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Das Kastell des ZuX # 19
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14.06.2003, 01:33 #226
Arctus
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„Ja Meister, ähh, ich meine Herr Don-Esteban!“, brachte Arctus noch hervor. Es sollte also losgehen. ‚Verwirrendes Schauspiel , kann man ihn nicht einfach niederschlagen?’ ging es dem jungen Magus durch den Kopf.
Doch brachte ihn die Schauspielkunst des Dons etwas zum grübeln. Dieser ‚Mensch’ kann einen hinterlistig etwas vorspielen, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Wohl eine der bösartigsten Waffen, die es gibt. Menschen ausnutzen, sie im Glauben lassen, gebraucht zu werden, sie belügen, hintergehen, kurz um: „man keinem trauen! Wenn selbst ein Mann, dem es nicht an Macht mangelt zu solchen Mitteln greift und sei es nur aus Vergnügen!“
Arctus schauderte bei dem Gedanken, das sein zukünftiger Lehrer vielleicht gar keine Ahnung von all der Magie hat und ihm nur etwas vorgaukelt um ihn an den nächsten Sklavenhändler zu verkaufen. ‚Nein! Du übertreibst!’, mahnte er sich.
‚Doch was wäre, wenn ich selbst solche schauspielerischen Fähigkeiten besitzen würde? Ein kleiner Junge kann bestimmt sehr überzeugend auf ältere Mütter wirken, wenn ihm die Tränen nur so aus den Augen quirlen. Und dann kommt von hinten Blitzschnell ein Dolch und ich hätte ein neues Objekt zum Sezieren!’ Arctus schmunzelte und rieb sich vollkommen im Wahn seiend vorfreudig die Hände. ‚Wieso nicht gleich damit anfangen? Vielleicht beiße ich meinen Opfer die Halsschlagader durch.’ Lachte Arctus noch. Seine Gedanken fuhren ins Wahnsinnige. Was war nur Heute mit ihm los? Erst dieser Schwächeanfall und nun so etwas. Irgendetwas veränderte sich. Ist es der Dämon, der in ihm gewesen war? Meldete er sich zu Wort?
Die Gästequartiere waren erreicht. Eine Tür flog auf und drinnen saß ein Mann ungeduldig mit den Beinen wippend auf einem Hocker und starte zu Boden. Er schien die Kacheln zu zählen. Arctus stürmte hinein. „Bitte helft mir!“, schluchzt er, stieß einen heftigen Schlucker hervor und schniefte den imaginären Rotz nach hinten. Je mehr er sich in seine Rolle versetzte, desto mehr flossen die Tränen. „Was ist los mein Junge?“, fragte der Gildenlose skeptische. Arctus ließ sich zu Boden sinken, presste die Hände vors Gesicht und schluchzte weiter, „ihr müsst mir helfen, es war so schlimm!“ Sein ganzer Körper zitterte, nein er bebte. Trauer und Verzweiflung strahlte von ihm, als seie er die Sonne dieser Eigenschaften, jedoch befand sich keine schützende Schicht vor dem Opfer, so dass die Wellen des Hilfebedürftigen gnadenlos auf ihn einschmetterten. Der Mann stand auf , macht ein paar Schritte auf Arctus zu und ging vor ihm in die Knie, „sag doch, was ist los?“
Arctus verstummte, guckte den Mann aus tieftraurigem Augen direkt ins Gesicht und verharrte so mehrere endlose Sekunden. Man sah förmlich, wie die äußere Hülle des Einarmigen zu bröckeln begann. Arctus schluchzte wieder, „es war so schlimm!“, sein Kinn zitterte. Es stand wieder bevor. Er war kurz vor einem Tränenausbruch. An den Rändern sammelte sich bereits das Leid. Der Krüppel konnte nicht mehr anders. Er zog den Jungen mit seinem einen Arm an sich heran und drückte ihn fest an sich, versuchte ihm halt zu geben. Arctus weinte wieder los, lachte jedoch dabei. Langsam fuhr er den Mann mit seinen kleinen zarten Finger den Rücken hoch und suchte ein gewisse Stelle. Dann klatschte er darauf, drückte den Mann von sich und fing lautstark an zu lachen. Ein Lachen, dass alles zu zerschmettern schien. Salve um Salve prasselte auf den Mann und stampfte ihn in den Erdboden. Arctus wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, „hätte ich einen Dolch gehabt, ihr währet nun tot!“ Mit zitternden Knien setzte sich den Gildenlose auf den kalten Steinboden. Er wollte etwas sagen, brachte jedoch nichts hervor. Arctus hatte nun gesehen, zu was er fähig war und hüpfte freudig von einer Seite zur anderen. Aprupt hielt er inne, drehte langsam seinen Kopf um neunzig Grad in Richtung des Mannes und sprach, „Ich brauche einen Dolch!“ wieder lachte er, doch diesmal leiser und dezente beherrschter. „ach ja, so neben bei! Euer Arm wird vorbereitet. Ihr solltet euch zum Labor des Don-Esteban begeben!“ Der Junge öffnete die Tür, „kommt, ich zeige euch den Weg!“ ...
14.06.2003, 02:04 #227
Don-Esteban
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Don-Esteban war mit dem jungen Mann inzwischen in seinem Labor angekommen. Leise und unheilvoll knarrend öffnete sich die Tür, nachdem der vermeindliche Stoffhändler das komplizierte Schloß mittels Berührungen an verschiedenen Punkten geknackt hatte. Halbdunkel erwartete die beiden. Von draußen schien das Licht des Mondes, der in wenigen Nächten zu seiner vollen Rundung finden würde, in den Raum. Es malte ein spitzbogiges Fenster auf den fußboden, unterbrochen von den Schatten der kunstvoll geschmiedeten Gitter, die vor dem Fenster angebracht waren. Dämonen und Kreaturen mit riesigen, geöffneten Mäulern verschlangen ihre Opfer.
Genauso würde es Svein jetzt gehen. Wie er da so dastand, sich verwundert umsah und bemerkte, daß sich doch hier gar kein AStoff befand und wozu er denn hierhergeführt worden sei, regte sich etwas in dem Schwarzmagier, was ihm mittlerweile schon fast unbekannt geworden war. Mitleid mit dem jungen blühenden Leben, das bald, um den Preis eines Armes ausgelöscht wurde. Wußte der Gildenlose, was er von den Magiern des Kastells forderte? War er bereit, diesen Preis zu zahlen, die Verantwortung für den Tod des jungen Burschens auf sich zu nehmen? Es mußte wohl so sein. Dem Magier jedoch brachten seine Gedanken zu einer geringen Änderung des Planes. In diesem Augenblick war ihm der Schattendämon egal. Er dachte nicht an die Konsequenzen. War das Ergebnis nicht das gleiche? Scipio bekam seinen Arm. Der Junge mußte dies nicht noch mitbekommen.

"Ich werde hier gleich viele Ballen Stoff hereinbringen lassen. Du sollst sie zählen. Damit du nicht dabei einschläfst und die Zahl vergisst, werde ich dir gleich einen besonderen Stärkungstrunk reichen", erklärte er dem Jungen.
Gemessenen Schrittes trat der Magier und vermeintliche Tuchhändler an einen Tisch, der an der Wand stand. Ein kleines Schubfach, mittig angeordnet wurde aufgezogen und ein Beutelchen herausgenommen und auf den tisch gelegt. Dabei erzählte Don-Esteban weiter.

