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07.11.2003, 00:25 #251
Dumak
Beiträge: 465
Onars Hof #13 -
Abrollen sollte er üben, hatte ihm sly aufgetragen, dann war er verschwunden. Dumak mußte zugeben, daß das gar keine so schlechte Idee war. Auf jeden Fall konnte er sich dabei noch verbessern. Und was ihm der Lehrmeister da als Beispiel genannt hatte, klang einleuchtend. Nur mußte man wirklich die Instinkte einer Katze haben, um sich im Sprung aus einem Fenster so zu bewegen, daß man richtig auf dem Boden aufkam.
Dumak beschloß, es erstmal mit dem richtigen Abrollen auf die Füße zu probieren. Fußgelenke waren robuster, als Handgelenke, er wollte sich nicht beim Üben die Hand brechen. Die Hände waren sein wichtigstes Werkzeug. Auf die mußte er aufpassen.
Er suchte sich einen Baum, der einen langen, dicken Ast besaß, der fast parallel zum Boden verlief. Jetzt begann er, an der niedrigsten Stelle des astes, herunterzuspringen und dabei so aufzukommen, daß er möglichst schnell wieder weiterlaufen oder am besten weiterrennen konnte. Immerhin war das Manöver ja für eine schnelle und möglichst lautlose Flucht im Ernstfall gedacht. Nach und nach kletterte Dumak immer höher auf den Ast und war bald höher als Mannshöhe gelangt. Bis hierhin war es kein Problem, sich gut abzurollen, eigentlich mußte man sich noch gar nicht abrollen, man kam einfach auf und rannte weiter.
Jetzt jedoch mußte er versuchen, sich irgendwie abzufedern, um die allhöhe zu kompensieren. Hier an dem Übungsbaum war es weicher Waldbodden, auf dem er aufkam. In einer Stadt traf er auf harte Pflastersteine, das war weas anderes, da mußte er auf jeden Fall abrollen. Also begann Dumak, sich die Technick des möglichst sanften Abrollens anzueignen. Zuerst ging er nur weit in die Knie beim Aufprall, um sich abzufedern, später ging er dazu über, die Beine so anzuwinkeln, daß er mit dem ganzen Körper abrollte und danach schnell wieder aufsprang. Nach ein paar Stunden des Übens ging es einigermaßen. Allerdings war wohl auch noch viel zu tun. Aber um noch offene Fragen zu beantworten, war der Lehrmeister da.
Irgendwann hatte Dumak genug und beschloß, noch zum Abschluß eine Runde um den hof zu laufen. Ein Abstecher auf die Felder würde die Strecke angemessen verlängern. Er brauchte einfach mehr Ausdauer. Irgendwie war er doch etwas eingerostet in den letzten Monaten. Kein Wunder, hatte sich kaum bewegt und nicht viel gemacht. Wie sollte das aussehen, wenn er doch mal wieder irgendwo einstieg? Sollten sich die Leute vor Lachen ihren dämlichen Wanst halten, wenn sie ihn hereinkeuchen sahen? Auf keinen Fall!
10.11.2003, 23:01 #252
Dumak
Beiträge: 465
Onars Hof #13 -
Dumak hatte einen flachen Hang gefunden, an dem sich jede Menge Laub angesammelt hatte. Der Herbstwind hatte es gegen den Hang getrieben und dort liegengelassen. Dies war der perfekte Ort, um das Abrollen auf den Händen zu üben. Wenn sich Dumak mit den Armen voran gegen den laubgepolsterten Hang warf, konnte kaum etwas passieren. Doch er lernte so, seinen Körper zu koordinieren und sich nicht im letzten Moment wegzudrehen, um doch auf den Füßen zu landen. Nach ein paar Versuchen sah er zwar aus, wie ein Waldschrat, aber das war egal. Eben war ein Schaf, daß sich hier und da an Grashalmen zupfend genähert hatte, blökend davongesprungen, als es den Dieb aud dem Haufen auftauchen sah. Mit davonfliegenden Beinen und vor Schreck verleierten Augen stob es wieder in Richtung Schafherde davon. Pepe würde sich wundern, was passiert sei.
Dumak war's egal. Er übte weiter. Langsam vergrößerte er den Abstand zu seinem Ziel, versuchte dadurch, die schwachastellen herauszufinden und seine Technik zu ändern, damit er sich auch aus größerer Höhe in ungünstigen Fällen auf Hände abrollen konte. Sorgen machte ihm, daß nicht überall Laubhaufen herumlagen. Ob er vorsichtshalber imemr einen Haufen im Rucksack bei sich haben sollte? Nein, keine gute Idee. Da halb wohl nur eine perfekte Körperbeherrschung. Letztendlich kam er jedoch zu dem Schluß, daß die Füße für Sprünge besser geeignet wären, als die Hände.
Seine Übungen beendete er mit dem üblichen Lauf um die Felder. Die Bauern, Kechte und Mägde hatten sich an den in der Abenddämmerung herumlaufenden Banditen gewöhnt. Und Dumak machte es mittlerweile nichts mehr aus, lange Strecken in hohem Tempo zurückzulegen. so würde er jeder Stadtwache mit Leichtigkeit entkommen. Die in ihren schweren Rüstungen mit ihren Hellebarden waren sowieso viel zu langsam für ihn.
Dumak beschloß, den Abend in der Taverne auf dem Hof zu beenden.
10.11.2003, 23:11 #253
Dumak
Beiträge: 465
Reaktionen auf die Bekanntgaben des Rates #6 -
quote:
Zitat von Aros
Und Dumak... war der nicht schon Bandit? Naja whatever, Glückwunsch...:D

Nur im Herzen...
Und beim Anblick fremder Geldbeutel.
Jetzt auch dem Titel nach. :)

Ich danke dem Rat, allen Gratulanten und allen, die mir nicht gratuliert haben, sei gesagt, daß sie ihren Geldbeutel fest halten sollten. (Nützt euch ja doch nix )
11.11.2003, 15:35 #254
Dumak
Beiträge: 465
Onars Hof #13 -
Dumak nahm gerade einen tiefen Zug aus dem Bierkrug, als ihm jemand kräftig auf die Schulter klopfte. Der Dieb verschluckte sich und spie das Bier über den Tisch, traf dabei einen Söldner im Gesicht.
»Glückwunsch zur Beförderung!«
»Wie, was?« Dumak war verwirrt.
Er wischte sich das Bier aus der Visage und schmierte es in den Haaren ab. Die lagen gleich viel besser.
»Was redest du da, Mann!«
»Na Lee hat sich für deine Dienste erkenntlich gezeigt. Und du bist befördert worden.«
»So? Welcher Lee... welche Dienste?«
Der andere schaute verwirrt - wohl ebenso verwirrt, wie Dumak selber.
»Ach du meinst Lee, den Ich-mach-alles-klein-mit-meiner-Axt-Lee. General Lee. Ich dachte schon...«, redete sich Dumak raus.
»Ja, was dachtest du schon?« Der unbekannte Gesprächspartner war neugierig.
