World of Gothic Archiv > Rollenspiel
Auf dem Fjord #1
Seite 15 von 17 « Erste 11  12  13  14  15  16  17 
22.10.2003, 17:13 #351
Angroth
Beiträge: 2.494

Es traf den ehemaligen hohen Templer irgendwie doch sehr hart, Samantha ihre Frage beschwörend "bei Innos" zu stellen, und er sank ein wenig erschrocken zurück, auf dass das Boot sich ebenfalls beruhigen konnte. "Bei Innos ..." wiederholte der Krieger ihre Worte, sein Blick ging für einige Momente ins Leere, er realisierte was sie da überhaupt verloren hatten. Die Bruderschaft, Freunde, ihren Glauben, eine Weltanschauung. Er sah langsam zu ihr zurück und rieb sich die geröteten Augen, sie war es tatsächlich.
Vorhin hatte er sie noch aus bösartiger Absicht angefallen, aber jetzt trieb ihn eine stürmische Umarmung aus anderen Motiven dazu, das Boot ein weiteres Mal beinahe kentern zu lassen. "Samantha!" wiederholte er ihren Namen noch einmal, umarmte sie so fest er konnte. Dabei bemerkte er einen leicht stechenden Schmerz vom Bauch her und grinste leicht vom Gefühl gebeutelt. "Mann hast du einen Schlag drauf!" sprach er, als sie sich wieder ansahen und ein wenig Abstand suchten. Sie lächelte nur zurück, und er konnte nun seinen Frageschwall nicht mehr zurückhalten:
"Wie kommt es, dass du uns hinterher fährst? Und wie hast du zu Innos gefunden, diesem ... öhm egal. Warum bist du nicht mehr in der Bruderschaft, oder bist du es noch?", ihm fiel auf, dass es sich garnicht so sehr um einen Schwall von Fragen handelte, zuckte darüber aber die Achseln.
Ein Ruf unterbrach Samantha, bevor sie wirklich beginnen konnte zu erzählen, denn da waren Trulek und Burrez mit dem Bürger in dem Lastensegler auch schon zurück.
Sie hatten sich wohl entschlossen ihm zu helfen, naja das war zum Glück ja nicht mehr nötig. Beruhigend winkten beide dem sich nähernden größeren Boot und seinen Besatzungsmitgliedern zu.
22.10.2003, 17:34 #352
Drake
Beiträge: 1.084

Burrez fiel ein schwerer Stein vom Herzen als er Sammy erblickte, zusammen mit Angroth, und das sie beide noch lebten, das verdankte er... nun wem verdankte er es, er hatte doch allen Göttern vorzeitig abgedankt... nun sagen wir er verdankte es einem gewissen Mud, den er aus Kindheitstagen kannte damit wir die Geschichte endlich fortsetzen können. Jedenfalls ruderten sie mit dem Lastsegelboot an das wesentlich kleinere Boot heran, ließen die beiden Ex-Mitsumpfler an Bord kommen und verknoteten mit den übrig gebliebenen Seilstücken, die die Boote damals an Land hielten, beide Boote zusammen. Trulek und Tuka waren gerade am Rudern, Burrez machte nochmal den Knoten fester als sie sich nun alle endlich gesetzt hatten, da fing auch der neugierige Burrez an zu fragen....

"Samantha, wie kommt es dass du uns verfolgst? Gehört das Boot überhaupt dir? Und wo warst du in der Zwischenzeit??" fragte Burrez die ehemalige hohe Templerin die sich gerade noch die Augen rieb...
22.10.2003, 17:49 #353
Samantha
Beiträge: 12.569

Samantha traute ihren Augen nicht. Ein Boot voller einstiger Brüder und sie hatte sie die ganze Zeit unwissend verfolgt. Wehmut überkam sie und auch ein bisschen schlechtes Gewissen. Angroth hatte so erstaunt ausgesehen, als er das Wort Innos gehört hatte. Dabei war es ihr doch nur so herausgerutscht. Gut, vielleicht doch nicht so aus versehen, denn in ihrem Innersten hatte sie bereits einen Entschluss gefasst. Ob sie böse sein würden?
Ungemütlich rutschte sie auf der Holzbank zurecht und vermied es die Männer anzuschauen. Ein kurzer Blick streifte Angroth, deutlich gezeichnet von Gewissensbissen.

Irgendwann musste es ja heraus. Und sie spürte bereits die Blicke auf sich haften, neugierig und verwundert zugleich.
Sie räusperte sich.
"Nun, ich...ähm...naja, ich glaube nicht mehr dass ich unter dem Schläfer richtig aufgehoben bin", brachte sie es nun endlich hervor. Sie machte eine Pause und lunste vorsichtig in die Gesichter ihrer Freunde. Wie würden sie es aufnehmen? "Es ist schwer zu erklären... ich kam in die Stadt und dann sprach dieser Magier von Innos...und plötzlich wußte ich, dass er viel mehr Wahrheit spricht als ich je gedacht hätte. Ich möchte von nun an unter seinem Segen kämpfen. Doch bis dahin wartet noch ein weiter Weg auf mich. Sie werden mich nur in ihre Reihen aufnehmen, wenn ich eine kleine Prüfung bestehe, in der ich mich loyal für sie zeige. Als ich nun im Hafen sah dass ein Boot geklaut wird, dachte ich das ist die Gelegenheit meine Loyalität zu zeigen. Naja, das hat sich jetzt auch erübrigt.."
Sie verstummte und Stille kehrte zurück auf das Boot. Lediglich das leise Plätschern der Wellen gegen den Bug erfüllte die Luft.
22.10.2003, 17:59 #354
Drake
Beiträge: 1.084

Burrez schmunzelte. Dann schaute er tief in Samanthas Augen, dachte ein wenig nach und sprach dann, vielleicht ziemlich übermütig, vielleicht auch nur tapfer...

Samantha, du bist jetzt auf dem Weg eine Streiterin Innos zu werden. Wir drei, Angroth, Trulek und ich, sind nun Söldner, und was aus Tuka hier wird weis noch keiner. Doch sage ich dir, zumindest wir ehemaligen Sumpfler waren Brüder und Schwestern, doch sind wir es nciht mehr? Ich sage dir, wir sind es! Also werde ich dir helfen in die Reihen der Streitmacht Innos zu kommen. Wenn unsere Sache im Mienental erledigt ist, wirst du mich diesen Paladinen vorführen und deinen Platz einnehmen... Was mcih angeht, ich werd schon wieder irgendwie rauskommen....

Wieder lächelte er seiner Schwester zu, doch nun hatte er eine kleine Gänsehaut verspürt, den er sah ein das das sein Leben kosten könnte, oder auch nicht, doch Burrez stand zu seinem Wort...
22.10.2003, 18:24 #355
Samantha
Beiträge: 12.569

Samantha erlebte eine Überraschung nach der anderen. Söldner? Ein fassungsloser Blick traf Angroth. Ihm hätte sie das nun gar nicht zugetraut. Doch er nickte lächelnd und schien mit seiner Entscheidung recht glücklich zu sein. Ihr Blick glitt zu Trulek hinüber. Auch er schien fröhlich, das Leuchten in seinen Augen sagte alles. Tuka schien gar nicht so recht zu wissen was hier überhaupt los war und so glitt ihr Blick letztendlich wieder zu Burrez zurück. Sie zog die Augenbrauen hoch.

"Söldner? Oha", brachte sie hervor, sichtlich überwältigt von dem Gedanken. Doch dann nickte sie. "Dann ist euch also auch aufgefallen dass unserer nicht der richtige Weg war?"
Sie war erleichtert. Wenn es ihnen genauso erging wie ihr, dann konnte das nur ihr Gefühl bestätigen. Mehr noch als zuvor wollte sie eine Kriegerin Innos werden.
Ihre grünen Augen ruhten immer noch in denen von Burrez und sie lächelte nun. In ihren Augen lag ein Glänzen dass so nur hervortrat, wenn sie etwas ausheckte.
"Ihr habt recht, auch wenn wir nicht mehr denselben Lagern angehören, uns verbindet ein tiefes unsichtbares Band. Wir sind immer noch Brüder."
Sie lächelte in die Runde, zufrieden und glücklich über ihre Anwesenheit.
"Ihr wollt mir also helfen? Der Plan klingt genial. Ich liefere dich aus und dann finden wir schon wieder einen Weg dich dort wieder herauszuholen. Angroth und Trulek sind ja auch noch da, es dürfte nicht all zu schwer werden. Das ist ein wirklich genialer Plan!"
Sie hatte ganz rote Backen bekommen. Endlich war mal wieder etwas los und sie fühlte sich ihren Freunden näher als zuvor. Sie lehnte sich glücklich zurück.
"Erzählt, was habt ihr vor im Minental?"
22.10.2003, 18:58 #356
Angroth
Beiträge: 2.494