"Ich selber nehme diesen Trank manchmal wenn ich viel zu arbeiten habe. Es ist eine alte Familienrezeptur. Sie belebt den Geist und vertreibt die Müdigkeit des Schlafes."
Ja, den Schlaf vertrieb sie wirklich, denn seine Stelle nahm der längste Schlaf ein, den es gab.
"Hier, der Trank ist fertig."
Er reichte dem Burschen einen Becher mit einem schwer und aromatisch duftenden Getränk, welches er eben unter Zuhilfenahme verschiedener Fläschchen angerührt hatte. Dieser nahm den Becher vertrauensvoll. "Mhm, das riecht aber gut. Das würde Katharina sicher auch schmecken."
"Ja, da bin ich mir ganz sicher."
Und der junge Mann trank den Becher bis zur Neige. Dann fiel er ihm aus der Hand. Mit verwundertem Gesichtsausdruck sah er den Schwarzmagier an. Sein Mund öffnete sich, er wollte noch irgendetwas sagen, doch wurde sein Gesicht schon steinern. Bevor er hinsank auf den boden und sich womöglich noch den kostbaren Arm brach, machte der Nekromant einen Schritt auf ihn zu und fing ihn auf. Mit einiger Anstrengung trug er die Leiche des Jungen zu einem der Labortische und legte ihn darauf.
Jetzt wartete er nur noch auf Arctus, der mit Scipio sicher bald eintreffen würde. Für Scipio mixte er ebenfalls einen Trank. Wieder öffnete er die Schublade, doch diesmal griff er den Beutel daneben und schüttete eine kleine Prise des weißen Pulvers in ihm in ein Glas mit Wein. Der Gildenlose sollte nicht sterben, er sollte nur in tiefe Bewußtlosigkeit fallen.
Danach wickelte der Magier einige Instrumente aus, wie sie auch die Feldärzte der königlichen Armee benutzten: Knochensägen, Spreizer, Klemmen, Messer, Nadeln. Jetzt konnte Scipio kommen.
Der leere Becher war in das vom Mondlicht erhellte Stück des Bodens gerollt und dort liegengeblieben.
14.06.2003, 03:16 #228
Arctus
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Die Tür des Labor öffnete sich, untermalt von einem leisen penetranten Quitschen. Nur langsam trat der immer noch tief geschockte Scorpio ein und musterte ebenfalls leicht erschrocken, seinen zukünftigen Arm. Prüfend hob dieser den Arm nach oben, gab murrend von sich, „da muß ich aber noch ganz schön trainieren“ und ließ das schlafe Ding wieder auf den Tisch plumpsen. Arctus lehnte sich still gegen eine der Wände. Beobachten war erst einmal angesagt. Der Jüngling schien entweder tot oder bewusstlos zu sein. Eigentlich auch egal, Hauptsache er war ruhig und wimmerte nicht herum. Der Don legte den Arm um Scopios Schulter und reichte ihm eine kleine Mixtur. Der Gildenlose schüttelte geekelt den Kopf. Das kleine Getränk schien wiederwärtig zu stinken. Wer weiß, was sich alles darin befand.
Nun doch, Scopio setzte das Fläschchen an und schluckte alles auf einmal schnell hinunter. Wackelige Knie, eine umherschwingender Oberkörper, als würde gerade ein Erdbeben toben und bereits geschlossenen Augen, beschrieben sein Äußeres. Wie dem auch sei, der Don beförderte den Patienten auf einen der Experimentiertische. Scopio ließ sich alles gefallen. Er war nicht mehr im Stande sich zu halten, wie sollte er sich da auch noch wehren?
Ein paar Minuten verstrichen, dann fragte der Don nach der Zange. Arctus fuhr suchend mit dem Finger über all diese gruselig aussehenden Instrumente und blieb schließlich über einer Zange stehen. Zupacken und dem Don reichend bestätigte er, „hier“ und setzte sich auf einen der Tische. Nun wurde der Holzarm entfernt. Mehrere kräftige Rucke waren schon nötig um die Prothese loszubekommen, doch letzen Endes kam ein grässlicher Stumpf zum vorscheinen. „Das hätten wir“, murmelte der Don, ging zu den Werkzeugen und griff nach dem Skalpell. Oder war es die Säge? Arctus konnte es nicht genau erkennen, denn der Rücken des Schwarzmagiers verdeckte ihm die Sicht. „Nun zu dem anderen Arm“...
14.06.2003, 03:36 #229
Don-Esteban
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Der tote Jüngling, blaß schimmerte seine Haut unter der die Adern hervortraten, die Aderen, durch die eben noch das Blut vom Herzen gepumpt wurde. Seine Katharina würde sich wohl nach einem andern Burschen umschauen müssen. Geschickt setzte Don-Esteban die Säge an. Nach den ersten paar Zügen, in denen das fein getahnte Blatrt nur Haut, Muskelstränge und Sehenn durchtrennte, hörte man ein knirschendes Geräusch. Das sägebaltt schabte an Knochen und Zug um Zug arbeitete es sich durch den Arm. Überall floß Blut entlang. In weiser Voraussicht waren rund um den Tisch Blutrinnen angebracht, die nun die rote Flüssigkeit aufnahmen und irgendwohin ableiteten.
die Arbeit war schweißtreibend. Der Magier in seiner Robe spürte bald die Tropfen auf seiner Stirn. Doch letztendlich war es geschafft. Der Arm lag, getrennt vom restlichen Körper, auf dem Tisch.
Unterdessen hatte Arctus den Armstumpf des Gildenlosen gereinigt und Grind und Wucherungen entfernt sowie den Knochzenstumpf sauber abgesägt. Jetzt kam es darauf an, den neuen Arm möglichst genau anzupassen. Der Knochen mußte richtig aufeinandersitzen. Die Sehnen mußten verbunden werden und die Muskelstränge sollten ihre Funktion einmal wiedererlangen. Natürlich war dies nicht ohne die Unterstützung durch verschiedenste Tränke möglich, die jedoch schon teilweise aufgereit auf einem etwas abseits stehenden Tisch standen. Doch die kamen erst zum Einsatz, wenn der Arm mit dem Körper verbunden worden war. Bis dahin war noch so mancher Handgriff und so manches interessant gestaltete Werkzeug nötig, daß sich der Magier von Arctus reichen ließ. Doch irgendwann war auch dies geschafft. Zurück blieb ein Toter, dem ein Arm fehlte, der jedoch in einer riesigen Lache von Blut lag und ein achtlos in eine Ecke geworfener Holzarm.
Die Dämonen schleppten Scipio in ein Gästequartier. Wenn er erwachen sollte, wollte der Don benachrichtigt werden. Die nun nutzlose Leiche des Jünglings wurde achtlos aus dem Kastell geworfen und rollte den Abhang hinunter, vorbei an dem Steinschutt, der die Hänge bedeckte, bis sie irgendwo liegenblieb. Zwei Raben stritten sich um die Augen, bis sie bemerkten, daß es derer zwei gab und jeder eines im Schnabel hielt, wo sie, an den Resten der Sehnerven hängend, hin und her baumelten. Doch plötzlich flogen sie fort. Harpyien waren gekommen, angelockt vom Blutgeruch leckten sie die Wunden aus und rissen neue in die Leiche, um ihren Durst zu stillen.
Doch plötzlich öffnete sich das Tor des Kastell und Arctus kam heraus. Wollte er die Leiche für sich "retten"?
14.06.2003, 09:45 #230
Zloin
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*Hatschi*. *Hatschi*. Zloin musste stark niessen, als er aufstand. Irgendwie fühlte er sich nicht besonders gut. Seine Nase war total verstopft.

"Na doll, tschum gantschen schpass von gestern noch eine Erckälgung! Dassch hätte escht ned schein müschen! Verdammter mischt!" meinte Zloin schwerfällig und sah schon den ganzen Tag schwarz! War der Freitag der 13. real? Wie konnte er nur so viel Pech an einem Tag haben - Zufall? Das wäre eine Möglichkeit. Auf jeden Fall wusste Zloin, dass der nächste spezielle Freitag noch eine Zeit auf sich warten liess, so kann Zloin sich perfekt vorbereiten.

Zloin nahm sich die beiden Runen für die Teleportation. Auf dem Pentagramm in der Eingangshalle war er und versuchte seine erste Teleportation. Die Rune hatte er in der rechten Hand.

Bald auf schwebte er in die Luft. Einige rote Lichtstränge schwirrtem um ihn - zuerst langsam und dann immer schneller bis es ein Blitz aufschnellte und weg war Zloin!

Es verging einige Zeit bis man im Kastell sah, wie es wieder blitze und Zloin vom Himmel sicher auf die Beine fiel.
Unglaublich - er konnte sich teleportieren! Der Schwarzmagier freute sich sehr, dass es nun, nach dem schweren Tag von gestern, sehr gut funktionierte. Zur Feier ging er ins Refektorium und bestellte sich Reis mit einem Stück Moleratsteak.

Es schmeckte vorzüglich! Endlich hatte Zloin sein Leben wieder auf die Reihe gebracht.
"Jetscht musch nur noch diese füschteliche Erckälgung weg. *Hatschi*
14.06.2003, 11:00 #231
Amydala
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Amydala wachte auf erneut aus einem traumlosen schlaf auf. Sie stieg aus ihrem Bett und ging an den Kleiderschrank wo sie sich ihre Lehrlingskutte überzog.

"Ich hab nen riieeeeeesen Hunger! " sagte Amydala und ging aus ihrem zimmer raus zum Refektorium um sich dort die berühmt berüchtigten Scavengerkeulen einzuverleiben.

Im Refektorium angekommen setzte bestellte sie sofort die Keulen mit viel wasser. Da sah sie einen Mann der allein im Refektorium saß. Sie gesellte sich zu ihm und setzte sich. "Hallo. Ich heiße Amydala und ich hätte etwas lust auf Gesellschaft beim essen. ". Der Mann nickte nur und so setzte sie sich zu ihm auf die gegenüberliegende Seite. Jetzt kam wieder ihre berüchtigte Schaukelpose in der sie gerne auf dem Stuhl saß. "Wie heißt du? " fragte Amydala ihn und . Der Mann wollte gerade antworten doch es entfuhr ihm nur ein lautes nießen. Amydala schreckte zurück, drückte sich vom Tisch weg verlor das Gleichgewicht und kippte mit dem Stuhl unter einem lauten Aufschrei nach hinten um. Sofort sprang sie auf und brachte den Stuhl erneut in die übliche Position und setzte sich mit einem roten Kopf an den Tisch diesesmal ohne wieder mit dem Stuhl zu schauckeln. "Meinste die Dämonen haben das gesehen? "
14.06.2003, 11:07 #232
Zloin
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Er hebte die Hand vor den Mund und musste sogleich niessen. Diesmal war die hübsche Dame nicht vom Stuhl gekippt.

"Tschuldigung, isch bin schwer verckälget. Mein Name isch Schloin. Wie heischt du? Wie isch schehe bist du Lehrling bim Tschux! Herschlichen Glückwunsch!" sagte Zloin. Was sie wohl denkt? Sie nannte ihren Namen, Amydala, und nahm ein grosses Stück Scavengerkeule.
Zum Glück war sie nicht so zimperlich um sich gleich an einen anderen Tisch zu setzen!

