World of Gothic Archiv > Rollenspiel
[GM] Licht und Schatten
Seite 9 von 12 « Erste 5  6  7  8  9  10  11  12 
20.03.2004, 16:41 #201
Renata
Beiträge: 455

Von Hilias´ “Explosion” waren alle zunächst derart gelähmt und geblendet, dass von den harten Worte, die danach hier gewechselt wurden, wohl die wenigsten ihren Weg in das Bewusstsein der Gefährten fanden. Nur bei Rhodgar war es wie es schien anders: die Worte, die ihn ja unmittelbar betrafen, überdeckten wohl alle anderen Eindrücke.

Während ihr Blick immer noch zwischen dem davonstürzenden Rhodgar und dem sich wieder an die Spitze der Gruppe begebenden Hilias hin und her flog, bemerkte sie, dass zumindest Seraphin sich wieder gefangen hatte und versuchte, dem Freund zu folgen. Aber mit ihrem Stehenbleiben waren die Füße aller bereits am lehmigen Grund des sumpfigen Wassers wie festgesogen und nur mit Kraft wieder zu befreien. Bis über die Knie stand ihnen hier das Wasser und hatte die Kleidung, besonders die langen Roben der Schwarzmagier, nass und schwer gemacht. Seraphin hatte keine Chance. Das Licht, das Rhodgar begleitete, war bereits nicht mehr zu sehen, noch bevor der Magier den ersten Schritt aus dem Wasser auf trockenen Grund tat.

Währenddessen ging Hilias bereits wieder voran. Die Gefährten tauschten zunächst ein paar ratlose Blicke, dann waren sie ihm achselzuckend gefolgt. Auch die Magier schlossen sich dem Tross wieder an. Eine Weile hatten sie noch vergebens in den Dschungel des Sumpfes gestarrt, ihr Gildenbruder kam jedoch nicht wieder zurück.

Ihr Anführer durchpflügte buchstäblich den Sumpf in gerader Linie, die Gruppe umging kein Hindernis und keinen Tümpel. Alle hatten inzwischen unfreiwillig von der brackigen und öligen Brühe gekostet, und die Vorstellung, welches Getier dort vielleicht um ihre Beine herum schwamm, hatte die Magierin schnell verdrängt...

Dankbar waren sie aus dem Wasser auf den Pfad aus roh behauenen Steinblöcken gekrochen, endlich raus aus dieser ekligen und blubbernden Suppe. Das Gehen war jetzt zwar leichter, die Luft aber feucht und zum Schneiden dick. Alle atmeten nur noch keuchend. Die Moskitos waren ein Qual, einen jeden umgab eine schwarze Wolke dieser Insekten aber niemand machte sich mehr die Mühe, sie mit Handwedeln zu verscheuen.

“Eine Pause, bitte lasst uns eine Rast machen” Renata wartete die Reaktion der anderen gar nicht erst ab sondern setzte sich erschöpft genau dort hin, wo sie gerade stand.
20.03.2004, 17:36 #202
Seraphin
Beiträge: 318

Seraphin marschierte wie betäubt hinter den Anderen her. Das konnte doch alles gar nicht wahr sein? Was war mit Rhodgar geschehen, wieso führte er sich so auf? Natürlich war Hilias nicht gerade die besten Wahl für einen Anführer, wer wollte schon von einem untoten, halb vermoderten Waffenknecht angeführt werden. Andererseits hatten sie ja gerade auf eindrucksvolle Art erfahren, welche Kräfte besitz von Hilias Körper ergriffen hatten und welche Macht sie besaßen. Trotzdem fragte sich Seraphin jetzt, welche Kräfte ihrerseits wohl von Rhodgar Besitz ergriffen hatten? Warum sonst sollte er sich so aufführen und...

...jetzt irgendwo alleine im Dschungel umher irren...

flüsterte sein Gewissen und ein ungutese Gefühl breitete sich plötzlich wie schleichendes Gift in seinen Gedanken aus. Schon als Gruppe war dieser verdammte Sumpf nicht gerade ungefährlich, aber auf sich alleine gestellt? Ohne zu wissen wo man war und... überhaupt, das war doch Wahnsinn! Wie sollte sein Freund irgendwelche Chancen haben sie wiederzufinden, der Sumpf war ungefähr so übersichtlich wie eine Crawler-Höhle bei Nacht und tausendmal so groß. Von der Gefährlichkeit ganz zu schweigen. So wie man sich in den Höhlensystemen verirren konnte, würde der schlammige Morast in dem sie schon die ganze Zeit umherwateten einen gnadenlos schlucken und den grässlichsten Tod sterben lassen...

...aber er hat Dir keine Chance gelassen... er hätte dich getötet, wenn es drauf angekommen wäre...

Warum? Warum war er plötzlich so ausgerastet...? Seufzend blieb Seraphin einen Moment stehen, wurde aber sofort von der kräftigen Hand des Templers aus seinen Gedanken gerissen. Ohne zu zögern schubste er ihn wieder vorwärts und für einen Augenblick wollte Seraphin sich ernsthaft umdrehen und diesem Riesenbaby von Sumpfheini ordentlich die Meinung geigen. Bis ihm einfiel wie bescheuert dieser Gedanke war und im Stillen mahnte er sich zur Vorsicht. Trotzdem drehte er sich zu Carras und warf ihm einen entschuldigenden Blick zu, den dieser mit einem freundlichen Grinsen beantwortete. Zufrieden wandte Seraphin sich wieder um und konzentrierte sich auf den Rücken seines Vordermanns. Dieser verdammte Sumpf schien kein Ende nehmen zu wollen...

Nach einer Weile später und einem sehr unliebsamen Kontakt mit den verborgenen Fallen der blubbernden Brühe gelangten sie schließlich auf eine Art Steinpfad, welcher sich scheinbar durch den ganzen Sumpf zog und vor langer Zeit hier angelegt sein worden musste. Das Gehen gestaltete sich plötzlich sehr viel leichter und ein unterschwelliges Aufatmen ging durch die ganze Gruppe. Doch hatten sie nur einen Teil des Sumpfes besiegt, der Rest, zu dem unter anderem auch die riesenhaften Moskitos und die schwüle, stickige Luft gehörten, weigerten sich standhaft ihnen eine Rast zu gönnen. Doch Rena schien plötzlich auf genau diese zu bestehen und setzte sich mit einem Ruck demonstrativ auf den Boden und wartete gar nicht erst ab, was die Anderen tun würden. Doch sie war auf der sicheren Seite, jedenfalls was Seraphin anbelangte. Hilias war bis jetzt ohne Pause und ohne den Gedanken, das vielleicht nicht jeder einen Riss in seinem Geist hatte und in Folge dessen nicht mehr auf seinen Körper achtete, weitermaschiert. Ob er dabei allerdings seine Sympathie in die Höhe getrieben hatte, blieb fraglich. Andererseits musste Seraphin für einen Moment schmunzeln, als ihm auffiel das dies bis jetzt eigentlich schon der Holzhammer-Methode ihres ehemaligen Anführers glich. Vielleicht sollten sie ja gar nicht meckern sondern sich freuen...?

Aber das war ihm jetzt egal, er wollte nur sitzen und mit einem Seufzer prüfte er die Stelle auf annehmbare Trockenheits-Verhältnisse (obwohl das in Anbetracht seiner völlig verdreckten und erst halb wieder getrockneten Kleidung ziemlich egal war) bevor er sich zufrieden grinsend direkt auf einer der stacheligen Sumpfdisteln niederließ.

"JIAUUUUU!!!"

schallte es durch die stickige Luft, gefolgt von dem lauten Lachen Renatas und auch die Anderen konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Nur Hilias blieb völlig ruhig, gänzlich ausdruckslos betrachtete er die Szenerie. Diese bestand zur Zeit daraus, das Seraphin sich mit tränenden Augen die daumenlangen Stacheln aus seinem Allerwertesten ziehen ließ. Rena schien dieser Umstand auf morbide Art und Weise Spaß zu machen, jedenfalls glaubte Seraphin ein schelmisches Blitzen in ihren Augen zu erkennen während sie ihm mit sichtlicher Freude diesen Freundschaftsdienst erwies. Nach Ewigkeiten des Schmerzes waren schließlich alle überflüssigen Fremdkörper entfernt und die Distel hatte als nächstes Bekanntschaft mit seinem langen Dolch und anschließend mit dem braunen Schlamm ihrer Umgebung geschlossen. Trotzdem, selbst sein giftiger Blick hielt Rena nicht von einem letzten spöttischen Grinsen ab während er diesmal gründlich den Boden absuchte bevor er es wagte, seinen verlängerten Rücken abermals neben ihr zu platzieren. Diesmal zum Glück mit einem besseren Ergebnis als zuvor, nur dass das Sitzen plötzlich gar nicht mehr so angenehm war, wie er gehofft hatte.

Dieser verdammte Sumpf...
20.03.2004, 18:39 #203
Ceron
Beiträge: 379

Gerade noch blickten Cerons Augen dem weghuschenden Rhodgar nach, als er schon wieder von Carras auf den Weg gezerrt wurde. Nach einiger Zeit anstrengenden Sumpfwanderns, immer im Ungewissen ob nun nicht doch einige Tentakel sich um die Beine klammern würden und den Körper hinunterreissen, kamen sie auf eine Art Steinpfad. Hilias wirkte viel lebloser, ja sogar Ceron machte er nun einwenig Angst, in so kurzer Zeit ein so grosser Wandel in der Person, das war nichts Gutes.

Als die anderen Gefährten schon einigermassen Platz genommen hatten. Watete Ceron immer noch durch den Dickflüssigen Sumpf auf sie zu. Dann ertönte ein Aufschreien von Seraphin, Ceron geriet in Panik. Er versuchte schneller ans trockene zu kommen. Dabei verfing sich sein Fuss in einer Sumpfpflanze. Ach mussten diese Dinger so schwer sein? Am Liebsten hätte er sich nun die Beinschienen von den Beinen gerissen und wäre den Fangarmen entwischt. Doch die Pflanze schien ihn zu packen, er wollte weg, ihm wurde noch heisser als es ihm ohnehin schon war. Er suchte die Blicke der Anderen doch diese belachten ihn nur spöttisch und schienen sich einen Spass an des Drachlings Tode zu machen. Nach einiger Zeit meinte Carras, welcher für Ceron schon eine Art Vaterposition erreicht hatte: „Ceron, geh doch mal einen Schritt zurück und dann…“ Ceron tat es, er machte einen Schritt zurück, fiel rücklings in den Sumpf und tauchte nach einigen Momenten wieder auf.