Angroth war stolz auf sie alle vier, sie verband nun etwas, das viel stärker war, als alles was die Bruderschaft ihnen je hätte bieten können: Vertrauen und tiefe Freundschaft. Der Schläfer war Vergangenheit. Je mehr Menschen der Krieger traf, die ihm einst gedient hatten, nun aber eines besseren belehrt schienen, umso mehr wusste er, dass er sich richtig entschieden hatte.
Sein ehemaliger Gott war es nicht wert, das Leben für ihn zu geben in der Ungewissheit ob er wirklich auf das Wohl der Menschen erpicht war. Burrez durfte und mochte Recht haben, der Schläfer hatte großen Einfluss unter den Orks, das hatte von ihnen nur nie jemand glauben wollen.
Jedoch die Wahrheit fand immer einen Weg. Sie war wie das Wasser, das sich durch meterdicken Fels fraß um ans Tageslicht zu gelangen, wenn man ihm nur die Zeit ließ.
Ihr Wasser war endlich am Tageslicht angekommen, und seine Frische stärkte sie in ihrer Enttäuschung, half über den Verlust hinweg. Angroth griff nun Samanthas Frage auf: "Wir wollen in das Minental, dort soll ein Söldner Namens Gor oder Cor sein, der uns mit neuer Ausrüstung ausstatten kann. Ansonsten suchen wir immer noch ein Versteck für unseren Schatz hier, mein Gold das ich als Brauer verdient habe. Ich stelle es jedem meiner Freunde zur Verfügung, wenn er es einmal brauchen sollte. Du darfst dich auch daran bedienen, ein Versteck können wir ja zusammen finden."
Er sah sie an, sie schien immer noch ein wenig überrascht und von ihrem Gewissen geplagt, er ging also noch weiter: "Der Schläfer ist nicht mehr unser Weg, wir sind Söldner weil wir frei sein wollten, frei vom Glauben an ungewisse Dinge und frei von der Knechtschaft einer korrupten Baalkaste. Ich will auch frei vom Gold sein, deshalb ist der Söldner vielleicht eher eine Ironie in sich für mich, aber es steht mir immerhin frei, mich dem Gold zum Knechte zu machen oder auch nicht. Das du dich Innos verschreibst höre ich vielleicht nicht ganz gerne, aber ich hoffe das wird sich nicht auf unsere Freundschaft auswirken. Ich für meinen Teil will dich nicht verlieren, ich will keinen von euch verlieren."
Jetzt hatte er aber mal wieder ganz tief in die rhetorische Trickkiste gegriffen und war stolz auf sich selbst, aber er stand zu jedem einzelnen Wort, er hatte sich wahrlich verändert. Ein Teil von ihm würde immer an den Schläfer glauben, ein Teil von ihm würde immer ein Bruder bleiben, aber es musste auch weitergehen. Zum Minental.
22.10.2003, 19:21 #357
Trulek
Beiträge: 1.337

Samantha war das also die ganze Zeit in dem Boot hinter ihnen gewesen. Auch sie hatte dem Schläfer abgedankt und wollte sich nun bei der Garde beweisen. Der Plan, den Burrez ausgeheckt hatte, erschien Trulek als ziemlich klug. Zwar gab es immer noch ein Risiko, aber das würden sie schon zu umgehen wissen.
Sie waren nun schon zu fünft auf dem recht kleinen Boot und auf längere Zeit würde es wohl unbequem werden. Zum Glück lag das Minental nicht sehr weit von hier entfernt und sie würden schnell dort sein. Am Anfang hatten Burrez und Trulek sich ja schon ins Zeug gelegt und so waren sie schon recht weit entfernt von der Hafenstadt.
Im inneren schwebten Trulek seltsame Gedanken vor. Sie alle vier waren aus der Gilde der Bruderschaft ausgetreten, alle ungefähr zur gleichen Zeit. Etwas anderes als Zufall fiel Trulek da nicht ein, also konnte es nur das sein. Ihr Weg führte sie nun vorerst ins Minental, was sie dort wollten hatte Trulek schon wieder vergessen, bis Angroth Samantha erzählte was sie nun vorhatten. Auf der Suche nach einer gerechten Rüstung waren sie und von einem Söldner hatten sie vernommen, dass der Schmied im Minental zu finden war. Trulek würde bei Gelegenheit gleich noch nach einer guten Waffe oder einem Dolch fragen. Als Waffe besaß er nämlich gerade nur seinen neuen Bogen und sonst nichts. Vielleicht sein kleines Messer, aber das konnte man nicht wirklich dazuzählen.
Während Tuka und Trulek immer noch ruderten, lauschte Letzterer dem Gespräch der anderen und gab auch immer wieder seinen Senf dazu, falls es ihn mal überkam. “Ich zweifle nicht daran, dass der Schläfer existiert, aber ich glaube er hat uns fehlgeleitet. Er ist einerseits gütig, andererseits entzieht er Leuten den Verstand, wie zum Beispiel den Baal wie Angroth erwähnte! Er ist anscheinend nicht der wofür wie ihn hielten. Er nutzt uns aus, er nutzt vielleicht die Orks aus und freut sich insgeheim darüber. Nein danke, da bin ich lieber frei!“
Trulek war selbst über sich erstaunt, was er da ausgesprochen hatte, aber er war überzeugt, dass seine Annahmen stimmten. Falls es anders sein sollte, würde er es nie erfahren oder glauben. Der Schläfer war nun nicht mehr relevant für sein weiteres Leben, weshalb er auch die Rüstung loswerden wollte. Zwar hatte sie ihm gute Dienste geleistet, doch er fühlte sich nun nicht mehr wohl darin.
Das Boot kam nun etwas langsamer voran und manchmal diskutierten die ehemaligen Sumpfler über die Richtung in die sie nun rudern mussten. In der Dunkelheit sah fast alles gleich aus und das Land war nur sehr wage zu erkennen. Doch soweit Trulek wusste musste sie am Land entlangfahren um ins Minental zu gelangen. Zu nah am Land war es aber auch zu gefährlich, wegen Felsen oder Strömungen.
Langsam war es nun Zeit geworden wieder das Ufer anzusteuern. Bald schon kamen sie dem Land näher, eine Anlegestelle war von weitem zu erkennen, an der sie auch später dann das Boot anlegten und vertauten. Nun galt es erst mal herauszufinden, ob sie hier überhaupt richtig waren.
22.10.2003, 20:04 #358
Zylia
Beiträge: 86

Die Segel hingen schlaff, daher ruderte Zylia wie eine wilde.
Der Stadtsoldat hatte ihr gesagt, das die Männer, vermutlich Söldner Richtung Süden aufgebrochen sind und die Frau ihnen hinterher.
“Denen wird ich Heimleuchten.“ dachte Zylia. “Wenn sie wieder auf dem Hof währe und sie rausbekommen würde wer ihr Boot gemopst hatte, würde sie ihm das recht auf Freibier, sein Lebenslang entziehen, na ja, solange sie wenigstens hinter dem Tresen in Schmoks Taverne stand.“

Zylia ruderte und ruderte aber immer, wenn sie sich umsah, war weit und breit kein anderes Boot zu sehen, hatte der Kerl von der Stadtwache sie belogen und die waren nach Norden?
Mittlerweile wurde es immer dunkler und nicht lange und Zylia wusste nicht mehr, wo sie war, da auch noch Nebel eingesetzt hatte.
Mist, jetzt sah sie noch nicht mal, wo sie überhaupt war. Selbst das Land war nicht mehr zu sehen in der Dunkelheit und dem Nebel.
Wie sollte sie hier wieder herausfinden?

“Wenn ...... Ich ..... Euch ........ in ...... die ..... Finger ..... bekomme.“ ächzte sie zwischen heftigen ein und ausatmen hervor.
Nachdem sie das gesagt hatte meinte sie irgendetwas gehört zu haben. War da vor ihr jemand? Vielleicht die ihr Boot gestohlen hatten? Oder war es nur ein Echo im Nebel ihrer eigenen Stimme gewesen? Zylia lauschte hinaus in die Neblige Nacht, nein da war etwas! Sie meinte ein Lachen zu Hören, vorsichtig versuchte sie in die Richtung zu Rudern aus der sie, das Geräusch zu hören glaubte.
23.10.2003, 21:08 #359
untote Piraten
Beiträge: 13

Langsam hatte Becks es satt. Wie lange krochen sie nun schon unter diesem verdammten Segeltuch umher und versuchten, die Störenfriede zu fangen? Die Kerle ließen sich einfach nicht schnappen. Langsam machte es gar keinen Spaß mehr, also beschloss der Pirat kurzerhand, dass jemand dem Käpt’n Meldung erstatten musste und teilte sich kraft seiner Position als 1. Maat für diese Aufgabe ein. Das traf sich bestens, denn gerade war er wieder einmal an den Rand des Tuches gekommen. Er schob sich auf das freie Deck und hielt nach Kapitän Murray Ausschau. Becks seufzte. Es war ein Kreuz mit diesem Kerl, man wusste nie wo er gerade war und musste deshalb ständig aufpassen, dass man nicht auf ihn trat.
Doch er würde auch schon so wütend genug sein, da sie es bisher nicht geschafft hatten, die Feinde zu fangen. Es war sicher eine gute Idee, auch eine Erfolgsmeldung zu überbringen. Doch woher nehmen? Der Pirat sah sich um. Es sah nicht gut aus, an Deck war einiges zu Bruch gegangen und der Kampf schien kein Ende zu nehmen. Vielleicht konnte er den Paladin, der dort auf dem Boden rotierend heulte, als Kriegsgefangenen nehmen? Allerdings war der Käpt’n mit so einer halben Portion kaum zufrieden...

Plötzlich erhellte sich die Miene des 1. Maats: Murray suchte doch ständig schwache Sterbliche, die er unter Deck anbinden ließ, um sie dann mit seinen satanischen und unnheimlichen Drohungen zur Verzweifelung zu treiben. Die Memme vor ihm brachte mit ihrem lautstarken Herumgeflenne genau die passenden Qualfikationen für ein Opfer. Perfektimon... oder wie dat heißt...
Was auch immer das bringen mochte, hauptsache der Käpt’n war zufrieden. Mit einem Grinsen (was blieb ihm auch anderes übrig) packte er Yenai an den Füßen und zog ihn die Treppe hinunter in Murrays Kajüte, wobei der Kopf des Streiter Innos’ die Bekanntschaft sämtlicher Treppenstufen machte. Merkwürdig, er hatte seinen Chef schon so lange nicht mehr herumbrüllen gehört, wo steckte der nur?
23.10.2003, 22:40 #360
Yenai
Beiträge: 1.478