"Wenn die Dämonen doch nur etwasch gegen meinen Halsch und die Schtimme machen könnten! Dasch wäre einfach genial. Wie bisch du in das Kaschtell gekommen? Wasch hat dich hierher geführt. fragte Zloin.

Seine Gesellschaft hatte lange schwarze wunderschöne Haare, die sehr gepflegt aussahen (ganz zu schweigen von Zloins Haaren).
Ihr Gesicht war rechtschmal und ihre Augen sahen gefährlich aber sehr vertraut aus! Sie war eine sehr hübsche Dame.
14.06.2003, 11:23 #233
Amydala
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Amydala blickte erstaunt zu Schloin, der so komisch drauf war. "Ich dachte ich hätte dir bereits gesagt , dass ich Amydala heiße? Nunja wie ich ins Kastell kam ist ne kurze Geschichte: Ich kam nach Khorinis auf der Suche nach meinem Bruder Sly, ich habe zwei Männer gefragt ob sie mich zu ihm führen könnten. Sie führten mich leider irgendwo in die Wildnis un wollten mich dort misshandeln. Ich konnte entkommen und kam ins Kastell gelaufen mehr aus zufall und da habe ich mich entschlossen , mich euch anzuschließen. " sagte Amydala. Sie hasste es über ihre vergangenheit zu reden.
14.06.2003, 11:57 #234
Zloin
Beiträge: 998

"Achja schtimmt, ihr hattet schon geschagt, dasch ihr, wie auch immer, heisst. Bei Vercklägung kann ich nicht so gut Namen behalten wischt ihr!" sagte Zloin.

Die Beiden plauderten und tratschen wie es sich so bei der ersten Begnung eines zukünfigen Kollegen gehörte, assen noch einige Teller aus und verabschiedeten sich dann, weil Zloin noch einiges zu tun hatte.

An der Küstenebene, südlich des Minentals, hatte er einige Utensilien gefunden. Ihm kam die Idee, einen Schrumpfkopf zu basteln. Deshalb ging er in sein Zimmer und nahm den blutentleerten Goblinkopf der schon ein wenig verschrumpelt aussah. Stach mit seinem Dolch in die Ober- und Unterlippen Löcher, etwa je fünf. Durch diese Zog er ein Stück des Lederriemens. Im Schlittenstich zog er die Lippen zusammen. Es sah sehr furcheinfössend und zugleich hässlich aus. Die Augenlieder öffnete Zloin und befestige sie, dass sie sich nicht mehr schliessen konnten. Der fertige Kopf legte er in eine Schüssel, die er zuvor aus der Küche gehohlt hatte. In die Schüsel leerte ein wenig von seinem Amognar rein. Wenn alles funnktioniert, würde heute Abend der Kopf auf die Grösse des runden Glasbehälters geschrumpft werden. Er legte das Glas nebendran und verschwand in der Bibliotheke.

Er wollte einiges mehr über die Kunst des Kopfschrumpfn erlernen und mehr über das Öl erfahren, welches Zloin Amognar getauft hatte.
14.06.2003, 12:47 #235
Scipio Cicero
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Langsam machte Scipio die Augen auf. Er hatte schreckliche Kopfschmerzen und auch in der Seite spürte er ein ständiges Stechen. Mit zugekniffenen Augen ließ er seinen Kopf zur Seite fallen...und schon zierte ein lächeln sein Gesicht. Er hatte endlich wieder einen zweiten Arm. Noch immer von der Müdigkeit ans Bett gefesselt, schaffte er es einen Heiltrank aus seinen Taschen zu ziehen und mit in aller Ruhe Trank er das belebende Gebräu.

Nach einer halben Stunde erhob sich der Waldstreicher und schlenderte langsam aus dem Gästezimmer hinaus in die Gänge des Kastells. Das unheimliche Gemäuer störte ihn nicht und auch seine Angst vor den Dämonen war verschwunden. Zwar schmerzte der Arm noch und er war relativ kraftlos, doch hatte er Einen und wenn es nicht so etwas wie einen Zauber dafür gab würde er sich die fehlenden Muskeln schnell antrainiert haben. Langsam streichelte seine Hand den Griff seines Schwertes. Dann zog er es schnell aus der sanften Umarmung des Gürtels und ließ sie so gut es ging in der Luft seine Bahnen ziehen. Ein schönes Gefühl, nach so langer Zeit. Am liebsten hätte er sofort gekämpft, dafür allerdings reichte seine raft noch nicht aus. Nach einigen Minuten wurde das Stechen jedoch zu stark und der gildenlose ließ die Klinge wieder an seinen Platz gleiten.

Es war an der Zeit den Don zu suchen und sich bei ihm zu bedanken. Vielleicht weis er auch ob das Stechem normal war, aber da war sich Scipio ziemlich sicher.

Was für ein Gefühl. Endlich hatte der junge Mann wieder zwei Arme. bald würde er aufbrechen und ihn testen. Bald...auf der Suche nach dem legendären Windfetzer.
14.06.2003, 15:34 #236
HoraXeduS
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Erstaunt stellte Horaxedus fest, dass es ihm offenbar so gar nicht recht gelungen war, Linky aus der Ruhe zu bringen. Ein wahrhaft scheusslicher Frass war das, den der Händler sich da servieren liess, aber nun ja, andere Gilden, andere Sitten. Der Söldner grinste den Schwarzmagier an, wann immer dieser einen Blick auf seine Mahlzeit zu werfen gedachte.

Doch mit einem Mal hatte die seltsame Ruhe Linky's ein Ende. Geschmeidig zog der Kaufmann zwei Gegenstände von irgendwo her hervor. Ein armlanges Rohr und etwas, das aussah wie eine zu gross geratene Pinzette. "Du hast tatsächlich...", staunte Horaxedus, doch der Mund stand ihm beim Anblick der auf dem Tisch liegenden Werkzeuge so weit offen, dass er nicht weitersprechen konnte. Mit leuchtenden Augen ergriff der Glasmacher das Rohr und sah hindurch. Der Gegenstand war schwerer als er aussah und weder innen noch aussen war auf den ersten Blick eine Naht auszumachen. "Alle Achtung, Linky! Wer auch immer dieses Rohr geschaffen hat, er wusste, was er tat."

Dann griff Horaxedus zu der Zange. Ein einfaches Stück, aber in angenehmer Dosierung zu schliessen. Beide Enden passten zudem einwandfrei aufeinander. "Auch sehr schön, das." freute sich der Magier. Das letzte Teil, das Linky auf den Tisch gelegt hatte, weckte ebenfalls das Interesse des Glasmachers, doch er wusste nicht wofür es gut sein sollte. "So etwas habe ich ja noch nie gesehen. So ein komisches Ding, wofür ist das denn gut?"

Der Händler schwieg geheimnisvoll, doch sein Gegenüber bemerkte sofort, dass ihn etwas bewegte: "Ich ahne schon, lieber Linky, dass wir noch über Gold sprechen sollten. Ihr seid einfach ein zu bescheidener Mensch." Der Händler nickte verlegen, als sein Kunde bereits fortfuhr: "Wenn ich richtig rechne, Herr Kaufmann, dann schuldet ihr mir noch genau 100 Goldstücke." Linky holte tief Luft, in seinem hellen Kopf tat sich einiges, doch bevor er Erklärungen und Beschimpfungen vorsortiert hatte, lachte Horaxedus bereits herzlich los. "Allein Euer Anblick soeben war es mir wert, unser damaliges Geschäft abzuändern. Ihr habt ausgezeichnete Ware geliefert, es würde mich freuen, wenn wir bald wieder ins Geschäft kämen. Daraufhin zog Horaxedus einen kleinen Beutel hervor, nahm ein paar Münzen heraus, die er wieder einsteckte, und gab Linky den angemessenen Kaufpreis mitsamt Beutel.