»Na du weißt schon, was man eben so denkst«, erwiderte der Dieb in vertraulichem Tonfall. »Aber es wurde ja auch mal Zeit, daß er meine Qualitäten erkennt. Immerhin hab ich ihm damals in der Barriere das Leben gerettet.«
»Ihr kennt euch aus der Barriere?«
»Ja klar, aber erzähls nicht jedem weiter.« Dumak war in seinem Element.
»Er redet nicht gern drüber. Würd ich auch nicht an seiner Stelle. Du weißt schon... Der Ruf und so...«
Er machte eine Handbewegung, winkte kurz ab und wollte dann wieder zu seinem Krug greifen. Doch in diesem Moment legte sich eine schwere Hand auf seine Schulter.
»He, du Drecksau. Du wirst mich nicht noch einmal mit deinem Rotz bekleckern.«
»Ach nein? Äh... ich meine... Nein, natürlich nicht!«
»Verarsch mich nicht.«
Irgendwie wirkte der Typ groß. Ziemlich groß. Genauer gesagt so groß, daß sich Dumak in seinen Schatten legen konnte. Und zwar quer. Hilfesuchend drehte er sich zu dem Typen von eben um, doch der war verschwunden. Warum bloß?
»Ja, also... das war nur ein Versehen, Ich... ich war das gar nicht. Du mußt mich verwechseln.«
»He, du Jammerlappen. Willst du einen von Lees Söldnern verarschen. Mhm... Willst du das?«
»Neinnein, das würd ich nie tun.« Dumaks Blick irrte durch den Raum, bis er jemanden (oder eher etwas) fand.
»Aber siehst du diesen Typen dort hinten. Schau dir mal an, wie der sabbert. Würde mich nicht wundern, wenn der dich mal von oben bis unten vollsudeln würde. Wenn ich mir mal erlauben dürfte, Euch einen Rat zu geben, dann wehrt Euch gegen den lieber, bevor er Euch vollkleckert und dann noch jemand über Euch lacht.«
Unschlüssig schaute der Schrank von Söldner zwischen Dumak und dem Typen, der in einer Ecke saß, vor sich hin starrte und irgendwas brabbelte, wobei sich Fäden von Speichel bildeten, die an den Mundwinklen herunterliefen, um auf dem Tisch kleine Pfützen zu bilden. Der Typ war vollkommen besoffen und bekam von seiner Umwelt nichts mehr mit.
»Du meinst... Der?«
»Ja!«, bekräftigte Dumak. »Schau ihn dir nur mal an. Wie er herumsabbert. Ich würd mich nicht wundern, wenn er es war. Ich bitte dich, wir wissen doch, wie man zivilisiert trinkt. Nicht wahr?« Dumak lehnte sich zurück und breitete die Arme aus. »So ein Söldner von Welt. Von Lee, General Lee, persönlich ausgesucht.«
Der Söldner kratzte sich unschlüssig am stoppeligen Kinn.
»Hau ihm lieber jetzt eine runter, ehe er seinen Ausfluß noch auf dich verteilt. vorbeugen ist besser als das Nachsehen zu haben.«
»Und wie soll er es geschafft haben, mich quer durch den halben Raum zu treffen?«
Ein gewichtiges Argument. Jedoch nicht für Dumak. Er wischte es einfach weg: »Du weißt doch, in Rausch entwickelt man Bärenkräfte. Da kann man sowas.«
Der Söldner stapfte zu dem Besoffenem. Und Dumak machte, daß er wegkam.
11.11.2003, 21:13 #255
Dumak
Beiträge: 465
Onars Hof #13 -
Dumak war die Entscheidung seines Lehrmeisters nur recht. Wahrscheinlich war es besser, wenn er erstmal eine Weile verschwand. Außerdem hatte er auf dem Hof sowieso nichts verloren.
In die neuen Gebiete also... bisher hatte der Dieb nur gerüchteweise von irgendeinem neuen Tal gehört, daß angeblich im Norden von Khorinis entdeckt worden wäre. Na mal sehen, was da dran war. Dumak musterte Xidoni. Eine leichte Lederrüstung unter einem Cape. Die rotblonden Haare waren unter der Kapuze halb verborgen. Da Dumak sowieso nichts weiter an eigentümern hatte, trottete er hinter Sly und dieser Xidoni hinterher.
Und hinter Dumak trottete sein großer, schwarzer Hund. Obwohl trotten wohl nicht der richtige Ausdruck war. Er lief hierhin und dorthin, schnüffelte mal dort und mal her, hob zwischendurch die Schnauze in den Winf, um dann weiter hinter Dumak herzutraben.
13.11.2003, 22:48 #256
Dumak
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Hinter den Bergen #2 -
Schleichen sollte er also üben.
»Auf diesem Kies? Da kann man doch gar nicht lautlos laufen.«
Moment... wer sagte denn etwas von laufen. Man konnte ja auch kriechen. Da drüben war eine Insel im Kies. Irgendein Fundament eiens alten Gebäudes. Bis dahin wollte er kriechen, ohne irgendein Geräusch zu machen.
Dumak ließ sich auf den Boden nieder, ganz flach auf den Bauch und suchte sich eine Stelle, an der die Steine aussahen, als ob sie einigermaßen fest lagen. Dann stützte er den Arm auf die ihm am besten geeignet erscheinende Stelle. Langsam verlagerte er das Gewicht und hob den anderen Arm, um mit dem weiterzutasten.
»Arsch runter!« hallte es von weiter weg.
›Toll, ich will dich mal krauchen sehen, wahrscheinlich siehst du dann genauso bescheuert aus‹, dachte Dumak, sprach es aber nicht aus, als er sich bemühte, die Anweisung seines Lehrmeisters zu befolgen. Mit zusammengebissenen Zähnen und möglichst flachem Körper bewegte er sich wie eine Krabe über den Strand. Nur daß der Strand hier aus ieselsteinen bestand, die jeden Moment anfangen konne, verräterisch zu knirschen.
Plötzlich spürte er etwas feuchtes im Nacken. Und dazu noch einen warmen Luftzug. Und ein Schnaufen, klang fast wie ferner Donnerhall. Nein, das war kein Sommergewitter. Hätte sowieso nicht in die Jahreszeit gepasst.
»Oh Mann! Hau bloß ab. Ich hab jetzt keine Zeit.«
Doch der große, schwarze Hund ließ sich nicht verscheuchen. Neugierig schnüffelte er an seinem Herrn herum, als handele es sich um eine besonders interessante Dachsart, die er gerade aufgesprürt hatte.
»Verdammt! Verpiss dich.« Dumak drehte sich um, setzte sich auf den Hintern und starrte den Hund an. Der legte den Kopf schief und starrte zurück. Dann ließ er ein wenig die Zunge heraushängen und wartete, was passierte.
»Ich fürchte, diese Übung wirst du nochmal machen«, ließ sich Sly vernehmen.