„So eine Schweinerei“ mit diesen Worten setzte er sich zu Rena und Seraphin, welche sich schon auf den Boden fallen liessen. Ceron bekam fast keine Luft mehr, sein Hals schien sich zuzuschnüren, so setzte er sich einfach und begann tief zu atmen, doch es wollte einfach nicht mehr Luft kommen. Die heissschwüle Luft verwehrte ihm den Sauerstoff. Ohne viel zu überlegen leerte er sich ein wenig Wasser aus seinem Schlauch, welchen er noch am anferen Ufer gefüllt hatte, über den Kopf und genoss die Abkühlung.

„Wie geht’s jetzt weiter, Meister?“ meinte Ceron erschöpft, „ich wäre für eine Verschnaufpause!“
21.03.2004, 11:22 #204
Renata
Beiträge: 455

Grinsend betrachtete Renata die Stacheln in ihrer Hand. Da hatte sie ja ausgesprochenes Glück gehabt, dass nicht sie die Bekanntschaft mit dieser Mörderdistel gemacht hatte. Seraphin, der etwas unfroh lächelnd neben ihr ... saß, schien das Gleiche zu denken, nur eben aus seinem Blickwinkel und daher wohl etwas weniger dankbar.

Die Rast wurde von allen gerne angenommen, selbst von den beiden Kriegern aus dem Pyramidental, die das feuchte Klima noch am ehesten gewohnt sein sollten. Nur Hilias stand stoisch einfach da und guckte seltsam unbeteiligt. Er war es auch, der die Gruppe schließlich zum Weitergehen antrieb.

Die Gefährten folgten jetzt dem steinernen Pfad, der nur noch vage und dazu noch in verwirrenden Schlangenlinien der ursprünglich eingeschlagenen Richtung folgte. In unregelmäßigen Abständen trafen sie auf Wegkreuzungen, an denen sie immer den Weg einschlugen, der am ehesten nach Westen wies, obwohl das bei diesem sich schlängelnden Pfad nur eine grobe Einschätzung sein konnte. Bei einer dieser Kreuzungen glaubte schließlich einer, etwas Bekanntes wiederzusehen “hier waren wir schon einmal.....”. Im Kreis gelaufen also, und wie lange wohl schon? Kein wunder in diesem ewig gleichen Wechsel von Wasser, Gestrüpp und Bäumen.

Ab diesem Zeitpunkt markierten sie mit Zweigen die Kreuzungen: X für den Weg, aus dem sie gekommen waren oder der in die Irre führte und --> für den Pfad, den sie eingeschlagen hatten. Nützlich, auch für andere, die diesem Weg vielleicht folgten.
21.03.2004, 12:50 #205
Estragon
Beiträge: 507

Hilias steuerte wie Trance über den nackten Fels. Seine Arme hingen schlaf an seinem Körper herab, sein Gesicht war bar jeder Regung. Seine Augen suchten weder Ziel noch Gefahr.
Er bog ohne zögern die nächste Kreutzung nach rechts ab, die anderen folgtem ihm murrisch. Jeder hatte inzwischen das Gefühl im Kreis zu laufen, doch niemand sagte etwas.
Hilias trottete langsam voraus. Seine Finger streckten sich, zogen sich zu Krallen zusammen, streckten sich, zogen sich zusammen.

Das Rätsel...wie kann nur die Lösung heißen... Hilias Verstand hatte sich mit Abwesenheit so gut wie möglich betäubt, in dem er die FRage, die als Rätsel von seinem Unterbewusstsein getrant wurde, immer und immer wieder hin und her gedreht hatte.
Ich bin tot...und gehe die Untoten töten... dachte er kriechend. Sein Gesicht blieb ausdruckslos.
Wenn Untote tot sind, ich bin es auch, aber der Tot mich nicht verstößt, sie aber schon, wie kann es sein das Wolken unter Wasser bleiern schmecken??? Was kann es bedeuten, wenn Bäume mit der Krone in den Boden wachsen und Kerzen nach oben abbrennen? Was kann es bedeuten wenn Wasser die Berge hinauf statt...was machen Fische die in der kalten Sommerzeit in der Wüste an zu wenig Schneefall ertrinken??? Was... OH GOTT ICH WERDE WAHNSINNIG!!!

"HILIAS!" brüllte der vielstimmiger Chor seiner Begleiter von hinten. Doch Hilias hörte nicht. Er war zu sehr damit beschäftigt seinen Verstand zu verlieren, durchzudrehen, abzuspalten, auszurasten, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben. Und schmecken die Wolken unter Wasser, schön gute Nacht!

Er lief sturr auf das abgebröckelte Ende des Wegs zu, Carras preschte vor, packte den Steinmetz ab Kragen und zog ihn weg. Hilias war nicht mehr als ein Bündel Knochen und Haut in seinen Händen. Leicht wie trockenes Anmachholz.
Die Gruppe stand einen Augenblick ratlos da und wusste nicht weiter. Ihr Führer saß auf der Erde und blickte verloren ins Nichts. Carras stand vorsichthalber in desen Nähe.
"Was jetzt? Das hier is ne Sackgasse." fragte der Hühne.
Die Anderen zuckten unsicher mit den Schultern. So wurde vorerst Rast gemacht.
Hilias hockte zwischen ihnen wie eine Marionette ohne Pfäden.
21.03.2004, 13:09 #206
Teufelslama
Beiträge: 2.779

Der Sumpf war die Hölle, die grüne Hölle. Während es Carras und Tarim anscheinend noch recht gut erging litten die anderen doch unter dem Klima, dem Terrain, der Vegetation und vor allem den lästigen Mückenbiestern. Am Ende dieses Gebietes wäre die Hälfte der Gruppe an Blutarmut gestorben. Viel schlimmer als all dies war jedoch die Tatsache das einige langsam nervös wurden, genauer gesagt Rhodgar rastete langsam aber sicher aus und so geschah es dann auch.


Hilias trieb sie immer weiter voran, ungeachtet ihrer Einwände, ihrer Befürchtungen. Auf irgend eine Weise hatte er sich von Stunde zu Stunde mehr verändert hatte sich... verloren. Das war nicht mehr der Khorinische Waffenknecht, der gutmütige Steinmetz. Vor ihnen stand das Medium Innos, ganz und gar von seiner Aufgabe erfüllt, beseelt damit sein Schicksal zu erfüllen, gleichgültig was das für ihn oder andere bedeuten mochte.



Der Bruch der Gruppe stand schon länger in der Luft und mit Rhodgars Ausbruch trat er unwiederruflich ein. Am liebsten hätte Lama ihn sich gepackt, an den Schultern gegriffen und durchgeschüttelt, ihm sein kindisches Verhalten klar gemacht(auch wenn seine Worte ihn doch in gewisser Weise trafen) und ihn begreifen lassen wie wichtig der Zusammenhalt für sie alle war. Doch in seinem Innern wusste er das das nicht seine Aufgabe war, sein Schicksal war es nicht die Gruppe zusammen zu halten, nicht sie zu führen, er war nur ein einfaches Mitglied, ein Glied in der Kette, nicht mehr und nicht weniger.



Hilias Demonstration dessen wozu er nun im Stande war und Rhodgars Aufbruch würden ihnen noch eine Weile in den Knochen stecken, irgendwie passte alles nicht mehr zusammen, sie passten nicht zusammen doch keiner sprach ein Wort während sie sich auf den steinernen Pfaden vorkämpften.



Immer wieder sauste das Schwert des Waffenknechts hervor um eine Schneise durch dichten Bewuchs zu hacken, langsam gewöhnte er sich tatsächlich an die Führung der Waffe, Carras Training zeigte erste Früchte. Doch blieb ihm nicht die Musse seine neuen Fähigkeiten zu bewundern, viel zu sehr ging ihm die Landschaft auf die Nerven, vor allem dieser Stein den er jetzt schon zum dutzensten Male zu passieren Schien, oder die Liane die ihm immer wieder durchs Gesicht fuhr. Liefen sie ständig im Kreis oder sah hier einfach alles nur gleich aus? Dazu noch dieser Hilias, völlig abwesend und ohne Reaktion wenn das so weiter ginge würde er auch wahnsinnig werden.



Vorne entstand ein Rufen, was war da los? Ihr Führer lief unbeirrt mitten auf eine Sackgasse zu, dort wo der Weg endete. Gerade noch gelang es Carras ihn zurück zu ziehen, beim Anblick dieses Bündel Elends von dem alles abhing konnte ein einfacher Mensch eigentlich nur alle Hoffnung fahren lassen.
21.03.2004, 15:23 #207
Abt_Seronius
Beiträge: 8

Der Abt war voller finsterer Vorfreude gewesen und hatte sich ungeduldig nach dem Eintrefen der kleinen Gruppe aus Khorines gesehnt. Nach dem diese ihren Früher eingebüsst hatten, wollte sich der Abt als Sportsmann erweißen und seine Spione vorerst zurück halten. Er hatte sich die Überraschung nicht verderben wollen.
Doch vor wenigen Stunden war tatsächlich etwas überraschendes passiert. Etwas beängstigendes.

Ein schmaler Lichtstahl hatte sich für wenige Sekunden am Horizont erhoben. Im Nordosten. Im Sumpf. Die magische Gewalt, die von diesem Punkt ausgegangen war, hatte dem Abt einen kalten Schauer über den Rücken gejagt.

Nun stand er am Fenster seines Zimmers im Nordturm der Abtei und blickte zweifelnd nach Nordosten.
Er musste sich gewissheit verschaffen. Denn der Strahl hatte ihm sehr deutlich vor Augen geführt, das dies kein Spiel mehr war.
Die Abtei war schon einmal durch Hochmut und verschlafene Selbstüberschätzung gefallen. Der Abt würde es nicht noch einmal soweit kommen lassen.

Seine blassen Finger strichen über den gemusterten Holzdeckel. Die Kiste war etwa eine Ele lang und eine Handlang tief. Das schwarze Hartholz war mit hässlichen Runen und bösen Flüchen geschmückt worden.
Der Abt schob den Riegel auf bultroter Bronze zurück und klappte die Kiste auf. Seine weißgelblichen Augen schauten lüstern auf den Inhalt.

Der Innenraum war mit Seide ausgeschlagen, das Deckelfutter war Schwarz und glänzte wie feuchte Drachenschuppen. Die Frabe des Kistenfutters war in Scharlachrot gewählt worden. Die vielen lockeren Falten waren lebeniganmutende Muster auf und es war ein wisperndes Rascheln zu hören, als flüsterte der Stoff in fremden Zungen.