" Wenn Ihr wollt, könnt Ihr gerne bleiben, ich lasse Euch ein Gästezimmer zuweisen; doch möchte ich Euch auch nicht aufhalten. Und was ist das, was Ihr uns hier seltsames auf den Tisch gelegt habt? Es sieht so, so absonderlich aus."
15.06.2003, 11:47 #237
The_Nameless
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Schweigend stand Less in dem riesigen Raum, der Anblick der unendlichen Menge an gesammeltem reinen Wissen war überwältigend. Scheinbar endlose Regale, gefüllt mit Büchern einer Stärke, wie er sie vorher in seinem Leben noch nie gesehen hatte durchzogen den ganze Saal, soweit das Auge reichte.
Niemals würde die Größe dieses Raums in den Teil des Kastells passen, den er bisher gesehen hatte, dieser Raum war ohne Zweifel etwas besonderes.
Wie sollte er bei dieser Anzahl von Schriften diejenige finden, welche wohlmöglich seine Fragen beantworten würde? Nach Arctus Erklärungen, die der unverkennbar aufgeregte Magier vor seinem Verschwinden an Less gerichtet hatte, würde es ausreichen, das gesuchte Thema auszusprechen.
War die Magie dieser Bücher so mächtig, dass sie selbst die Worte eines Lebenden vernehmen und auch noch deuten konnten?
Ein mulmiges Gefühl ergriff bei diesen Gedanken unaufhaltsam Besitzt von Less' Denken, sicherlich barg diese Macht auch einige Gefahren...
Während er sich langsam auf einen der vielen, recht bequem anmutenden Sessel, die nach keinem erkennbaren Muster in der Bibliothek angeordnet waren, zubewegte, versuchte er einen passenden Überbegriff für seine Fragen zu finden, doch selbst nach Minuten der Überlegung wollte ihm kein zutreffendes Wort einfallen.
Mit aufmerksamen Augen sah er sich nochmals genauer in dem überwältigenden Raum um. Die meisten der Bücherregale reichten tief in den Schatten der hinteren Teile der Bibliothek, ein Ende war nicht abzusehen, einzig und alleine der schwache Schein der dünnen Kerzen brachte etwas Licht in die verstaubten Ecken. Welche Person besaß eine solche Macht, dass sie diesen unglaublichen Ort schaffen konnte? Wohl nur Beliar selbst konnte der Erschaffer sein...
Wie ein Blitz durchzog der Name des dunklen Gottes sein Bewusstsein, war dies vielleicht die Lösung des Rätsels, musste er vielleicht mehr über Beliar erfahren, um letztendlich sich selbst zu finden. Gab es nicht einige Anzeichen dafür, dass sein Schicksal von einer fremden Kraft gesteuert wurde...war Beliar diese Kraft...
Less' Herz pochte schneller, sein Puls stieg langsam an, es schien ihm so, als würde sein Herzschlag die ganze Stille der Bibliothek mit einem dröhnenden Klopfen durchbrechen.
Ehrfürchtig schloss er seine Augen, abermals umgab ihn eine tiefe Stille. Einzig und allein der Regen, welcher gleichmäßig an die Mauern des Kastells prasselte, drang an seine Ohren.
Voller Respekt öffnete sich langsam Less' Mund. Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen, keine Bewegung störte die Ruhe. Dann sprach er aus, was ihm schon die ganze Zeit auf den Lippen lag...
"...Beliar..."
Ein krachendes Poltern durchbrach die herrschende Lautlosigkeit. Erschrocken öffneten sich seine dunklen Augen. Ein dickes, von Staub bedecktes Buch lag direkt zu Less Füßen, ganz alleine auf den kalten Marmorplatten.
Nur dieses einzige Buch hatte auf seine Worte reagiert, es war fast unmöglich, dass es das einzige Buch der Bibliothek war, welches über Beliars Lehren erzählte...aber vielleicht war es das einzige, welches Less Fragen beantworten konnte...die Magie der Bücher sucht sich seinen Leser selbst...
Andächtig sank Less auf den Boden. Das dicke, in tiefschwarzes Leder eingebundene Buch lag schwer in seinen Händen, keine Zeichnung schmückte seine Oberfläche, einzig und alleine die Dunkelheit war seine Verzierung.
Less sank mit großen Augen, wie gebannt, in einen der mit dunklem roten Leder überzogenen Sessel.
Wie unter einem fremden Zwang stehend, öffnete er ganz langsam den staubigen Einband...
15.06.2003, 13:08 #238
Don-Esteban
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Die Tür zum Gästezimmer, welches Scipio beherbergte, ging auf, ehe er es verlassen konnte, um den Schwarzmagier zu suchen. Das durch das Fenster fallende Licht ließ durch seinen flachen Auftrittswinkel die Strukturen der Tür durch einen komplexen Schattenwurf noch deutlicher hervortreten und sie noch plastischer wirken, als sie es ohnehin schon war. Linien, zu Mustern vereint und fremdartige Kreaturen, die mit aller Macht versuchten, das wie eine lebendige Pflanze wuchernde Rankenwerk beiseite zu drücken, kämpften miteinander.
Sah die Schnitzeei gestern nicht noch anders aus? Waren gestern die Ranken nicht noch weniger gewesen, so daß für die Kreaturen auf der Tür genügend Platz geblieben war? Seltsam.
Das Kastell lebte. Don-Esteban beachtete die geheimnisvolle Türschnitzerei nicht. Er kannte andere, interessantere Geheimnisse. Geheimnisse, die wichtiger waren.
Der Waldläufer saß auf dem Bett und befühlte seinen neuen Arm.

"Gut, kommen wir gleich zur Sache. Es wird dich sicher nicht weiter beunruhigen, wenn ich dir sage, daß bei Dingen von derartiger Schwierigkeit, wie dem Ersetzen von Gliedmaßen auch Nebenwirkungen nicht ausbleiben. Vielleicht wirst du in Zukunft hin und wieder Albträume haben. Ja, ich bin mir ziemlich sicher, daß du welche haben wirst. Vielleicht von einem neugierigen, jungen Mann, der auszog, um sich etwas Geld zu verdienen.
Doch das sollte dich nicht weiter beunruhigen." Er machte eine abwertende Geste. "Uns alle quälen die dunklen Geister im Schlaf, wenn sie uns am ehesten erreichen. Und hat nicht jeder von uns einen dunklen Punkt, etwas, was sein Herz zusammenkrampfen läßt, denkt er unwillkürlich daran?"
Er lächelte hintergründig. Seine Augen wurden dabei etwas schmaler. Doch schon war er wieder ernst.
"Um die Heilung zu beschleunigen - und hierbei rede ich lediglich von der geistigen Heilung, denn mit den Heimsuchungen deines Geistes wirst du selber zurechtkommen müssen - habe ich hier noch einige Fläschchen mit einer Carasolum Fixatus genannten Flüssigkeit. Woraus sie besteht, braucht dich nicht zu kümmern. Wichtig ist, daß du sie regelmäßig nimmst. Täglich ein paar Schluck, doch nicht zu viel, sonst ist sie verschwendet. Es wird deinen Körper dabei unterstützen, deinen neuen Arm anzunehmen. Der Trank enthält einige Rauschmittel, die die Wahrnehmung verändern, also sei auf der Hut und überlege, wann du ihn nimmst. Schmerzen, die nach der Einnahme auftauchen, sind normal und gewollt. Sie werden jedoch bald wieder verschwinden."
Scipio sah den Magier verwundert an. Wo waren denn die Fläschchen, von denen er gesprochen hatte? Da trat dieser einen Schrit zur Seite und hinter ihm wurde ein kleinerer Dämon sichtbar, der ein silbern glänzendes Tablett voller kleiner, flacher Fläschchen vor seinen häßlichen Körper hielt. Scipio sagte keinen Ton.
"Ah, du wolltest über die Bezahlung reden, wie ich sehe", redete der Nekromant weiter. "Das ist löblich von dir, doch sei beruhigt, das Kastell verlangt kein Gold von dir. Nein, wir sind nicht habgierig." Don-Esteban lächelte süffisant.
"Nur um eine einzige kleine Winzigkeit will ich dich bitten, etwas, was dir nicht weh tun wird. So höre: Falls das Kastell irgendwann einmal deine Hilfe braucht, sei zur Stelle. Diesen einen Gefallen schuldest du nun dem Zirkel. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Danach sei deine Schuld für immerdar getilgt."
Und mit einem schlauen Lächeln und leicht ausgebreiteten Armen meinte er zum Schluß: "Sag selber, ist das nicht überaus großzügig von mir, für einen ganzen Arm, der dich überhaupt erst wieder dazu befähigt, dem nachzugehen, was deine vornehmste Beschäftigung ist, nämlich dem Kämpfen, nur einen so kleinen unbedeutenden Gefallen zu verlangen?
Und nun gehab dich wohl und nutze deinen neuen Arm klug."
Der Dämon stellte das Tablett ab und war verschwunden, als hätte er nie existiert. Der Magier verließ das Zimmer auf weitaus profanere Weise, indem er wie ganz normale Menschen einfach die Tür benutzte und sie hinter sich schloß.
Hatten sich die Muster darauf etwa schon wieder verändert? Es schien, als hätten die Kreaturen die wild wuchernden Ranken besiegt, denn sie hatten auf einmal sehr viel mehr Platz und hockten nicht mehr so zusammengekauert zwischen den sich wild schlängelnden Linien.
Doch das war vielleicht nur eine Täuschung des Auges.
15.06.2003, 16:35 #239
The_Nameless
Beiträge: 1.130

Ein Gemisch aus modriger Luft und dickem Staub schlug Less ins Gesicht, als er langsam den Einband des dicken Buches öffnete. Den Kopf schüttelnd wandte er sich wieder davon ab als ihn ein schwerer Niesanfall überkam.
Seine Augen blitzen leicht auf, und ein Anflug von Wut überkam ihn. Noch nie vorher hatte er eine solch seltsame Veränderung seiner Gedanken gespürt, das Buch hatte ihn wahrhaftig gefesselt.
Ohne auch nur ein einziges mal zu blinzeln sah er wieder auf die vergilbten Seiten herab, alt aussehende Schriftzeichen erschienen vor seinem Auge, erst völlig unleserlich verwandelten sie sich daraufhin in eine Form der myrtanischen Schrift. Schon sein Vater hatte ihn einst das Lesen gelehrt, so konnte er die Buchstaben in dem dicken schwarzen Buch einigermaßen deuten.
Aufmerksam las er sich die langen Texte durch, der leichte Schimmer der Kerzen ließ ihn die Zeichen nur schwer erkennen, und das unregelmäßige Flackern ihrer Flammen brachte ihn oftmals von der richtigen Zeile ab. Dennoch las er ohne Pause weiter, spürte nicht wie die Zeit allmählich verging.
Die dichten Regenwolken hatten sich mittlerweile verzogen, sie gaben ihren Platz am Himmel frei für den langsam aufziehenden Mond, der Tag neigte sich seinem Ende zu.
Doch von alledem bekam Less nichts mit. Er war gefangen in den komplizierten Erzählungen, versuchte mit aller Anstrengung seines Geistes, ihren Sinn und ihre Aussagen zu verstehen, was ihm allerdings nicht immer gelang.

