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Die Oberstadt # 3
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28.03.2004, 11:41 #251
Samantha
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Sie hatte es doch tatsächlich noch in ihr Bett geschafft.
Samantha hatte keine Ahnung wie sie gestern nacht noch nach Hause gekommen war, doch sie erwachte eindeutig in ihren vier Wänden und neben ihr in den Kissen lag auch kein komischer Kerl, dessen Namen sie nicht kannte. So schlimm konnte es also nicht gewesen sein mit ihr.

Sie stand beruhigt auf, wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser und scheuchte somit den stechenden Kopfschmerz weg, der sie bereits kurz nach dem Erwachen befallen hatte. Endlich konnte sie sich auch wieder die gewohnte Rüstung anziehen, auch wenn diese sich jetzt wieder merklich ungewohnt anfühlte. Sie hatte sich an die Leichtigkeit gewöhnt und an die Freiheit des Körpers. Jetzt wurde er wieder in Drachenschuppen und Erz gepackt und wehrte sich merklich dagegen. Nach einem Zerren und Ziehen jedoch saß die schimmernde Rüstung wieder an ihrem Fleck und Samantha ging noch etwas schwerfällig aus der Tür.

Draußen strahlte die Sonne herab und ein blauer Himmel begrüsste die Stadt. Dennoch war es recht frisch. Samantha fröstelte ein wenig.
"Hey Sammy, hätte nicht gedacht dass du schon aus dem Bett gefallen bist!", rief da eine bekannte Stimme und Vanah schloss sich ihr an.
Samantha drehte den Kopf und schaute die junge Ritterin fragend an. "Warum?"
Vanah lachte nur. "Na so wie du gestern drauf warst...der arme Ferox wäre fast umgefallen unter deiner Last."
"Was?!"
Vanah lachte nur noch mehr. "Sag bloß du kannst dich nicht mehr erinnern. Ihr habt getanzt und irgendwann hat eigentlich nur noch er getanzt und dich mitgeschleift. Ich weiß nicht mehr genau was dann war, ich war selbst recht beschäftigt..." Sie räusperte sich merklich. "...aber irgendwann hab ich dich dann aufgelesen und nach Hause geschleppt."
So war sie also nach Hause bekommen. Samantha kratzte sich am Kopf und versuchte sich zu erinnern. "Ich weiß noch dass wir getanzt hatten...war ich sehr schlimm?", fragte sie die Freundin besorgt.
"Naja, nicht schlimmer als sonst auch", erwiderte diese und ließ Samantha mit einem frechen Grinsen im Ungewissen.

Zusammen verließen sie das Oberviertel und machten sich auf den Weg zum Marktplatz.
28.03.2004, 13:29 #252
Kano
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"Ha, fertig! Ich habe Dreizehntausendeinundertundfünf und du?"
Miraweth schaute erfreut über diese Menge Gold zwischen den Münzentürmen hindurch zu Kano. Dieser legte gerade die letzten Goldstücke weg und schrieb die Zahlen dann auf.
"Zwölftausendachthundertfünfzehn."
Der Paladin lehnte sich zurück und rechnete die Zahlen mit dem zusammen, was er bereits vorher abgezählt hatte.
"Macht zusammen Fünfundvierzigtausendachtunddreißig. Da hat sich unser Schmied wohl verzählt. Oder er hat ein Trinkgeld dazu gelegt. Aber ich glaube es fast nicht, so geizig wie er sich gab."
"So viel Gold, was machen wir damit?", sie träumte schon von den phantastischsten Sachen.
"Nun, das gehört der Stadt, wir können also nichts direkt damit anstellen. Aber es ist ja nicht so, dass wir es nötig hätten."
Der Statthalter zwinkerte Miraweth wissend zu und füllte dann das letzte Gold in die Ledersäckchen ab, verstaute es in der geheimen Kammer und verbarg diese dann wieder mit dem Regal, diesmal allerdings sorgfältiger.

Miraweth hatte ihm ungeduldig zugeschaut und blieb dann dicht vor ihm stehen, nachdem er fertig war.
"Gehen wir jetzt wieder auf das Fest, ja?"
"Hmm na gut, wir haben die Arbeit ja geschafft, also warum nicht."
"Fein, mal schauen was ich heute anziehen werde. Und du zieh wieder die schicke Uniform an."
Sie zwinkerte ihm zu und verschwand dann nach oben. Der Paladin sah ihr kurz nach und sah sich dann um. Die Uniform sollte er anziehen, nun gut, wenn sie es so wollte, wie könnte er ihr das abschlagen. Also begab auch er sich nach oben um sich umzuziehen. Zumindest die Arbeit war getan, nun war wieder Zeit zum Feiern...
29.03.2004, 19:47 #253
Thorus
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Ein paar Tage verstrichen bis der seltsame Fremde und Thorus mit dem Training beginnen konnten. Sie waren im hinter dem Rathaus im Garten wo kaum jemand sie beobachtete.

Thorus: "So, zu Anfang zieh erstmal deine....Waffe..."

Sein gegenüber zog sein Schwert und hielt es etwas unbeholfen in seinen Händen.

Thorus: " Du musst es so halten. Die linke Hand an der Klinge und die andere fest am Griff. Ja...schon besser, nun beginnen wir mit einer einfachen Übung. Di schwingst dein Schwert einfach nur von links nach rechts. aber die Spitze der Klinge muss immer Schulterhöhe erreichen, ansonsten hat die ganze Ügung keinen Sinn. Also los, tu das."



Und sein Lehrling fing an , wie ihm gesagt wurde.
30.03.2004, 14:35 #254
Yenai
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Yenai wedelte begeistert mit seinem Holzschwert in der Luft herum. Einfach immer hin und her, das ging ganz leicht. Es konnte sich nur noch um Stunden handeln, bis er ein wahrer Meister des zweihändigen Kampfes war. Dann konnte er endlich ein richtiger Held sein und noch größere Drachen töten, noch verlorenere Städte entdecken und noch jungfräulichere Jungfrauen retten. Tolle Sache.
Außerdem würde blutfeuer sicher von einem Riesenschwert-schwingenden Paladin noch viel begeisterter sein als bisher, falls das überhaupt möglich war.

Die Leute im Oberen Viertel jedoch schienen wenig angetan von seinem Aussehen. Ob das an der Lehrlingskutte des Zirkels (die er natürlich nicht aus Geldmangel trug, sondern um imkocknito zu bleiben) zusammenhing? Natürlich, das niedere Volk erkannte gar nicht, um wen es sich hier handelte. Man musste dem Pöbel seine Unwissenheit verzeihen, schließlich war die Tarnung tatsächlich nahezu perfekt. Außerdem kamen hier so wenige Leute vorbei, dass er sowieso nur selten böse Blicke zugeworfen bekam.

Langsam spürte er, wie das Schwingen an den Kräften zu zehren begann. Sollte der Unterricht etwa anstrengend werden? So hatte er sich das aber nicht gedacht...
Dennoch übte er weiter, schließlich wollte er Thorus angemessen beeindrucken. Bei ihrer letzten Begegnung, bei Yenais Ernennung zum Gardisten, schien er noch nicht sehr viel von dem Helden gehalten zu haben. Das würde sich schon bald ändern! Verbissen schwang er das Schwert weiter, wobei er Mangel an Technik und Geschick durch Kraft wettzumachen versuchte. Helden hatten es nun mal nicht leicht...
30.03.2004, 18:36 #255
Kano
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Nachdenklich tippte Kano auf seinem schweren Eichenholzschreibtisch und blickte angestrengt vor sich hin. Seine Gedanken kreisten um seine Schüler, so langsam wurde es wohl zur Gewohnheit, dass es die Damen und Herren der obersten Schicht schleifen ließen. Von allein schienen sie es wohl nicht zu schaffen, über Wochen zog es sich hin. Wenn sie nicht geeignet wären, dann hätte sich das anders bemerkbar gemacht. Das, was da wirklich vor sich ging, war lediglich mangelnde Ehrerbietung gegenüber Innos'. Nur einen Sekundenbruchteil später donnerte die Faust des Paladins auf den Tisch und er erhob sich. So würde es nicht weitergehen. Sollten sie sich noch einmal blicken lassen, dann würden sie schon lernen, ihre Prioritäten zu setzen.