»Verdammt, mach du das mal mit nem Hund im Nacken.«
Ein kurzer von Sly eingeworfener Hinweis über den Sinn der Bezeichnungen Lehrmeister und Schüler beendete dieses Gespräch.
Dumak versuchte es noch eben einmal. Vorher warf er einen morschen Ast ins Unterholz nahe der Ruinen. Der Köter verschwand hechelnd. Man hörte noch einige Äste knacken. Dann war er weg. Dumak startete den nächsten Versuch. wieder krauchte er möglichst flach auf dem Boden herum und versuchte dabei, den Kies unter seinen Händen und Füßen nicht zu stark knirschen zu lassen. Es würde bald dunkel werden, dann war es sowieso Essig mit dem schleichen Üben. Im dunkeln sah man nicht, wo man hintreten konnte, ohne das es zu laut wurde.
15.11.2003, 01:31 #257
Dumak
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Hinter den Bergen #2 -
Knisternd und fast rauchlos brannte das kleine Feuer. Das trockene Holz zerplatzte mit leisem Knacken unter dem heißen Atem der Flammen. Hin und wieder stob ein Funkenschwarm aus der Glut. Dumak hatte es sich bequem gemacht. Ein Haufen aus Laub polsterte seinen Sitz. Die unsteten Flammen beleuchteten das von Bartstoppeln bedeckte Gesicht des Banditen. Flackernd leckten die Feuerzungen am frisch nachgeworfenen Holz und drängten die schwarzen Schatten zurück, als sie sich auf die neue Nahrung stürtzen und für ein paar Augenblicke aufloderten. Das Licht der Flammen spiegelte sich in den sorgfältig aufgereihten Panzerschuppen der Rüstung wider, die mattschwarz glänzten.
Dumak hatte ein Messer in der einen Hand und einen Bratenspieß in der anderen. Heute nachmittag hatte er eine fette Sumpfratte erlegt. Wobei erlegt... es blieb ihm gar nichts anderes übrig. Das vieh war ziemlich aggressiv gewesen und hatte hartnäckig darauf bestanden, mit einer von Dumaks spitzeren Klingen nähere Bekanntschaft zu machen. Nun... ihr war geholfen worden. Demnächst würde sie noch Dumaks Zähne kennelernen, dann die Zunge, den Gaumen und die speiseröhre. Und zwar in genau dieser Reihenfolge. Danach kam der Magen und... über den Rest herrschte keine so genaue Klarheit, jedoch verbat sich Dumak bisher konsequent jedes Angebot anderer, doch mal nachzusehen, was da noch so käme.
»He, Schwarzmagierin, willst du auch was haben? Die Ratte war fett, anders als die Ratten nahe bei der Stadt.« Er meinte Khorinis. »Oder bist du besseres gewohnt? Aus deinem hochherrschaftlichen Kastell, was? Da soll es nur die feinsten Sachen geben, so aus kleinen Schüsselchen mit goldenen Löffelchen und kristallenen Gläserchen in klitzekleinen Häppchen, so wie kleine Königchen.« Er stutzte kurz, da war wohl eine Verniedlichung zuviel drin, naja, egal.
»Also was ist? Willst du nicht mal ne ehrliche, fette Ratte probieren? Du wirst sehen, die macht auch richtig satt.«
Er biss in ein Stück fleisch, das er eben abgesäbelt hatte und das Fett lief ihm aus den Mundwinkeln und troff nach unten auf den Boden oder seine Hose.
»Sag mal, habt ihr keinen Zauber, mit dem ihr Feuer anmachen könnt, es heißt immer, ihr Schwarzmagier haltet Euch für besonders mächtig. Da wird doch wohl auch was dran sein?« Er redete einfach immer weiter, achtete nicht darauf, daß er gerade den Mund voller gebratenem Rattenfleisch hatte. »Ich kannte mal einen von euch, schon ne Weile her. Hieß Don-Esteban oder so. Kam sich imemr mächtig böse und schlau vor. Tat immer so, als könnte er jedem Befehle erteilen und so weiter. Vermutlich gibts den überhaupt nicht mehr. Das war noch zu Zeiten der Bariere, also schon eine ganze Weile her.«
Schweigend kaute er weiter. Die Erwähnung der Barriere hatte seine eigene Aufmerksamkeit in Beschlag genommen und so schweiften seine Gedanken ab in die vergangene Zeit, in der er als Schatten unter Gomez versucht hatte, sich über Wasser zu halten. Und es hatte funktioniert. Besser als heute. Damals herrschte noch so etwas wie Ordnung. Die Hackordnung des Stärkeren. Er hatte jedenfalls sein Auskommen gehabt.
Heute mußte man sehen, wie man den nächsten Tag überlebte. Die Paladine in der Stadt machten auch nur, was ihnen genehm war. Und der wilde Haufen Söldner auf Onars Hof...naja, das war einfach nur ein wilder Haufen. Wenn Lee tatsächlich mal ein echter General gewesen war, dann war er mit diesen undisziplinierten Leuten, bei dem sich jeder selbst der Nächste war, schlecht beraten. Dumak wußte schon, warum die Armee nie etwas für ihn gewesen war. Disziplin, bääh. Unterordnen, igitt.
Dumak war so in seine Gedanken versunken, daß er beinahe die Antwort der jungen Magierin verpasst hatte.
18.11.2003, 18:12 #258
Dumak
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Hinter den Bergen #2 -
Aufgewärmt? Ja, das Feuer war recht warm gewesen...
Dumak tat also, wie ihm geheißen. Er entfernte sich etwas von seinem Lehrmeister, der netterweise mitten in eine Schotterfläche hineinlief, die unter jedem seiner Schritte laut knirschte. Dumak sah sich um. Da mußte doch noch... Genau, am Rand des Waldes, der vom Sumpf bis hierher aufstieg, lagen einige Äste, darunter ein recht langer. Den schnapte sich der Dieb möglichst geräuschlos. Dann schlich er los, um sich bis auf Astlänge Sly zu nähern. Das ging recht einfach, denn der Ast war wirklich ziemlich lang und das Betreten der Schotterpiste konnte geradenoch so vermieden werden. Dumak streckte den Ast aus und tippte damit vorsichtig Sly von hinten auf die Schulter.
»Respekt, du bist scho...«.
Er vollendete den Satz nicht, denn als er sich während des Sprechens umblickte, bemerkte er sofort, daß sich Dumak nur einen lächerlichen Scherz erlaubt hatte. Schon wollte er Dumak mit womöglich scharfen Worten zurechtweisen.
»Wende mir lieber nicht zu lange den rücken zu. Wer weiß, auf was für Ideen ich komme«, erwiderte der Dieb verdrießlich, ehe Sly richtig loswettern konnte.
»Ich fang jetzt an. Ernsthaft.«
»Dein letzter Versuch«, meinte Sly nur ungerührt und drehte sich wieder um.