Stöhnend richtete Yenai sich auf. Sein Kopf fühlte sich an, als habe Innos darauf Bongo getrommelt. Was hatte er getan, dass man ihm so strafte? Er war doch immer ein demütiger Diener des Herrn gewesen und hatte nie heimlich genascht. Eine Stimme unterbrach ihn in seinen Überlegungen.
„Knie nieder vor deinem Meister!“
Erstaunt sah der Paladin sich um. Wer hatte da gesprochen? Das grauslige Geschöpf der Finsternis vor ihm konnte es nicht gewesen sein, das schaute unbeteiligt.
„Hier unten!“ Die Stimme klang nun mehr genervt als befehlend. „Noch weiter unten. Ja genau hier. Gut, bleib so stehen. Und jetzt knie nieder vor deinem Meister. Äh. Du bist also einer dieser schwächlichen Sterblichen, die versuchen, mein Schiff zu entern?"
Yenai was er damit meinte, aber er hieltes für klug, ja zu sagen. Das war nie falsch. Also nickte er eifrig „Jawoll, bin ich, ja. Glaub ich.“ Seine wenigen grauen Zellen lagen nach der rüden Behandlung durch die Treppe noch im Koma, daher kümmerte ihn nicht, dass er mit einem auf dem Boden liegenden Schädel sprach. Es gab viele wundersame Dinge in der Welt, und dies war eben eines davon.
„Bestens. Los, Becks, wir schnappen ihn uns!“
„Aber Käptn, ich hab ihn doch schon geschnappt.“
„Achja? Und warum macht er siech dann grade aus dem Staub?“
„Gute Frage...Wir sollten das in einer sachlichen Diskussion klären.“
Mehr hörte der Streiter Innos nicht, da er das Deck erreicht hatte, wo er lauthals schreiend umherrannte. „Grässliche gurgelnde Geschöpfe gewannen gegen das Gute! Gar grauslige Ghule entführten ganz gigantischen Paladin! Toll tapferer Tarzan turnt ihnen tavon! Warnt wankende Wollmäuse vor dem Weltuntergang!“ Erleichtert blieb er stehen. Er hatte seine Botschaft überbracht. Nun wussten die anderen um den Ernst der Lage und konnten reagieren.

Leider waren ihm bei seiner Einschätzung der Lage einige recht wichtige Details entgangen: Seine Kameraden waren allesamt entweder unsinnigerweise über Bord gesprungen (bzw. gesprungen worden), befanden sich im Kampf mit den restlichen Piraten oder hingen kopfüber vom Mast herab. Es fiel ihnen also schwer, seine Warnungen zu bedenken und Gegenmaßnahmen zu treffen. Auch dass sich ihm von hinten Becks mit einem Knüppel in der Hand näherte, entging Yenai tragischerweise.
26.10.2003, 18:53 #361
untote Piraten
Beiträge: 13

Becks starrte auf den Knüppel in seiner Hand, unschlüssig, was zu tun sei.. Käpt’n Murray hatte gesagt: „Hinterher! Du weißt schon, was zu tun ist.“ Becks hatte eifrig genickt und „Ja, Käpt’n. Höhö.“ gesagt. Das stellte sich nun als Fehler heraus, denn leider wusste er nicht wirklich, was zu tun war. Sollte er den merkwürdigen Kauz auf einen Schluck Grog in die Kajüte einladen? Oder hatte Murray gewollt, dass er sich am Hauptmast erhängte? Eine schicksalhafte Entscheidung. Hätte der Untote noch Haut auf seiner Stirn gehabt, hätte er sie nun wahrscheinlich sorgenvoll in Falten gelegt, doch so musste er sich mit dem Versuch begnügen. Schließlich fasste er einen Entschluss: Er würde den Fremden auf einen Schluck Grog einladen und sich dannam Hauptmast erhängen.

Vorsichtig tippte er seinem Vordermann auf die Schulter. „He, du. Hast du Lust auf einen guten Schluck Grog?“
Yenai fuhr herum, entspannte sich dann aber als er Becks erkannte. „Puh, nur ein untoter, grässlicher Seeräuber. Hast du mich erschreckt, ich dachte schon, da käme ein Monster, ein Skelett oder sowas. Klar hab ich Lust. Aber...“ er zögerte „Meine Mama hat gesagt, ich darf nicht mit fremden Onkels mitgehen“
„Schau mich an: Seh ich aus wie ein Onkel?“
„Naja...eigentlich nicht, stimmt. Gut, ich komm mit. Kann ich auch meine Freunde mitbringen?“
Der Pirat zögerte. Davon hatte Murray nichts gesagt. Andererseits - er hatte auch nichts dagegen gesagt, außerdem hörten die „Freunde“ dann vielleicht endlich damit auf, das Schiff in akrobatischen Attacken zu verwüsten.
„Sicher doch, sag ihnen ruhig allen Bescheid. Geht einfach die Treppe runter und dann geradeaus. Ich kann euch leider nicht begleiten, hab zu tun. Du hast nicht zufällig ein Seil, dass sich zum erhängen eignet, dabei?“
„Nein.“
„Dachte ich mir, trotzdem Danke.“
Becks trottete davon, auf der Suche nach einem guten Platz zum erhängen, während er Yenai über das Deck rennen und „Hey Leute, macht mal Pause, es gibt was zu Trinken!“ brüllen hörte.
26.10.2003, 20:35 #362
Bloodflowers
Beiträge: 2.216

Blood befand sich in einer äusserst ungünstigen Situation. Aber auch nur wenn man ein unverbesserlicher Pessimist war.
Eine ganze Weile schon, hing Bloody kopfüber am Mast und baumelte zum Zeitvertreib ein wenig umher. Wie bei einer Schaukel auf einem Abenteuerspielplatz. Ja eigentlich war so ein Piratenschiff genau der ideale Spielplatz für Lee's Buben! Gruselige aber harmlose Spielkameraden überall. Und genug Platz gabs auf dem Oberdeck auch, einfach perfekt.
Doch dann geschah das unvermeidliche, naja besser gesagt das unerwartetste. Ein Skelettpirat kam angesprungen und rammte seine Zähne in das Seil. Durch die Wucht schaukelte das gesamte Gebamsel natürlich wieder etwas doller.
"Sag mal was soll'n das werden?" fluchte Bloody, grade war er so schön eingenickt, nicht grade nett von dem Skelett ihn jetzt zu wecken.

Der Untote knabberte an dem Seil, spuckte gelegentlich Fusseln aus und hatte das Seil nach einiger Zeit durch genagt.
Mit einem Plumps fielen beide nach unten. Bloody war ja noch ein wenig lebendiger und schwerer als der Pirat und somit war er auch:
"Erster... autsch!" das Skelett fiel oben drauf. Der Pirat kicherte und rief dann:
"Hast du es nicht gehört Schätzchen? Abmarsch unter Deck, dort gibt's Longdrinks umsonst!"
"Runter von mir!" grummelte der Söldner seinerseits und schmiss den Untoten von sich. Das leichte Skelett flog ein paar Meter und kam dann unsanft auf. Dabei löste sich der Schädel unter kullerte über das Deck. Augenblicke später taumelte der restliche Körper kopflos umher. Der inzwischen zur Ruhe gekommene Kopf rief:
"Danke du Arsch, weisst du wie lang das dauert meinen Körper jetzt zu mir zu lotsen?" der Pirat wandte sich von dem Söldner ab und lockte seine restlichen Gebeine:
"Komm putt putt putt... komm putt putt putt!"
"Mensch, der hört dich doch eh nich... so ohne Ohren!" lachte der Söldner und rannte dann geschwind unter Deck. Im Laderaum direkt unter dem Deck verliess er die Treppe und sah sich um. Bis auf ein paar messerwetzende Piraten gabs hier nicht viel:
"Ey wo sind denn nun die Drinks? Was habt ihr denn eigentlich alles zur Auswahl?" keins der Skelette antwortete, mit gespielter Lockerheit winkte Bloody ab:
"Ach was egal was ihr habt, ich nehm nen doppelten!" das liessen sich die Piraten nicht zweimal sagen und stürzten sich auf den Söldner.

Nach einiger Zeit der Ohnmacht wachte Bloody mit Kopfschmerzen im Kopf(wo auch sonst^^) auf. Man hatte ihn einfach so in die Bilge gesperrt. Zusammen mit etwas so skurillem das es nur hier auf diesem Schiff geben konnte... einem UNTOTEN BILGENSCHWEIN!!!

Ein Ruf von oben erschütterte den gesamten unteren Teil des Schiffs:
"Fangt den Rest und dann ab nach Khorinis!!!"
Der Anker wurde gelichtet! ...
27.10.2003, 20:35 #363
Schmok
Beiträge: 977

Nachdem die Piraten all die restlichen Möchtergern-Idioten eingefangen hatten, und sicher unter Deck verwahrt hatten, herrschte eine seltsame Ruhe auf dem Deck, da sich auch die Piraten unter Deck gesammelt hatten (Ich mein, nachdem Scatty irgendwo Scheiße gelabert und rumgehüpft ist, erscheint sogar ein Marktplatz inklusive Marktschreier ruhig…). Die Piraten hatten jedoch nicht an den Idioten gedacht, der kurz nach dem Eintreffen wieder von Bord „gesprungen“ ist: Schmok. Und das würde ihr Fehler sein. Sie hatten nicht mit d e m Schmok gerechnet. Der Schmok, der es locker mit zehn Orks gleichzeitig aufnehmen könnte. Der Schmok, der in der Lage ist, einen Schwarztroll, ach was, die Großmutter aller Schwarztrolle mit bloßen Händen zu erwürgen. Der Schmok, der, sofern er denn wollte, mit einem Streich die Miliz ins Meer kicken würde. Der Schmok, der die größte Tiger-Tanga-Sammlung Khorinis sein Eigen nennt (ja, immer noch…).
Sie hatten die Rechnung ohne Schmok gemacht!!!