"Was hast du?", fragte plötzlich eine sanfte Stimme und riss den Krieger völlig aus dem Konzept.
"Was?....Ach...nichts...", erwiderte er schließlich etwas gedankenverloren und schritt durch den Raum.
"Ist es wegen dem Turnier? Keine Sorge, ich mag dich auch, wenn du nicht gewinnst. Ich weiß doch, was du kannst, immerhin habe ich dich in den alten Hallen gesehen."
Miraweth zwinkerte und räumte weiter ein paar Bücher in die Regale.
"Nein, es ist nicht das Turnier..."
"Was dann? Sag schon, ich verrat es ja keinem.", sie schaute ihn weiter freundlich an. Kano dagegen zögerte kurz, nickte dann aber doch kaum merklich.
"Es ist wegen meinen Schülern. Sie lassen sich gehen, keine Disziplin. Innos werden sie damit kaum finden. Und sich schon gar nicht seiner Macht würdig erweisen."
"Ach nimm sie nicht zu hart ran. Bedenke, nicht jedem bedeutet es so viel wie dir."
Der letzte Satz missfiel dem überzeugten Paladin sichtlich.
"Dann sollen sie es lassen. Ohne Willen und Glauben wird es ohnehin nichts.", erwiderte er etwas barsch.
"Na gut, ich will dir da auch nicht reinreden."
Sie wand sich wieder ab und räumte weiter. Sie wusste genau, was in Kano vorging und beschloss es lieber zu lassen.

Der Paladin allerdings schritt langsam zur Tür, wand sich aber noch einmal um.
"Entschuldige den schroffen Ton. Ich werde mal frische Luft schnappen."
Miraweth nickte nur, dann verließ der Krieger sein Haus und trat ins Freie. Es war ein schöner Abend, klarer Himmel und die letzten Strahlen der untergehenden Sonne. Langsam blickte er sich um, zu seiner Rechten, in Richtung Rathaus, war niemand zu sehen. Zu seiner Linken waren zwei Bürgerinnen, die sich unterhielten. Vielleicht sollte er mal in der Stadt vorbei schauen. Zur Not konnte er sich auch noch einmal der Gefangenen widmen, die wäre genau die Richtige für seine Laune. Oder noch besser, er traf einen seiner Schüler. Entschlossen setzte er sich in Bewegung, irgendwer würde sich schon finden...
03.04.2004, 10:59 #256
Kano
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Es war ein trügerischer Tag, die Sonne schien, doch immer wieder schoben sich Wolken davor, dicke Wolken. Ob es Regen geben würde? Kano wusste es nicht, woher auch, aber wie es auch kommen würde, es war ihm egal. Er mochte den Regen und Sonnenschein war ebenfalls gut. Die Arme vor der Brust verschränkt stand er in der Nähe des Brunnen und blickte nachdenklich zum Himmel empor. Seine Schüler hatte er nicht gefunden, seit Tagen schon waren sie verschollen. Wo trieben die sich nur herum? Drückten die sich etwa? Sollten sie es wagen, wenn es etwas gab, was Kano überhaupt nicht mochte, dann fehlender Sinn für Wichtiges und Wesentliches.

Langsam schritt er los, auf sein Haus zu. Es war Zeit sich auszurüsten. Und wenn er die ganze Stadt nach ihnen durchkämmen musste, er würde seine Schüler finden und schleifen bis sie jappsend am Boden liegen und nach Luft ringen würden. Klackend wurde die Klinge nach unten gedrückt und die Tür öffnete sich. Der Paladin ging zielstrebig auf den Rüstungsständer zu, alles war fein säuberlich daran angebracht, wie es sein sollte. Nach dem die Uniform abgelegt war begann der gewohnt umständliche Teil, das Anlegen der Rüstungsteile.
Gerade waren die Beinpanzer festgeschnallt, da kam Miraweth die Stufen hinunter und schaute Kano missmutig an.
"Du gehst weg?"
Dieser blickte auf und nickte.
"Ja, es ist Zeit, dass ich meinen Schülern mal wieder etwas beibringe. Zumindest Samantha sollte langsam mal geprüft werden. Kann etwas dauern."
"Na gut...", sie schritt langsam zu ihm hinüber und half dann dabei, den Brustpanzer anzubringen.

Ein paar Minuten später waren sie fertig. Die junge Frau zog die letzte Schnalle an der Schulter fest und ließ die Hand dann auf dieser ruhen.
"Aber sei vorsichtig, ihr sollt alle heil wiederkommen, ja?"
Kano sah sie kurz an und nickte erneut.
"Keine Sorge, ich pass schon auf sie auf."
"Und wer passt auf dich auf?"
"Innos. Mir wird schon nichts passieren, wirst sehen."
"Ich hoffe es..."
Sie küsste ihn sanft auf die Wange und versuchte dann etwas zu lächeln.
"Ich warte hier auf dich und wenn du wiederkommst, gehörst du erstmal wieder mir."
Miraweth zwinkerte und lächelte nun schon etwas ungezwungener.
"Ich werde sie noch etwas schneller voran treiben.", erwiderte der Krieger.
Schließlich hatte die junge Lady auch den schwarzen Umhang an den Schultern befestigt, er war bereit.
"So, fertig. Dann viel Glück da draußen."
Sie löste sich von ihm und er nahm seine drei Waffen sowie die Runen.
"Bis bald, ich werde an dich denken und für dich beten."
"Bete für uns, ich will dich hier gesund und munter wiedersehen."
Kano lächelte und trat dann hinaus.

Nun war es Zeit Samantha aufzuscheuchen. Er stapfte quer über den Hof hinüber zu der Unterführung, die zum Hinterhof und Samanthas Haus führte. Es dauerte nicht lang, bis er ankam und mit der gepanzerten Hand gegen die Holztür schlug. Ungünstiger Weise trieb er dabei kleine Dellen in die Tür, hoffentlich würde das die Lady nicht merken. Am Ende durfte er ihr noch eine Neue kaufen.
Dennoch klopfte er immer wieder an, die sollte sich mal sputen. Und wenn sie nackt in den Wald musste, sie hatte schließlich genug Zeit gehabt...
03.04.2004, 11:08 #257
Samantha
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"Jaaaaaaaahaaaaaa!", rief Samantha von innen und fuhr im Bett hoch. Bei Innos, es war nach Mittag und sie schlief immer noch. Und zu allem Übel klopfte es jetzt auch noch so penetrant an die Tür.
Die Lady sprang aus den Federn und suchte sich eilig etwas zum Anziehen. Wo versteckten sich nur wieder die Rüstungsteile? Gestern hatte sie doch alle irgendwo ausgezogen, dann mussten sie doch auch heute mittag wieder aufzufinden sein...