Dumak entfernte sich wieder und begann diesmal, sich ernsthaft um die Lösung der Aufgabe zu bemühen. Zuerst schlich er auf leisen Sohlen über den Boden, bis er zum Rand des Schotterbereiches kam. Bis hierhin war es einfach gewesen. Vielleicht nicht für einen ungeübten Menschen, doch Dumak wußte, daß man nicht in Laubhaufen trat, daß man Ästen und Wurzeln auswich, daß man einladenden, im Boden eingelassenen Steinen mßtrauisch gegenüberstand, daß man unbewußt schon den übernächsten Schritt plante, wenn man den Fuß aufsetzte.
Jetzt ließ er sich auf den Boden herab und begutachtete den Kies vor ihm, suchte seine Struktur zu erkennen. Wo war er fest, wo lag er nur locker auf? Erst dann begann er, langsam auf allen vieren nach vorne zu kriechen und die Distanz zwischen sich und Sly zu verringern. Konzentriert suchte er den Boden ab, um sich vorzuschieben. Er nahm nicht den geraden weg, denn dort war Sly gerade entlanggegangen und hatte mit seinen Stiefeln den Kies gelockert. Die Trittspuren ergaben kleine Krater, umgeben von winzigen Wällen aufgeworfener Kieselsteine. Viel zu locker, um dort entlang zu schleichen. Nein, Dumak wählte einen anderen Weg, seitlich an den Trittspuren vorbei, jedoch nicht so weit, daß er ins Blickfeld des Lehrmeisters geriet. Langsam näherte er sich Sly. Dabei wurde ihm klar, daß sich nun ein weiteres Problem ergab. Wenn er Sly auf die Schulter klopfen sollte, müßte er sich aufrichten. Dabei würde das Gewicht seines Körpers nur auf den Füßen lasten, die den Kies womöglich wegdrückten. Was tun? Dumak entledigte sich mit äußerster Vorsicht seines Umhangs und ließ ihn sachte auf eine Stelle kurz hinter sly fallen. Unmerklich ging seine Atmung, obwohl er liebend gerne richtig Luft geholt hätte. Die anstrengung zehrte an den Kräften. Doch das wäre ein unzulässiges Geräusch gewesen. Unhörbar senkte sich der schwarze Fetzen auf den Boden. Dumak kroch darüber, zog die Beine an, richtete sich vorsichtig und ganz langsam auf, ging in die Hocke, jetzt etwas höher - kein Geräusch erklang. Wenn doch irgendein Stein weggedrückt wurde, so dämpfte der darauf liegende Mantel das Geräusch vollständig.
»Ich bin da.«
Gleichzeitig legte er dem Lehrmeister die linke Hand auf die Schulter.
18.11.2003, 19:13 #259
Dumak
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Hinter den Bergen #2 -
Dumak sah sich die Stelle an. Der Zugang zu der kleinen Insel, auf der Sly stand, bestand aus einer Art Weg, der durch flaches Wasser führte. Große Büschel Gräser bildeten eine schwimmende Oberfläche auf dem stillen Wasser. Die Äste knorriger Bäume hingen tief herab und umgaben den Teich. Nein, ein Teich war es nicht. Es war der Sumpf. Sein Boden war grundlos und würde bei einem Fehltritt gnadenlos zupacken und ihn hinabziehen, egal, ob er geräuschlos oder nicht schlich.
Wenn sich Dumak den leichten Weg aussuchte, und über die schwankenden Grassoden lief, würde das Plätschern des Wassers bei jedem Tritt verraten, wo sich Dumak befand. Würde er blind durch das Wasser waten, wäre er mit Sicherheit verloren. Würde er mit einem Stock den Grund abtasten, wäre er nicht leise genug.
Verdammt!
Dumak sah sich das Ufer an. An einigen Stellen ragte die dicke Sodenschicht über das Wasser hinaus. Jetzt qwußte er, was er machen konnte.
Gekonnt ließ sich der Dieb nieder und schlich sich an das Seeufer, suchte still und leise eine geeignete Stelle aus. Dann zog er eines seiner Messer und begann, in aller Seelenruhe die Grasnarbe zu durchtrennen. Und zwar hinter sich. Er lag auf dem nassen, hochgewachsenen Gras und außer der Hand mit dem Messer bewegte sich nichts an ihm. Geräuschlos fuhr die Klinge durch das weiche Wurzelwerk des Grases und trennte ein großes Stück des schwimmenden Plateaus ab. Neben Dumak lag ein Ast. Nachdem sich der Bandit mehrere Male vorsichtig bewegt hatte, dabei seine Lage so veränderte, daß er das Stück Grasnarbe vollständig abtrennen konnte, steckte er ohne jedes Anzeichen von Eile das Messer wieder weg und nahm sich stattdessen den Stock.
Mit einer unendlich langsamen Bewegung stieß er sich, auf dem Grasstück wie auf einem Floß liegend, vom Ufer ab. Nur keine Wellen - und damit ein Geräusch - verursachen. Und unendlich langsam setzte sich das wackelige Floß aus Gras in Bewegung, glitt über den Teich in Richtung Insel. Doch so langsam, daß Dumak jeden Moment glaubte, stehenzubleiben. Doch die Eigenbewegung des improvisierten Floßes blieb erhalten. Das Ufer der kleinen Insel, auf der Sly stand, kam in Reichweite.
Jetzt kam der schwierigste Teil. Der Abstieg vom Floß, ohne daß es plätscherte.
Jetzt half nur Glück. Der Ast mußte als Tiefenmesser herhalten. Langsam, ganz langsam stieß Dumak ihn gegen den Grund. Und erreichte ihn schon kurz nach dem eintauchen. Und er schien fest zu sein, kein unersättlich saugender Sumpf, kein alles an sich raffendes Moor schien ihn an dieser Stelle zu erwarten.
Der Dieb verlagerte das Gewicht unmerklich auf die linke Seite, rutschte mit dem Bein an den Rand seine kleinen floßes, ließ das Bein ins Wasser tauchen, bis er mit dem Fuß den Grund spürte.
Jetzt nur nicht vom Floß fallen und ins Wasser platschen. Auf äußerst merkwürdige und umständliche Art beförderte er das zweite Bein ins Wasser. Zum Glück sah ja keiner zu. Und genauso langsam wie er sich ins Waser begeben hatte, watete er wieder heraus, betrat letztendlich das Ufer und lief noch ein paar Schritte, die jedoch kein Geräusch verursachten, da diek leine Insel über und über mit weiochem, saftigen Gras bedeckt war. Wieder klopfte er Sly auf die Schulter - nur diesmal mit durchnässten Hosen.
18.11.2003, 19:54 #260
Dumak
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Hinter den Bergen #2 -
Klettern... das konnte Dumak. Entspannt trat er an die Wand heran und suchte Risse und Vorsprünge im Fels, fand sie auch und zog sich daran hoch. flache Mulden benutzte er als Trittlöcher für die Füße, kleine Spalten dienten ihm als Sicherung für die Hände, die er einfach hineinschob und zur Faust ballte, so daß er sicheren Halt fand. Dann konnte er nach neuen Vorsprüngen schauen, an denen er sich hochziehen konnte. Das Tageslicht hatte schon stark nachgelassen. Kaum sah man noch die Unregelmäßigkeiten im Fels. Imer stärker mußte er sich auf seinen Tastsinn verlassen.