Just in diesem Moment griff eine algenbehangene Hand von außen an die Reling, und umschloss sie fest. Mithilfe dieser Hand zog sich einer muskulöser, in eine Drachenjägerrüstung gekleideter Körper hinauf und kurzerhand hatte sich der Körper über die Reling gezogen, und lag nun, alle Glieder von sich gestreckt, auf dem Deck und keuchte sich nen Wolf: „Püha! Beim heiligen Koma-Bier, ist das ne Plackerei hier! Ich wird noch mal bekloppt, wenn das so weitergeht…“
Nachdem Schmok, unter Bekannten auch als Metall-Zermalmer bekannt, genug Luft geholt hatte und nur knapp gegen den Drang, hier einfach ne Runde zu pennen, gewonnen hatte, orientierte sich der Drachenjäger erstmal.
Niemand war auf dem Schiff zu sehen. Also beschloss Schmok erstmal den Sektor zu sichern, wie es so schön heißt, unter Profi-Söldnern. Mit leiser Sohle schlich Schmok von Mast zu Fass, von Fass zu Wand oder einfach nur von einen Fuß auf den Anderen. Nachdem Schmok sich so ein Bild von der Lage und der erschreckend guten Qualität der lokalen Luv-Winde gemacht hatte, konnte er sich knapp hinter dem Hauptmast verstecken, bevor auch schon ein Trupp Skelette zurück an Bord kam. Wie ein Profi eben hielt Schmok die Luft an und hörte nach den Unholden.

Kaum waren die Skelette auf Deck, begann auch schon einer – er hielt einen Schädel in der Hand - mit eben jenem zu diskutieren: „So, Kapitän Murray hier ist unser Problem.“ – „Watt? Ich seh nöschts!“ – „Eben, das ist es ja – wir haben kein Hauptsegel mehr!“ – „Wer, bei Beliar, macht denn so nen Müll?!?“ – „Einer von den Torfköppen, die wir gefangen genommen haben, muss das Segel während der Kämpfe gekappt haben. Frag mich jetzt bloß nicht, wie!“ – „Wo ist das Segel jetzt?“ – „Wir haben es auf dem Süd-Deck da drüben zusammengeschoben!“ – „Na dann…“ – „Was na dann?“ – „DANN HÄNGT ES EBEN WIEDER AUF!!!“ – „Tja, da wären wir schon beim nächsten Problem: Einer von den Trotteln hat das Hauptsegel-Tau über Bord geworfen!“ – „Dann hetz Hasseröder zurück auf das Krähennest, er soll gucken, wo es schwimmt, dann werdet ihr es eben wieder aufsammeln!“ – „Ein weiteres Problem: Einer von den Armleuchtern hat Hasseröder so vom Krähennest geworfen, dass der Typ jetzt ne Phobie vor dem Ausguck hat.“ - „Verdammich! Das müssen ausgebildete Profis gewesen sein!“ – „Eben…“

Bei dem Begriff –Profis- kam Schmok nicht umhin, sich heimlich ins Fäustchen zu lachen. Doch empfand er diese Unterhaltung nicht nur als unterhaltsam. Nein, Profilar, wie er eben ist, hat er auch aus der Unterhaltung gehört, dass der Schädel der Kapitän sein muss. Und da Schmoks (eingebildete) Ausbildung zum Profi auch Attentäter-Missionen umfasste, würde er den Kapitän nun liquidieren, wie es so schön heißt unter Profi-Söldnern. Was immer es denn hieß…

Schmok legte fest, dass er nach der guten alten Rammbock-Methode vorgehen würde. Sein Lehrmeister Herr Protzlotschky war nämlich auch Meister der uralten Kampfart „Ragbi“ gewesen – und die würde er jetzt anwenden.
Mit entschlossener Miene trat Schmok wutschnaubend hinter dem Mast hervor, als ihn auch sogleich die Piraten entdeckten. „Noch so ein Bekloppter! Greift ihn!“, schrie das Ziel. Die Piraten rannten sofort auf den Lee zu, während der einen barbarischen Schrei von sich gab und losrannte. Es lagen nur wenige Meter zwischen Schmok und den Untoten, sodass es sogleich zum ersten Körperkontakt kam, indem Schmok den etwas stämmigeren Pirat mit einem fiesen Magenrempler aus den Stiefeln hob und dem Zweiten eine volle Breitseite mit dem Ellenbogen verpasste. Der Dritte Pirat stand nun noch als Einziger zwischen Schmok und dem 1. Maat inklusive Käpt´n.
Schmok stoppte kurz und sah dem Untoten tief in dessen, nicht vorhandene, Augen. Das Skelett war recht schmächtig und dünn gebaut, was Schmok schon mal ein Siegerlächeln entlockte. Kurz danach schrie auch der Pirat und rannte auf Schmok zu. Der Lee erkannte natürlich sofort, dass der Gegner einen Tackle anbringen wollte. Aber nicht mit Schmok. Er stemmte seine Beine in den Boden und spannte seinen Körper an.
Wenige Momente später lag ein Skelettpirat mit angebrochenem Brustkorb und nicht gerade sanft entferntem rechten Arm vor dem Drachenjäger.

Schmok jedoch genoss seinen Sieg nicht, nahm sich den Abgefallenen Arm auf und warf ihm dem Maat zu: „Hier fang!“. Wie es der pure Reflex will, ließ der Maat den Schädel fallen und fing den Arm (der Trick klappt auch immer wieder… *fg*). Schnell lief Schmok los, griff nach dem kreischenden Schädel und rannte an dem Maat vorbei in den Eingang zum Unterdeck. Der Maat fluchend hinterher…

Jetzt musste Schmok nur noch herausfinden, in welchem Eck seines Gehirns sich die Hirnwindung versteckte, die in dem Moment der Spontaneität diese völlig kranke Idee, die reineweg frei von jeglichem rationalen Handeln war, geboren hat. Und warum Schmok das auch noch getan hat!
28.10.2003, 20:03 #364
Drake
Beiträge: 1.084

Doch die Wellen schienen nicht so mild und ruhig zu sein, wie sie anfangs aussahen, was Burrez nun auch zu spüren bekam. Die Wellen wurden immer schwunngvoller und immerwieder kämpfte er dagegen an aufzulaufen und an den Klippen zu krepieren. Die starken Winde zischten an ihm und seinem Ruderbötlein vorbei, die starken Wellen schleuderten sein Boot schon hin und her, und ein Sturm schien gerade erst zu beginnen. Seine Füße waren nass geworden, durch die ganzen Gewässer die hereingespritzt und -geflossen sind. Und der Strum begann...

...Nun war er gerade um die Felsenklippen drumrumgefahren, schon setzten die Wellen, der Regen und der starke Wind extremer ein als zuvor. Er könnte jetzt Shadak zitieren und etwas von einem Weltuntergang erzählen doch dafür hatte er nun keinen Muskel übrig, den er wollte unbedingt überleben, aber das wollte ja jeder, doch nciht jeder hatte den Mut und den starken Willen dazu....

...So kämpfte er sich hindurch, jede Welle die ihn wegschuckte könnte sein Tod sein. Er fiel nach einer weiteren Welle zu Boden des Boots, und als er sich gerade aufrappeln wollte kam eine weitere von hinten und schob seinen Körper wieder zu Boden, diesmal stieß der Kopf zuerst auf und er verlor das Bewusstsein...
30.10.2003, 23:27 #365
Yenai
Beiträge: 1.478

Yenai erwachte von einem schmerzhaften Biss ins Handgelenk. Reflexartig wollte er die Hand zurück ziehen, doch etwas hinderte ihn daran. Fühlte sich fast an, wie ein dickes Seil, mit dem man ihm die Hände gebunden hatte. Doch warum? Und warum konnte er nichts sehen? Alles war dunkel, obwohl er um sich herum aufgeregte Stimmen hörte. Plötzlich kam ihm eine Idee. Er versuchte es - und es klappte! Aufgeregt quietschend, wiederholte der Paladin den Trick. Schon wieder ging es: Man musste einfach die Augen aufschlagen, schon sah man seine Umgebung. Faszinierend! (An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass die Piraten den armen Recken mit einem harten Schlag auf den Hinterkopf außer Gefecht gesetzt hatten, das sind ja bekanntlich die allerfiesesten.)

Weitere aufregende Entdeckungen folgten: Mit einem Mal konnte er die Hände wieder frei bewegen und er hörte jemanden rufen „Gut so, Schädel, und als nächstes beißt du Bloody’s Fesseln durch, aber fix, sonst mach ich Knochenmehl aus dir!“. Yenai wusste nicht, was all das bedeuten sollte, doch er freute sich über seine wiedergewonnene Freiheit und beschloss, dies mit einem Regentanz zu feiern. Wie ging der doch gleich? Achja, linkes Bein, vor, rechter Arm im 163°-Winkel nach oben strecken und die Hände immer in Richtung Norden kreisen lassen, dann ging alles wie von selbst. Schon nach wenigen Sekunden war der Paladin in dieses uralte Ritual, dass er im Alter von vier Jahren nach langer Beobachtung von Regenwürmern (die mussten schließlich wissen, wie es geht, wenn sogar der Regen nach ihnen benannt wurde) übernommen hatte und anschließend in jahrelanger Übung und mithilfe wochenlanger Fastenkurse...Wo waren wir stehen geblieben?
Achja, jedenfalls hatte ihn dieser Tanz ganz in seinen Bann geschlagen, als er plötzlich unsanft aus der Trance gerissen wurde. Jemand hatte ihm zwei kräftige Ohrfeigen verpasst und bedachte ihn nun mit Worten, die eigentlich nicht einmal für Söldner verwendet werden sollten. Yenai hatte keine Ahnung, was sie bedeuteten und beschloss daher, den Schreihals höflich zu ignorieren. Er wandte sich stattdessen an den Schädel, der gerade damit beschäftigt war, Scatty’s Fesseln zu durchbeißen. „Was ist hier los?“. „Dieser Unwissende Narr will mich zertreten, wenn ich nicht eure Fesseln durchbeiße“, erklärte Murray mit vollem Mund, „Doch schon bald wird er seine Schandtaten bereuen und er wird sich vor mir niederwerfen und mich um Gnade bitten, doch ich werde ein Exempel statuieren. Aufwiegler sind hier nicht geduldet. Er kann nur verlieren. Leider sieht der dämliche Idiot das nicht ein.“, fügte er hinzu.