Sieben stählerne Kugeln lagen dort. Er nahm drei heraus und ließ sie zwischen den Fingern der rechten Hand rollen. Die Kiste klappte er wieder zu stellte sie ins Regal zurück.
Dann trat er ans Fenster und betrachete die Kugeln eindringlich. "Sucht, meine kleinen Freunde. Sucht und tötet." sprach er und hielt die Hand aus dem Fenster.
Hatten die Kugeln eben noch friedlich auf der öffenen Handfläche geruht, begannen sie nun zornig zu brummen und sich in zackigen Bewegungen zu erheben.
Ein Augenblick schwebten sie in einer unruhigen Formation auf der Stelle. Der Abt nickte nach Nordosten. Die Kugeln drehten sich wild und jagten davon.
Ein hässliches Kreischen durchschnitt die Luft und folgte den stählernen Boten des Abtes. Der Abt wartet gespannt am Fenster ab, wie sich alles entwickeln würde.
21.03.2004, 16:26 #208
Teufelslama
Beiträge: 2.779

Langsam waren sie am Ende, die unfreiwillige Rast sollte ihnen eigentlich Erholung spenden doch das war unter den jetzigen Umständen fern jeglicher Realität. Rhodgar war verschwunden, Hilias anscheinend dem Wahnsinn anheim gefallen und keiner wusste so recht wie es für sie weiter gehen sollte.


Der Soldat wischte eine Schweiß nasse Strähne aus dem Gesicht als er es hörte, sein Blick richtete sich auf einen Punkt in der Ferne. Irgend etwas war da, näherte sich und die anderen hörten es auch. Es klang wie ein Kreischen, Stahl der quietschte und es wurde lauter. Was da auch immer kam, es klang alles andere als gut.



Und dann konnten sie es sehen, drei Kugeln, metalisch schimmernd im Licht der Sonne die vereinzelt durch das Geäst der Bäume brach. Sie bogen um eine Ecke und brachen zwischen dem Grün hervor, schwebten kurz auf der Stelle in gut fünf Metern Höhe. Ein Vogel kreuzte ihren Weg und schneller als die Gruppe wusste was geschehen war verlor dieser sein Leben. Eines der fliegenden Instrumente hatte sich auf das Tier gestürzt, dabei scharfe Klingen ausgefahren und es zerfezt. Nur einige Federn fielen langsam zu Boden als das fliegende Metal sich mit kreischem zu einer neuen Formation am Himmel über den Gefährten zusammen fand.



"Duckt euch" mehr konnte Lama nicht mehr rufen als dieses Teufelswerk auf sie hereinbrach.

Aus den Augenwinkeln konnte er noch sehen wie alle es geschafft hatten und nun am Boden lagen auch Hilias, Carras schien ihn mitgerissen zu haben. Keiner schien verletzt zu sein doch stoppten die Kugeln bereits wieder ihren Flug und begannen umzudrehen.


"Los verteilt euch, so sind wir ein schwerer aus zumachendes Ziel."

Er brüllte im Ton den ein Soldat gewohnt war und tatsächlich zeigte es Wirkung. "Drei gegen acht, das sieht doch schon mal besser aus" murmelte er während er selbst Aufstellung bezog um der Gefahr zu begegnen. Base seine neugewonnene Nagelkeule wurde vom Gürtel befreit. "kommt nur, wir erwarten euch schon" in grimmiger Entschlossenheit spannten sich seine Muskeln während er leicht die Knie beugte und sich Sprung bereit machte.


Die fliegenden Waffen hatten sich getrennt und machten nun Hatz auf einzelne Mitglieder der Gruppe, eine hatte ihn zum Opfer erkoren und raste mit diesem vermalledeiten Kreischen das in den Ohren dröhnte auf ihm zu. Der Lärm der über dem Sumpf lag glich dem einer gewaltigen Schlacht, die Anstrengungen der letzen Tage, die nervliche Zerfahrenheit der Leute und jetzt noch dies, hoffentlich würde das keinem zu viel.


Der Stahlball näherte sich mit unverminderter Geschwindigkeit, raste im Sturzflug auf ihn hinab, keinen halben Meter entfernt fuhren die alles zerfleischenden Klingen hervor, brachiale Mordinstrumente die nur zu einem Zweck bestimmt waren, zum schlachten.


Bei seinem Seitwärtssprung stütze er sich auf die linke Hand, kam auf den Knien zur Landung und drehte sich um, den Schwung ausnutzend um mit Base nachzusetzen. Die Keule traf ins schwarze und verschaffte dem Todesball eine ungeahnte Beschleunigung. Es gab ein platschen und das brachige Wasser schlug Wellen als die Kugel aufschlug und unter ging.

"Ha, einer weniger" zufrieden wollte der Waffenknecht sich umwenden als er eine Bewegung sah.

Unter lautem Getöse verfehlte das Geschoss ihn nur knapp und auch nur weil er sich in einem Reflex nach hinten gerissen hatte und rücklings auf dem Boden aufschlug, der Ball flog noch weiter und zerschmetterte einen alten Baumstumpf der sich im Weg befand. Holzsplitter flogen wie Schrappnelle herum doch das Ding machte sich bereits zum nächsten Anflug bereit.

"Wasserfest sind sie also auch noch." mit einem Ruck kam der Soldat wieder auf die Beine, nicht einen Kratzer hatte sein Angriff hinterlassen, nicht einmal schienen diese Dinger langsamer zu werden. Das könnte noch ein langer Tag werden.
21.03.2004, 16:50 #209
Ceron
Beiträge: 379

Zuerst war nur ein leises Surren zu hören, Ceron hatte es für eine Blutfliege gehalten. Doch dann kamen diese Monster aus Stahl, solche Geschöpfe hatte Ceron noch nie gesehen, so perfekt, doch hatten sie Leben in sich? Am liebsten hätte Ceron nu über diese Frage zu philosophieren begonnen doch da wurde er schon zum Ducken gezwungen. Eines der Metallviecher sauste über seinem Kopf hinweg, beinahe hätte es ihm eine neue Frisur verschafft.

Ceron liess seinen Mantel, die Robe und die Beinschienen fallen und rannte in den Sumpf hinein. Über einem Ast durch, da unten durch, ein Drache im Wolfspelz versuchte der Maschine zu entkommen. Schnell unter einem Baum hindurch gerutscht, da war das Wesen auch schon über ihm, zurück unter den Baum. Dann mit einer schönen Rolle unter dem Baum weg, Ceron fühlte schon die Wirkung der Beinschienen, sie verliehen ihm Teufelsgeschwindigkeit, wie er nun rannte, befreit von der Last. Seine Freunde konnte er schon nicht mehr sehen, wie auch, er durfte sich ja nicht umdrehen. Dann kam Ceron an einem grossen Sumpfteich an. Er erspähte zwei Lianen, welche verlockend vom Baum herunterhingen. Ceron rannte auf sie zu, schon wollte er seine Hand um die Pflanze schliessen als er erkannte, dass das der Schwanz einer Schlange war. Ceron hatte ja nichts gegen Schlangen, sie waren ihm sogar sehr sympathisch, doch in diesem Moment wäre ihm eine Liane lieber gewesen. Er riss einen Stopp und schlug einen Hacken um die Schlange. Das metallische Ding jedoch flog neben dem Schwanz hindurch und steuerte wieder auf Ceron zu.
Ceron sah keinen Ausweg mehr, er musste es versuchen. So zog der Drachling seine Erzklinge aus dem Ärmel. Drohend schwebte das Metallgefährt nun über ihm, Ceron konnte es einfach nicht, er hatte ungeheime Angst. So rannte er zurück in die Richtung aus der er kam.

Ceron schon ganz ausser Atem, erkannte nun endlich wieder den Steinweg, jetzt nur nicht schlapp machen. Immer wieder duckte er sich und liess das metallene Gefährt über sich surren. Dann sah er seine Chance. Er wollte es in einen Baum fliegen lasse, einen Riesen von Baum. Er schaute sich nach dem Geeigneten Baum um, als sein Blick auf einen Baum mit einem Loch bei der Stammgegend traf. Er kroch unten hindurch und das Vie flog in den Baum hinein. Triumphierend ging Ceron um den Baum herum, und musste die schreckliche Erfahrung machen, dass es nicht tot war, wie auch? Es hatte ja eigentlich auch gar kein Leben. Das Vieh versuchte sich mit Ruckbewegungen aus der Rinde zu befreien. Ceron nahm nur noch seine Beine in die Hände und rannte wieder zu seinen Gefährten. Es würde nicht lange dauern und das metallene Ungeheuer würde zurückkehren
21.03.2004, 17:56 #210
Estragon
Beiträge: 507

Hilias wurde immer wieder von Carras hin und hergezerrt, um nicht von den teuflischkreischenden Stahlkugeln zerfetzt zu werden.
Carras zog seine Klinge und trat vor den Steinmetz, der völlig teilnahmslos auf dem Boden kauerte und zu Himmel aufsah, als wolle er abschätzen, wann es zu regnen anfangen würde.
Carras sah noch einmal hinter sich, schüttelte angesichts des Zustandes seines Anführers den Kopf und stürzte dann vor. Eine Kugel hatte auf ihn zugehalten, nach dem sie mit dem Soldaten Lama keinen Erfolg gehabt hatte. Der Sumpfler wartete ruhig, nahm mass und brüllte dann lauthals auf.
"HIER DU BESCHIEßENE MOTTENKUGEL! HIER DRÜBEN IS FRESSCHEN!"
Die Kugel zurrte noch ein Stück zorniger und beschleunigte auf volle Leistung. Nicht mehr als ein schmahler Strich sauste auf Carras zu. Der Sumpfler blieb ruhig, sah dem kreischenden Tod fast gelassen ins Auge. Dann war es soweit, die Kugel hatte den Krieger fast erreicht, da wirbelte Carras mit einer Drehung aus deren Flugbahn und schlug mit der vollen Rückhand zu. Das Ding schlug hart auf den Boden auf, sauste nur wenige Milimeter an Hilias Kopf vorbei, der blinzelte nicht mal, und gewann dann in einer engen Kurve wieder an Höhe. Carras spuckte aus, zog geräuschvoll die Nase hoch und schritt dem Eisengeist in Kugelform entgegen.
"Sowas wie dich nehm ich mit Links auseinander." knurrte der Krieger. Die Kugel war unschlüssig stehen geblieben. Carras grinste höhnisch.
"Na? Was ist? Keine Lust mehr?" sprach er das Ding an.

Die Kugel zitterte kurz, wie zur Bestättigung und brüllte dann wieder vorwärts. Carras Lächeln gefohr.
"NEIN, DRECKSDING. NICHT..." Er wollte vorstoßen, doch da brauste eine zweite Kugel von rechts heran und Carras musst sich zu Boden werfen, damit sie ihn nicht enthauptete.

Hilias hingegen drehte sich mit einer zähen Drehung um. Die erste Kugel hatte Carras wohl als zu schwierig eingestuft, was die zweite erst nachher lernen sollte. Nun war der gebrochene Hilias ihr Ziel. Sie jagte vor. Ein besonders Lautes Kreischen war zuhören. Alle wandten den Kopf herum und starrten entsetzt und machtlos auf den unbeweglichen Hilias.