Unterdessen kam es unten vor der Haustür zu einem kleinen Zwischenfall. Das Hörnchen hatte friedlich im Baum geschlummert, als es von diesem dumpfen Pochen geweckt wurde. Und tatsächlich stand da doch direkt unter ihm ein dicker Paladin und schlug Dellen in das Holz der jungen Lady.
Mit einem Kampfgeqiekse stürzte sich das Hörnchen hinab und verbiss sich in der haarigen Kopfbedeckung des jungen Mannes. Ein Glück dass er noch keinen Helm aufgehabt hatte. Und noch besser dass er keine Perücke trug..
Er sollte aufhören das Holz zu zerstören, das würde die Lady gar nicht gern sehn. Festgekrallt hockte das Hörnchen auf dem Kopf des Paladins und wartete bis sich die Tür öffnete.

Samantha hatte unterdessen alle Teile gefunden die sie für ihr Lebendpuzzle benötigte und kam zur Tür geschlurft. Sie öffnete diese und blinzelte noch etwas verschlafen nach draußen.
"Ja?"
"Squiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiek!"
Sogleich kam ihr ein tobendes Hörnchen entgegengeflogen. Samantha schreckte zurück, pflückte sich das Hörnchen aus dem Gesicht und blinzelte erneut nach draußen.
"Was gibts?"
03.04.2004, 11:15 #258
Kano
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Der Paladin war unweigerlich zusammen gezuckt, als ihm das Fellknäuel auf den Kopf gesprungen war, hatte es aber nicht mehr abbekommen, bis Samantha öffnete. Diese bekam nun ihrerseits das kleine hyperaktive Tierchen ab. Kano musterte die Lady kurz.
"Mach dich bereit, es geht los, Prüfungstag.
Und achja...du hast da noch Sabber am Mundwinkel."
Er schmunzelte etwas und verschränkte die Arme.
"Wenn der Schatten da den Zaunspfahl erreicht hat, stehst du bereit hier vor mir oder ich zerr dich aus der Stadt, egal wie weit du bist."
Tatsächlich mochten es nur fünf Minuten sein, die die Sonne noch brauchte um den Pfahl zu erreichen. Nicht viel, schon gar nicht für eine Frau. Aber der Paladin meinte es bitter ernst. Dies durch seinen Blick verstärkend sah er Samantha an und wartete...
03.04.2004, 11:22 #259
Samantha
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Samantha wischte sich gedankenversunken über den Mundwinkel und schaute dann zu angegebenem Zaunpfahl. Daraufhin stieß sie einen ähnlichen Quiekser aus wie das Hörnchen zuvor und knallte dem Paladin die Tür vor der Nase zu, nicht jedoch ohne ihm vorher das Hörnchen wieder anzuvertrauen.

Der Schatten hatte gerade die Markierung überschritten und Kano musste es bereits wieder in den Fingern jucken, da riß die Lady die Tür wieder auf und trat hinaus. In Windeseile hatte sie ihre restlichen Rüstungsteile zusammengesucht und sich mit Waffen und Proviant versorgt. Jetzt war sie bereit für was immer auch kommen mochte. Auch wenn sie das mit der Prüfung noch nicht so ganz verstanden hatte.

"Also, ich wär dann soweit. Aber was erzählst du dann von einer Prüfung, wer möchte sich denn unbedingt prüfen lassen?"
Sie schaute Kano erstaunt an während sie neben ihn herging, in Richtung des Tores.
03.04.2004, 11:30 #260
Kano
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"Du.", erwiderte der Paladin knapp, während er sich das Hörnchen aus den Haaren fitzte. Nach Gelingen dieser Aktion setzte er das Viech wieder auf Samanthas Schulter.
"Sag ihm, es soll sich benehmen, sonst gibt es keine Nüsse mehr."
Kaum war der Satz gesprochen, hielt Kano inne. Das musste sein Glückstag sein.
"Hey, Taurodir!"
Er ging weiter, direkt auf den Angesprochenen zu. Inzwischen war er Lord, sieh an. War das der Grund für sein Fernbleiben? Aber Innos interessierte das wenig, ebenso die Magie und irgendwie war es auch dem Paladin in dem Moment egal.
"Da seid ihr ja, ihr habt euch viel Zeit zum Lesen genommen, dann seid ihr ja jetzt sicher bereit für erste Lektionen. Samantha kann es kaum erwarten, ihr steht da sicher in nichts nach, nicht wahr?"
Fast schon ein ironischer Unterton klang bei diesen Worten mit. Das musste wirklich ein guter Tag sein, gleich alle Beide ohne große Umstände aufgegabelt...es konnte beginnen...
03.04.2004, 11:56 #261
Samantha
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"Ich?"
Samantha starrte den Paladin entgeistert an und kratzte sich dann am Kopf. Sie konnte sich gar nicht mehr erinnern das gesagt zu haben. Sie musste immer noch im Halbschlaf stecken, wurde Zeit dass sie wach wurde.
"Achso, na dann. Ich freu mich schon drauf", sagte sie und im selben Moment fiel ihr ein, was das eigentlich bedeutete. Ihr freudiges Lächeln wurde gedämpfter und sie tastete verstohlen nach ihren Runen. Hatte sie alle dabei? Sie hoffte es.

Unterwegs begegnete ihnen noch Taurodir. Der Lord schien sich ebenfalls in die Hände dieses verrückten Lehrmeisters begeben zu haben, der mitten in der Nacht an fremde Türen klopfte und Prüfungen machen wollte.
Sie begrüsste ihn und gemeinsam verließen sie das Oberviertel. Nun lag die Führung an Kano.
04.04.2004, 14:12 #262
Dumak
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Der Barde gelangte an das Tor, welches die Unterstadt von der Oberstadt trennte. Es war schwer bewacht von zwei unbeweglich dastehenden Rittern in dicken Eisenpanzern. Wie Statuen sahen sie aus, gemeißelt, um immer daran zu erinnern, wer hier das Sagen hatte.
Scheinbar fand Dumaks Hund auch, daß die Wachen wie steinerne Figuren wirkten, denn er trabte an eine der beiden »Statuen« heran und hob sein Bein.
Dumak raufte sich die Haare. »Verdammt, du dummer Hund, nicht...«
Er stürzte zu seinem tierischen Begleiter und zerrte ihn weg, kaum, daß der angefangen hatte, sein Revier zu markieren.
»Ich bitte vielmals um Entschuldigung, ehrenwerte Ritter... das ist nur ein dummer Hund, der nicht weiß, was er tut. Wenn ich das irgendwie wieder gut machen könnte...« Der Barde wirkte untröstlich und kniete sich hin, um an der Rüstung des Ritters herumzuwischen und so die Spuren des Frevels wieder zu tilgen.
»Ja, indem du verschwindest«, knurrte ihn die bepinkelte Wache an.
»He, warte«, mischte sich der andere ein. Wahrscheinlich fand er das alles irre lustig. Er war ja auch nicht das Ziel des Hundes gewesen.
»Vielleicht könntest du etwas für uns tun.«
»Sehr gerne, edle Paladine«, beeilte sich Dumak, zu versichern. (Jetzt waren aus den Rittern schon Paladine geworden.)
»Hol uns zwei Bier vom Freibierstand am Galgenplatz.«
»Aber natürlich, sofort.«
»Nein, halt, geh zu Coragon, bei dem schmeckts besser.«
»Und das Geld?«, wagte Dumak, nachzufragen.
»Das zahlst du schön selber, damit arbeitest du den Schaden, den seine Rüstung genommen hat, wieder ab.«
»Aber natürlich, wie's beliebt, hochwohlgeborene Lords.«