Der Streiter Innos betrachtete aufgeregt das Geschehen um sich herum. Inzwischen waren fast alle im Raum befreit, unter anderem Bloodflowers, der sich (immer noch) als Holk verkleidet hatte und Holk, der sich (immer noch) als Bloodflowers verkleidet hatte. Dann waren da noch drei Fremde, von denen zwei an Nagetiere und einer an ein Walross erinnerten, und natürlich Schmok, der aus irgend einem Grund hektisch herumrannte und versuchte, einen zweiten Ausgang aus diesem Raum zu finden. Warum nur? Hier wars doch gemütlich...
02.11.2003, 16:39 #366
Heimdallr
Beiträge: 12.421

Das Schiff, diese kleine Nussschale kippte bedrohlich oft zur Seite und nahm etwas Meereswasser auf, doch nicht bedrohlich genug, sie würden schon nicht kentern, das wäre nämlich äußerst ungünstig, statt sich aber darüber sorgen zu machen, hatte er sich an die Reling gelehnt, den Kopf auf der Schulter angelehnt und versuchte vergeblich die Ruhe zu finden die er brauchte und die er zu finden gedachte, irgendwie machte ihm das alles mehr zu schaffen, als er dachte, es ging einfach an die Substanz des Geistes, diese ganzen schlimmen Dinge, es war nicht mehr auszuhalten und doch konnte er wenigstens teilweise vergessen. Das Meer hatte also noch immer diese heilende Wirkung auf Körper, Geist und Seele, wie schön.
Während seine linke Hand im eiskalten Wasser lag, lauschten seine beiden Hörmuscheln den Worten des Fischers, der wirklich zu bewundern war, ganz allein ruderte er da und das noch in einem Wahnsinnstempo, es war fast unglaublich, wie dieser alte Mann ruderte und dabei konnte er noch diese wunderschönen Geschichten erzählen...

Einmal waren wir auch mal an Land, aber nicht auf einer Insel wie so oft, sondern wir bereisten auch Höhlen, ja es gab da Inseln, die hatten ein riesiges Höhlennetzwerk, überall und es gab auch einige, dort gab es Steine die nach oben spitz waren und man sehr aufpassen musste, wo man hintrat, auch die genauen Gegenstücke an der Decke, fast hatte man das Gefühl man wäre in einer Falle, zum Glück waren es nur Kalksteine und keine Eisenspitzen und zum Glück blieben die auch wo sie waren und kamen nicht auf einmal herunter gefallen, aber der Anblick war gigantisch, nun ja, unser damaliger Kapitän hat uns extra alle riesige Kisten schleppen lassen, Truhen und Säcke, später dann, tief in so einer Höhle, hat er uns alles hin stellen lassen und hat uns befohlen aufs Schiff zurückzukehren, was wir dann auch alle gemacht haben, später dann kam der Kapitän zurück, aber ohne eine der Kisten, was auch unmöglich war, sie waren schließlich viel zu schwer, doch ich bemerkte, dass unser Schiff viel leichter geworden war und als ich mich dann nachts unter Bord in den Laderaum begeben habe, da war noch alles wie zuvor und doch waren wir leichter geworden, also schlich ich mich in die Schatzkammer, eigentlich durften wir da gar nicht hin, doch es gelang mir trotzdem einen Blick zu erhaschen und siehe da, nichts, es war alles leer, alles weg, da wusste ich, der Kapitän hat irgendetwas wertvolles in den ganzen Sachen gehabt und sie auf der Insel mit den komischen Höhlen versteckt, doch die wird man nicht mehr finden, erstens weiß ich nicht mehr die genauen Koordinaten und zweitens ist diese Höhle so unübersichtlich, dass man sich nur verlaufen würde, aber wer weiß, vielleicht liegt der Schatz ja noch da...

Eine schöne Geschichte, damit wollte der alte Seebär wieder irgendwelche Andeutungen von Schätzen machen, die noch nicht gefunden wurden und nur auf einen Finder warteten, vielleicht erhoffte er sich auch, dass der Schatten ein Schiff bauen ließ und er dann wieder auf See könne, mit einem richtigen Schiff, doch das war schon fast komisch, denn sowas würde er nie machen, dafür hatte er gar kein Gold. Und was sollte er schon mit einem Schatz anfangen, die wahren Schätze blieben ihm schließlich verborgen.
Bald mussten sie eigentlich da sein, auch wenn der Hafen von Drakia noch nicht in Sicht war hatten sie sicher schon ein beachtliches Stück zurück gelegt, sicher würde ihn der Schiffer gleich bescheid geben, doch was würde ihn in Drakia erwarten, eine wirklich gute Frage, vielleicht war es auch ein Fehler dorthin zu fahren, gerade jetzt, wo alles so unheimlich schwer für ihn war, aber vielleicht war es auch genau das richtige...
02.11.2003, 22:55 #367
Heimdallr
Beiträge: 12.421

Die Nacht hatte sich schon gesenkt, wirklich erstaunlich lange waren sie noch gefahren, er hatte wahrlich gedacht, sie würden bald ankommen, doch dies war vor drei Stunden, so fuhren sie in der Nacht nach Drakia hinein, es dauerte wirklich lange, doch nun ertönten endlich die Worte, die er hören wollte, denn der alte Seebär sprach nun, dass Drakia vor ihnen lag und sie in wenigen Minuten ankommen würden, so lehnte er sich ein letztes Mal zurück, nur um sich dann vor Erwartung schon wieder aufzurichten, was durch die ruckartige Bewegung die Nusschale etwas ins Wanken brachte, und sich umzusehen, vor ihm lag eine dunkle Stadt, ein Umriss von ihr und er erwartete sehnsüchtig die Minute, in der er wieder Fuß auf dieses Stück Land setzen würde, auch wenn er sich noch immer nicht sicher war, ob er das richtige getan hatte.
Seine linke Hand war etwas taub, als er sie nun wieder aus dem Wasser holte, doch war es müssig gewesen sie im Wasser zu halten und sie zu kühlen, auch wenn es eigentlich nichts gab, was ihn daran gehindert hätte dies nicht zu tun, er hatte es einfach getan, es war so gleichgültig, so egal....eine Hand mehr oder weniger, was machte das schon, sie würde sowieso heilen und dann war alles wieder gut, es war so gut wie unmöglich, dass etwas geschah, er war so sicher, was sollte schon geschehn? Innerlich wünschte er sich eine Veränderung, es war an der Zeit, doch gab es keinen Grund dafür, es wäre lebensmüde gewesen, ohne Grund zu sterben, nein, so weit ging es dann doch nicht.
All diese Gedanken und Träume, sie kündeten von einer Zeit der Zukunft, was würde in ihr geschehen, eine gute Frage, doch die Antworten kannte nicht mal er selbst, die Zukunft war unergründlich, sie würde ihn unerwartet treffen und auch die Reinkarnation würde seine zwarte Seele treffen, unvorbereitet und hart, er musste dies verhindern, doch ging dies nur mit permanenter Wachsamkeit und den Kampf gegen die böse Saat, die sich nicht ausbreiten durfte, der Fluch der Sieben durfte nicht erweckt werden, sonst war alles umsonst, er wäre gescheitert, die Kirche Innos wäre gescheitert und etwas schreckliches würde über die Welt kommen, der verstoßene Schrecken würde herrschen und es würde wieder einen Krieg geben, der die Menschen restlos vernichten würde, denn allein der Krieg gegen Orks, die dagegen nichts waren, war nicht absehbar, wie es ausging. Er wollte dies nicht, es lag nicht in seinem Willen und er würde es verhindern wollen, er würde auch dagegen ankämpfen, doch war die Frage, ob es dann nicht zu spät sei...er musste wieder in die Reinform, in die Ursprungsform kommen und zwar schnell, die erste Phase der Saat war fast vollendet, es fehlte nicht mehr viel. Drakia musste ihm helfen, es musste einfach.

Und so legte die Nussschale im Hafen an, so betrat er wieder den Boden des Fischerdorfes, er war wieder hier, doch wie er es fröhlich und glücklich verlassen hatte, so kehrte er als Wrack und auch als wandelnde Gefahr zurück.
Er ward zurück....zurück in Drakia....
03.11.2003, 20:29 #368
untote Piraten
Beiträge: 13

Mit einem hochemotionalen „Schnick, Schnack, Schnuck!!!“ fuhren die knöchernen Hände der Skelette in die Mitte der Runde. Sowohl ein erleichterter Jauchzer als auch ein Aufschrei füllten den Raum, als endlich alle Skelettpiraten ausgeknobelt hatten, wer als erstes den Raum stürmen würde, in dem sich die gegnerischen Kommandos verschanzt hatten. Zusammen mit dem Kapitän als Geisel und den apokalyptischen Reitern. Becks, der erste Maat des Schiffes und momentaner Organisator der Stürmung des Bilgenschwein-Raumes, war mittlerweile fest in dem Glauben, dass es sich bei den Eindringlingen um einen speziell ausgebildeten Trupp der Innos´ler handelte. Sie mussten irgendwie Wind davon bekommen haben, nun Schissikacka in ihre röschenroten Unterhosen gemacht haben und einen Trupp losgeschickt haben, der die Skelettpiraten unschädlich machen sollte.
Benommen klopfte sich Becks an den Kopf – jetzt glaubt er schon selbst den Mist, den Murray immer vom Hocker ließ. Doch jetzt gab es Wichtigeres. Alle Piraten hatten vor der kleinen Tür Stellung bezogen und die Rollen waren klar verteilt. Entweder durch Schnick-Schnack-Schnuck oder durch sachliche Diskussionen („Warum muss ich ganz vorne stehen?!?“ – „Weil du scheiße bist!“ – „M´kay, gutes Argument!“).
Hätte Becks noch Schweißdrüsen, sie hätten wohl wieder wohlwollende Wärme verstrahlt, als er das Signal zum Angriff gab: „Sprengt die Tür!“.