Der Steinmetz saßs da und blickte die Kugel an. Diese schoß dicht an ihm vorbei, flog eine weite Kurve und nährte sich wieder von rechts.
Hilias hob den rechten Arm wie eine Wache am Stadttor, die einen Pasanten zum Stehen auffordern wollte. Das Ding schlug auf die Handfläche auf.
Schmerz! Er jagte so tiefgreifend und allmächtig bis in die tiefsten Tiefen, füllte alles Sein und Bestehen mit flüssiger Qual auf und ersäufte jeden Gedanken in brennenden Reizen.

Der Gehängte hatte lange geschlafen. Nur manchmal hatte er dem Wurm ins Gewissen geredet und dann nur vorsichtig und zurückhaltend. Das langsame Vergehen hatte ihn nur wenig beunruhigt. Aber das...war eindeutig zuviel! Er musste handeln. Der Gehängte spannte sich an und war breit vorzuspringen, sollte es erforderlich werden.


Hilias zurückgezogener Verstand tauchte nur kurz aus seiner Letargie auf, um festzustellen, was kaput war. Und der Schmerz kam so überraschend, so ungewohnt, wurde aber schnell zu einem alten Paar Schuhe, das immer noch ätzend brannte. Hilias brüllte. Voller Kraft und voller Leben. Seine Freunde hatten solche Laute von ihm schon lange herbai gesehnt, doch nicht auf diese Weise.
Schrecklich war es gerade zu. Mit fassungslosen Augen sahen die Gefährten, was da eben passiert war.

Die Kugel war auf den Handwurzelknochen aufgeschlagen und hatte sich mühelos durch die Haut, das Fleisch, den Unterarmknochen gefressen. An der Schulter war sie wieder ausgetreten und davon geflogen, irgendwie langsam und scheinbar zufrieden mit sich selbst.
Nur einen Wimpernschlag nach dem Austritt dieser stählernen Geisel, zerfetzte Hilias rechter Arm der Länge nach. Blut wurde augenblicklich zu Staub, Staub zu tanzenden, finsterroten Funken.
Der Steinmetz wurde rumgeworfen und von dem steineren Pfad geschleudert. Das Wasser verschluckte ihn gierig. Dämfte seine Schreie.
Hilias wurde bewusstlos. Der Gehängte drang vor und kämpfte einmal mehr für das Weiterbestehen dieser vergehenden Hülle.
21.03.2004, 20:47 #211
Rhodgar
Beiträge: 1.307

Um Rhodgar herum herrschte Einsamkeit. Er fröstelte, und hatte sich wohl einen gemeinen Schnupfen eingefangen. Der Schwarzmagier hatte Zuflucht in einer Höhle gesucht, die sich in dem hohlen Stamm eines riesigen Sumpfbaumes gebildet hatte, und ging dem Unwetter aus dem Weg. Es war wirklich keine gute Idee gewesen, sich von den anderen zu trennen, geschweige denn ihre Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Denn irgendwie spürte er, dass er sie irgendwann in nächster Zeit mehr brauchen würde als je zuvor. Ja, er sah ein, dass er einfach aus Wut gehandelt hatte, dass es für sein Verhalten oder so seine Taten keine Entschuldigung gab. Selten hatte er wohl etwas Dümmeres getan, als seinem überlaufenden Gemüt zu kapitulieren, den Zorn die Oberhand gewinnen zu lassen. Ja, verdammt, er sah ein, dass er ziemlichen Mist geabut hatte. Er hatte etwas angestellt, was nicht nur ihn, sondern auch die Gemeinschaft in Gefahr gebracht hatte, wobei das Risiko, dass ihm etwas zustieß, beträchtlich höher war, alleine wie er war, auf sich selbst angewiesen, in dieser grünen Hölle. Nichtd weiter als matschige Brühe, schier unendliche Schlingpflanzen und dämliches Insektengetier, soweit das Auge reichte. Unverständlich, was Carras und Tarim nur daran finden konnten. Aber andererseits würden die beiden, und viele andere auf der Welt, wohl nie nachvollziehen können, warum es ihm danach gelüstete, untote Kreaturen herauf zu beschwören, und in diesem (in ihren Augen) unheimlichen und vermoderten Schloss zu hausen, welches sich Kastell schimpfte. Niemand konnte das verstehen, niemand bis auf jene, die dem Zirkel ebenfalls angehörten. Ceron... Seraphin... Rena. Bei dem Gedanken an die drei wurde dem Schwarzmagus schwer ums Herz, und es war als würde sichein schwarzer Schleier über seine Seele legen. Er gab sich auf, ganz einfach. Er hatte dinge getan und gesagt, für die er nun gerade zu stehen hatte. Wenn es ihm vorbestimmt war, auf diese Taten hin in dieser vermaledeiten Sumpflandschaft qualvoll dahin zu scheiden, so würde er sich dem Schicksal beugen, und alles geschehen lassen.

Ein paar Tränen rannen über sein blasses Gesicht, und tropften auf den ohnehin schon durchnässten, moosbedeckten Boden in dieser Höhle. Es war alles so dumm gelaufen, so unendlich dumm. Nie hatte er gewollt oder beabsichtigt, das es nun so enden würde. Er wusste nicht, was die anderen in diesem Moment taten, welchen Gefahren sie zu meistern hatten. Er wurde in Unkenntnis darüber gelassen, wie seine Freunde sich den Angriffen der Mörderkugeln ausgesetzt sahen, wusste nicht, wie es ihnen ging. Wie denn auch? Er saß in einem modrigen Loch, zusammengekauert und leise vor sich hin weinend. Niemand sollte ihn so sehen, niemand. Er war nur noch ein kümmerliches Abbild seiner selbst, des doch eigentlich so lebenslustigen jungen Schwarzmagiers, der jederzeit für jeden Schabernack zu haben war. Und alles nur, weil er sich einen Augenblick nicht zu beherrschen gewusst hatte. Was eine Sekunde im Leben eines Menschen doch ausrichten konnte.

Blitze durchzuckten die Luft, und er glaubte in der Ferne ein paar Schreie vernehmen zu können. Was war da los? Allzuweit hatte er sich in seinem Wahn von der Gruppe noch nicht entfernen können. Sollte etwa...? Aber da war es auch schon wieder ruhig, und die Stille legte sich gespenstisch über seine Umgebung. Es war wohl nur ein einziger Ausdruck der in ihm verborgenen Hoffnungen und Sehnsüchte, die in Halluzinationen durchleben ließen. Was solls, es war ja eh vorbei.
21.03.2004, 21:02 #212
Seraphin
Beiträge: 318

Diese Dinger waren so schnell wie eine Horde Drachensnapper über sie hergefallen und hätten sie nicht fast noch schrecklichere Laute als eine solche gemacht, wäre es eindeutig um sie geschehen gewesen. Doch auch jetzt sah es nicht wirklich gut aus. Das reinste Chaos herrschte um ihn herum, jeder war hektisch dabei den Himmel nach den rasend schnellen Metallkugeln abzusuchen welche sich flirrend durch die Luft gruben und selbige dabei mit ihren messerscharfen Klingen zersäbelten. Alles was ihnen in den Weg kam wurde gnadenlos abgemäht, einige kleinere Bäume waren auseinander gesplittert oder hatten brutale Spuren in ihrer Rinde vorzuweisen. Die klingen nahmen kein Rücksicht, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze. Trotzdem schienen sie es eindeutig auf sie abgesehen zu haben, nur dass es ihnen wohl ziemlich egal war wen oder was sie sonst noch in den Tod rissen.
Angespannt suchte Seraphin sein Umgebung ab und ließ ruckhaft seinen Blick umherirren, immer auf der Suche nach den rasenden Todesboten welche aus jeder Richtung kommen konnten. Das grässliche Kreischen dieser Dinger übertönte die Rufe der auseinandergesplitterten Gruppe, deren Streiter jetzt ziellos hinter allem möglichen Deckung suchten oder aber gerade dabei waren ihr Leben zu verteidigen. Irgendwo in diesem Durcheinander konnte er Hilias und Carras erkennen. Letzterer versuchte den Steinmetz vor den heranrasenden Dingern zu beschützen. Hilias selber saß völlig teilnahmslos auf dem Boden und schien seine Umgebung gar nicht mehr wahrzunehmen. Gerade wehrte der Templer eine weitere Atacke der fliegenden Todesboten ab, da musste er sich zu Boden werfen um einer zweiten zu entgehen. Und die dritte galt eindeutig Hilias...

"HILIAS, VERDAMMT BEWEG DICH!"

versuchte Seraphin das Kreischen der Kugeln zu übertönen, während er mit vor Schreck geweiteten Augen die Szenerie beobachtete. Und tatsächlich, der Waffenknecht bewegte sich. Allerdings ungefähr so schnell wie ein einbeiniger Zombie... (zumindest das letztere schien mittlerweile ja zu stimmen). Langsam, wie in Zeitlupe hob er abwehrend die Hand. Eine lächerliche, höchstens symbolische Geste gegenüber den rasiermesserscharfen Klingen ihrer Gegner. Doch das schien dem Steinmetz egal zu sein. Als ob die Zeit anhalten würde, um ihnen allen den grausigen Anblick in allen Einzelheiten zu präsentieren, gruben sich die stählernen Waffen in seine Handfläche. Blut spritzte und verwandelte sich augenblicklich zu Staub, der den Moment wie eine rote Wolke zu umschließen schien. Die Kugel bohrte sich weiter durch den Arm, riss das Fleisch bis zu den Knochen auf, immer weiter und weiter...

Seraphin glaubte das Brechen der Knochen zu hören, das Reißen der Sehnen und Muskeln welche unter den rotierenden Klingen regelrecht zermalmt und in alle Himmelsrichtungen geschleudert wurden. Und dann trat die Kugel, begleitet von halb zu Staube zerfallenem Blut und faserigen Fleischresten, wieder aus der Schulter des Waffenknechts hinaus und wurde durch ihren eigenen Schwung einige Meter weiter in die Luft geschleudert. Wie auf Befehl schien die Zeit plötzlich aus ihrer Starre zu erwachen und stattdessen doppelt so schnell zu laufen. Seraphin sah Hilias, wie er, plötzlich nur noch mit einigen verkümmerten Fetzen an der Stell wo vorher sein Arm saß, von dem Steg ins Wasser stürtzte. Aus den Augenwinkeln meinte er zu erkennen, wie Carras sich aufrappelte und hinterher hastete, doch viel Zeit das weitere Geschehen zu verfolgen, blieb ihm nicht. Plötzlich hörte er hintersich eine vertraute Stimme welche sich schreiend und fluchend einen Weg in sein Blickfeld bahnte. Es war seine Freundin Rena. Allerdings nicht alleine, hinter ihr kam eine der rasenden Todeskugeln angeflogen und hatte sie bis auf wenige Meter fast erreicht. Diesen verdammten Dingern würde er es noch zeigen...