Dumak trollte sich und achtete darauf, daß der Hund keine weiteren Dummheiten machte. Schon nach kurzer Zeit war er mit zwei Krügen voll von Coragons bestem Bier und etwas Gold weniger in seiner Börse wieder da.
»Soweit die Bezahlung für die Rüstung. Jetzt mußt du noch seine Ehre wiederherstellen«, befahl der Ritter/Paladin/Lord.
»Ach, wie soll ich denn anstellen? Soll ich ihn vielleicht überall laut preisen und rühmen? Ich bin Barde, müßt Ihr wissen.«
»Das haben wir schon selber bemerkt«, herrschte ihn der Paladin mit der triefenden Rüstung an. »Und deshalb gehst du jetzt in die Oberstadt und wirst die Herrschaften ein wenig unterhalten. Und zwar mit deinen besten Liedern, hörst du! Kein billiger Schund, wie du ihn vielleicht irgendwelchen Bauern vorträllerst!«
»Wie Ihr befehlt!« Dumak verbeugte sich, schnappte sich seinen Hund und durchschritt das Tor zur Oberstadt.
Der Paladin rief ihm noch nach. »Vergiss nicht, meinen Namen dabei zu erwähnen. Ich war's, der dich hier hoch geschickt hat.«
»Aber natürlich!«, rief Dumak im Brustton der Überzeugung zurück. Dumm nur, daß der Ritter ihm nie seinen Namen genannt hatte. Lord Strullerbein? Edler von und zu Hundehaufen? Wer kannte sich schon mit den Namen dieser adeligen Herrschaften aus...
04.04.2004, 14:47 #263
Kano
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Langsam schritt Kano die Stufen hinauf bis vor das Tor zum oberen Viertel. Leicht in Gedanken versunken traf sein Blick auf die beiden Wachen. Wie immer grüßten sie den Vorgesetzten, dem bei dieser Gelegenheit bemerkte, wie sich einer von der Beiden am Beinpanzer herum wischte.
"Alles in Ordnung, Rogg?"
Er stoppte und musterte den Soldaten, während sich dessen Kollege zusammenreißen musste, um nicht zu lachen.
"Alles in Ordnung, Herr. Nur so ein kleiner räudiger Köter, der Blasenschwäche hatte.
Gehörte übrigens so einem Lump, ein Barde. Ich habe ihn ins Viertel geschickt, damit er die Bürger unterhält."
"Du hast was?!", donnerte ihm mit einem Mal die Stimme des Statthalters entgegen.
"Du lässt einen wildfremden Kerl ins obere Viertel?!
Bei Innos, wie kommt man auf solch eine Idee?! Du wirst persönlich auf den Barden achten, verstanden? Du wirst ihm nicht von der Seite rücken und wenn er hinter ein Gebüsch geht um sein Geschäft zu verrichten, dann folgst du ihm und achtest darauf, dass er keine Knospen klaut. Ist das klar?!"
"Jawohl Herr, verzeiht."

Reumütig schritt der Soldat ins Viertel und begab sich auf direktem Weg zu dem Fremden. Sein Kamerad grinste breit und platzte fast vor lachen.
"Findest du das lustig, Soldat?"
"Nein, Herr."
"Na also. Beauftrage den nächstbesten Milizsoldaten, einen Ersatzmann herzuschicken."
"Jawohl."
Kopfschüttelnd schritt Kano weiter, langsam auf den Brunnen und somit auch seinem Haus zu, welches daneben lag. Musik war noch keine zu hören, der Barde hatte wohl noch nicht begonnen. Aber solange Rogg ihm nicht von der Seite wich, war das dem Paladin erstmal egal. Aber vielleicht konnte der Fremde ja ganz gut spielen, den Bürgern würde es allemal gefallen. Und Miraweth sicher auch...
04.04.2004, 14:53 #264
Samantha
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Endlich waren sie wieder in der Heimat. Nach dem langen Ausflug in das Minental taten Samantha die Füsse weh und sie freute sich schon darauf diese ausgiebig ausstrecken und hochlegen zu können. Ein warmes Bad war auch nicht zu verachten. Es wurde Zeit dass sie heim kam.
Schnellen Schrittes betraten Kano, Taurodir und die Lady das Oberviertel und zerstreuten sich schließlich in die verschiedenen Richtungen. Kano knurrte hörbar der Magen und Samantha hoffte nur, dass Miraweth zu ihrem eigenen Schutz etwas Gutes gekocht hatte. Taurodir verschwand auch in irgendeinem Haus, wieder mal tief in Gedanken versunken. Irgendwas war seltsam mit ihm, sie wußte nur noch nicht so recht was.
Samantha schlug den Weg zu ihrem eigenen Häuschen ein und das Hörnchen hüpfte eilig hinterher. Als sie an einem Streuner vorbeimarschierten machte der Nager wohlweislich einen grossen Bogen und sprang dann entsetzt an der Lady vorbei, als dieser zu kläffen begann. Samantha schaute sich um. Wem auch immer dieser Köter gehörte, er war reichlich ungezogen.
Es kümmerte sie jedoch erstmal nicht weiter, sie hatte ihr Bad im Kopf. Kurz nach dem Hörnchen erreichte sie die Tür zu ihrem Haus und verschwand dort.
04.04.2004, 15:50 #265
Dumak
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Der Barde schritt die gepflasterte Straße entlang, staunend die hohen und prächtigen Häuser begutachtend. Die kunstvollen Fassaden der Gebäude schrien es förmlich heraus: Hier war der Reichtum zu Hause. Doch noch ehe sich der Barde an den schönen Bauwerken satt sehen konnte, kam schon der Ritter von vorhin angerannt.
»He, du da. Halt!«
Dumak drehte sich um.
»Du hast wohl gedacht, ich lass dich hier alleine rumschnüffeln, was?«, herrschte er ihn von oben herab an.
»Nein, natürlich nicht«, erwiderte Dumak und wartete ab, was als nächstes käme.
»Also, du gehst schön auf den Platz mit dem Brunnen und fängst dort an, zu klimpern. Keine Dummheiten. Wenn du nur einen Grashalm abreißt, wirst du wegen Diebstahl aufgeknüpft.«
Dumak schluckte. »Ist klar.« Dann machte er sich auf, den Brunnen zu erreichen. Peinlich genau achtete er darauf, nicht auf eins der Grasbüschel zu treten, die zwischen den Pflastersteinen wuchsen. Das hätte sonst sein Ende sein können. Der Rtter hinter ihm schritt jedoch ohne auf den Weg zu achten, hinter ihm her.
»Prima«, dachte sich der Barde, »jetzt hab ich sogar meinen eigenen Leibwächter.« Und schon ging er mit stolzgeschwellter Brust auf den Brunnen zu.
Als der erreicht war, kletterte er auf den Brunnenrand und nestelte an seinem Ledersack, holte die Laute heraus, spielte einige kurze Griffe, um den Klang der Saiten zu überprüfen, wagte noch einen kurzen Blick auf seinen Leibwächter, der linkerhand unter ihm stand - rechterhand saß der große, schwarze Hund und fing dann an:
»Eine Barde ist gekommen, so laßt euch von den unglaublichsten Geschichten berichten, von wahren Helden, kühnen Schlachten, eilt herbei und hört mir zu.«
Und tatsächlich, einige Bürger traten heran, selbst einige der Ritter und Paladine sahen sich veranlaßt, nachzuschauen, was es denn gäbe. Dumak begann, die Laute anzuschlagen und sang dann dazu:

»Was soll ich singen?

Soll ich euch von Herzschmerz singen
oder von gekreuzten Klingen,
von den Wundern der Natur?
Ja was sing ich nur?

Sing ich euch von Gaumenfreuden?
Will hier nicht mein Lied vergeuden.
Eh’ die Zunge ich gewetzt,
frag ich lieber jetzt!

Wollt ihr hör’n von alten Sagen?
Nicht daß danach eure Klagen
Fürchterlich im Ohr mir schall’n.
Was tät euch gefall’n?

Ob bekehrt das Lob der Götter
endlich auch die letzten Spötter?
Soll ich davon euch erzähl’n?
Will’s euch nicht verhel’n.