Es war schon spät nach Mitternacht, als Less endlich wieder seine mittlerweile vollkommen ermüdeten Augen von den kleinen Schriften erhob. Schaurig spiegelte sich der Glanz der, seltsamerweise noch immer brennenden Fackeln in seinen glasigen Augen wider.
Es war schwer für ihn, all das gelesene zu verarbeiten, zu erkennen, was der Schreiber des Buches mit seinen Sätzen verdeutlichen wollte.
Gemächlich erhob sich Less aus seinem Sessel, er verspürte keinen Hunger, keinen Durst, das einzige Gefühl das sein Bewusstsein vollkommen für sich in Anspruch nahm, war die Müdigkeit, die langsam aber sicher auch von seinem Körper Besitz ergriff.
Das Buch, welches nun vor ihm auf dem Boden lag, klappte wie von einer überirdischen Macht gesteuert zusammen. Abermals stieg eine dichte Staubwolke in die Höhe und vernebelte kurzzeitig seine Sinne.
Less beugte sich herab um das Buch nochmals zu untersuchen, aber es ließ sich kein zweites mal öffnen. Er hatte seine Möglichkeit gehabt, mehr über sich selbst zu erfahren. Jetzt ging es einzig und alleine noch darum, das erfahrenen zu verstehen und umzusetzen.
Er hatte diese Chance genutzt, und irgendwann würde er mit Sicherheit auch Zeit dafür bekommen, dies auch zu beweisen.
Ruhig, aber dennoch zielstrebig trat Less wieder auf die einzige Tür dieses Raumes zu. Noch ein letztes Mal blickte er sich nach den düster flackernden Kerzenlichtern um, ihr Schein wurde immer schwächer, und während er den Raum verließ, verging ihr mattes Licht vollkommen, und der große Raum wurde erneut in eine alles verzehrende Dunkelheit gehüllt...
15.06.2003, 17:03 #240
Arctus
Beiträge: 531

Arctus hockte etwas abseits des Kadavers. Nicht nur Harphyen machten sich an diesem zu schaffen, sogar kleine Fliegen zutschten fröhlich an den geöffneten rotem Fleisch. Arctus starrte fasziniert auf die Grausamkeit der Natur. Diese geflügelten Kreaturen zerfetzten mit ihren Klauen jede einzelne Faser des Körpers und besudelten sich mit dem frischen Jünglingsblut.
Eine Harphye blickte auf. In ihrem Maul hing ein Stück Leber und wackelte zu jeder kleinsten Bewegung des Menschenvogels, was etwas von einem Geier hatte. Arctus erwiderte mit ausdruckslosem Gesicht die Blicke des Tieres, dass ihn aus den schwarzfunkelnden Augen betrachtete. Wahrscheinlich schätzte es gerade die Gefahr ab, die von dem Jungen ausgehen konnte. Oder auch nicht?
Der Vogel machte einen vorsichtigen Schritt in Richtung des Jungen, legte den Kopf schräg und kreischte einmal. Arctus sog scharf die Luft ein, versuchte den Drang seine Ohren zu schützen zu unterdrücken. Seine tiefblauen Augen formten sich zu schlitzen, musterten das Federvieh weiterhin mit scharfen Blicken. Ein weiterer Schritt folgte. Die beiden Geschöpfe trennten nur noch wenige Meter. Eine unsichtbare magnetische Kraft schien zwischen beiden zu wirken. Arctus# Körper drängte danach wegzurennen, so weit weg, wie nur möglich und auch die Harphye schien Ängste zu haben sich zu nähern, denn ihr, mit scharfen Krallen bespickter Fuß, tastete sich immer ein Stückchen vor, zog sich dann jedoch wieder zurück.
Der junge Magus entspannte sich, ließ seine Augen weiten, schaute jedoch weiter ausdruckslos. Die Harphye sah zurück auf den Kadaver. Was ihr wohl gerade entging. Sie hatte schließlich nur das kleine Stück Leber.
Plötzlich, aus heiterem Himmel, flatterte sie wild mit den Flügeln, hob ab und schwang sich in die Lüfte. Arctus stockte der Atem, als sich der Vogel nur wenige Zentimeter vor ihm wieder zu Boden ließ. Was sollte er nun tun? Nichts, er hockte immer noch wie versteinert auf dem Boden und sah die Kreatur an, als würde sie von einem anderen Stern kommen.
Das wabbernde Stück Fleisch bewegte sich auf Arctus zu. Der Kopf der Harphye berührte nun fast sein Gesicht. Er konnte ihren Atem spüren, ihre faulige Aura, ihr Federn kitzelten seinen Arm. Gänsehaut kroch den Nacken hoch. Herzen schienen stehen zubleiben und knisternde Nerven standen kurz vor der Entladung. Die feuchte Leber löste sich aus dem Maul und klatschte unsanft auf die kleinen Hände des Jungen. Der Kopf, der nun groß wie die Erde zu seien schien, zu kurz vor den Pupillen des Jungen seiend, fuhr ein Stück nach oben. Ein harter Schnabel drang in das schwarze nun durch den Wind wirr umher flackernde Haar und fuhr sanft über die Kopfhaut des Jungen. Die Flügel der Harphye breiteten sich auf und umschlossen den kleinen Körper Arctus’. Dieser verhaarte immer noch in Stille. Das Fleisch rutschte zwischen seinen Fingern hindurch, viel zu Boden. Arctus erwachte, blieb ruhig. Fassungslos konnte er auf den Körper des Vogels sehen. Unter dem Federpanzer wirkte auch er gebrechlich und schwach. Der Zeigefinger des Jungen fuhr hervor, näherte sich dem Brustkorb und strich langsam und sanft an der unbehaarten Stelle entlang. Endlose Sekunden der Zärtlichkeit erfüllten die Welt. Arctus nahm nun seine andere Hand fuhr damit um den Vogel herum, um ihn auch in dem Armen halten zu können. Für einen winzigen Augenblick fühlte er sich geborgen, vergass die Anspannung, vergass Sorgen, vergass Bösartigkeit, vergass alles. Er war hier und nicht mehr. Was interessierten nun andere Sachen, dieser Augenblick war wohl das bisher schönste, was er erleben durfte.
Ein Krächzen hallte über die Berge. Flügelschläge kamen näher und eine weitere Harphye näherte sich. Bedrohlich aufpusten, schritt sie auf die Beiden zu und kreischte abermals laut. Die Arctus’ umarmende Harphye löste sich langsam, sah den Jungen noch einmal aus tiefen nachtschwarzen Augen an und wandte sich ab. Arctus hockte immer noch starr da und bemerkte gar nicht, dass sich eine zweite Harphye hinter ihm niedergelassen hatte. Diese richtete ihren scharfen Blicke auf den Jungen, blieb einen Augenblick ruhig stehen und sprang dann auf den Magus zu. Eine kralle bohrte sich tief in den Arm des Jungen. Kurz danach hob die Harphye vom Boden ab und nahm Arctus mit sich. Der Junge schrie laut auf. Sein ganzer Körper spannte sich, erstarrte, nur seien Stimmbänder arbeiteten auf Hochtouren.
Die liebevolle Harphye drehte sich erschrocken um, schrie ebenfalls auf und katapultierte sich in die Luft, um auf Arctus# Schänder einzuhacken. Dieser ließ erschrocken den Jungen aus dem eisernen Griff und so fiel er mehrere Schritte tief zu Boden.
Auch die dritte Harphye erhob sich nun und der unfaire Luftkampf, zwei gegen einen, begann. Die eigene Rasse bekriegt sich untereinander, fetzt sich Fleisch vom Körper, krallt sich die Augen aus... Wie der Mensch. Der Mensch, stößt die selbigen auch aus, verstößt anders denkende, anders aussehende, anders seiende, aus Angst, Hochmut oder was auch immer. Die zivilisierte Bevölkerung handelt wie die unterentwickelte Tierwelt. Arctus erkannte, unter all den Schmerzen, dass auch er nur ein Gebilde der Natur war und nach ihren Gesetzen handelte. Alle taten dass, doch nur der Mensch will es nicht zugeben. Schwerter werden auch bei ihm geschwungen, unschuldige werden getötet unter Vorwänden, wie den Göttern, der Rache und so weiter.
Arctus drohte bewusstlos zu werden. Blutige Federn rieselten auf ihn herab, wie Schneeflocken und bedeckten seinen Körper. Währendessen legte der Kampf sich. Die Harphye, die Arctus so wohl gesonnen war, schien die Anderen in den Abgrund gejagt zu haben. Schwere Wunden klafften aus allen Körperteilen, gaben Blut ab, und verunstalteten den sonst so schön wirkenden Körper. Der Vogel plumpste erschöpft neben Arcus zu Boden.
Während der junge Magus seinen Kopf zur Seite, auf den Vogel, wand, rutschte eine Feder seine Stirn hinab und hinterließ einen dunkelroten blutigen Streifen. Des Harphyes Kopf lag ebenfalls am Boden, seitlich auf Arctus gerichtet und blickte ihn an. Nur langsam hob und senkte sich derer Brustkorb ein Flügel schien gebrochen zu sein, weshalb sie nun auch unfähig war sich weiter zu bewegen.
Genau wie Arctus. Nur sein Wahrnehmung schien zu arbeiten, der Rest regte sich kein bisschen. Aus traurigen Augen betrachtete auch er den Vogel, der sich so zu quälen schien. Wieso hatte er den Jungen gerettet? Wieso setzte er sein Leben für ihn ein?
Arctus musst schluchzen. Soviel Einsatz, nur für ihn, das hatte nicht mal ein Mensch für ihn aufgebracht. Seine Blicke streichelten die der Harphye, versuchten sie zu beruhigen, zu erlösen, denn diese lösten sich langsam aus dieser Eben, schienen auf etwas anderes zu starren und schlossen sich schließlich. Sie hörte auf zu atmen.
Eine einzelne Träne verirrte sich aus dem Auge Arctus’ und rann über die Nase hinab, um schließlich auf dem Boden zu vergehen. So schnell hatte er etwas gewonnen und schon wieder verloren. Wie schon so oft, spielte das Leben einen Streich mit ihm.
Noch Stunden lag er so da, dachte über alles nach, trauerte und dachte wieder. Erst spät am Abend konnte er die Federdecke von sich lösen. Sein Arm war mittlerweile Taub, nichts war mehr zu fühlen. Er steckte sich ein paar der Federn in den Ärmel, streichelte der toten Harphye noch einmal über den Kopf und ging.
Nein, er ging noch nicht. Die Leber lag gerade genau vor ihm. Das Geschenk des Vogels... zu schade um es liegen zu lassen.
15.06.2003, 17:19 #241
Scipio Cicero
Beiträge: 1.638