Wieder ein Stück geschafft. Er setzte den Fuß auf einen winzigen Vorsprung ab und griff mit der Hand nach dem nächsten kleinen vorsprung - und rutschte ab.
Der Fels hatte sich gelöst, der so sicher erscheinende Felszacken hatte sich als lockeres Gestein erwiesen. Der Fehlgriff kostete ihn den Halt. Die Füße rutschten infolge der plötzlichen Gewichtsverlagerung ab und dann hing er nur noch mit einer Hand in einer sicheren Spalte fest, krachte jedoch mit dem Körper gegen das Gestein der Felswand und schürfte sich das Gesicht auf. Schlimemr war jedoch, daß er sich fast den Arm ausrenkte.
Mühsam suchte Dumak nach erneutem Halt. Es wurde zunehmend dunkler. Vage erinnerte er sich an das kleine Plateau, daß er von unten gesehen hatte. Mußte es nicht bald erreicht sein? Wie hoch war er eigentlich?
Der Fuß fand halt, der Körper straffte sich und andere Fuß wurde nachgezogen. Wieder suichte er, mit schmerzverzerrtem Gesicht nach dem nächsten brauchbaren Vorsürung oder der nächsten Mulde im Fels. Mühsam ging es voran. Der Arm, an dem eben noch sein ganzes Gewicht gehangen hatte, schmerzte höllisch. Dicht an den Fels geschmiegt schob sich der Dieb vorwärts.
Endlich, die Kante war zu fühlen. Mit letzter Kraft schob er den Körper darüber hinweg, um sich der Länge nach auf die Felsterrasse zu legen.
»Ich bin oben. Prüfung erfüllt«, rief er nach unten.
18.11.2003, 21:22 #261
Dumak
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Anfragen an die Lehrmeister #2 [SFZ] -
Ich möchte gern bei Fisk in die Liste der Schüler eingetragen werden. Ich möchte Einhand Stufe 1 lernen.
Ich habs nicht eilig, macht mir also nichts aus, daß die Liste so irre lang ist. Ich warte gerne.

Nur eins. Sagt mir bitte bescheid, wenn ich dran bin, nicht, daß es dann heißt: "Als du dran warst, hast du dich nicht gemeldet."
20.11.2003, 15:07 #262
Dumak
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Anfragen an die Lehrmeister #2 [SFZ] -
Ich möchte Fisk nochmal daran erinnern, daß er mich bitte in seine Warteliste einträgt. Er hat zwar die Liste editiert, wofür ich ihm ebenso wie Angroth danke, jedoch mich noch nicht eingetragen.
20.11.2003, 22:16 #263
Dumak
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Anfragen an die Lehrmeister #2 [SFZ] -
Is mir schnuppe, warums bei der Garde leer ist, ich will gerne bei Fisk lernen.
Und jetzt war er im Forum und hat mich wieder nicht in die Liste eingetragen.
20.11.2003, 23:10 #264
Dumak
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Anfragen an die Lehrmeister #2 [SFZ] -
Juch-hu!
Dafür klau ich dir auch nur die eine Hälfte aus deinen Hosentaschen.
Also nur die alten Knöpfe, Bindfadenrollen, zerknüllten Tempotaschentücher und getrockneten Frösche. :D
01.12.2003, 17:44 #265
Dumak
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Thekengespräche #11 -
Pah!
Ich geb doch nicht meine Betriebsgeheimnisse preis. :D ;)
11.01.2004, 20:33 #266
Dumak
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Die Gildenlosen #4 -
quote:
Zitat von Aeryn
Wer von Euch hätte Lust eine Kriegerin Aeryn, die Tochter des Borias zu entführen? Story ist noch frei entwickelbar, im Moment nur eine Idee...

Ich würds machen. Muß nur noch nen vertrauenswürdigen Hehler finden, der junge Frauen zu akzeptablen Preisen abnimmt. Aber das sollte nicht das Problem sein. Bei Interesse PM an Don-Esteban - ansonsten bin ich eigentlich mehr für so wenig Absprache wie möglich.
13.01.2004, 22:03 #267
Dumak
Beiträge: 465
Die Gildenlosen #4 -
Wo ich dich grad zufällig treffe, Fisk, wie siehts denn mit der Einhandausbildung aus? Ich hab gesehen, laut deiner Liste wäre ich jetzt gerade dran. Hast du im Moment irgendwas wichtiges vor oder kanns losgehen?

Ansonsten --> PM an mich, also Don
16.01.2004, 22:05 #268
Dumak
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[GM] Die große Hochzeit auf Onar's Hof -
Auf dem Hof war ein Gewimmel, daß dem Dieb das Herz vor Freude hüpfte. Jede Menge Leute. Und alle in ihren besten Sachen. Mit allen Klunkern behangen, die die persönliche Schatulle hergab. Jetzt würden sie den Eigentümer wechseln. Dumaks Schatulle war viel zu leer, fand er. Und genau das würde sich jetzt ändern. Es war ein Fest nicht nur für irgendsoein Brautpaar, das Dumak nicht im geringsten interessierte, sondern vor allem für ihn selber und seine Finger, die sich durch die Kostbarkeiten wühlen würden, wie Maulwürfe durch den Dreck.
Wie sie alle in irgendwelche belanglosen Geschwätzigkeiten vertieft waren, wie sie alle herumscharwänzelten und sich wichtig vorkamen.
Hihi.
Morgen wäre etwas anderes wichtig.
»Wo ist mein Ring, wo ist meine Kette, wo ist mein Geldbeutel?« würden dann die wichtigsten Fragen lauten.
Aber Dumak fragte niemand. Er wäre sowieso schon weg. Was sollte er auch hier auf dem Hof dieses fetten Bauern? Und die in Bier gebadeten Söldner interessierten ihn nicht die Bohne. Morgen wäre er irgendwo anders. Vielleicht würde er sich um den Auftrag kümmern, um die versprochene Unterhaltung. Das Lager der Banditen, das so wunderbar im Sumpf versteckt lag in diesem seltsamen Tal, wo aus irgendeinem unerklärlichen Grund ewiger Sommer war, er hatte es gefunden, er hatte sein kleines, ganz persönliches Paradies gefunden. Und er hatte ihnen versprochen, er würde für Unterhaltung sorgen... wenn der Preis stimmte.
Ja, das seltsame Tal. Warum trieb er sich überhaupt noch im finstren, kalten Khorinis herum, wenn er dich unter der ewig scheinenden Sonne dort ein wunderbares Leben haben konnte. Warum lebte überhaupt noch jemand hier, jetzt, mitten im Winter, wo die armen Landstreicher erfroren, wenn sie nachts besoffen aus der Taverne wankten. Es war einfach irre. Die ganze Insel hätte es sich dort bequem machen können - im ewigen Sommer. Stattdessen hungerten sie und froren, bibberten vor Kälte und wünschten sich nachmittags, wenn es dunkel wurde, sehnlichst den Sommer herbei. Dabei hatten sie ihn vor der Tür. Sie mußten nur durch diese enge Schlucht und plötzlich wären sie im schönsten Sonnenschein. Es war doch so einfach.