Lüstet’s euch nach düstren Mären?
Werd gewiss sie nicht verwehren,
drauf mein bardisch Ehrenwort.
Ich weiß von manch Mord.

Wollt ihr was von Tugend wissen,
meinen weisen Rat nicht missen?
Davon ich berichten kann,
Lieder ich ersann.

(Freuen euch die kurzen Lieder
oder wollt ihr immer wieder
lange Epen von mir hör’n?
Wie soll ich betör’n?

Legt ihr keinen Wert auf Worte,
von den Liedern, die ich horte,
wollt nur hör’n die Melodie?
Ich die Saiten zieh’!)

Wollt dank Spotteslieder lachen?
Ich glaub, da läßt sich was machen.
Wollt ihr wissen, wer ich bin?
Dann genau hört hin!«

Während des Liedes waren noch mehr Leute hinzugetreten, einige brachten Stühle oder Sitzkissen mit. Ein paar Ritter bauten sich ein paar Holzbänke auf, um sich danach darauf zu setzen. Aus der Menge rief jemand »Von gekreuzten Klingen wollen wir hören, sing uns von großen Kämpfen.« Es wahr wohl einer der Ritter, die waren doch auf Kampf geeicht.
»Euer Wunsch sei mir Befehl«, rief der Barde über den sich langsam füllenden Platz zurück. »Doch zuerst wollen wir den Göttern zollen, was den Göttern gebührt. Denn nur Innos gibt Euch tapf'ren Rittern die Kraft, so edel gegen das Böse zu kämpfen. Darum gedenken wir zuerst ihm.«
Er schlug ein weiteres Mal die Laute an, intonierte eine eingängige und doch komplizierte, getragene Melodie und fiel nach einer Weile des Spielens ein, um seine Strophen vorzutragen:

»Innos' Licht

Innos’ Licht erleuchtet · mir den langen Tag
jeder sieht mit Staunen, · was seine Macht vermag.
Alles auf der Erde, · was hier kreucht und fleucht,
kommt durch seinen Segen, · allmächtig er mir deucht.

Ihre göttlich Hitze · läßt die Sonne hell
von dem weitgespannten · blauen Himmelszelt
auf die Erde scheinen · Innos’ Sorge ist’s,
daß das Leben sprieße, · ganz gewiß ihr wißt’s.

Von dem kleinsten Käfer · bis zum größten Tier,
von den Frühlingsblumen · zu den Bäumen hier,
beseelt von seinen Kräften · ist die ganze Welt,
seine Macht umspannt das · ganze Himmelszelt.

Das wir ihn verehren · ist gerechter Lohn.
Für die vielen Gaben · hast gedankt ihm schon?
Ohne seine Güte · wärest du nicht hier,
gäb es keine Menschen, · Pflanzen und Getier.

In dem ew’gen Kampfe · mit dem bleichen Tod
gibt er einen Funken · uns in unsrer Not
seines göttlich Atems, · er haucht ihn uns ein,
ohne diesen Funken · könnten wir nicht sein.

Wenn die Lebensspanne · sich dem Ende neigt,
dann ein letztes Mal noch · sich die Größe zeigt
und der Götteratem · kehrt zu ihm zurück,
wahrhaftig von Innos · hatten wir ein Stück.

Nimmermüder Streiter · für des Lebens Kraft
Was vor dir noch keiner, · das hast du geschafft:
Schönem Bahn zu brechen, · gegen Schmerz und Leid
wagst die Stirn zu bieten · Todeseinsamkeit.«

Dumak verbeugte sich und der Applaus der Zuschauer brandete ihm entgegen.
04.04.2004, 16:04 #266
Uncle-Bin
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Uncle hatte Solimo den Lautenspieler bereits mit einem guten Anteil des erspielten Goldes bezahlt, doch noch immer gab es etwas Gold, was an die Ritter verteilt werden konnte. Die strammstehenden Torwachen zur Oberstadt hatten den wahrscheinlich schlimmsten Job in ganz Khorinis, also sollten sie die ersten sein, die durch Uncles Gesangeskünste eine kleine Summe einstecken durften. Als Uncle bei besagten Männern ankam, waren diese jedoch gerade dabei ein köstlich duftendes Bier, das Uncles Kennerkünsten höchstwahrscheinlich von Coragon kam, in die trockene Kehle zu schütten. Außerdem verbreitete einer der beiden Wächter einen widerlichen Fäkalgestank, der Uncle die Tränen in die müden Augen trieb. <<Für Innos! Mit der Stadt geht es den Bach runter Kameraden, aber nehmt dieses Gold als Geschenk und betet für einen frischen Regen.>>, brabbelte er und ging dann durch das Tor hinauf ins Oberviertel. Die Wachen staunten nicht schlecht über die kleine Summe, beschlossen aber, sich nicht weiter darüber zu ärgern. Uncle ging indes die Treppe hinauf und auf das hübsche Rathaus zu. Im Vergleich zum Hafenviertel, war es das Paradies und wenn Uncle an die Reaktionen der Bettler beim Anblick eines solchen Wohlstandes dachte, dann wunderte es ihn kaum, dass dieser Stadtteil nicht jedem zugänglich war. Doch wenigstens konnte er hier einen guten Händler finden, der geweihtes Wasser für bare Münze an den Mann brachte. Uncle irrte ein paar Minuten um die häuser und kam schließlich, als er keinen Händler gefunden hatte zum Tor zurück. Uncle sah noch, wie der stinkende Wächter zu einem anderen Kerl eilte und schritt schließlich die Treppe hinunter. Dann jedoch nahm Uncle den wunderbaren Klang einer Sängerstimme war. Ein wunderbares Lied, das den lauten Applaus verdiente. Uncle ging unverzüglich zurück an den Brunnen heran, um das Gesicht des Barden zu erkennen, doch eine angesammelte Menschenmasse verhinderte dies. <<Wunderbar! Herrlich! Famos! So singt doch noch ein Ständchen für die Streiter Innos.>>, brüllte er so laut, wie es seine Stimme nur hergab.
04.04.2004, 16:10 #267
Eorl
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Die Tür der Schmiede stand weit offen, signalisierte jedem der vorbeikam: ‚der Laden ist geöffnet’. Eorl war schon früh am Morgen hinunter zur Werksatt gegangen, und hatte den Ofen angeheizt. Abgesehen von einigen Schwertern und Äxten, die er zur Vervollständigung seines Sortiments noch gebraucht hatte, hatte er den Tag damit zugebracht, fast ein dutzend kleiner, schlanker Wurfmesser zu schmieden, deren Griffstücke ebenso schwarz waren, wie die Rüstung des Schmieds. Die Idee dazu, war ihm gekommen, als er in einem der Bücher die er in letzter Zeit gekauft hatte, auf die Beschreibung eines Schwertes gestoßen war, dessen Griffstück einen getarnten Dolch enthielt. Eorl hielt zwar nicht viel davon, den griff einer Waffe auszuhöhlen, war dann aber auf die Idee gekommen, das ganze auf seine Rüstung zu übertragen. Er hatte damit begonnen, die Messer selbst zu fertigen, und die Griffstücke in der Farbe der Rüstung einzufärben. Dann hatte er seine Rüstung in die Werkstatt geholt, und hatte zuerst an den Beinschienen, auf der Höhe des Schienbeins, zwei kleine Öffnungen geschaffen, die in einer Vertiefung lagen. Wenn die Messer dort eingesetzt waren, sah man nur bei genauem Hinschauen, das es sich nicht einfach nur um Zierde, sondern um den griff eines Messers handelte. Das selbe hatte er an den Armschienen gemacht, sodass er jetzt auch an jedem Unterarm ein Messer tragen konnte. Zwei auf der Höhe der Lenden eingelassene Messer, und noch einmal zwei an den Oberschenkeln, vervollständigten die Geschosspalette. Es hatte einige Arbeit gekostet, die Einlässe für die Messer in die Rüstung zu schneiden, und auch nach innen abzuschließen, sodass er sich die Messer nicht in die Beine bohrte, aber letzten Endes verfügte er damit über einen Satz versteckter Waffen, die er mit etwas Training zielsicher und tödlich einsetzen konnte.
Als er gerade fertig war, hörte er ein Geräusch von der Tür, und drehte sich dorthin. Niemand war zu sehen, aber ein kleiner Zettel flatterte auf der Türschwelle. Der Ritter ging hinüber, und hob das Papier auf, runzelte die Stirn als er die Zeilen las.
Ein Treffen? dachte er. Schaden konnte es nicht, denn eigentlich hatte er hier in der Stadt ohnehin nichts dringendes zu erledigen, und außerdem war er gespannt, was die Wassermagier zu sagen hatten.
Er löschte das Feuer in der Esse, kramte ein paar Dinge aus seiner Truhe oben hervor, und kehrte dann in die Werkstatt zurück. Die Rüstung war mittlerweile abgekühlt, also zog er sie direkt an, und brachte sämtliche Messer an ihren Platz. Den Inquisitor hängte er an den Gürtel, die schwere Erzklinge schnallte er sich auf den Rücken. Er hatte inzwischen die Zeit gehabt eine bessere Halterung dafür zu basteln, sodass die Klinge jetzt in einer Aufhängung aus Metall und dunklem Leder steckte, die farblich genau auf die schwarze Rüstung des Ritters abgestimmt war. Seinen Bogen hatte noch immer Aeryn, also fehlte nur noch die Tasche, in der er normalerweise immer ein paar Heiltränke, und etwas zu Essen mit sich herumtrug, wenn er auf Reisen ging. Tränke hatte er seid der letzten Schlacht gegen die Orks keine mehr, etwas Verpflegung konnte allerdings nicht schaden.
Eorl verließ die Schmiede, schloss ab und ging den Weg zur Unterstadt hinunter, wobei er sich den langen Reisemantel über die Schultern warf. Er war gespannt was die Magier ihnen zu sagen hatten.