"Rena, hier her!"

brüllte er über das Kreischen und Sirren der Klingen hinweg. Einen Moment fürchtete er, sie würde seinen Ruf nicht gehört haben, aber dann ruckte ihr Kopf im Laufen herum und sie blickte ihn hektisch an. Dann er kannte die Schwarzmagierin, was er vorhatte und änderte ihren Fluchtweg. Seraphin spannte sich, packte seinen Stab fester und begab sich in Position, während die Gejagte auf ihn zurannte. Schließlich trennten sie nur noch wenige Meter.

"JETZT!!!"

schrie er Rena an und sie reagierte sofort. Mit einem Satz warf sie sich auf den Boden und plötzlich stand nichts mehr zwischem Seraphin und ihrem Verfolger. Der einzige Unterschied war, das Seraphin auf das wirbelnde Eisengeschoss vorbereitet war, welches sich plötzlich fast verwirrt aus unsichtbaren Augen umzuschauen schien. Doch der Schwung war zu groß und so raste es haltlos weiter auf ihn zu. Wieder schien alles in Zeitlupe abzulaufen, während er mit siegessicherem Blick die kreischende Kugel fixierte und zu einem gewaltigen Schlag ausholte. Fast glaubte er Überrschaschung aus dem Verhalten seines Gegners zu erkennen, welcher jetzt erkannte und versuchte abzubremsen. Doch es war schon viel zu spät. Mit einem kolossalen Krachen prallte das gehärtete Holz des Wanderstabs auf die metallene Oberfläche der Kugel und schleuderte sie mit einer rasenden Geschwindigkeit in den Sumpf. Äste splitterten und Lianen zerfetzten, bevor das Geschoss mit einem saugendem Geräusch in der brodelnden Brühe verschwand.

"STRi...äh...."

Mist, was überkam ihn da immer nur? Suchend blickte der Magier sich nach einer weiteren Gefahr um, bevor er seiner Freundin auf die Beine half und sie zufriedenen angrinste. Dann sahen sie sich wieder gehetzt um und beobachteten die Stelle an der Hilias in den Sumpf gefallen war. Gerade wollte Seraphin zu ein paar hastigen Worten ansetzten, als erneut dieses widerliche Kreischen, diesmal mit einem schlammigen Unterton aber um so wütender erklang. Die Kugel erhob sich hinter ihrem Rücken, vor Schmutz und Wasser triefend, aber nicht minder gefährlich, wieder aus dem Sumpf. Einen Moment tauschten sie einen wissenden Blick aus, bevor sie in entgegengesetzte Richtungen flüchteten.

Diese Dinger schienen unbesiegbar zu sein...
22.03.2004, 01:06 #213
Renata
Beiträge: 455

War es Glück oder Hilfestellung der Götter, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand durch diese mörderischen fliegenden Kugeln verletzt oder gar getötet worden war? Was auch immer, es hatte sie verlassen. Dessen war sie sich sicher, als sie Hilias schreiend ins Wasser fallen hörte, auch ohne gesehen zu haben, was passiert war.

Als Seraphin und Renata sich beim kreischenden Wiederangriff der zunächst abgeschmetterten Kugel trennten, bremste diese ihren Flug und verharrte eine Weile schwebend über der Gruppe, gerade so, als würde sie ihre Opfer taxieren oder sich ein neues Ziel suchen. Die dabei nur leicht wippende Metallkugel gab ein ideales Ziel für eine Schattenflamme ab, aber auch mit Magie war den Klingenbällen nicht beizukommen - jedenfalls nicht mit diesem einfachen Spruch. Die Schattenflamme traf auf den Ball, umhüllte diesen für den Bruchteil einer Sekunde und glitt an der äußeren Hülle einfach vorbei, ohne Schaden angerichtet zu haben. Nicht mal die Spur einer Reaktion durch die Kugel erfolgte. Verdammt, waren diese Dinger denn wirklich unkaputtbar?

Womit mochten dieses Flugwaffen ihre Ziele sehen, hatten sie Augen oder fühlten sie die Gegenwart oder die Bewegung ihrer Opfer? Fest an einen Baum gepresst wagte Renata nur flach zu atmen, selbst als ein zweiter Klingenball durch die Baumkrone über ihr pflügte und ein Regen aus zerhäckseltem Laub und Ästchen auf sie herabrieselte. Tatsächlich wandte sich die Kugel von der regungslos stehenden Magiern ab und wahrscheinlich dem armen Seraphin oder einem anderen aus der Gruppe zu. Sollte dies das Geheimnis sein, dass die Kugeln sich an den Bewegungen ihrer Opfer orientierten? Wenn dem so wäre, wäre ein Schwarm Blutfliegen genau das, was sie jetzt bräuchten, etwas, an denen sich die Klingenbälle aufreiben oder die sie antreibende Energie aufbrauchen könnten. Rhodgar, wo bist Du?
22.03.2004, 18:32 #214
Rhodgar
Beiträge: 1.307

Ja, wo war Rhodgar eigentlich? Das wusste er selbst nicht genau. Nein, man konnte nicht sagen, dass er es nicht genau wusste. Er wusste es kein bisschen. Irgendwo in dieser ödigen Pampa trieb er sich rum, ohne jegliche Ahnung, was zu tun sei. Der Schwarzmagier hatte sich damit abgefunden, dass er für sein Handeln gerade zu stehen hatte, doch würde Beliar es ihm doch verdammt nochmal nicht so schwer machen! Die ltzten Vorräte des Dörrfleisches und der getrockeneten Früchte, die er in seinem Wanderbündel mit sich genommen hatte, waren längst verzerrt, und es offenbarte sich ihm kein Anzeichenm, dass er in seiner Umgebung etwas Eßbares finden würde. Hier und da ein Kräuterchen vielleicht, doch das war längst nicht genug, um seinen Bärenhunger zu stillen. Dann lieber gar nichts Essen, und dem Tod durch Verhungern schneller entgegentreten. So war er seit Sonnenaufgang durch die scheinbar endlosen Sümpfe gewatet, in der kleinen, letztlich noch bestehenden Hoffnung, auf jemanden zu stoßen, irgendjemanden. Und sei es nur ein Sumpfungeheuer, das seinem tristen Dasein ein endgültiges Ende geben könnte. Dann wäre es wenigstens vorbei. Obwohl, eigentlich hing er ja am Leben.

Die Gedanken des Schwarzmagus kreisten die ganze Zeit über nur um seine Freunde. Wie es ihnen wohl ergehen mochte? Ach, könnte er doch wieder bei ihnen sein, ein letztes Mal noch. Dann würde er sich freiwillig Beliars Willen beugen, und ihn in die Unterwelt begleiten. Doch könnte er ein letztes Mal in die Gesichter von Rena, Seraphin und Ceron, und überhaupt all derer schauen, die er so bitter enttäuscht hatte. Er würde soviel zu sagen haben. Würde sich für seine Taten enttschuldigen, ihnen sagen, was sie ihm zu Lebzeiten bedeutet hatten. Und dann wäre er hinfort geschwebt. Langsam, doch zielstrebig, wäre seine Seele ihren Weg ins dunkle Reich finden. In der Ferne glaubte Rhodgar, ein Klagelied zu vernehmen, gespielt von tausenden lichternen Elfen, die melancholische Melodie entstand aus den Klängen von Harfen und Panflöten. Es war ein zutiefst trauriges Stück, welches die Sehnsüchte nach einer Erlösung immer weiter steigerte. Doch mit einem Mal verstummten die Töne. Es war sowieso alles nur Einbildung gewesen. Seitdem Rhodgar hier auf sich alleine gestellt war, schien er wahnsinnig zu werden. Wohl eine Folge der Gewissheit, dass er hier zu Grunde gehen würde. Wer würde da nicht durchdrehen, wenn er Tag für Tag in dem Wissen leben musste, dass jede Stunde, nein jede Minute die letzte sein könnte?

Und dabei war ihm gar nicht bewusst, wie nah er seinen Gefährten doch war. In Wirklichkeit waren es noch nicht einmal 500 Meter, die den Schwarzmagus von der Gruppe trennten. Anfangs waren sie zwei Wege gegangen, die wahrlich weit auseinander geführt hatten. Doch der Tatsache, dass Rhodgar keine Karte besaß, hatte er es zu verdanken, dass er ganz allmählich begonnen hatte, einen Bogen zu machen. Und jener hatte ihn bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder näher an die Gruppe heran geführt, auch wenn dies keinem, weder ihm, noch den andern, aufgefallen wäre. Denn diese verdammichte grüne Hölle, man konnte in ihr nur ein paar Meter weit sehen, und danach verlief alles zu einem einzigen grünen Mischmasch zusammen. Außerdem behinderten die zahlreichen Gestrüppe, Schlingpflanzen und Bäume die Sicht erheblich. So waren die beiden einstiegen Streitparteien sich doch näher, als sie es angenommen hätten.
Doch was machte das schon? Sicherlich würde Rhodgar nur auf Verbitterung, Verachtung und die Ungnade stoßen, in die er gefallen war, als er davon gelaufen war. So etwas konnte nicht einfach mir nichts, dir nichts verziehn werden.
22.03.2004, 19:11 #215
Estragon
Beiträge: 507

Ölige Wärme umfing den Gehängten. Er war lange nicht mehr in diesem Körper verwurzelt gewesen, jedenfalls nicht dirket. Nun sah er sich von Null auf Hundert der Situation gegenüber, das diese fleischliche Hülle in Windeseile verging, rasender Schmerz alle Bewegungen erschwerte und ihm sein rechter Arm fehlt. Im Kern des Körpers gab es tatsächlich noch einige natürlichfließendes Säfte. Blut rang in feinroten Wasserverwirbelungen aus der großen Wunde. Die Sicht des Gehängte verschwamm, das Wasser sog ihn tiefer.
Panisch ruderte er mit dem verbleibenden Arm, doch seine Bewusstsein schwand ebenso leich wie die des wurmgesichtigen Schwächlings von einem Steinmetz.

Dann fasste sich der Gehängte ein Herz und griff sich heftig mit der linken Hand an die Wunde, bekam den Knochen zu fassen der wie ein Stock aus einem blutigverkohltem Baumnstumm herraus schaut. Der Gehängte biss das zahnlose Fleisch seines Mundes zusammen und zog den Knochen hoch. Der Schmerz war grell, kräftig, aufmunternt.

Die Sicht des Körperpriaten klärte sich, er stieß sich förmlich mit neuer Karft ab, schlug wie ein Frosch mit den Beinen durchs Wasser. Das Lciht nahm zu. Die tanzende Wasseroberfläche war zu erkennen.