Mit geschlossenen Augen führte Scipio langsam eines der kleinen Gefäße zu seinem Mund und mit ein bis zwei schnellen Schlücken ließ er den Trank seine Kehle hinabrinnen.
Der Geschmack war gewöhnungsbedürftig, wenn auch nicht wirklich schlecht. Hastig nahm der Waldstreicher Fläschchen um Fläschchen, wicklete sie einzeln in kleine Stoffetzen um ihnen ein bisschen Schutz zu gewähren und legte sie sorgfältig in die Innentaschen seiner Rüstung.

Dann allerdings setzte die Wirkung derb Rauschmittel ein und wenn Scipio nicht schon mehrmals Abhängig von allen möglichen Mixturen gewesen wäre, könnte er jetzt wohl nicht mehr so gut gehen. Zumindest fand er den Ausgang des Kastells. Was hatte der Don bloß alles da rein gemischt? Das Gebräu würde sie nicht schlecht verkaufen.

Schließlich aber schritt der Gildenlose durch die Tore des prächtigen gebäudes. Die Sonne stach ihm ungwöhnlich grell ins Auge, doch irgendwie schien er alles deutlicher wahrzunehmen. Jeder einzelne Meter den er ging spürte er noch Sekunden später...und auch das stechen in seinem neuen Arm war nicht schlecht. Es war wie ein lautes Pochen das den Waldstreicher ständig begleitete. Nicht eine Sekunde ließ es ihn in Ruhe.
Scipio biss die Zähne zusammen und ging weiter. Die Rauschmittel ließen ihn das schlimmste ja auch wieder vergessen.
Sein Weg führte ihn nach Gorthar, genauer in die dort gut versteckte Zitadelle der Dämonen. Der Windfetzer würde bald ihm gehören. Er hatte es ihm Gefühl.

Als er sich bereits in der Nähe des Minentals befand ließen die Nebenwirkungen des Trankes nach und er konnte wieder ganz klar denken.
Einen Gefallen schuldete er dem Kastell also? Großzügig nannte der Don das? Tja, so hörte es sich vielleicht anfangs an, doch Scipio wusste genau was das zu bedeuten hatte. Irgendwann würde er sein Leben für das Kastell leichtsinnig aufs Spiel setzen müssen. Dch tat er das nicht auch gerade jetzt und das nur für ein Schwert? Tat er das nicht schon seit Jahren wegen irgendwelchen Nichtigkeiten, die dem Kastell beiweitem nicht das Wasser reichen konnten.

Doch dieser Gefallenw ar jetzt nicht wichtig. Für den Waldstreciher zählte jetzt nur noch Gorthar, die Zitadelle und vor allem:
Der Windfetzer
15.06.2003, 21:16 #242
Alei
Beiträge: 569

Heute war es günstig. Die Kräuter mußten im Licht des abnehmenden Mondes gepflückt werden und durften nach dem Pflücken nicht mehr der Sonne ausgesetzt werden. Heute Nacht würde er hoffentlich alles finden, was er brauchte. Vorsichtig hatte er sich alle wichtigen Informationen aus dem Buch herrausgeschrieben und das Pergament gut verwahrt. Nun griff er sich noch eine kleine Ledertasche und verließ dann sein Zimmer. Die Treppen hinab und durch den Gang, recht, links und er war da. Die Eingangshalle war finster wie immer, trotz der Fackeln, die hier überall hingen. Alei hatte sich inzwischen daran gewöhnt, obwohl er das Gefühl nicht los wurde, dass die Eingangshalle jedes Mal ein wenig anders war, wenn er sie erneut betrat. Schulterzuckend trat er an das Tor und verließ durch dieses das Kastell auf Kräutersuche.
16.06.2003, 14:34 #243
The_Nameless
Beiträge: 1.130

Verwirrt schritt Less durch die dunklen Gänge, hin und wieder erleuchteten die düsteren Kerzen, die in regelmäßigen Abständen an der Wand angebracht waren, die schwarzen Wände. Ansonsten drang lediglich der seltsame Glanz des goldenen Streifens, der ungefähr in Kopfhöhe an der Wand entlang verlief, durch die Dunkelheit. Doch das reichte nicht aus, um sich daran zu orientieren. Less hatte sich verlaufen. Die Gänge wirkten immer länger, sie schienen kein Ende zu nehmen, fast so, als wollte das Kastell verhindern, dass er wieder zurück auf den richtigen Weg fand. Er konnte sich an keine der seltsamen Bilder, welche er auf seinem Weg an den Wänden erblickte erinnern doch schmerzte sein Kopf bei jedem Betrachten von neuem.
Ziellos wankte er durch das Gebäude, versuchte irgendwie einen Anhaltspunkt zu finden, der ihn zurück zur Eingangshalle führte.

Nachdem er endlich, es war mit Sicherheit schon eine halbe Stunde vergangen, zurück in die Eingangshalle fand, war er vollkommen erschöpft. Die steinerne Statue des Dämonen, welche abschreckend die Halle schmückte, vielleicht sogar beschützte, stand regungslos auf ihrem Podest. Es schien, als würde sie jede einzelne seiner Bewegungen genau beobachten, jeden seiner Schritte verfolgen. Man konnte jederzeit die Anwesenheit einer fremden Macht spüren, niemals war man in diesen Gemäuern alleine, und dennoch immer auf sich alleine gestellt...
Langsam bewegte er sich auf das blutrote Pentagramm, welches den Boden in der Mitte der Halle komplett ausfüllte, zu. Während sein Kopf sich suchend nach allen Seiten wandte, blickten Less' Augen ziellos in die weite Leere. Auch wenn sein Körper noch über einige Kräfte verfügte, so war sein Geist wie ausgelaugt. Seine, von den starken Kopfschmerzen, welche ihren Ursprung in den seltsamen Gemälden hatte, schwer strapazierten Gedanken wollte nun endlich Ruhe finden. Angestrengt versuchte er sich an den Weg, der zurück zu seinem Gästezimmer führte, zu erinnern. Erst nach langem Nachdenken meinte er, den die richtige Abzweigung aus der schwach beleuchteten Eingangshalle erkannt zu haben.
Erleichtert, endlich einen Ausweg aus seiner Situation gefunden zu haben, schritt er den, wie schon gewohnt, dunklen Gang entlang. Durch eine Tür auf der rechten Seite sah er das große Refektorium, in welchem sich derzeit aber niemand aufzuhalten schien, zumindest konnte er in dem matten Dämmerlicht keine Person erkennen. Dennoch schloss er daraus, auf dem rechten Weg zu gehen.
Nachdem er wiedereinmal um eine der vielen düsteren Ecken gegangen war, fand er endlich die Tür zu der kleinen Kammer, die ihm die Bewohner des Kastells zur Verfügung gestellt hatten.
Die Runen, die die hölzerne Tür zierten, hatten sich ebenfalls Verändert, langsam begann er zu erkennen, welche dunkle Macht auf diesen Mauern lag, doch war er noch lange nicht so weit, ihr komplettes Ausmaß und ihre komplette Stärke zu verstehen.
Mit einem Anflug von Fröhlichkeit durchschritt betrat er das Zimmer. Sanftes Mondlicht schimmerte auf dem kleinen Spiegel, der einsam an der schwarzen Wand angebracht war, und hüllte den ganzen Raum in diesen silbrigen Glanz, der alleine dazu fähig war, Less' Gedanken zu beruhigen.
Gemächlich begann er, seine neuen Kleider wieder auszuziehen, versuchte dabei, auch seine Gedanken endlich abzuschütteln, was ihm allerdings nicht gelang.
Erschöpft sank er in das angenehm weiche Bett und begann sich langsam zu entspannen. Müde schloss er seine glasigen Augen. Während er noch lange über das Erfahrene nachdachte, schlief Less dennoch irgendwann tief und fest ein...
16.06.2003, 20:16 #244
Linky
Beiträge: 3.168