Weit kam er allerdings nicht.
Auf dem Rand des Brunnens stand Dumak, einer von Aeryns Begleitern, und gab mit eienr Laute lieder zum Besten.
Wie zur Hölle hat er es geschafft ins Oberviertel zu kommen?war der erste Gedanke der dem Schmied durch den Kopf ging. Als er näher darüber nachdachte, musste er sich ein Grinsen verkneifen. Er selbst war ja auch ein paar Mal auf dem Hof gewesen, und mehr oder minder heil wieder herausgekommen. Wahrhaftig einn ziuemlich freches Bubenstück,d as der Barde da aufführte. Schade nur, das seine Zuschauer nichts davon wussten.
Andererseits, überlegte Eorl. Wenn sie es wüssten, würden sie ihn nicht einfach aufhängen? Leider verstanden die meisten der Paladine einfach keinen Spass. Ebensowenig wie die meisten Söldner.
Mit einem Lächeln, das er unter dem Schatten seiner Kaputze versteckte, blieb Eorl am Brunnen stehen, und begann mit den anderen zu applaudieren.
04.04.2004, 16:18 #268
Sir Iwein
Beiträge: 3.214

Zügigen Schrittes eilte ein Ritter den breiten, gepflasterten Weg ins Oberviertel hinauf. Wie viele andere hatte auch er das Gerücht vernommen, das in so kurzer Zeit selbst bis in die Kaserne vorgedrungen war: ein Barde sei gekommen und trage nun im oberen Viertel seine Lieder vor. Scheinbar war er der einzige Ritter, der sich jetzt noch in der Unterstadt aufhielt, bei den einfachen Soldaten und all dem anderen Pöbel, die nicht ins obere Viertel durften.

Wahrlich, das durfte man nicht verpassen, wenn in diesen Tagen schonmal ein wenig Unterhaltung in der Stadt war. Und wenn dieser Mann schon in das Viertel der Reichen vorgelassen worden war, musste es auch ein begabterer Sänger sein als die Trunkenbolde in den Tavernen - solche wie Uncle, die auf einen Tisch sprangen, ein jämmerliches Lied trällerten, das meist von Bier, Essen und einem warmen Bett handelte.

Bereits aus einiger Entfernung erblickte er, dass dort oben etwas los sein musste. Einige Bürger gafften aus den Fenstern ihrer gut gelegenen Häuser zum Brunnen hinab, und eine Menge Leute war um diesen herum versammelt. Schon vernahm Iwein eine helle, gute Stimme, deren wohlklingender Gesang von lieblichen Lautenklängen begleitet war.
Der Hauptmann drängelte sich durch die Menschenmenge nach vorne. Da stand er am Brunnenrand, ein junger, gutaussehender Mann, und trällerte sein Lied. Iwein konnte leider nur noch den letzten Versen lauschen, ehe es endete und anschließend lautstark von den versammelten Bürgern und Paladinen applaudiert wurde.

"Bravo!", rief Iwein und stimmte damit in die Zurufe der anderen mit ein. "Noch ein Lied soll er uns singen, damit wir wissen, ob er ein paar Goldstücke wert ist!"
04.04.2004, 16:26 #269
Dumak
Beiträge: 465

»Als nächstes folgt ein Bericht über eine Schlacht, die alle von uns aus Legenden und Erzählungen kennen«, fuhr der Barde fort. »Und damit erfülle ich den Wunsch, der vorhin an mich herangetragen wurde, über Schlachtenglück zu singen.«
Der Barde rückte seine Laute zurecht, als einer der Ritter aus der Menge ein lautes »Wunderbar! Herrlich! Famos! So singt doch noch ein Ständchen für die Streiter Innos« heraus rief.
Der Barde lächelte. »Wie Ihr wünscht:

Die Schlacht von Varant«

Ein Raunen ging durch die Menge. Der legendäre Sieg von Varant, mit dem der Zusammenhalt von Myrtana entgültig besiegelt wurde, war Anlaß für viele Legenden, obwohl dieser Sieg noch keine fünfzig Jahre her war. Jeder kannte irgendwelche Geschichten über diesen Kampf. Der Barde begann mit einem langen Erzählgedicht, daß er nur gelegentlich an den dramatischsten Stellen mit ein paar Lautenklängen untermalte.

»Kein Menschenalter ist vergangen,
Erzählungen im Land erklangen,
Lieder von der Schlacht berichten,
landauf, landab die Skalden dichten
von unerhörtem Kampfesruhme,
berichtenswertem Heldentume
und von dem Siege, der stattfand
in den Sümpfen von Varant.