Abgerichtet und diszipliniert wie sie nun mal waren, brauchten die Piraten nun unwesentliche siebeneinhalb Minuten, um die Tür endlich unter Verlust von drei Männern aufzubrechen. Becks: „Mein Gott, wenn uns eine Patina-verseuchte Holztür schon drei Männer kostet, warum bin ich dann überhaupt noch hier?“. Doch die Piraten ließen sich nicht aufhalten und tapfer stürmten sie den Raum (ein weiterer Mann fiel, als er den Tür-Absatz übersah…). Wie ein Schar tapferer… nein; heldenhaft… nein; sagen wir eine Schar aufgeschreckte Hühner stürzten sich die Piraten auf ihre Gegner. Becks, heroisch wie nun mal war, stand in letzter Linie und koordinierte den Angriff: „Männer, glaubt ihr nicht, dass, wenn ihr eure Waffen einsetzt, ihr ne Ecke effektiver werdet? Hey, passt auf Holsteiner auf, der will doch auch nur helfen! Und, verdammt, ich hab ich tausendmal gesagt, ihr sollt aufpassen, dass ihr eure Glieder bei euch behaltet!“
03.11.2003, 20:55 #369
Scatty
Beiträge: 1.335

Beim Schläfer, welch Trieb trieb eigentlich diese völlig durchgeknallte Welt. Als die Piraten den Raum stürmten blickte Scatty, die Frage formuliert, zu Captain Himbeer, der jedoch nur mit der Schulter zuckte. "Hey, dafür hab ich ein tolles Seemannslied für dich! Also...Yohoho, zwei Karamelbonbons auf grosser Fah.." "SCHNAUZE!" Verdammt noch mal, dass der Kerl auch immer in den unpassendsten Momenten zu trällern beginnen musste. Vorhin, als er wie wild in diesem riesigen, benutzten Feinripp-Schlüpfer (der aufgrund der Grösse wohl Gemeinschaftsgut einer Trollfamilie gewesen war) rumgehüpft war, der sich später als Hauptsegel herausgestellt hatte, hatte er es auch schon getan. Und jetzt, da Scatty erkannte, dass keine Putzkolonne, die sie aufgrund Bloody´s überwältigendem Gestank samt Bilgenschwein gefunden hatten, hereinstürmte, um das sorgenfaltige Gesicht Scatty´s wegzufegen und die Sache ins Reine zu bringen (Wortspielalarm!), sondern eine Horde wildgewordener Skelettpiraten, die keine besser Idee gehabt hatten, sich nach Bieren zu benennen, war er erst recht am verzweifeln. Überhaupt, dieses südostasiatische Murray-Bier schmeckte wie brühwarmer Breckalhuastn!

"Mann, ihr seht ja blass aus, habt ihr nichts gegessen? Nur noch Haut.....nur noch Knochen!" Die Piraten stutzen. Hey, sie hatten WIRKLICH lange nix mehr gegessen. Scatty grinste wissend und pflanzte sich auf den Boden. "Jungens, glaubt diesem Schädel nicht, wenn er sagt, ihr könntet sowieso nichts essen..Denkt doch selbst! Habt ihr denn kein Hirn?" Verstört blickten sich die Skelette an. Der Hüter selbst erkannte in dem Moment, wie verwirrend seine Verwirrungstaktik augenscheinlich war. Ein Räuspern. "Ähm...hey...der Gedanke zählt doch, oder?" Die Piraten blickten einander an. Was meinte der Kerl? Hirn? Gedanke? Essen? Wo lebte der eigentlich?
03.11.2003, 22:03 #370
Bloodflowers
Beiträge: 2.216

Bloody hatte soeben mit dem Schwein eine neue Partie Skat begonnen, als plötzlich die Tür aufgebrochen wurde und die Piraten herein gestürmt kamen.
"Endlich ham wa nen dritten Mann... so zu zweit isses arschlos!" frohlockte der Söldner. Doch die Piraten hatten keine Lust auf Kartenspiele, denn soeben wurde ihm von einem geworfenen Entermesser der Kreuzbube aus der Hand gerissen.
"Toll, ihr habt mir meinen offenen Grand Hand versaut... noch dazu hat das Schwein mir nen Kontra gegrunzt."
Der Lee schlug den Kopf auf den provisorischen Skattisch und heulte:
"Dem Schwein hätt ich das Fell über die Ohren gezogen, hättet ihr nicht noch die Partie abwarten können?"

Bei den Worten "Fell" und "über die Ohren gezogen" schaute das Schwein etwas schräg drein. Bloody entschuldigte sich aber sofort:
"Ja Tschuldigung, war doch eh nur rhetorisch gemeint!"
"Grunz!"
Der Zwist zwischen Schwein und Söldner(als obs da nen riesigen Unterschied geben würde) war geklärt und Bloody befasste sich nun mit den wichtigen Dingen.

"Spiel rüber Schmok!" rief er und lief in die Gasse. Sofort kam das Anspiel perfekt in den Lauf. Ja man nannte Schmok nicht umsonst den "Maradonna von Khorinis".
Gekonnt nahm Bloody "Schiri-Liebling" Bloodflowers den Murrayschädel mit und spielte sich hinter die gegnerische Viererkette. Kurz vor der Wand, nein kurz vor der Torauslinie schlug der Söldner die Flanke in den Rücken der verwirrten Abwehr. Torwart Hasseröder kam kompromißlos aus seinem Kasten(der Tür nach oben;)) gestürmt und räumte alles ab was ihm dabei in den Weg kam. Das es sich dabei um seine eigenen Abwehrspieler handelte ist nicht so wichtig. Ein Torwart muss resolut sein und wenn er schon das Spielgerät nicht abfangen konnte, dann doch wenigstens den Strafraum leer räumen. In hohem Bogen segelte der Schädelball über Abwehr und Torwart hinweg. Kam denn keiner an den Ball?

Alle hielten den Atem an, sogar die Untoten Piraten. Der Ball flog und flog, doch was war das?
Scatty "Professor Bolz" stand völlig frei am langen Pfosten. Ja er könnte den Schädel erreichen. In unnachahmlicher Manier berechnete der Hüter des Glaubens das der Winkel für einen direkten Torschuss viel zu spitz war. Mit einem eingesprungen(und wunderbar stylischem) Seitfallrückzieher legte er den Ball zurück.
Wieder schien es als Laufe alles in Super-Slowmotion ab. Die Piraten waren völlig verwirrt, regungslos starrten sie dem Schädel hinterher. Doch ihre Passivität wurde bestraft, aus dem Rückraum näherte sich "Eisenfuß" Yenai der Strafraumgrenze. Eine ideale Position für den Paladin. Freie Schussbahn und ein von Scatty hervorragend aufgelegter Ball. Wuchtig hämmerte der Streiter des Herrn Innos den Schädel in den Winkel.

Murray flog durch die Tür, prallte an den Stufen ab und flog weiter nach oben. Sofort stürmten alle man nach oben. Das Spiel konnte weiter gehen... oder war schon Halbzeit? ...
03.11.2003, 23:09 #371
Yenai
Beiträge: 1.478

Yenai war fassungslos: Wie konnte man nur so blöde sein und mit einem Schädel Fußball spielen? Bei Innos, diese Söldner waren ja echt das Allerletzte. Anstatt den Ball, äh, Schädel zu halten, hatte die Mannsch...Gruppe ihn völlig unnötig verloren und musste nun auf volles Risiko spielen. Und das nur, weil so ein Idiot Murray wie blöde zur Tür herausgebolzt hatte. Wer war das doch gleich gewesen? Im Gehirn des ehrenwerten Paladins arbeitete es hörbar, als er sich an die letzten fünf Sekunden zu erinnern versuchte (Langzeitgedächtnis war noch nie seine Stärke). Dann fiel es ihm wieder ein. Oh...
Nunja, das konnte mal passieren, verteidigte sich eine Stimme in ihm, die wohl dem Fuß gehörte. Manchmal riss einen das Spiel eben völlig mit, man wusste gar nicht mehr, was man tat. Das Gewissen ließ sich dadurch zwar nicht beruhigen, aber Yenai hatte schon vor langer Zeit herausgefunden, wie man unpraktische Schuldgefühle beseitigen konnte: Man drehte das Gehirn auf Sparflamme, so hatte es nicht genug Freizeit, um sich schlecht zu fühlen. Durch den Schlag auf den Kopf hatte es wohl in den letzten Minuten einige hellere Augenblicke erlebt, doch schon jetzt fühlte der Streiter Innos’, wie sich der Wahnsinn wieder wie eine gnädige Decke über seine Wahrnehmung und sein Denken senkte. Er seufzte erleichtert. Keine Schuldgefühle mehr, keine Minderwertigkeitskomplexe, keine unnötigen Gedanken und Sorgen.

Freudig quiekend rannte er nun dem Ball hinterher. Sie spielten in Unterzahl, doch das konnte man durch fehlenden Einsatz locker wettmachen. Er stürzte sich in das Getümmel, das sich in dem vie zu schmalen Gang gebildet hatte. Das Knäuel aus Knochen und Irren platzte auseinander, als jemand auf die geniale Idee kam, einem der Piraten den Kopf abzureißen und ihn in die Richtung zu werfen, aus der sie gekommen waren. Alle stürzten sich auf den vermeintlichen Ball. Nur Schmok, der zufrieden grinste und den zeternden Murray in der Hand hielt und Yenai, der zu langsam von Begriff gewesen war, blieben allein zurück. Der Drachenjäger rappelte sich sofort auf und Yenai folgte ihm, weil er nicht allein bleiben wollte. Die beiden rannten die Treppe zum Oberdeck hinauf. Ein schöner Konter, doch leider schlief auch die gegnerische Abwehr nicht. Zwei Skelette hatten den Trick durchschaut und versuchten nun, den Angriff mit allen Mitteln zu stoppen. Gleich würden sie wohl zur Blutgrätsche ansetzen, das gefiel dem Paladin ganz und gar nicht. Also beschloss er, die Sportart zu wechseln. Wo wurde denn weniger hart gefoult? Achja, genau...

