschwanden die blutigen Schleier aus Frosts Sicht.
Offensichtlich handelte es sich bei der Lichtgestalt um keinen Boten Innos' sondern um eine Amazone, die mit besorgtem Gesicht auf ihn herabblickte. Schmerzen... natürlich hatte er Schmerzen....
Niemand überlebte knapp eine Steinlawine und hüpfte daraufhin noch fröhlich durch die Gegend. Verdammter Sarkasmus....
Stöhnend grub Frost die Spitze des
Eisbrechers in den Boden und stemmte sich leicht in die Höhe. Augenblicklich verwandelte sich sein Brustkorb in einen Brunnen aus Schmerzen. Pochender Schmerz zuckte durch sein gebrochenes Bein.
Der Krieger schluckte schwer, versuchte mit gefühlloser Zunge seine ausgetrockneten Lippen zu befeuchten.

"Bein...gebrochen...", versuchte er der Amazone mit schwacher Stimme zu erklären.
"Rippen...ebenfalls...."
Frost rang keuchend nach Atem, bevor er seine brennenden Stimmbänder abermals zur Arbeit zwang.
"Das Geröllfeld...überall Untote...die...Lawine...alle erwischt...."
Ein trockenes Lachen war zu hören, endete jedoch in einem keuchenden Husten. Kraftlos sank der Waffenmeister zurück auf die Felsen.
18.04.2003, 17:24 #97
Hummelchen
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"Bleib ganz ruhig liegen, ich werde Hilfe holen und vor allem, versuch nicht, deinen Unterkörper allein unter den Felsbrocken hervorzuholen. Hier hab ich Schmerzenskraut. Kau das, es wird dir helfen, die Schmerzen zu ertragen."

Als der Mann den Kopf unwillig zur Seite drehte eminte Hummelchen

"Sei nicht albern. Es nutzt keinem was, wenn du vor SWchmerz ohnmächtig wirst. Wenn du ohnmächtig bist, kommen die wilden Tiere und werden sich über dich hermachen. So kannst du wenigstens schreien und deine Arme benutzen. Also nimm es oder lass es bleiben."

Sie legte die Blätter in seine Hände und stieg von dem Geröllberg wieder herunter. Schnell stieg sie auf ihren Scavenger und trabte so schnell es ging zum Lager zurück.
18.04.2003, 17:38 #98
Superluemmel
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Lange Zeit blickte Frost der Amazone hinterher.
Selbst als sie längst aus seinem Blickfeld verschwunden war, wandte er den Blick nicht ab. Er war also wirklich nicht tot....
Das bittere Kraut zu kauen, kostete ihn einige Mühe. Doch immerhin vertrieb der Saft langsam die Schmerzen in seinen Gliedern. Und mit den abebbenden Schmerzen klärte sich auch sein Kopf.
Bald würde die Nacht hereinbrechen. Falls die Amazone zu lange brauchte, konnte er ernsthafte Probleme mit wilden Tieren bekommen. Der Wind trug den Geruch des Blutes sicherlich bis in die Wälder. Gerade die Bluthunde machten Frost Sorgen.
In seiner derzeitigen Lage war er leichte Beute.
Mit einem grimmigen Grinsen fasste er das Heft des
Eisbrechers fester. Sollten sie nur kommen....
Er hatte den Sturz des Berges überlebt. Die Zombies hatten ihn nicht umbringen können. So schnell gab er nicht auf. Falls sich diese Biester wirklich an ihn herantrauen sollten, würden sie zu spüren bekommen, dass selbst ein festsitzender Waffenmeister noch ein ernstzunehmender Gegner war.
Jetzt wo die Schmerzen auf ein Gefühl der Taubheit zurückgegangen waren, traute sich Frost durchaus zu, den
Eisbrecher erneut gegen seine Feinde zu schwingen. Gleichzeitig wusste er, dass dieses Gefühl täuschte. Aufstehen konnte er keineswegs, die durch seinen Sturz verursachte Lawine hatte ihren Tribut gefordert.
Dennoch, jedes Biest das sich zu nahe an ihn heranwagte, würde diesen Fehler teuer zu bezahlen haben. Beruhigt tätschelte der Krieger das Heft seines auf der Brust liegenden Schwertes.
Sollten sie nur kommen....
18.04.2003, 17:49 #99
Hummelchen
Beiträge: 399

Der Tross war viel zu langsam. Die berittenen Amazonen versuchten so schnell wie möglich zu dem Verletzten zu kommen, immerhin konnte es ja sein, dass schon die wilden Tiere kamen. Bis er ausgebuddelt war, würden sie ihn verteidigen müssen.

Er lag zum Glück immer noch da und war nicht gefressen worden. Die Mädels freuten sich, dass seine Augen etwas wacher waren, als es ihnen Hummelchen geschildert hatte. Als der Tross kam, begannen die Amazonen rund um die Stelle Fackeln in die Erde zu rammen. Dann fingen sie an, behutsam die Steine abzutragen.
18.04.2003, 18:21 #100
Superluemmel
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Ein Gefühl der Erleichterung machte sich in Frost breit, als das Trappeln der Scavenger über das Geröllfeld hallte.
Kurz darauf kamen auch schon die ersten Reiterinnen in Sicht. In rasendem Tempo gallopierten sie heran. Eine von ihnen stoppte dicht neben Frost und sprang leichtfüßig ab, während der Rest von ihnen abwehrbereit Aufstellung bezog. Zwei der Reiterinnen verließen auf einen Wink hin die Formation und sprengten mit gezogenen Waffen in die Dunkelheit davon.
Die abgestiegene Amazone sank neben dem Krieger auf die Knie.

"Der Rest des Trupps ist gleich hier. Bleibt einfach ruhig liegen, wir bringen euch hier raus."
Frost bemühte sich, seine Mundwinkel zu einem Lächeln zu zwingen.
"Danke...für eure...Hilfe...."
"Schont eure Kräfte."
Die Amazone wandte den Kopf. Aus der Ferne war das Poltern eines Karrens zu hören. In diesem Moment kam eine der beiden fortgerittenen Amazonen zurück.
"Bluthunde! Ein ganzes Rudel! Isindra versucht sie wegzulocken, doch ich glaube sie haben das Blut gewittert! Beeilt euch Schwestern, uns bleibt nicht viel Zeit!"
Na das konnte ja heiter werden. Doch Frosts Schwertarm war weiterhin stark und gewillt, jeden Angreifer mit einem gezielten Hieb niederzustrecken. Niemals sollte der Eisbrecher zur Ruhe kommen, bevor die Feinde gefallen waren.
Er würde um sein Leben kämpfen, kostete es was es wolle.
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