Der Gehängte hatte die letzten Kräfte mobelisiert und schoß wie ein unförmiges Reptiel aus dem Wasser, packte die scharfe Kante des Pfades und zog sich hoch. Auf dem Pfad angekommen, hob er den Kopf und sein Atmem stockte. Einer dieser widerlichen Metallsummer jagte auf ihn zu, der Gehängte zog den Kopf zur Seite, doch er reagierte zu langsam.
Sein linkes Ohr verdampfte förmlich, die Kugel brummte boshaft. Es klang wie ein Kichern.
Adrenalien, soweit der verfallene Körper es noch auszuschütten vermochte, jagte den Puls des Gehängten hoch. "Mann, ihr habt wohl echt keine Ahnung mit wem ihr euch hier anlegt!" donnerte er krächzend. Er wollte aufstehen, doch der fehlende Arm brachte das Gleichgewichtsverständnis des Körpers mächtig durcheinander, so das er zurück fiel. Das Blut war an der Wunde zu Staub zerfallen und hatte eine dunkle Kuste gebildet, die an einigen wenigen Rissen nässte wie ein Lavabrocken unter Wasser.
Der Schulterknochen stach wie der gebrochene Schaft eines Eibenholzpfeiles hervor. Der Gehängte suchte den Himmel kurz ab, doch die Kugeln schien gerade andere Ziele zu verfolgen.
Dann entdeckte er ein Stück des Mantelstoffes, der den Arm umhüllt hatte. Er kroch drauf zu und langte danach, schlang es sich behelfsmässig um die Schulter.
Jetzt überlegte er, wie er sich am besten aus dieser Lage befreien konnte, ohne weiteren Schaden zu nehmen. Er sah sich fiebrig um, dann blieb sein Blick wie angenagelt stehen.
SIE!!! Seine Augäpfel, wieder in gewohntes Schwarz gehüllt, blizten mit räuberrischer Gier.
Er nahm den Kopf runter und begann wie ein hässlicher Lindwurm auf Renata zuzuschlängeln, die an einem Baumstamm deckung gesucht hatte.
Er konnte sterben, wenn er hier nicht so schnell wie möglich verschwand. Doch die Verlockung war einfach zu groß. Die Begierde zu mächtig. Er hielt das Gesicht angestrengt grunzend zu Boden, damit keiner seinen Augen sehen konnte. Weder Renata, noch die beiden anderen Würstchen oder der Muskelprotz, dem er damals die Schulter mit einem gewissen Gefühl der Befriedigung aus der Pfanne gerissen hatte.
Jeder sollte glauben, er wäre immer noch das dumme Wurmgesicht, das sich blutetend in Deckung schleppen wollte.
Der Gehängte bewegte sich angeschlagen über den feuchten Boden. Die Jugeln summten wütend über ihn. Mal hier, mal dort. Sie sahen wohl keine Beute mehr in ihm. Um so besser. Hatte er mehr Zeit für das Wesendliche. Seine Zunge, weiß und faulig von Verwesung, leckte langsam über die blassen, wunden Lippen.
Er würde sich so viel Zeit lassen, wie nur irgendmöglich. Er war es der Kleinen schuldig. Oh ja, das war er!
22.03.2004, 20:04 #216
Rhodgar
Beiträge: 1.307

Rhodgar fröstelte, fiebrige Anfälle überkamen ihn von Zeit zu Zeit. Sein Schnupfen hatte sich um einiges verschlimmert, sodass es ihm beinahe unmöglich war, durch den Nase zu atmen (was jedoch eigentlich ein Vorteil war, denn die matschig-grüne Brühe in der er zur Zeit herumölte, stank wirklich bis zum Himmel). Schnell zupfte er den Kragen seiner durchnässten und mit schleimigen Algen beschmierte Robe zurecht, sodass er nun gerade nach oben stand. Das schützte ihn zumindest ein wenig vor der Kälte und dem heraufziehenden Wind.
Er hatte seit der Trennung von der Gruppe kein einziges Wort mehr gesprochen. Nicht eine Silbe war ihm über die Lippen gekommen. Mit wem hätte er auch reden sollen, außer vielleicht dem knöchernen Schädel, den er in seinem Bündel mit sich herum schleppte? Das jener antworten würde, war allerdings mehr als unwahrscheinlich. Stattdessen griff Rhodgar nun die Rune, mit deren Hilfe er die Gebeine einer Blutfliege sich untertan machen konnte. So gut es ihm in seinem Zustand noch möglich war (mittlerweile wurde er auch immer wieder von heftigen Hustenanfällen heimgesucht), konzentrierte er sich darauf, seine magischen Energien, sofern sie denn noch vorhanden waren, zu fokussieren, und sich einen Knochendiener an seine Seite zu rufen. Und fürwahr, es klappte sogar noch. Wenn der Kreatur auch hier und da ein paar Knochen fehlten, das machte nicht viel aus, sie war im Stande neben ihm zu flattern, und damit hatte sie ihren Hauptzweck erfüllt.

So schlimm war es also schon um den Jungen geschehen. Er beschwor sich ein untotes Geschöpf, nur damit er jemanden zum Reden hatte. Nein, genauer gesagt war er es, der die ganze Zeit über redete. Die Blutfliege summte nur stumm vor sich hin, und ließ die Redeschwälle ihres Meisters teilnahmslos über sich ergehen.
"... und dann waren sie auf einmal da, hunderte von Skeletten, sag ich dir, hunderte. Aus jeder noch so finsteren und verwinkelten Ecke kamen sie gekrochen, und hatten uns schon eingekreist. Wir waren dem Tode in diesem Moment wohl eine sichere Beute, doch Veltrin, dieser Teufelskerl, hat uns alle gerettet, indem er sein Leben für die unsrigen gab. Er war schon ein verrückter Hund... Und du, was hast du die letzten Tage so getrieben? Ist es schön da unten, da wo du her stammst? Ich werde dich wohl bald dorthin begleiten können, wie wärs, dann stellst du mir deine Freunde vor."
Er hatte wohl noch nie solchen Unsinn geredet. Die leeren Augenhöhlen der Blutfliege stierten ausdruckslos geradeaus. Was sie sich wohl gerade denken mochte, wenn sie dazu im Stande war?

Wie dem auch war, ganz egal was sich im wohl nicht mehr existenten Hirn der Kreatur abspielte, die Tatsache, dass die beiden den um ihre Leben ringenden Gefährten mit der Zeit immer näher gekommen waren, ließ sich nicht leugnen (auch wenn Rhodgar davon noch immer nichts mitbekam). Nun waren es nur noch kanpp einhundert Meter, die ihn von seinen Freunden trennten. Sollte das Schicksal sich etwa doch gnädig stimmen, und ihm die Möglichkeit geben, noch einmal alles gerade biegen zu können?
Und da, jetzt hob der Schwarzmagier den Kopf, ließ sein fieberbedingtes Gebrabbel verschweigen, und schaute ungläubig in Richtung Westen (oder war es Osten?). Hatte er da nicht eben einen Schrei vernommen, der nur aus einer menschlichen Kehle hätte stammen können? Vielleicht war es wieder nur eine Sinnestäuschung gewesen, doch dieses Mal war es ihm so unglaublich real erschienen, dieses Rufen. Zwar nur schwach zu vernehmen, aber immerhin. Je länger der Dämonenbeschwörer darüber nachdachte, desto stärker ging in ihm die Hoffnung auf, wie ein Klumpen Hefe. Vielleicht war doch noch nicht alles verloren, vielleicht gab es doch noch Hoffnung da, wo keine mehr war? Flieg meine Kleine, flieg geschwind, und vergewissere dich, was dort hinten loß ist. Rasch rasch! schärfte er seiner Dienerkreatur ein, welche den Befehlen ihres Meisters aufs Wort gehorchte. Als wolle sie einen Geschwindigkeitsrekord brechen, sauste sie auf und davon, während Rhodgar sich mit geteiltem Gemüt einem mittlerweile in Sicht geratenen Ufer näherte. Zu Beliar betete er, dass sich seine Erwartungen nicht als falsch erweisen würden. Denn er hatte aus diesem Schrei eine Stimmlage herausgehört, wie sie nur zu Hilias, dem vor ein oder zwei Tagen, ihm war jegliches Zeitgefühl entschwunden, noch so Gehassten, passen konnte. Vielleicht... ja aber nur vielleicht, bestand eventuell ja doch noch eine Möglichkeit. Doch alles hing jetzt von seiner Fliege ab.
Fliege rasch wie der Wind, meine Kreatur. Du bist stark, nichts kann dich aufhalten. Du kennst keine Furcht, nichts kann dir etwas anhaben. Du bewegst dich schnell wie die Schatten, Müdigkeit ist dir fremd. So hole mir Kunde ein. schärfte er der Blutfliege abermals ein. Dabei war sie doch schon fast an ihrem Ziel angelangt. Doch jene Worte entstanden Wohl aus der gefährlichen Mischung aus annäherndem Größenwahn und der Hoffnung. Der Hoffnung auf eine Errettung, der Hoffnung auf eine Erlösung... der Hoffnung auf das Leben.
22.03.2004, 21:17 #217
Renata
Beiträge: 455

Die Kugeln trotzten allem, was die Abenteurer ihnen entgegen zu setzen hatten. Kein Schwert, keine Schattenflamme, kein Knüppel und kein Baumstamm hatten den metallenen Angreifern etwas anhaben können. Immer noch kreisten sie um die Gruppe, als ein anderes Geräusch sich mit dem Kreischen der Klingenbälle mischte: das Summen einer Fliege.

Schon kam sie zwischen den Bäumen hindurch, das war keine normale Blutfliege, das war eine beschworene, eine untote Blutfliege. Rhodgar! Er lebte also und war in der Nähe. Beliar sei Dank.

Zumindest eine der Kampfkugeln reagierte auf das untote Wesen. Die beiden Kontrahenten lieferten sich einen aufregenden Tanz, die Kugel war schneller, die Blutfliege wendiger. Geschickt wich sie den rotierenden Klingen aus, das Jaulen der Kugel wurde immer lauter als sie, sich den Manövern der Blutfliege anpassend, immer engere Kurven flog.....
22.03.2004, 21:34 #218
Carras
Beiträge: 1.377

Ein schmitziges Lächeln trat auf Carras´s gesicht.
Ein gehässiges,gemeines Grinsen war es.
Was um ihn herum passierte nahm er zwar wahr, aber es war nicht wichtig, er war kein Babysitter und die meisten konnten auf sich alleine aufpassen.

"Hey.....Scheißding.....!" sprach er ruhig während er zu Boden guckte.
Irrititiert summte das kleine Etwas vor Carras umher.
"....Was ist denn jetzt? Hast wohl doch keine Lust mehr, hm?"
Immernoch schaute Carras zu Boden, immernoch lächelnd, und immer noch kampfeslustig.