Fremdartig klingende Worte drangen aus seinem Mund, als er sich an diese uralte, fast vergessene Sprache erinnerte. „Pick and Roll!“, brüllte er seinem Mitspieler zu und stellte sich dem ersten Piraten in den Weg, der Schmok attackieren wollte. Das Skelett war nicht annähernd so schwer wie er, es prallte ab. Blitzschnell rollte sich Yenai ab und rannte weiter, um sich an der Baseline anzubieten. Der Drachenjäger, welcher gerade von dem zweiten Verteidiger angegriffen wurde, passte dem edlen Recken und verhinderten Basketballspieler zu. Dieser stand nun nur noch weniger Schritte seitlich vom Korb, setzte zum Dunk an und...kletterte. Der vermeintliche Korb entpuppte sich erstens als Schiffsmast und zweitens als ziemlich hoch. Doch das konnte die Hochstimmung des Streiter Innos’ nicht trüben, als er endlich Murray in den Ausguck schmetterte und triumphierend brüllte. Sieg!
04.11.2003, 20:17 #372
Schmok
Beiträge: 977

Schmok war fassungslos: Wie konnte man nur so blöde sein und mit einem Schädel Korbball spielen?: „Yenai! Du Dödel!“ – „Hä? Was´n?“, schrie der Innos´ler vom Mast, welche er gerade herunter kletterte. „Jetzt hast du den Schädel im Ausguck… und? Fällt dir was auf?“ – „Ich kann dir von hier oben in den Ausschnitt gucken und deine haarig-männliche Brust sehen?“. Erschrocken bedeckte Schmok seinen Kragen mit der Hand und keifte zurück: „Nein! Der Schädel? Wo is der Schädel?“ – „Ich hab angenommen, dass der Schädel wieder zurück aufs Spielfeld fällt.“ – „Tut er aber nicht…“ – „Moment, ich hol ihn grad!“ – „Ja nix Moment! Die restlichen Piraten kommen wieder!“

Wie auf das Stichwort gewartet, erklang ein schriller Schrei von der Tür aus, die zum Unterdeck führte. Kurz darauf erschein ein aufgeregt mit den Armen rudernder Scatty, der schnell die Tür hinter sich schloss, sich dagegen stemmte und irgendwas von einem Captain Himbeer rief, der sich tapfer den Piraten stellte, um den Anderen Zeit zu verschaffen. Doch scheinbar war Captain Himbeer nicht der Beste, was das untote-Piraten-Aufhalten anging, denn urplötzlich wurde der Templer mitsamt der Tür fortkatapultiert und landete irgendwo quiekend auf dem Deck in einem Bündel zusammengerollter Taue, wo er sich spontan und unglücklich mit dem Zeigefinger verknotete und nun für immer ein Leben inmitten des Taus fristen musste. Grausam…
Doch Schmok hatte keine Zeit, mit Scatty zu fühlen. Denn die Tür wurde von niemand Geringerem aufgestoßen, als den Skelett-Piraten persönlich, die sich nun wie eine quellende popelgrüne Eitermasse, die aus einer triefenden und entzündeten Rattenbiss-Wunde kam, aus den Tür schälten. Lecker…
Instinktiv und organisatorisch hoch mobilisierend, wie Schmok nun mal war, schrie er Yenai zu: „Schnell, hol den Schädel! Ich versuch sie aufzuhalten… die ganze Horde… Verdammt! Immer ich!“. Doch der Lee wäre kein Optimist, wenn er jetzt sich jetzt nicht zusammengenommen hätte, sein Schwert gezogen hätte… und es flüchtend auf die Piraten warf: „Yenai, warte auf mich!“. Schwungvoll warf sich Schmok ebenfalls an den Hauptmast und krabbelte, was das Zeug hielt: „Schnell, wir müssen vor den Piraten auf dem Krähennest sein, damit wir etwas gegen sie in der Hand haben und sie uns nicht hemmungslos zerquetschen können!“. Alle ihre Kräfte mobilisierend, kletterten die beiden an dem Hauptmast empor. Die Piraten hatten die Lage sofort erkannt und die von Yenai zu Boden geblockten Skelette verrieten ihnen, was die Sterblichen vorhatten. Es dauerte nicht lange, bis die ganze Mannschaft ebenfalls an den Hauptmast gesprungen war und Schmok und Yenai verfolgten. Doch hatten die Piraten Heimvorteil, den sei gekonnt ausspielten, indem sie ihr spielendes Wissen über das Spielfeld spielend spielen ließen. Denn die Piraten wussten, wie man halbwegs anständig auf das Krähennest kam, und das waren nun mal die Kletter-Netze, die jeweils an Back- und Steuerbord angebracht wurden, um besser auf das Krähennest zu kommen. Gleich zu mehreren warfen sie sich an die Klettermaschen und peilten ebenfalls den Mast an. Die prekäre Lage ließ Schmok schwer schlucken, von unten näherte sich ein Haufen wütender Piraten, während die Piraten in den Netzen bedeutend schneller, weil komfortabler unterwegs waren.

Es bedurfte einer Lösung. Und zwar schnell. Doch woher nehmen? Nun, das wusste Schmok auch nicht… also nahm er einfach das herabhängende Seil, das einige Schritte neben ihm hing – das würde sich er auch den Zweck erfüllen, so glaubte Schmok. Also warf er sich wagemutig und mit einem Schrei, der wohl mit Fug und Recht als Begründung der Oper gezählt werden darf, in das Seil. Er ließ sich von dem Seil auf die andere Seite in Richtung der Kletternetze schwingen und ließ am Scheitelpunkt los, um sich heroisch an die Innenseite der Netze zu katapultieren. Jetzt würde er den kletternden Piraten, der genau gegenüber von Schmok auf der Außenseite war, gepflegt ins Meer ballern. Und schnell ebenfalls auf dem Netz hinauf klettern.

Das jedenfalls hatte er vor. Ob er es schaffte, war jedoch eine gaaaanz andere Frage…
06.11.2003, 21:19 #373
everchar
Beiträge: 20

Sanft schaukelte der Wind die Blätter eines wunderschönen, dichten Waldes. Sonnenstrahlen schmiegten sich an Luciens Haut und erwärmten sein Gemüt, doch was ihn tief im Inneren frohlocken ließ, war das helle und herzhafte Lachen seiner Schwester. Ihr langes, rotes Haar wogte auf und ab, ihre seidene, weiße Haut ließ ihr Gesicht förmlich strahlen und ihre Augen, ihre Augen versprühten ein Gefühl der Lebensfreude, als ob sie nichts von dem bedauern würde, was sie anderen Menschen angetan hatte. Sie tanzte mit den herumwirbelnden Blättern, drehte sich im Kreise und die strahlende Sonne spiegelte sich in ihren eisblauen Augen wieder.
Es war so wunderschön, Lucien wollte das es nie wieder aufhörte, konnte den Gedanken nicht ertragen dieses Lachen nicht mehr hören zu können.
Plötzlich vermischten sich die Geräusche des Waldes mit einem Flattern und Krähen, es wurde immer lauter und bald schon verdunkelte sich der Himmel und der Wind verstummte, überhaupt alles blieb stehen, auch er konnte sich nicht mehr bewegen, nur Lucia tanzte weiterhin vor seinen Augen und beachtete alles um sie herum gar nicht. Sie sah nicht die nachtschwarzen Raben, die sich vom Himmel aus auf sie herabstürzten, mit Schaum vor dem Mund und glühend rote Augen.
Es waren Hunderte, Tausende, man konnte den Himmel nicht mehr sehen vor lauter Raben, und alle steuerten nur auf dieses eine Ziel zu.
Lucia.
Als sie ihr Ziel erreichten verstummte ihr Lachen und ging über in einen gellenden, nicht Enden wollenden Schrei. Lucien wollte ihr zu Hilfe kommen, doch er konnte sich nicht bewegen, aus seiner Kehler drang kein einziges Wort, seine Arme hingen regungslos herab, nicht einmal die Augen konnte er schließen um dieses Grauen nicht mit ansehen zu müssen. Die Vögel stürzten sich auf sie, umringten sie und hackten auf ihr herum, bald schon war nichts mehr von Lucia zu sehen, denn eine schwarze Masse umgab sie.
Lucien wollte sein Schwert ziehen, aber konnte nicht, er konnte gar nichts tun und musste hilflos zusehen, wie diese Biester seine Schwester beim lebendigen Leibe auffraßen.
Wenige Minuten später war es zu Ende, die Raben waren verschwunden und hatten bloß ein abgenagtes, blutbesudeltes Skelett hinterlassen.
Der Hüne konnte sich wieder bewegen, doch jegliche Hilfe kam zu spät, er konnte nur noch einen schmerzverzerrten Schrei ins Himmelblau ausstoßen......und dann erwachte er.


Der Alptraum war zu Ende, so wie jede Nacht, die er seitdem über sich ergehen hat lassen müssen.
Es war immer der selbe Ablauf, immer der gleiche Traum, immer wieder aufs Neue diese schmerzhafte Folter seiner gepeinigten Seele. Um ihn herum war es stockdunkel, der eisige Wind peitschte über seinen Körper hinweg und ließ sein Herz noch kälter werden, als es ohnehin schon war. Zaghaft richtete sich der Hüne auf und sah sich um. Endlich, er war auf Khorinis.
Tagelang war er ziellos über den Fjord getrieben und nun endlich hatte ihn das eisige Wasser ausgespuckt und an Land gebracht.
Langsam und vorsichtig erhob er seine müden Knochen und setzte einen Fuß auf die matschige Erde, dem Schicksal sei Dank hatte er wieder festen Boden unter seinen Füßen und konnte den Geruch des Waldes in seiner Nase spüren.
Doch da, da war wieder dieses Geräusch aus seinen Alpträumen, dieses Flattern, ein Krähen und da erblickte er auch schon das Wesen das ihm so viel Angst einflößte.
Der Rabe hockte still und starr keine zwanzig Meter vor ihm auf einem Baumstumpf und starrte ihn mit seinen toten Augen an.
Hass, Wut, Verzweiflung, alles was ihn die letzten Tage psychisch fertig gemacht hatte kam nun zum Vorschein und trieb jegliche Müdigkeit aus seinem Körper. Seine Gesichtszüge verfinsterten sich und er spurtete mit gezogenem Schwert auf das Tier los, sein Kampfgeschrei ließ den Wald erzittern und würde jedem Lebewesen Angst einflößen, doch der Rabe bewegte sich kein Stück. Selbst als das Schwert auf ihn herabsauste machte er keine Anzeichen davon zu fliegen und so fing Lucien die Klinge auf.
Dreißig Zentimeter über dem Kopf des geflügelten Tieres kam die rasiermesserscharfe Klinge zum Stillstand und noch immer starrte der Rabe Lucien bloß an.
Keuchend und im ersten Moment ratlos stand der Hüne da und seine rechte Hand begann zu zittern, war er noch immer im Reich der Träume ?
Nein, es war alles real, der Vogel war kein gewöhnliches Tier. Es war ein Bote.
Lucien erinnerte sich an die letzten Worte von Krigga:
Wie sehen uns wieder....