Myrtanas Herrscher schon vor Jahren
vier Reiche, die verfeindet waren,
unter seine Herrschaft zwang.
Die blutig Kriege zogen lang
durch die Länder ihre Schneise,
sähten Tod auf jede Weise.
Doch nun das Ende ist in Sicht,
denn wo die helle Sonne sticht
auf der kahlen Heide Weiten,
von Sumpf begleitet an den Seiten,
ein silbern Schimmern schlägt entgegen
dem Aug’, es blenden funkelnd Degen,
Rüstzeug glänzt im hellen Lichte,
Helme decken die Gesichte,
von Kriegern, aufgestellt in Reih’n
schwer gepanzert Arm und Bein,
aufgepflanzt die Wimpel sind,
flattern knatternd wild im Wind,
dies der Ort der Schlacht wird sein
und keiner wird danach so rein,
wie er ist hineingegangen
zum Schlusse wieder vorgelangen.
Die Heere stehn sich gegenüber,
die Blicke wandern hin und hüber
zum Feinde, der mit voller Macht
gespannt zum Kampf steht auf der Wacht.
Die weite Heide, einstmals kahl
füll’n grimmig Krieger, hoch an Zahl.
Versammelt ist, was kämpfen kann,
bewaffnet hat sich jeder Mann
und von den Wachen wohlumstellt
thront mittendrin des Feldherrn Zelt.
Sein Banner sich im Wind entrollt,
sind die Götter ihm heut hold?
Kampfeslüstern wolln die Krieger,
in Gedanken schon als Sieger,
auf dem Schlachtfeld aufmarschieren,
bereit, den Angriff zu parieren.
Doch noch des Herolds Horn ist stille.
Erst, wenn es des Feldherrn Wille
und er aus seinem Zelt wird treten,
um mit dem Heere still zu beten
und Innos’ Blick auf sich zu lenken,
ihn bitten, ihm den Sieg zu schenken,
dann erst wird das Horn erklingen,
auf das beginne nun das Ringen.
Und endlich ist es dann so weit,
die Krieger sind schon lang bereit.
Stumm stehen sie, vor Waffen starrend
Des Beginns des Kampfes harrend.
Sie stürmen vor beim Klang des Hornes,
die Herzen fest im Griff des Zornes
und bald schon tobt das Kampfgewühl,
Das Heer stürmt vorwärts mit Gebrüll.

Und unsichtbar auf beiden Seiten
in Dunkelheit den Kampf begleiten
düstre Mächte, deren Schaffen
viel’ Männer wird darnieder raffen.
Für Beliar ist ein Festtag heute,
er fährt ein die meiste Beute.
Leiber für ihn wertlos sind,
die Seelen nimmt er mit geschwind.


Schwerter blitzen, Hörner schallen,
zerrissne Bogensehnen knallen,
Speere zischen durch den Himmel
und in dem größten Kampfgetümmel
des Feldherrn Garde unverdrossen
des vielen Blutes, das vergossen,
ihrer Äxte langen Schäfte
wirbeln hoch und dann die Kräfte
der tapf’ren Krieger sie bezwingen,
den nächsten Feind sie niederringen.
Schilde aufeinander prallen,
ihr Krachen hört man weithin hallen.
Mit Lanzen, tief herabgesenkt,
kommen Reiter angesprengt.
Ein wilder Kampf ist nun entfesselt,
Krieger werden eingekesselt,
rammen ihre langen Spieße
mit den Enden in die Wiese
und die Lanzenspitzen krachen
in des feindlich Heerwurms Rachen.
Doch weiterhin die Klingen singen,
splitternd Lanzenschäfte springen,
brüllend Krieger sich begegnen,
Pfeilehagel niederregnen,
Ketten rasseln, Rüstzeug splittert,
wird wie Pergament zerknittert,
wenn grausam Hiebe großer Wucht,
die vergebens gleiches sucht,
durch der Krieger Reih’n sich mäht,
erhob’nen Haupts der Tod umgeht.
Wie Halme unterm Schnitt der Sense,
die Finger halten noch die Trense,
werden Reiter hingeschlachtet,
des Lebens Wert hier niemand achtet.
Der Rösser schwer gepanzert Rümpfe
stecken in der nassen Sümpfe
bodenlosen saugend Gründen.
Und vom grausam Tode künden
Leichenberge, Blutesströme,
hingemetzelt Erdensöhne.
Doch die Schlacht nimmt ihren Lauf
Kein Atemholen hält sie auf.
Wer gefallen durch des Gegners
Handarbeiten eines Degners,
der das Schwerte hat geschmiedet
im Feuer ’s Eisen hat gesiedet,
mit Hammerschlag in Form gebracht,
im Wasser Härte hat gemacht,
der Klinge Stahl am Stein geschliffen
fest das Schwerte dann gegriffen,
und zur Waff’ hat werden lassen,
die der Feind wird ewig hassen,
also wer im Kampf getroffen,
für den gabs nur noch ein Hoffen,
daß in Beliars Reich der Ruhme,
den er auf der Erdenkrume
hier im Kampf erringen tat
für Angedenken ist die Saat.

Denn was bleibt dem sterblich Recken,
wenn die Todesboten wecken
seine ewig während Seele
und aus keines Menschen Kehle
dringt sein Name noch hervor,
dann war im Tode er ein Tor,
nutzlos gab sein Leben hin
er im Kampfe ohne Sinn.


Drum lasset innig uns gedenken,
der Toten, die den Sieg uns schenkten.
Denn einer kann im Kampf nur siegen,
wenn übers Schlachtfeld Raben fliegen.
Sie kamen her als Beliars Boten,
krächzend äugend nach den Toten.
Stunden wogte nun der Kampf,
aus Pferdenüstern stieg der Dampf,
aus Wunden endlos Blute quoll,
bis zum Strome es anschwoll.
Varants Söhne hingemordet,
das Gemetzel überbordet,
überrannt das feindlich Heer,
erlahmt nun auch die Gegenwehr.
Myrtana hat den Sieg errungen,
entgültig ist Varant bezwungen.

Die Heide tat vom Blut sich röten,
es war ein Hauen, Metzeln, Töten.
Und viele, die dabei gewesen,
von ihren Wunden nie genesen,
vom Todeskrug sie mußten kosten,
ihr Harnisch wird im Regen rosten.
Die Leiber niemand hat begraben,
als Atzung dient ihr Fleisch den Raben.
«

Alle waren still, die ganze Menge schwieg und gedachte des Sieges von Varant. Auch Dumak schwieg.
04.04.2004, 16:28 #270
Samantha
Beiträge: 12.569

Samantha saß gerade in ihrer bequemen Wanne und ließ sich das warme Wasser über die Beine rieseln, als diese Klänge von draußen hereinschallten. Erst dachte sie schon sie kämen von unten aus der Stadt, doch nach näherem Hinhören war sie sich sicher, dass es nur aus dem Oberviertel kommen konnte.
Sie ließ sie Beine wieder in die Wanne gleiten und dachte nach. Einerseits war es richtig schön bequem, faul herumzuliegen und dabei auch noch ein Ständchen gebracht zu bekommen. Andererseits konnte sie hier drinnen kaum etwas von den Worten hören, die der Barde von sich gab und außerdem war sie wahnsinnig neugierig, wer da denn solche Lieder trällerte.

Schließlich verließ die junge Lady ihre Wanne und zog sich an. Das Haar noch feucht trat sie hinaus auf die Strasse, wo die Klänge schon lauter wurden. Es musst direkt von dem Brunnen kommen, der sich in der Hauptstrasse befand.
Samantha passierte die kleine Unterführung und sah auch schon eine kleine Menschenmenge, sie sich um den Brunnen versammelt hatte. Sie stellte sich zu ihnen und lauschte.