Äh ja, genau, was war das eigentlich?
"Also, das ist - wie soll ich sagen", sprach der Händler stockend, "wir Söldner sagen dazu - ähm..."
Linky wusste tatsächlich nicht mehr weiter und beschloss, Müdigkeit anzutäuschen. Obwohl, wenn er sich recht besinnte, war er sogar müde. Der Söldner gähnte laut und ausführlich, sodass es durch die dumpfen Hallen des Kastells hallte und schließlich in einer assymetrisch verwinkelten Ecke verstummte. Unüberhörbar für nähere Gesellschaft. Der stets freundliche HoraXedus verstand die Andeutung und erhob sich sofort von seinem Platz.
"Dann werde ich dir mal die Schlafgemächer zeigen", murmelte der Schwarzmagier und bewegte sich langsam Schritt für Schritt zu den Gästezimmern. Der Söldner folgte ihm ohne ein Wort und schaute sich interessiert um. Das Kastell war wirklich ein Meisterwerk. Das Zusammenspiel aus fabelhafter Architektur, atemberaubender Raumeinteilung und genialer Ausstattung faszinierte Linky, der sonst nur mit einfacher Architektur zu tun hatte.
"Meinen Karren kann ich doch am Eingang stehen lassen?", bemerkte er beiläufig, erwartete aber gar keine Antwort. Hier im Kastell erwartete man einfach, dass eine goldgierige Statue oder ein stupides Skellet darauf aufpasste.
"Ähm ja", antwortete ihm HoraXedus ebenso beiläufig und fuhr etwas lauter fort: "Hier sind die Gästezimmer. Dort sind die für hohen Besuch und hier für das gemeine Volk."
Soso, Linky war also gemein. Gemein? Gemein!? GEMEIN!!
Leicht eingeschnappt betrat er ein Gästezimmer für das gemeine Volk und ließ sich dort sogleich häuslich nieder. HoraXedus schickte er noch eine Nachtgrußformel auf den Weg und anschließend ließ er sich ohne weitere Anstände auf dem kuscheligen Bett nieder. Eine atmosphärische Lampe erhellte zwar den Raum, störte aber nicht den Schlaf. Luxuriös, fuhr es Linky noch durch den Kopf, da fielen die Lider hinunter und er schlief tatsächlich ein.
16.06.2003, 21:32 #245
Alei
Beiträge: 569

Das Tor öffnete sich mit einem lauten Quietschen und gab dem Magier den Weg frei. Kaum hatte er es durchquert, da schloss es sich hinter ihm nicht minder geräuschvoll. Komisch, bei anderen Magiern hatte er schon gesehen, dass sich das Tor geräuschlos öffnete und schloss. Das Kastell war schon sehr merkwürdig. Zunächst brachte er die Tasche mit den Kräutern in sein Labor, wo er sie sorgsam in einer großen, eisenbeschlagenen Truhe verschlos. Hier würden die Kräuter vor dem Sonnenlich so gut geschützt sein, wie ein Fisch im Meer vor dem Feuer.

Sorgsam verschloss er sein Labor wieder, bevor er sich auf sein Zimmer begab. Das letzte Kraut... wo konnte man es finden? Er hatte schon oft von einer "Kräuterhexe" gehört, die in der Nähe von Onars Hof wohnen sollte. Vielleicht würde er sich bei Zeiten mal etwas umhören. Er schloss die Tür hinter sich, als er sein Zimmer betrat, und hielt inne... Dort war eine Schnitzerei auf seiner Tür, die vorher nicht da gewesen war. Es war ein Auge und es... er blinzelte. War das Auge nicht gerade noch geschlossen gewesen? Nun sah ihn dieses gefühllose und leere Auge mit seiner großen Pupile an. Sein Blick hatte etwas hypnotisches... ach quatsch! Das bildete er sich alles nur ein.

Bald darauf löschte er die Lichter in seinem Zimmer und entschlummerte sanft ins Reich der Träume, wo alles noch gut und richtig war. Zumindest meistens...
18.06.2003, 20:38 #246
Alei
Beiträge: 569

Alei verließ sein Zimmer und stieg die Treppen hinab ins Erdgeschoß. Heute war der Tag, heute würde er diese Sagitta finden, die Kräuterhexe, die ihm sicher die letzte Zutat für seine Mixtur besorgen konnte. Hoffentlich war es so. Er machte noch einen kurzen Besuch im Refektorium, wo er sich etwas Wegzehrung mitnahm, und begab sich dann in die Eingangshalle, wo sich das Tor ohne weiteres für ihn öffnete und sich hinter ihm wieder schloß.
18.06.2003, 21:48 #247
Alei
Beiträge: 569

Das Tor öffnete sich wieder und Alei trat hindurch. Hinter ihm schloß sich das Tor wieder, und er begab sich auf dem schnellsten Weg zurück auf sein Zimmer. Was hatte sie damit gemeint, dass etwas schreckliches passieren würde? Hätte diese Frau nicht etwas genauer sein können mit ihren Vorraussagungen? Nein, wahrscheinlich nicht. Ihr Interesse galt ganz der Pflanze, und dafür war eine genauere Vorhersage unnötig. Während Alei weiter darüber nachdachte, schlief Alei sanft ein.
18.06.2003, 23:37 #248
The_Nameless
Beiträge: 1.130

Selig und ruhig schlief Less in dieser Nacht, keine Schmerzen, die ihm den wenigen Schlaf raubten, keine qualvollen Albträume, die ihn immer wieder aus seinem ohnehin schon unruhigen Schlaf erweckten.
Völlig entspannt lag er in dieser Nacht, eingewickelt in die weiche wärmende Decke, auf seinem bequemen Bett und erlangte nach so langer Zeit endlich einmal wieder den so nötigen erholsamen Schlaf.
Nur das leise Wispern des Windes nahm seinen besänftigenden Weg durch die Dunkelheit des kleinen Gemachs, während ab und zu die leicht geöffneten Fenster bis an die schwarzen Mauern des Kastells schwangen und mit einem kaum hörbaren Klappern die angenehme Stille durchbrachen.
Dennoch war er nicht alleine. Auf dem langen unergründbaren Weg durch seine Gedanken, durch seine Träume war er nicht einsam. Etwas war bei ihm. Schon so oft gefühlt und doch unbekannt durchstreifte es mit ihm zusammen die verzwickten Wege seiner Seele.
Besänftigend sprach eine milde Stimme ihm immer wieder neuen Mut zu, während er sich immer weiter in die unerforschten Bereiche seines eigenen Ichs vorwagte.
Und dennoch fand er keine Antwort auf all seine Fragen, aber etwas war anders als sonst, denn er war nicht alleine.
„Folge mir, dein Weg ist lange, doch dein Wille ist stark. Eines Tages wirst du finden, was du nun schon so lange suchst.“
Und obwohl er keinen Grund dafür hatte, so wusste er dennoch, dass er dieser Stimme vertrauen konnte. Sein Schicksal war auf seltsame Weise mit dem ihren verbunden, und so würde er ihr folgen, zu einem ungewissen Ziel ... Leben ... oder Tod ...

Langsam öffneten sich Less Augen, die seltsam angenehme staubig und modrige Luft drang an seine Nase, zufrieden sog er sie tief in seine Lungen. Eingetaucht in die glänzenden rot-orangen Strahlen der untergehenden Sonne, reckten sich die dunklen Gemäuer des Kastells in den tiefblauen Himmel. Es war, als hätte die Zeit an diesem Ort ihren genz eigenen Willen, der Tag neigte sich erneut seinem Ende zu.
Das schaurige Kreischen einiger Krähen klang von hoch oben in die kleinen Kammern des Gebäudes, wo es allmählich dafür sorgte, dass Less entgültig aus seinen sonderbaren Träumen zurück in die wahre Welt der Lebenden fand.
Das eisige Wasser aus einem Eimer, welcher direkt neben seinem Bett zu finden war, verschwand auch das letzte Merkmal der vergangenen Nacht aus seinen nun wieder erwachten Augen.
Während die scheinbar unergründlichen dunklen Augen in die weite Leere des Himmels starrten, begann Less damit, seine Kleidung wieder anzulegen. Völlig unkontrolliert fiel ihm das kurze Haar auf die matte Stirn.
Gepackt von einer außergewöhnlichen Neugierde erhob er sich endlich von seiner weichen Matratze. Die hellen Strahlen der Sonne, gebrochen in den dicken Gläsern der Fenster, warfen ein buntes Gemisch aus allen erdenklichen Farben auf das sture Schwarz seiner Tunika. Fasziniert betrachtete er dieses Schauspiel, wie die Dunkelheit unaufhaltsam ihren Sieg über das grelle Licht der Farben errang, wie sie diese ohne jeglichen Wiederstand einfach verschlang, restlos, als seinen sie nie da gewesen...
Die nur durch einige Kerzen unterbrochene Dämmerung in den Gängen des Kastells störte ihn keineswegs, beruhigt durchquerte er die Dunkelheit als hätte er nie etwas anderes gekannt, immer dem düster schimmernden goldenen Streifen entlang, vorbei an den teilweise wirklich kranken Bildern, die noch immer quälende Kopfschmerzen in ihm auslösten.
Während er ruhigen Schrittes die große Eingangshalle erreichte, schien es, als würden seine Füße völlig unkontrolliert ihren eigenen Weg wählen, immer in Richtung Norden, vorbei an dem schwach leuchtenden Pentagramm, vorbei an dem starr blickenden Wächter dieser Halle, welcher schon so lange regungslos auf seinem steinernen Podest stand, führten sie ihn auf einen lichten Hof. Ein riesiger Baum zierte die Mitte des Platzes, umgeben von einer massiven hölzernen Bank, begleitet von einem seltsam anmutenden Brunnen.
Obgleich der Sonderbarkeit dieses Ortes war Less sofort von seiner unabstreitbaren, unvergleichlichen Schönheit gefesselt.
Die Augen erfüllt von einem fast unnatürlichen Staunen, trat er ehrfürchtig in den langen Schatten der uralten Esche.
Während er langsam auf der Holzbank Platz nahm, lauschte er den alten Erzählungen, die der Wind ihm auf seltsame Weise zutrug. Das leichte Rascheln der schaukelnden Zweige und Äste hatte seine ganz eigene Geschichte. Mit geschlossenen Augen lauschte er den mächtigen Worten der alten Esche, welche ihn daraufhin an ihrer unendlichen Weisheit teilhaben ließ...
19.06.2003, 00:54 #249
Don-Esteban
Beiträge: 9.734