Dieser Bastard dachte gar nicht daran sich jagen zu lassen, er schickte sogar seine geflügelten Höllenviecher um Lucien zu ihm zu führen. Das machte die Sache für den Rotschopf leichter, dann dauerte es wenigstens nicht mehr so lange bis er seine Rache bekam.

Ohne Zeit zu verlieren ließ er sein Schwert, welches er von einem der Händler in Gorthar hatte, wieder in der Scheide verschwinden und betrachtete den Raben.
Dieser kehrte ihm den Rücken zu und flog auf den nächsten Baum, dort blieb er wieder hocken damit ihm Lucien folgen konnte.


Flieg nur mein kleines Vögelchen, flieg und bring mich zu deinem Meister. Bald schon werde ich dich in seinem Blut ersäufen.
07.11.2003, 01:14 #374
Yenai
Beiträge: 1.478

Yenai war glücklicherweise noch nicht weit abgestiegen, als er den Befehl zur Umkehr erhalten hatte. Nun hatte er das Krähennest wieder erreicht und überlegte, wie er wohl die Piraten davon abhalten konnte, ihm zu folgen. Vielleicht konnte er Innos dazu überreden, ihnen den Himmel auf den Kopf fallen zu lassen? Doch nein, den würde der Paladin selbst auf den Kopf bekommen. Ein besserer Einfall musste her. Auch den Mast umzusägen schien nicht sehr sinnvoll, da unten noch mehr dieser grauenhaften Untoten warteten. Allerdings konnte er die Netze durchschneiden. Dann mussten sie den Mast hinaufklettern und waren viel langsamer.
Fröhlich machte er sich daran, die dicken Taue mit seinem heiligen Besenstiel zu durchtrennen. Allerdings musste er bald feststellen, dass er furchtbar lange zum Schneiden brauchte. Er kam fast nicht voran. Eigentlich kam er gar nicht voran, wenn man es weniger optimistisch sah. Merkwürdig. Dieser Stiel war doch heilig, wie konnte er dann an einem solchen einfachen Strick scheitern? Hier, an diesem Ort des Bösen, schienen teuflische Schutzzauber das Schiff zu schützen und selbst der dem Besen innewohnende Kraft Einhalt zu gebieten.

Der Streiter Innos fühlte eine Welle der Panik in sich aufwallen. Sie würden alle sterben und Murray würde die Welt ins Verderben stürzen! Doch nein, so leicht ließ sich ein heiliger Krieger nicht entmutigen. Hastig kramte er seinen Notvorrat an Haarbällchen heraus. Ein Glück hatte er sich zwei Stück gestohl...aufgespart! Gierig verzehrte er einen der kostbaren Leckerbissen. Sofort wurde die Welt fröhlicher. Das mussten ganz besonders gute Haare gewesen sein. Das triste Grau des Herbsthimmels wandelte sich in tausend schillernde Regenbogenfarben. Das Schiff schwankte stark, die Köpfe der Piraten blähten sich auf und Murray’s Schädel, der zu seinen Füßen lag, verwandelte sich in einen riesigen Echsenkopf, der mit der Zunge nach ihm schnappte. Kreischend duckte Yenai sich in eine Ecke, doch war der Korb zu klein, um Deckung vor den Tentakeln zu finden, die aus dem Ohr des Kapitänsschädels wuchsen.

Jemand brüllte etwas, das sich anhörte wie das Brummen, das eine Fleischwanze ausstößt, bevor sie sich auf ihre Beute stürzt. Noch dazu hörte er ein Krachen und Knirschen, das Schiff neigte sich ein letztes Mal und blieb dann still - und schräg. Der Paladin spähte über den Rand und sah Land vor dem Bug. Merkwürdig, warum fuhr das Schiff übers Land? Und warum war ihm so schwindlig? Nein! Er durfte nicht einschlafen! Dann hatten sie ihn, das durfte nicht geschehen. Erst musste er sich diese Bestie in Kapitänsschädelgestalt vom Hals schaffen. Mit einer fast übermenschlichen Willensanstrengung packte er Murray, warf ihn leicht in die Luft und drosch den zeternden Untoten dann aus einem plötzlichen Reflex mit dem geheiligten Besenstiel davon. Erleichtert ließ er sich auf den Boden sinken. Die Welt war gerettet.
07.11.2003, 11:48 #375
Heimdallr
Beiträge: 12.421

Gedankenlose Stille war sein Begleiter, er war wieder in einen Halbtraum gefallen, doch diesmal lag es an nichts und niemanden, er wollte nur schlafen, konnte es aber nicht, da er gleichzeitig den Mond in seiner Schönheit zusehen wollte, so kam es, dass er immer wieder einnickte, kurze Träume hatte und dann wieder hochzuckte, nur um sich ein paar Minuten später in die Traumwelt zu geben, so ging das die ganze Zeit, es war wie eine Fahrt zwischen den Welten, gepaart mit der Unglaublichkeit des Seins, warum mussten Menschen schlafen, warum konnten sie nicht einfach das genießen, was sie an ihrem wachen Zustand haben, aber die Antwort war logisch, denn auch die menschlichen Kräfte mussten sich wieder erholen, sie mussten sich regenieren, jeder Atemzug verbrauchte unglaubliche Kraft, in Muskeln, Sehnen, Allem, jede kleinste Fingerbewegung forderte Knochen und Gedanken, alles geleitet vom Gehirn, es war alles so logisch, dass wir schlafen mussten, doch warum? War Schlaf nicht ein Zeichen von Schwäche, zeigte es den Menschen nicht, dass sie schwach waren? Wieso konnte man nicht unendlich viel Kraft besitzen, warum musste man seine Kräfte auffrischen? Durch Schlaf...diese Zeitverschwendung, er mochte sie nicht, im Schlaf wurden wir manchmal mit unseren Gefühlen, mit unserer Sehnsucht und anderen Dingen bedrängt, Schlaf war so gesehen etwas Schlechtes, während sich unser Körper, unsere leblose Hülle aus Sehnen, Knochen, Muskeln und Organen und noch viel mehr, währendsie sich krampfhaft versuchte zu erholen, sahen wir vor unserem dritten Auge den Tod, sahen das Leben, Glück und Pech, Grauen und Schönheit, war das gerecht?
Leben, wozu leben, wenn man sterben konnte, wozu leben, wenn man töten konnte, warum geben, wenn man nehmen konnte, warum war Gut, besser als Böse, warum sollte man nicht das neue Böse zum Guten hervorheben, eine Welt, wo es dem Starken erlaubt ist, den Schwachen zu töten, warum sollte man nicht das Recht durch den Glauben haben, andere Menschen zu töten, ohne Strafe, nur aus Lust, nur aus Gier...die Antwort war so simpel, so leicht, es war eine Sünde, es durfte nicht sein, denn vor Innos war jeder gleich und so sollte man ihn auch auf der Erde, auf der Welt behandeln, jeder war gleich gestellt, es gab kein Ja oder Nein, kein richtig oder falsch, jeder entschied mit jedem Atemzug, ob er sich der einen, oder der anderen Seite zuschlug, es war ein Spiel, man war am Anfang eines Lebens in der Mitte, jeder weitere Atemzug wurde ab da bewertet und wenn man irgendwann einmal starb, dann würde einem die Seite erwarten, auf der die Figur lag, war sie mehr verdorben, als ein anderer Verdammter, so konnte besonderes auf ihn warten, doch die eine, die wichtige Entscheidung, die beeinflusste man damit, dass man auf der einen Seite stand. Der Unterschied zu gängigen Spielen war so, dass es auch eine neutrale Seite gab, sie wurde auf dieser Welt nur als Beispiel von Wassermagiern eingesetzt, doch auch diese waren nicht immer perfekt, es gab zahlreiche Heuchler, die sich nicht mehr auf der neutralen Seite befanden, sie waren genau so verdorben, wie die Feuermagier, von denen manche Beliar dienten, genau wie sich manch Schwarzmagier zu Innos hingab, nicht weil sie Spione der anderen waren, nein, so einfach machte man es sich nicht, es war mehr, es war viel mehr, man musste sagen, dass sie wirklich innerlich verdorben waren, Zweifel hatten, Zweifel wie er sie hatte...

Auf einer Scheibe, da befand er sich auch, zweifelhaft war, ob er tatsächlich noch auf der Seite des Lichts stand, war er vielleicht schon in der Finsternis? Gut möglich, doch war er kein Feuermagier, ihm war nichts vorgegeben, genau da lag der Fehler, denn jedem Menschen war etwas vorgegeben und die, die nicht an Glauben glaubten, die waren sowieso neutral gesinnt, falsche Götzen wie der Schläfer hatten keinen Platz in diesem Spiel, diese Leute waren arme Spinner, doch auf dieser Scheibe tauchten sie nicht auf...vielleicht wussten sie es sogar und gingen deshalb diesen Weg, wer nicht auf der Scheibe war, dem konnte nichts passieren, was nichts bedeuten musste...

Seltsam, da hatte er doch gedacht, er hätte sich dieser Gedanken losgeeist, doch dem war nicht so, wenigstens wusste er, dass er zu einer Seite gehörte, die Frage war nur, wie diese Seite mit ihm umging...seltsame Fragen, die gestellt wurden, auf dem kleinen Boot, wo er nicht alleine war...
Seite 15 von 17 « Erste 11  12  13  14  15  16  17