Dumak schüttelte mit dem Kopf. Und weil er ihn dies so sehr beschäftigte, vergaß er sogar, seine Finger kreisen zu lassen und die Hochzeitsgäste kamen, ohne es zu wissen, ohne Verluste ihrer Habseligkeiten weg. Nur irgendeine dumme Bäuerin verlor ihren Ehering, was sie nur schwer ihrem Gatten erklären konnte.
Dumak spielte versonnen mit seinem Messer herum, fuchtelte so, als wäre er ein furchterregender Schwertkämpfer. Und furchterregend war sein Gefuchtel wahrlich. Wie er so nichtsahnend die Luft zerteilte. Nur ein Schwertkämpfer war er mit diesen Bewegungen beileibe nicht...
16.01.2004, 23:06 #269
Dumak
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[GM] Die große Hochzeit auf Onar's Hof -
Toll, jetzt war Dumak extra auf diesem Fest hier erschienen, hatte absichtlich wie ein Blödian mit seinem Dolch in der Luft rumgefuchtelt, in der Hoffnung, daß dieser Schwertmeister, der seinen Informationen nach heute hier war, auf ihn aufmerksam werden würde und dann, als er ihn gefunden hatte, schwafelte er mit irgendsoeiner blöden Schwarzmagierin und beachtete ihn überhaupt nicht.
Wirklich toll.
Und zu allem Überfluß verschwanden sie dann auch noch plötzlich.
Verdammt!
Der Typ sollte hier nicht rumturteln! Dumak wünschte, in diesem Moment, er wäre eine von diesen Weibern, nach denen sich die meisten Kerle den Hals ausrenkten, wenn sie ihnen hinterhergafften.
Wirklich wunderbar!
Und jetzt kam auch noch die schwarze Töle an und hob stolz den Kopf, im Maul einen zerfledderten und verdreckten Blumenstrauß.
»Was soll das denn jetzt?« Dumak kratzte sich am Kopf.
Der große, schwarze Hund jedoch sprang mit einigen Sätzen davon. Den Strauß hatte er vor Dumaks Füßen abgelegt.
»He, nimm dein vollgesabbertes Dingsda mit!«
Und tatsächlich, der verdreckte, riesige, schwarze Köter hörte auf seinen Herrn, kam knurrend wieder zurückgelaufen, sprang an Dumak, der dadurch fast umgeworfen wurde, hoch, wobei er wunderbar den Dreck, den er an den Pfoten hatte, an ihm abwischte, ließ dann jedoch wieder von dem Dieb ab. Und zu guter letzt nahm er den mittlerweile recht ramponierten Brautstrauß wieder mit sich, als er erneut irgendwo auf dem Hof verschwand.
20.01.2004, 21:04 #270
Dumak
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Im Minental # 6 -
Das also war das glorreiche Räuberlager. Aha. Sonderlich berühmt sah es ja nicht aus. Und für Räuber hatten die Leute hier bemerkenswert wenig, was an Beute erinnerte. Schade eigentlich. Das geübte Auge Dumaks überblickte schnell die Hütten, den Wachturm, die Palisade. Wieso sie auch ausgerechnet im Minental ein Räuberlager aufbauten. Doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Natürlich. Das war hier der Platz des alten Räuberlagers aus Barrierezeiten. Und ein paar der Leute von Lee hatten es wieder aufgebaut und befestigt. Überhaupt sah es mehr nach einem Jägerlager aus. Jetzt wurde ihm auch klar, was Fisk hierher trieb. Und all die anderen.
Verwundert war er den Leuten um Fisk und Trulek vor zwei Tagen ins Lager gefolgt. Über den Pass, ins Minental, an den Orks vorbei geschlichen - was für Dumak ja nun wirklich keine Schwierigkeit darstellte - und dann den alten Weg von der Austauschstelle hinunter. Erinnerungen kamen in Dumak hoch, wie sie ihn vor einigen Jahren hier rein geworfen hatten. Er war dem Weg gefolgt, hatte sich durchgekämpft oder vielmehr durchgeschlichen, bis er im Alten Lager angekommen war. Buddler war er geworden, sollte in der Mine schürfen. Er lachte bei dem Gedanken daran, so daß sich einige der Leute verwundert umschauten. Doch Dumak war schon wieder still. Ja, er hatte es bis zum Schatten von Gomez' Gnaden gebracht. Danach war irgendsoein Typ gekommen und hatte die Barriere angeblich ganz alleine zerstört. Naja, die Leute erzählten viel. Wer weiß, vielleicht war sie auch ganz von alleine zusammengefallen. Wer kannte sich schon aus mit solch einer Magie? Nichtmal die Magier, die sie einst erschaffen hatten.
Versunken in alte Geschichten kaute Dumak auf einem verschrumpelten Apfel herum. Sein riesiger, schwarzer Hund, der letzte von Gomez' Jagdhunden, wie er jedem gerne erzählte, der es hören wollte, schnüffelte im Lager herum, apportierte mal einen Stein, mal ein Bündel Pfeile und mal eine fremde, leider leere Geldbörse. Ihm schien es egal zu sein, wo er sich befand.
Am Turm hielt der Ausguck Wacht. Und Dumak wartete auf den Beginn der Lehre. Fisk, der Drachenjäger, wollte ihm zeigen, wie man mit dem Schwert und anderen einhändig zu führenden Waffen umging. Jedenfalls die Grundlagen. Dumak hatte beschlossen, daß es nicht schaden könnte, auch ein wenig professionell auszusehen, beim Schwertfuchteln. Und das hatte er äußerst ausführlich mit Fisk auf Onars Hof besprochen. Auch, wenn der ihm irgendwie ziemlich abgelenkt vorkam. Eine dieser Schwarzmagierinnen hatte ihm den Kopf verdreht. Wer weiß, welche Hexereien sie dazu benutzt hatte. Aber was ging's Dumak an?
Er schmiß den Apfelgriebsch weit weg - der Riesenköter rannte trotzdem hinterher - und dann suchte er sich einen ruhigen Platz für die Nacht.
21.01.2004, 18:53 #271
Dumak
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Im Minental # 6 -
Der heutige Tag brachte nicht viel Abwechslung. Dumak hatte geglaubt, er würde mit Fisk einen Trainingskampf absolvieren, um dann von ihm hin und wieder zurechtgewiesen zu werden. Doch der Lehrmeister hatte entweder was anderes zu tun oder er verfolgte einen anderen Grundsatz. Jedenfalls hatte er den Dieb angewiesen, alleine zu üben. Er hatte ihm einen Haufen Waffen gezeigt und mit den Worten »such dir verschiedene davon raus und übe mit ihnen«, wies er Dumak an, sich alleine zu beschäftigen. Anfangs hatte er noch daneben gestanden und Tipps gegeben, wie man die verschiedenen Schwerttypen, Keulen und Äxte am besten hielt und wie man damit zuschlug. Dumak hatte dann seine Trockenübungen erneut aufgenommen, bis der Lehrmeister mit einem zufriedenen Brummen davon ging.