Das Hörnchen hatte unterdessen ebenfalls bemerkt, dass da etwas anders war als sonst. Neugierig kam es von hinten über die Bäume des Rathauses gesprungen und landete schließlich zielsicher auf der Statue im Brunnen. Von oben herab musterte es den Barden, der seiner Laute so schöne Klänge entlocken konnte.
04.04.2004, 16:50 #271
Sir Iwein
Beiträge: 3.214

Als die Stimme des Barden verstummte und die letzten begleitenden Töne seiner Barde verhallten, blieb es still. Keiner wagte es zu applaudieren, außer vielleicht hier und dort jemand, der nicht zugehört hatte. Denn es lag nicht etwa an der schlechten Dichtkunst des Barden, sondern an dem Leid, an das seine Erzählung erinnert hatte. Ein großer Sieg war es gewesen bei Varrant, ein jeder kannte Geschichten von jener Schlacht, in der General Lees Mannen so tapfer gefochten hatten in scheinbar aussichtsloser Situation. Doch mit viel Blut und Leid war jener Sieg erkauft gewesen, und der Toten gedachten nun alle, die hier im Oberviertel, Jahre später, um den Brunnen versammelt saßen. "Möge Innos ihrer aller Seelen gnädig gewesen sein!", brabbelte einer der Paladine und senkte den Blick.
Einzig unberührt blieb Samanthas Hörnchen, das sich höhnisch oben auf der Statue des Brunnens postiert hatte und nun den Barden und all die Leute neugierig und aus großen, schwarzen Augen musterte. Welch peinliche Ironie... die Lady sollte wirklich besser auf ihr Tierchen aufpassen.
04.04.2004, 18:05 #272
Taurodir
Beiträge: 3.553

Ruhig saß der Paladin hinten auf den Stufen der kleinen Treppe, die ins Gebäude hineinführten. Seine Knie nach oben gebeugt, auf die er seinen linken Ellenbogen stützte. Neugierig lauschte er den Worten des Mannes, der die Aufmerksamkeit von vielen gewonnen hatte.
Viele bekannte Gesichter waren unter der Menge von Menschen zu sehen...

Über die Worte über das Licht Innos hatte der junge Kommandant lange nachgedacht, da es nun auch seine Aufgabe war, jenes zu lernen, zu verstehen, und einzusetzen. Ob es ihm gelingen würde? Das Licht war bisher immer in die ferne gerückt..

Doch nun sah man in den meisten Gesichtern etwas wie Trauer. Trauer über die Worte der Schlacht. Der Tod...es erinnerte ihn an so viele Menschen, die er geliebt hatte, und die es nun nicht mehr gab. Und die, die ihm nun wichtig waren, würde er auch nicht beschützen können.

Langsam stand Taurodir von seinem Platz auf, und blickte nachdenklich in die Umgebung. Selbst die Lady sah er dort. Vielleicht sollte er mit ihr demnächst reden, sie könnte ihm bei seiner Ausbildung eventuell behilflich sein. Ob sie sich darauf aber einlassen würde?

In Wirklichkeit suchte der junge Paladin das Gesicht einer anderen Person, während er noch immer dem Gesang lauschte. Die Stimme war wirklich schön. Der Mann wusste, wie man Aufmerksamkeit auf sich zog. Er selbst dagegen verscheuchte mit seinem Handeln die Personen, die er gern hatte. So fand er auch nicht die Lady aus Erathia unter denen, die dem Barden lauschten.
Der Paladin näherte sich Samantha, und gesellte sich an ihre Seite, wo er nun still stehen blieb. Freundlich lächelte er sie an, als seine Augen in ihr Gesicht blickten, sich jedoch dann dem Mann wieder zuwandten.
Seine Gedanken waren jedoch bei zwei ganz anderen Menschen.
04.04.2004, 18:17 #273
Longbow
Beiträge: 4.035

Wie etliche andere Soldaten des Königs hatte auch Long von dem Barden gehört, der in der Oberstadt sang. Natürlich hatte er sich gleich auf dem Weg zum seltenen Spektakel gemacht, schließlich hatte er eh nichts besseres zu tun.
Vielen anderen Soldaten ging es da wohl kaum anders. Am Brunnen stand der Barde und um ihn herum einige bekannte Gesichter. Long gesellte sich zu ihnen, zufällig neben Iwein. Der Barde hatte mit einem letzten Lied afgehört, von dem Long nur noch das Ende mitgehört hatte, doch anhand der Gesichter und der etwas getrübten Stimmung schloß er, dass es wohl etwas trauriges gewesen war. Klatschen tat auch keiner.
04.04.2004, 18:26 #274
Dumak
Beiträge: 465

Nachdem die Menge einige Augenblicke ganz ruhig gewesen war, begann ein leises Raunen und Murmeln. Der Barde wußte schon, was folgen würde. Die Menge wollte ein neues Lied.
»Da wir nun dem Tod und der Vergänglichkeit gedacht haben, wenn auch vermischt mit Heldenmut und tapferem Kampf, so will ich mich nun einem Thema zuwenden, das uns hoffentlich alle erfreut. Ich singe ein Lied, welches vielleicht mancher von Euch kenne mag, denn es stammt von einem der größten Dichter, die wir kennen. Es handelt von einer Zauberin der besonderen Art und er hat dies in so unvergleichlich schönen Worten ausgedrückt, daß ich ein Tor wäre, würde ich versuchen, es ihm gleich zu tun. Deshalb singe ich nun sein Lied.«
Und so verkündete die Laute mit einer neuen, fröhlicheren Melodie den Beginn eines neuen Liedes.

»Die Zauberin*

Mich verwundert, was ein schönes Kind
an mir hat gefunden,
warum sie die Zauberkünste spinnt,
die mich ihr verbunden,
helle Augen stehen
ihr doch leuchtend im Gesicht.
Bin ich doch der Schönste wirklich nicht!
Kann sie das nicht sehen?

Hat mich einer trügerisch empfohlen?
Säh' sie mich recht nah!
Schönheit ist bei mir doch nicht zu holen,
sucht sie die etwa.
Mangelhaft geraten
sind mir Antlitz, Haar und Haupt.
Hat ein Wahn des Urteils sie beraubt
und sie schlecht beraten?

Hundert andre suchen ihre Gunst,
Schönere ungezählt.
Habe nur ein wenig arme Kunst,
doch die Schönheit fehlt.
Und das bisschen Dichten,
des ich Armer kundig bin,
können andre jetzt und künftighin
ebefalls verrichten.

Will ihr Herz der Kunst den Vorrang schenken?
Hochgemut im Sinn
dürfte sie zu mir die Neigung lenken,
weil ich dichter bin.
Dann will ich mich neigen,
alles, was sie fordert, tun.
Was bedarf sie Zaubers nun,
da ich ganz ihr eigen?

Wißt ihr, woraus sie den Zauber zieht,
der gefangen nimmt?
Sie ist schön und edel von Gemüt,
immer froh gestimmt.
Zauberin der Herzen,
weiter ist sie nichts gewesen.
Nur ihr weiblich wonnig-liebes Wesen
reizt mit süßen Schmerzen.«

Dumak spielte noch ein paar Melodiekringel und verstummte dann. »Dieses Lied widme ich allen, in deren Herzen im Moment nur Platz für eine ist.« Er lächelte galant, während ihm Beifall entgegenbrandete.




*Walther von der Voglweide (1170 - 1230)
04.04.2004, 19:12 #275
Eorl
Beiträge: 794

Eorl lauschte dem Lied des Barden, und trat dann, leise um das Ende des Liedes nicht zu stören, zum Rand des Brunnens. Er lockerte einen Beutel mit Gold von seinem Gürtel, und legte ihn zu den Münzen, die bereits auf dem Brunnenrand lagen. Dann trat er zurück, und ließ den Barden und seine Musik hinter sich. Er wollte gerade das Tor zur Unterstadt durchqueren, als ein Milizsoldat auf ihn zugelaufen kam. Eorl wartete, bis der andere ihn erreicht hatte und zu Atem gekommen war.
"Lord Hagen schickt mich." begann der Soldat. "Er wünscht euch umgehend zu sehen."
Eolr nickte, und wandte sich wiederwillig von dem tor ab. Womit funkte ihm der Lord wohl diesmal dazwischen? Der Riter machte sich auf den Weg zum Rathaus, um eben dies in Erfahrung zu bringen.
Dort wurde er von Lord Hagen erwartet, der ihm zur Begrüßung ernst zunickte.
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