Mit einem Kampfschrei riss Carras dass Schwert hoch, sprang schnell zu einem Stein in der Nähe, fedderte sich dort ab, fasste einen Ast an einem Baum, schwang sich von diesem ab und rauschte mit erhobener Klinge auf das Runde etwas herab. Das training schien sich auszuzahlen.....
Rasch zog er während des Fluges die Klinge herunter, wie in Zeitlupe aber wich der Metallball aus.
Carras fedderte sich galant ab und schaute wieder zu Boden, wieder lächelte er.
Dann schaute er auf und jeder der jetzt Carras´s Augen sah würde erschrecken, sie waren kälter als sonst.
Noch Kampfeslustiger und noch tödlicher!
Man konnte kaum glauben das diese Augen einem Menschen gehören.....taten sie das denn überhaupt?
Aber dennoch lächelte er, langsam begann er zu sprechen: "Hey Mistding....du hast ein Loch in mein neues Outfit gemacht. Ich mag dass nicht.......!"

Wieder spurtete Carras hervor und schlug zu, wieder wich der "Ball" aus.
Carras musste seinen Kopf wegducken um nicht getroffen zu werden als die Metallkugel einen großen Bogen drehte und auf ihn zusauste.

Carras spuckte zu Boden, richtete sich zu seiner vollen Größe auf und fasste seinen Einhänder noch fester.
Er spurtete auf den sich wieder wendenen Ball zu, holte aus, schrie auf und....traf.
Das Summen des "Balls" erstarb,er wirbelte zurück, knallte gegen einen Baum und blieb regungslos im Matsch liegen.
"Wie jetzt? Schon vorbei?" sprach Carras mit leicht entaüschter Stimme.....noch immer war dieses grinsen auf seinem Gesicht.
22.03.2004, 22:03 #219
Teufelslama
Beiträge: 2.779

Mit einem Lächeln beobachtete der Lehrmeister die flüssigen Bewegungen Carras. So Beweglich bei der Größe, das sollte man ihm eigentlich gar nicht zu trauen, wieder einmal eine Lektion in Sachen "unterschätze nie dein Gegenüber". Leider konnte er nicht lange stolz auf seinen Schüler sein, schon wieder hörte das Kreischen eines der Klingenbälle hinter sich. Mit einer raschen Bewegung warf er sich zu Boden und das Ding brummte über ihn hinweg. Gleich stützte er sich mit den Händen ab, kam so wieder zu stehen und lief los. Irgend etwas musste man doch gegen diese Mistteile ausrichten können.


Eine andere Kugel kreuzte seinen Weg schnitt ihm den Pony, einige der abgetrenten Haare fielen langsam zu Boden.

"Dreimal verdammtes Mistding, na warte."

Doch im Gegenteil, anstatt zu warten beschrieb es eine Kurve und nahm wieder sein Ziel ins Visier. Mit der Klingenkugel im Schlepptau rannte der Soldat die schmalen Wege entlang, wich der schnelleren Kugel ein ums andere Mal aus und musste feststellen das sie im Gegensatz zu ihm nichts an Geschwindigkeit, Ausdauer oder Konzentration verlor. Lange würde er das Tempo nicht mithalten können, doch dann sah er was ihn retten könnte, es funkelte am Boden und er griff es sich.



Der Todesball beschrieb seine letze Wendung und stoppte in einiger Entfernung wie um Maß für den letzen Angriff zu nehmen, ein letztes Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten stand bevor und zeitgleich bewegten sie sich aufeinander zu. Die Geschwindigkeit der Kugel sowohl als auch die des Waffenknechts war atemberaubend als sie aufeinander zu donnerten. Kein Geräusch schien zu erklingen, der Rest der Welt stand still.

Kurz vor dem tödlichen Aufeinandertreffen sprang Lama ab, vollführte eine Schraube mit ausgestreckten Armen in der Luft und schlug zu. Beide Fäuste krachten aufeinander und auf den Klingenball. Ein markerschütterndes Geräusch erklang als die Klingen brachen und das Mordinstrument zerstört zu Boden fiel.

Mit leicht blutenden geballten Fäusten stand Lama vor seinem besiegten Wiedersacher, dann öffneten sich seine Hände und etwas Staub rieselte. Zwei Steine kamen in jeder zum Vorschein doch schienen diese zu schimmern, das alte Gestein bröckelte ab und enthüllte nun womit der Soldat seinen Sieg errungen hatte, zwei Brocken des magischen Erzes, unzerstörbar und unvergleichlich in seiner Konsistenz, selbst dieses magische Spielzeug hatte da nichts entgegen zu sezten. Nun hatte Lama die Muße sich umzusehen, Carras hatte Seinerseits eine Kugel zerstört, also blieb noch eine für sie übrig. Erst jetzt sah er Hilias vernichteten Körper, die beschworene Blutfliege und das was sonst noch kommen sollte.
22.03.2004, 22:27 #220
Renata
Beiträge: 455

Immer noch zeigten Blutfliege und Klingenkugel ein mörderisches Pas de deux, als plötzlich das Kreischen zumindest einer der beiden restlichen tötlichen Metallbälle verstummte. Hatte einer der Gefährten es geschafft, ihr den Garaus zu machen? Renata sah sich um und bemerkte den schrecklich verstümmelten Hilias, der gerade auf sie zukroch. Sein Gesicht war wohl von Schmerz verzerrt, die hochgezogenen Lefzen entblössten die zahnlosen geschwärzten Kiefer.

Er brauchte Hilfe, die Magiern lief ihm geduckt entgegen, unter dem Tanz von Blutfliege und Klingenkugel hindurch. Aber wie sollte sie einem Untoten überhaubt helfen, konnte ein bereits Toter noch verbluten? Das Blut das dem Stumpf, der einmal sein Arm gewesen war, schien wieder zu kristallisieren und zu verdampfen. Vielleicht mochte er keinen Lebenssaft mehr brauchen, der Verlust schien ihn aber trotzdem zu schwächen.

Ein zweites Mal kündete ein metallisches Bersten davon, dass eine weitere Kugel besiegt war. Blieb noch eine.
22.03.2004, 23:17 #221
Estragon
Beiträge: 507

Der Gehängte sah das Weibsbild kommen. Er musste sich ein irres Lachen verkeifen. Wie die Fliege, die ins Netz der Spinne kommem mochte.
Er spannte sich, versuchte seine Begierde noch einen Augenblick zu zügeln. Nur noch wenige Meter treten die beiden. Er glaubte schon jetzt ihren unwiederstehlichen Gerüch wahrnehmen zu können. Panik, Angstschweiß, Adrenalin und Verwirrung. Oh, was würde es für eine Wonne sein, die Zunge tief in zwischen ihren...

"Hilias, wartet! Ich helfe euch." Der Gehängte schmolz förmlich dahin vor brennendem Verlangen. Ihre Stimme war so besorgt, so vertrauensseelig, so unglaublich treudämlich.
Es zerriss ihn fast, er wollte sprüren, wie sich sich angeekelt unter ihm aufbäumte, wollte das sie sich wehrte und schrie und am Ende es vielleicht genauso geniesen, wie er es jetzt schon genoss.
Doch er wartet. Blieb bereit, bis auf den letzten Nerv angespannt.
Jetzt nichts dazwischen kommen...bitte! Sie ist fast bei mir... betete er energisch.
Sie kniete nieder, er ließ den Blick fest zu Boden gerichtet.
"Hab ihr Schmerzen?" fragte die sorgenbeladene Stimme. Sie berühte vorsichtig seinen kahlen Nacken. Das war zu viel. Alle Dämme der Zurückhaltung brachen.
"Ja, aber ich kenne ein gutes Mittel dagegen." kicherte er. Die Hand auf seinem Nacken begann augenblicklich zu zittern. "ich sehe du hast mich nicht vergessen, Goldstück." wisperte der Gehängte und schaute auf. Seine schwarzen Augäpfel glichen wirklich einer Spinne, die irgendwie die Freuden der Folter für sich entdeckt und nun ein neues Opfer entdeckt hatte.
"Du...du...bist...tod?!?" jabste das Weibsbild.
"Aber immer noch warm, an bestimmten Stellen jedenfalls. Willst du sie sehen." Renata versuchte aufzustehen, doch der Gehängte sprang sie an, schnell wie eine Klapperschlage zubeißt, und zog sie runter.
Sein Hand gliet schnell und brutal über ihre Kleidung, erreichte den Hals, packte zu.
"Willkommen zu unserer ganz eigenen Abschiedsfeier. Ich hoffe, du hast gute Laune mitgebrachte."
Renata wimmerte. Noch war der Schock zu groß. Das war enttäuschend. Er hatte gehofft, sie hätte sich gleich gewehrt. Doch sie würde sich wehren. Sie war eine Kämpferin.
Das machte sie nur noch anziehender. Der Gehänge zog seinen massigen Körper wie einen Felsblock auf die Frau, nahm sie in den Schwitzkasten und zerrte sie wie einen Sack hinter sich her. Noch schien niemand etwas bemerkt zu haben.
"Hier ist zuviel trubel. Lass uns ein etwas ruhigeres Plätzen suchen. Was meinst du? Und keine Sorge, wenn du nicht in Stimmung bist. Ich habe genung Stimmung für uns beide."
Der Gehängte zog sie zu dem Baum zurück, schob sein Opfer so gut es ging in Deckung und drückte sich dann wieder auf sie. Seine Hand blieb weiter an ihrer Kehle.
"So. Jetzt! Jetzt und hier!" knurrte er. Seine Zunge schnellte hervor. Renata sah ihn entsetz an, wollte zurück weichen, doch der Gehängte verstärkte den Durck der Hand und hielt sie fest. Seine Zunge, weiß und klebrig, gliet an ihrem Hals entlang. Nach unten. Er biss in ihre Kleidung und zerrte dran. Legte weißroasfarbene HAut frei. "Hast noch nichts von deiner Würtze eingebüsst, mein Goldstück. Der Zahn der Zeit war gnädig mit dir." grunzte er beilaufig und biss wieder zu. Sie wehrte sich jetzt. Heftig sogar. Einmal hätte sie ihn fast abgeworfen. Wäre sie im Kampftraning gewesen, hätte er nicht so leichtes Spiel gehabt. Dann hätte sie wohl den Boden mit ihm aufgewischt. Doch vom Bücherwälzen bekam man keine Muskeln. Das war sein Vorteil. Und er wusste ihn schnell und heftig zu nutzen. Wie ein Orkan riss er an ihrer Robe, nesselte immer tiefer. Sie merkte, wo er hinsteuerte und warf sich noch einmal verzweifelt auf, doch er fuhr hoch, schlug mit der Stirn kurz auf ihr gesicht und ihre Gegenwehr erstarb auf ein Minimum.
"Endlich ruhe." grinste er und tauchte wieder ab. Er war fast durchgestoßen, hatte schon die helle Bauchhaut erblicken können. Seine Zunge wühlte sich vor, berühte sie nur für eine Sekundenbruchteil. Dann passierte es. Es kam schnell und er war am Ende so machtlos, wie ein Farmer gegen einen Hagelsturm machtlos ist. Es begann mit einem Zittern ihrers Körpers, so das er stirnrunzelnt inne hilet und sich hinkniete. Die hande immer noch an ihrer Kehle.
"Was wird das denn jetzt?" fragte er. Seine Stimme schwangte zwischen Belustigung und ehrlicher Neugier.
"Willst mir son kleinen Krabbelbrummer auf den Hals het..." Die Frau schlug die Augen auf. Sah mehr durch ihn hindurch, als ihn an.
Der Gehängte verstummte. Und keine halbe Minute später wünschte er sich, er wäre gleich geflohen. Zwei Minuten später wünschte er sich, er wäre nie wieder in Hilias Körper zurück gekehrt. Am Ende wünschte er sich nur noch den Tod.
Das Medium Beliars öffnete sich ihm. Ihm allein. Eine Ehre, auf die er wohl gerne verzichtet hätte.
23.03.2004, 00:07 #222
Renata
Beiträge: 455