Dumak übte einfach weiter. Sonst hatte er ja auch nichts zu tun. Irgendwann war einer der Männer von hier durch das Tor verschwunden, wohl zu einer Jagd. Dumak schwang weiterhin seine Waffen, im Moment war er gerade bei einem leicht geschwungenen Schwert angelangt, daß unter seinen Hieben pfeifend durch die Luft fuhr. Langsam spürte er auch ein Ziehen in der Schulter und so beschloß er, sich eine Pause zu gönnen und ein Lagerfeuer zu suchen, an dem Essen zubereitet wurde. Später würde er weiterüben.
22.01.2004, 17:12 #272
Dumak
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Im Minental # 6 -
Griesgrämig fuhr sich Dumak mit der einen Hand über die Bartstoppeln. Die andere hielt ein altes Rasiermesser. Während er sich gerade über eine Pfütze beugte und so sein Gesicht betrachtete, kam sein Hund angelaufen, setzte sich neben ihn und schaute ebenfalls ins Wasser.
»Idiot.« Doch an ordentliches Rasieren war mit einem zum Grinsen verzogenem Gesicht nicht zu denken. So scheuchte er den Köter wieder weg, indem er einen Stein weg warf. Und richtig, das schwarze Fellmonster sprang davon, um seinem Jagdinstinkt zu folgen. Dumak kratzte weiter an seinem Kinn herum.
»Nunja, perfekt ist es nicht, aber ausreichend.«
Er bewegte die schmerzende Schulter., während er das Rasiermesser einklappte und in seiner Tasche verstaute. Dann wusch er sich mit dem klaren Wasser der Pfütze das Gesicht ab. Brrr, war das kalt. Zum Glück war der Hund nicht drin rumgesprungen und hatte so den Schlamm vom Boden nicht aufgewirbelt.
Mal schauen, was sein Lehrmeister heute für ihn vorbereitet hatte. So stiefelte er denn los, um sich im Lager danach umzugucken.
Ah, nichts.
Auch gut. Dann hieß es also wieder Trockenübungen machen. Dumak suchte sich aus dem Haufen von gestern ein leicht angerostetes Schwert und begann, wie gestern, mit verschiedenen Übungen. Hinter ihm lachte jemand.
»He, warum kämpfst du ständig gegen die Luft? Gestern auch schon.«
»Gegen wen soll ich denn sonst antreten? Fisk hat ja anscheinend keine Zeit.«
»Hehe, naja, der is immer schwer beschäftigt. Üb einfach mit mir.«
Und schon stand er vor Dumak, sein Schwert in der Hand, ein blitzendes, gerades Intrument mit reich verzierter Papierstange.
»Los gehts!«
Und der erste Angriff nahte. Dumak hob reflexartig die rostige Plempe, die er in der Hand hatte und wehrte ab. Viel zu schwach.
»Du mußt mehr Kraft reinlegen. Jedenfalls bei einem Gegner wie mir. Wenn du gegen einen schwachen, jungen Burschen kämpfst, dann weniger. Schätze deinen Gegner immer erst ein. Mit viel Muskelkraft kann man auch hart zuhauen.»
Und weiter gings. Der Drachenjäger oder was auch immer er war - eine klar zuordbare Rüstung hatte er nicht an - kontrollierte die Beinarbeit des Diebes. Links und rechts hagelten seine Schläge, mal prasselten drei, vier Stück in kurzem Abstand, mal war es wieder nur einer. Dumak war ständig in Bewegung, wich aus, trat nach links, nach rechts, vor und zurück. Der Boden unter den beiden Kämpfern verlor bald die verdorrte Grasnarbe des Vorjahres unter den schnellen Schritten. Doch darauf achtete keiner der beiden. Der Mann belehrte Dumak während des Kampfes.
»Versuche immer, die Bewegungen deines Gegners vorauszuahnen. Ich weiß, das klingt nicht besonders intelligent, aber da ist was dran. Wenn ich mit meinem rechten Fuß einen Schritt nach vorne mache, dann folgt meist ein Stich oder ein Hieb von oben rechts. Denn ich bin Rechtshänder. Wenn ich den linken Fuß vorsetze, dann kommt ein Hieb von links. Manchmal auch von unten.«
Dumak versuchte, sich das einzuprägen und auch danach zu handeln. Entweder sein Gegner machte es ihm einfach oder es war wirklich ne Menge dran, an dem, was er sagte. Langsam bekam der Dieb ein Gespür für die Kampfesweise des anderen.
»Achja, und dann noch eins: Im Moment ist es zwar wurscht, weil dein Schwert sowieso nur ein Rostbolzen ist, aber mit nem ordentlichen Schwert kämpfst du nicht Klinge auf Klinge. Sonst ist die bald ganz schartig und du kannst die Waffe zum Einschmelzen geben. Wehre die Hiebe des Gegners immer mit der flachen Seite ab. Nur, wenn du selber zuhaust, dann nimm natürlich die Schneide.«
Und damit war dann auch Schluß mit der Gratisunterweisung des Diebes. Erschöpft ließ Dumak sich fallen. Der Krieger hatte es wirklich drauf. Aber Dumak brauchte erstmal ein ruhiges Fleckchen für die nächsten Stunden, um sich zu erholen. Am besten, an einem der Feuer, die die Winterkälte etwas vertrieben.
22.01.2004, 18:23 #273
Dumak
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»Ah, da biste ja.« Dumak lümmelte sich gerade an einem knackend und ab und an funkensprühend dahinbrennenden Feuer. Ein schwarzgerußter Henkeltopf hing über den Flammen und darin brodelte irgendeine Suppe.
»Willst du auch was?« Dumak rührte ein wenig lustlos in dem Topf umher. »Ich hab keine Ahnung, was da drin ist, aber vorhin hat schonmal einer davon gegessen und bislang hat er weder geschrieen, noch ist er verreckt. Also kanns nicht so schlecht sein.«
Er kramte einen Napf hervor und goß sich mit der Kelle etwas von der Suppe ein.
»Verdammt, da ist ja kaum was dickes drin. Wer wird denn von Wasser satt?«
Mit leisem Pladdern füllte sich der Essnapf. Geschickt hatte der Dieb entgegen seinen Worten doch noch einige Brocken von was auch immer mit in seinen Essnapf befördert.
»Achja, irgendein Kerl hat vorhin mit mir geübt. Und deswegen ruh ich mich grad mal aus. Außerdem hab ich ziemlichen Knast. Danach kanns weitergehen.«
Irgendwo weiter hinten schnüffelte der große Hund des Diebes umher. Komischerweise tat er keinem der Anwesenden etwas, obwohl er doch so überaus groß und gefährlich aussah. Er steckte lieber seine Schnauze in den Dreck und wühlte alles mögliche heraus.