Die Zweige der Esche schlugen gegen die Scheiben des Fensters. Ein Luftzug hatte sich wohl in den Innenhof des Kastells verirrt und ließ sich nun an der weit aufragenden Krone des immergrünen Baumes aus.
Don-Esteban sah auf. Er hatte einige alte Aufzeichnungen durchgesehen, Notizen, die er einst, bei seiner Reise durch die Welt Beliars vor über einem Jahr gesammelt hatte. Irgendwo lagen auch noch die Mitbringsel dieser Reise. Irgendwo in den Regalen oder in einer Truhe. Lange hatte er nicht mehr an die damaligen Ereignisse gedacht. Sie hatten dazu geführt, daß sich Meditate dem Kastell und seinen Magiern angeschlossen hatte, damals, als es noch im Minental unter der Kuppel stand. Doch das war lange her.
Don-Esteban sah auf. Etwas hatte ihn aus seiner Nachdenklichkeit gerissen. Achja, die an die Scheiben klopfenden Zweige. Als ob sie eingelassen werden wollten. Unwillkürlich mußte er lächeln. Es war ein seltsamer Gesichtsausdruck, der so gar nicht zum sonst so finsteren Antlitz des Nekromanten passte. Doch hier in seinem Zimmer bemerkte es auch niemand, so daß es nichts ausmachte, hier die sonst immer präsente Maske für einige Augenblicke abzulegen.

"Was wollt ihr denn hier drin, so ganz ohne Licht und Luft. Ich werde hinauskommen."
Entschlossen stand er auf, raffte dabei noch all die Papiere zusammen, die auf dem Tisch ausgebreitet lagen und steckte sie in eine offene Schublade. Schnell war die Tür erreicht und bald hatte er sein kahles, einfaches Zimmer hinter sich gelassen, um durch die Gänge zu laufen und den Innenhof mit der wunderbaren Esche zu erreichen.
Die Luft dort war mild und das wenige Licht, das Mond und Sterne der Erde schenkten, tauchte die Mauern ringsum in ein silbernes Glitzern. Am hellsten leuchtete die Oberfläche Brunnens, wo das Wasser nur so funkelte und glitzerte, daß es eine wahre Pracht war.
Und selbst die Rinde der Esche war mit einem Mantel von silbernen Fäden umgeben, die aus dem Licht gesponnen waren, das hierher fiel.
Leise krächtzten die Ragen im Halbschlaf. Erzählten sie sich irgendwelche Geschichten? Niemand wußte es. Umso langsamer wurden die Schritte des Magiers, je mehr er sich der Esche und der Bank, die einmmal rund um ihren Stamm lief, näherte. Saß dort nicht jemand? Hatte noch jemand die wunderbare Nacht dazu benutzt, sich hier seinen Gedanken hinzugeben.
Ja, es war der Mann, den er neulich in der Taverne gefunden hatte. Leise trat Don-Esteban hinzu und sprach ihn an:
"Du hast also diesen wunderbaren Platz ganz allein gefunden? Darf ich mich dazusetzen?"
Und ohne noch eine Antwort abzuwarten, setzte er seinen Wunsch sogleich in die Tat um.
"Dies hier ist auch einer meiner liebsten Plätze. Es gibt einige davon im Kastell. So sehr die Magie auch durch die Mauern des Gebäudes flutet, hier scheint das Zentrum zu sein. Ich sitze manchmal hier und lasse meine Gedanken treiben. Und es ist jedesmal eine wunderbare Erfahrung."
Er hatte sich mittlerweile neben dem Neuankömmling niedergelassen und kam nun zu seiner eigentlichen Frage: "Was hast du in der Taverne gemacht, als ich dich gefunden habe? Warum hattest du den Namen Beliars auf den Lippen?"
Die rauhe Rinde fühlte sich vertraut an, wie sie im Rücken des Schwarzmagiers ihre Anwesenheit verkündete, als er sich gegen den Stamm lehnte. Er spürte wohl jeden einzelnen Buckel. Doch es war eine vertraute Berührung.
19.06.2003, 01:51 #250
The_Nameless
Beiträge: 1.130

Der Mond warf seinen silbrigen Glanz auf die wunderschönen Bodenmuster des Innenhofs, und obgleich es lediglich normale matte Steine zu sein schienen, so wirkten sich dennoch, als würden sie selbst im traumhaften Schein der Nacht funkeln, und dem Mond einen Teil seines Scheins zurückgeben.
Doch Less bewegte sich in seiner eigenen Welt, versunken in unbegreiflichen Gedanken, ausgelöst durch eine Macht, die er nichteinmal kannte, die zu ihm sprach, der er dennoch vertraute...
Sein Weg schien nun so eindeutig, die Antwort auf so viele Fragen so naheliegend. Und doch wurden sein Denken von einer völligen Leere und Unwissenheit beherrscht, angeführt von der ewigen Suche nach sich selbst.

Ein leiser, monotoner Ton entriss ihn aus seinen Gedanken. Ein völlig unnatürliches Geräusch erklang in Mitten des sanften Hauches der raschelnden Blätter, vertrieb das leise Wispern des sonst so stummen Windes.
Es schien als würde jedes Geräusch, jede Bewegung, jeder Gedanke zur Seite weichen, als würden sie durch die alleinige Anwesenheit dieser dunklen Aura weggetrieben, welche sich langsam vor den riesigen grünen Zweigen der alten Esche ausbreitete.
Nur sie alleine schien ihr standzuhalten, während sie weiter jeden an ihrer Erfahrung teilhaben ließ, der sich dazu entschloss, ihren Geschichten zuzuhören...
Schwer erkennbar glitt ein Wesen durch den weiten Schatten des Kastells, bewegte sich unaufhaltsam auf den großen Baum zu.
Es schien, als würde die Luft dicker, die Finsternis immer übermächtiger.
Ein seltsames Gefühl breitete sich langsam in Less Gedanken aus, vertrieb jeglichen Anflug von Furcht und Panik. Ihm war, als würde die vertraute Stimme wieder zu ihm sprechen, direkt aus seinen Träumen ... Vertrauen, er musste vertrauen...
Die langen weißen Haare wirbelten völlig unkontrolliert über den schwarzen Glitzern der dunkeln Robe. Völlig frei, durch nichts einzufangen...
Gebannt von der so bekannten Aura des Fremden starrte Less in dessen tiefe Augen. Dieser Mann hatte ihn hierher geführt, ihn bis zum Beginn seiner Suche geleitet, und doch sind durch ihn nur noch mehr Fragen in Less’ Gedanken zum erwachen gekommen.

Mit einer fast unheimlichen Ruhe erwiderte der seltsame Mann seinen tiefen Blick, mit stechendem Blick forschte er tief in der ewigen Dunkelheit von Less’ Augen.

"Was hast du in der Taverne gemacht, als ich dich gefunden habe? Warum hattest du den Namen Beliars auf den Lippen?"

Erinnerungen traten kamen erneut in ihm auf, der schon fast vergessene Tod seines Bruders erschien erneut in schmerzhaften Bildern vor seinem gequälten inneren Auge.
Er hatte versucht den Gott der Toten um Gnade zu bitten, versucht, seinen Bruder zurück ins Reich der Lebenden zu holen ... oder war dies alles nur ein Vorwand?
Hatte er eigentlich nur nach sich selbst gesucht, nach seinem eigenen Schicksal?
War er nicht schon die ganze Zeit dabei, sich selbst zu suchen, egal mit welchen Mitteln.
Vertrauen ... er musste vertrauen...

„Der Herr der Finsternis ist mein Schicksal, meine Zukunft,“ Less machte eine kleine Pause, für einen Moment schien es so, als würde die Zeit stillstehen. Die beiden Männer sahen sich nur in die Augen, ohne jegliche Regung, ohne jegliche Gefühle...
„Ich habe nach Antworten gesucht ... Mit seiner Kraft werde ich sie eines Tages finden...“

Eine kühle Brise strich sanft über Less Wangen, das leise, aber dennoch beständige Plätschern des Brunnens durchklang die schwarze Nacht, während der helle Mond die ewigen Blätter der Esche in seinen silbrigen Glanz hüllte...
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