Dumak machte sich über den Eintopf her.
»Du hast nicht zufällig etwas Brot dabei?«, fragte er den Drachenjäger, der bislang wortlos neben Dumak gestanden hatte. »Würde echt besser schmecken.«
23.01.2004, 15:20 #274
Dumak
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Endlich hatte der Dieb seine Schüssel gelehrt. Das Brot seines Lehrmeisters hatte er mit einer kurzen Bemerkung entgegengenommen, um dann sofort weiter zu essen. Hin und wieder tunkte er ein Stück davon in die Suppe und biß gierig von dem eingeweichten Brot ab.
»Endlich mal wieder was halbwegs vernünftiges im Magen«, murmelte er noch, dann war die Schüssel lehr. Mit einem ausgerupften Grasbüschel, dessen trockene Halme durch die Faust des Diebes am Ausfallen gehindert wurden, wischte er sein Essgeschirr sauber und verstaute es wieder in dem Beutel, den er mit sich trug.
»Und, machen wir weiter?«, fragte er dann seinen Lehrmeister keck, um ihn, wo er schonmal endlich da war, gleich zu beschäftigen.
»Ich wüßte gerne mehr über verschiedene Angriffstechniken, Hiebreihenfolgen und so. Der Typ von vorhin hatte da so ein paar Sachen drauf. So einmal von schräg unten und den nächsten dann von oben angesetzt, das sah mir aus wie eingeübt. Da gibts doch sicher noch mehr zu sehen? Als Könner hast du doch sicher jede Menge Tricks drauf, oder?« zwinkerte er Fisk leutselig zu. Da sich Dumak nun einmal dazu entschlossen hatte, sich mit Schwert, Keule und Axt zu beschäftigen, wollte er auch möglichst viel davon wissen.
»Und dann zeig mir mal noch irgendwann die Unterschiede zwischen Schwertkampf und Axtkampf. Soweit ich weiß, ist eine Axt schwer bis gar nicht zu blocken und dafür aber auch bei weitem nicht so schnell wie ein Schwert. Außerdem kann man ja mit einer Axt keinen Stich ausführen. Was also ist an einer Axt so gut? Manche rennen ja auch mit sowas rum.«
Solcherart von Dumak mit Fragen überhäuft war Fisk am Lagerfeuer bald in ein Gespräch verwickelt, in dem der Drachenjäger dem Banditen die eine oder andere Sache beim einhändigen Führen einer Waffe erklärte.
25.01.2004, 20:23 #275
Dumak
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Dumak beschäftigte sich derweil alleine mit seinem Schwert, beziehungsweise mit dem rostigen Eisenteil in seiner Hand. Wenn er erstmal ein großer Kämpfer wäre, würde er natürlich nur das Beste vom Besten in der Hand halten. Kein Recke von Rang führte eine Klinge mit Rostflecken.
»Zuerst hole ich mir ein gutes Schwert. Irgendwo wird schon eins auf einen neuen Besitzer warten, der es wirklich zu würdigen weiß.«
Dumaks Hund kam angetrabt und setzte sich neben den Dieb, um ihm zuzusehen, was er da veranstaltete.
»Wenn ich erst ein funkelndes Schwert in meinem Gürtel habe, dann bin ich schon halb am Ziel.«
Dumak machte einen seiner Meinung nach sehr eleganten Ausfallschritt und stach in die Luft vor ihm. Der Hund jaulte kurz.
»Ja, schrei nur vor Schmerzen, aber ich werde dich erledigen, Schurke«, rief der Dieb voller Enthusiasmus und setzte einen Hieb nach. Der Hund antwortete mit einem Wuff.
»Ha! Noch führst du große Reden. Aber gleich werde ich dich aufspießen, wie einen Hammelbraten.«
Und wieder führte der Dieb die Klinge mit etwas wirren und unkoordinierten Bewegungen ihrem imaginären Ziel entgegen.
»Eine Finte hier, eine Escarpe da und eine Conterscarpe hier. Parade und Touche.« Mit schnaufendem Atem und stampfendem Schritt legte Dumak schnell ein paar Klafter zurück und wedelte dabei wild mit der Waffe umher. Jedoch waren hier und da Ansätze dessen zu erkennen, was ihm in den letzten Tagen beigebracht worden war. Der Hund war neben Dumak hergetrabt und hatte sich nun wieder hingelegt, den Kopf auf die Vorderpfoten gelegt und die Zunge hechelnd aus dem Maul hängen lassend.
»Ha! Wegrennen wird dir nichts nützen.« Er stolperte seinem eingebildeten Gegner hinterher und fiel der Nase nach hin. »Argh!« Der Hund neben ihm wälzte sich auf dem Rücken, paddelte mit allen vieren wild in der Luft umher und ließ ein stoßweises Hecheln hören, das eine frappierende Ähnlichkeit mit menschlichem Lachen hatte.
Dumak rappelte sich wieder auf, streifte schnell den Dreck von seinen Klamotten und stürzte weiter. »Ja, noch lachst du, aber gleich durchbohrt dich der kalte Stahl der Gerechtigkeit und du hauchst dein schändliches Leben aus.«
Langsam erinnerte sich der Dieb an die Lehren, die ihm hier vermittelt wurden. So wurden seine Angriffe immer gekonnter und überlegter. Bald hatte sein Gegner dem nichts mehr entgegenzusetzen und würde wohl bald besiegt sein. Atemlos schaute der Hund dem mörderisch spannendem Kampf zu. Er vergaß sogar, zu hecheln.
Da, der Gegner stolperte. »Jetzt naht dein Ende, Schuft.« Dumak setzte zum finalen Stoß an und bohrte das rostige Schwert in die Erde. Der Hund ließ ein schauerliches Jaulen ertönen.
»Ja, dein Todesschrei ist dein letzter.«
Zufrieden zog er das rostbedeckte Schwert aus der Erde und ging mit grimmigem Gesichtsausdruck wieder zurück dorthin, wo der Kampf seinen Ausgang genommen hatte.
»Komm, der Gerechtigkeit wurde Genüge getan«, rief er seinem Hund zu. Worin diese Gerechtrigkeit bestand, würde wohl niemand je erfahren. Vermutlich wußte es nichtmal Dumak. Er hatte mit Gerechtigkeit sowieso noch nie irgendwas am Hut gehabt. Aber was tat man nicht alles für einen guten Kampf.
Am Lagerfeuer empfing ihn der spontane Applaus einiger Anwesender, die belustigt der Abwechslung ihres langweiligen Tages gefolgt waren. Alle wirkten sehr amüsiert.
»Habt ihr gesehn? Dem hab ichs aber gezeigt. Zuerst hat er mich mit seinen hinterhältigen Finten getäuscht, aber dann hab ich ihn vor mir hergetrieben.«
Alle lachten. Dumak fiel ein.
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