Sie hätte ihn gleich erkennen sollen: am Gestank. Der war immer noch der Selbe. Doch zu spät; fast hatte der Schock sie überrumpelt. Jetzt begann sie, alle zur Verfügung stehende Kraft zu sammeln, um den Mann, der - obwohl nicht groß und praktisch ausgeblutet, ausgehöhlt - doch noch ein ziemliches Gewicht hatte, von sich wegzudrücken; einen Arm zwischen die nur Ekel erregende Fratze und ihrem Gesicht zu bringen. Vor allem musste sie verhindern, dass er ihre Kleidung weiter zerriss. Doch obwohl der Gehängte nur noch einen Arm nutzen konnte, war er einfach zu stark. Schon hatte er wieder die Hand unter den Stoff geschoben, um den Riss noch zu vergrößern, die schartigen Fingernägel kratzen über ihre Haut ...

Plötzlich hatte sie eine Vision oder schien zu halluzinieren: die Zeit lief nur noch zäh, wie durch dicken Sirup. Alle Bewegungen außer ihrer eigenen waren so weit verlangsamt, dass sie fast stillzustehen schienen: Hilias Augenrollen, die weiter entfernten Seraphin und Ceron, der eine, wie er sich gerade aufrichtete, er andere, wie er einen Arm hob, um auf etwas zu deuten - wie erstarrt. Keine Bewegung, nur das Licht änderte sich - oder eher das Nichtlicht, die Schatten, die Schwärze. Die Dunkelheit kroch förmlich auf Renata zu, verdichtete sich, wurde zu einem dunklen sie umgebenden Panzer, der immer dicker wurde. Schatten ballten sich zu Wolken und gesellten sich zu der Dunkelheit. Je dichter und dicker der Panzer wurde, desto mehr Schwärze schien er an- und aufzusaugen. Schon war diese Hülle aus Dunkelheit von Blicken nicht mehr zu durchdringen. Vielleicht von außen, jedoch nicht von innen. Renata starrte immer noch auf die Stelle, wo sie bis von einigen Sekunden die Fratze des Gehängten sah und blickte doch nur noch in schwarze Düsternis.

Die dunkle Hülle wurde dichter und enger, die Magiern wollte schreien, versuchte Luft in die Lungen zu pumpen, um den Panzer zum Bersten zu bringen. Als sie sich aufbäumte und gegen den Druck stemmte, explodierte die Schwärze in einer monströsen Entladung; die Druckwelle schleuderte nicht nur Hilias´ Körper von ihr weg, sie fuhr auch durch die dritte Kugel hindurch wie ein heisses Messer durch Butter. Das Gestrüpp in ihrer Umgebung wurde flachgepresst, kreisrund zu Boden gedrückt von einem Sturm, der von der Mitte des Kreises ausgegegangen war, die Mitte, in der die Magiern war.

Von den Bäumen in ihrer Umgebung rieselten die von der Explosion aus den Kronen gerissenen Blätter lautlos auf die Erde zurück. Überhaupt war alles sehr still, sie hörte nichts außer ihrem eigenen atemlosen Keuchen.
23.03.2004, 00:35 #223
Estragon
Beiträge: 507

Was passiert war? Werder Hilias noch der Gehängte hätten es am Ende beschwören können. Doch eines, da wären sich beide sicher einige gewesen, stand fest. Nach diesem Abend, da offenbarte sich zum ersten Mal das Schicksal offen. Zum ersten rettete es das wertlose Leben des Auserwählten Innos.
Doch Rettung kann ein vielschichtiger Begriff sein. Für die Einen Rettung, für die Anderen nur ein Fortsetzung von Schmerzen?

Der Gehängte wurde zurück geworfen. Er prallte gegen einen Baumstamm, der gegenüber von der Hexe gestanden hatte. Der Schmerz war dumpf und seltsam nebensächlich. Nebensächlich deshalb, weil der Gehängte schon ahnte, das der Schmerzen noch nicht genüge getan sein würde. Er sah nach vorn und wurde noch ein wenige blasser, als er es ohne hin schon war.
Eine kometenformige Energiewelle jagte auf ihn zu. Schien alles Licht, alles Leben, selbst die Zeit im Elmentaren zu negieren. Einfach für nichtig zu erklären. Der Gehängte sah die Welle scheinbar Stundelang auf sich zu rassen und doch dauerte es ewig, bis er überhaupt realisierte, das sie ihn in die volle Breitseite nehmen würde.

Dann geschah etwas, was selbst kaum wahrnahm, die anderen um so deutlicher. Die letzte der tödlichen stahlkugeln geriet in diese Welle, in Bruchteilen von Sekunden bildete sich rost auf der Oberfläche. Man konnte dabei zusehen. Das Surren wurden zu einem staubigen Scheppern gedrückt und das Innere der kleinen Monsterkugel schien wie voller, loser Schaubern und Räder, zu rasseln. Das Ding verfiel vor ihren Augen. In nur wenigen Wimpernschlägen. Und doch auch wieder nicht, denn jeder nahm den Fluss der Zeit gleich langsam und zäh wahr. Als dauerte dieser Augenblick Jahrhunderte und mehr.
Dann begann das Ding wie von geisterhand zu glühenen. Das war kein Prozess der Energiwelle, von der es umgeben war. Jeder fühlte die kurze, aber eindeutige Wärme von etwas Kraftvollem, etwas wahrhaften auf seiner Seele. Und das qualend verwirrende Gefühl der zeitlichen Zerrissenheit wurde aufgehoden. Das Ding wurde schneller, begann in der Luft zu taumeln und jeder erkannte das es vor der Welle auf Hilias einschlagen würde.

Aus dem lichtlosen Energieverwirbelungen kam plötzlich ein rotglühender Feuerball geschoßen. Der Gehängte wollte sich ducken, doch die Zeit lief so schnell/langsam ab, das er nicht den Hauch einer Chance hatte.
Das Ding war schon im halbflüssigen Zustand getreten und klatschte wie ein nasser Lampen auf seiner rechten Gesichtshälfte auf. Die Haut zischte scharf unter der Hitze des flüssigen Metalls. Der glühende Schrotthaufen rutschte weiter nach rechts, lösste sich von der Haut und segelte davon. Er verlor schnell an Höhe und platschte ins Wasser. Das Ende war fast unspektakuläre gegen über dem Auftritt der kleinen Maschine gewesen.
Doch genung von dem geschmolzenden Metall war auf der Gesichthaut des zweibeinigen Seelenfressers zurück geblieben.
Er fiel wie vom Blitz getorfen um. Die Welle verpasste ihn um ein paar Herzschläge, jagte über ihn hinweg und frässte in einer Welle des Verfalls durch den Sumpf. Der Gehängte schrie nicht einmal mehr. Alle Lichter gingen einfach aus.


Wenn extrem hohe Temperaturen auf die menschlichen Sinnespunkte trefen, hat die augenblickliche Reitzüberflutung und der darauffolgene Schmerzstoffüberschuss zur Folge, dass das Hirn Sicherheitsabschaltungen vornimmt. Alle Sicherungen werden mit blossen Händen gezogen. Man verbrennt sich zwar die Hände, aber das Haus fackelt nicht ab.

Hilias und der Gehängte waren in ein tiefes, barmhertziges Koma gefallen. Ihrer beider Hülle, den irgendwo war jetzt nicht mehr wirklich zutrennen, wem dieser verfaulende Leib noch gehörte, löste sich an der rechten Gesichthälfte unter tanzenden rotgoldene Funken auf. Das Metall kühlte ab, erstarrte und band einen Großteil des Gewebes. Hatte die Kugel den Körper nicht getrofen und umgeschlagen, so hätte die Welle aus finsterer Energie wolle den Rest besorgt. Das Schicksal hatte eingeriefen. Und Hilias leidvolle Exestenz noch ein wenig verlängert.
23.03.2004, 21:10 #224
Rhodgar
Beiträge: 1.307

Der unsichtbare Faden, der Rhodgars Geist mit dem Bewusstsein seiner Blutfliege verband, war abgebrochen, seine Energien waren ausgeschöpft. Nicht länger war es ihm möglich gewesen, die Verbindung zu seiner Kreatur aufrecht zu erhalten, und schon im nächsten Moment war sie in die Asche zerfallen, der sie entstanden war. Doch dies war nicht weiter schlimm. Sie hatte ihre Zwecke mehr als erfüllt. Nun hatte der Schwarzmagier Gewissheit, nun besaß er wieder Hoffnung, die zu alledem noch begründet war. Während er sich hustend und krächzend, gelegentlich sogar nach Luft ringend durch den letzten Tümpel, der ihn von dem Kampfplatz trennte, gestakst war, hatte er in Bruchstücken mitbekommen, was seine Blutfliege während dieser Zeit so alles erlebt hatte. Sehr viel war es nicht gewesen, und die Bilder, die schon beinahe kleinen Visionen ähnelten, waren zum größten Teil geprägt durch eine seltsame Kugel, aus deren Umfangslinie rasiermesserscharfe Klingen herausgeschossen waren, und die wie von Sinnen auf seine zarte, nichtsahnende Kreatur eingedroschen hatte. Glücklicherweise konnte der Schwarzmagus sie jedes Mal aus den Fängen dieses Mörderinsturmentes dirigieren, doch früher oder später wäre sie dem Stahl wohl eh zum Opfer gefallen.
Doch auch etwas anderes hatte er vereinzelt gesehen. Gesichter. Die Gesichter derer, die er im Stich gelassen hatte, vor denen er geflüchtet war, denen er die Freundschaft gekündigt hatte. Seraphin, den Magier mit dem Hut, ja ihn hatte er am deutlichsten erkennen können. Angsterfüllten Gesichtsausdruckes hatte er Schutz gesucht, vor irgendetwas Undefinierbaren, doch Rhodgar vermutete, dass es sich hierbei ebenfalls um eine dieser ominösen Kugeln gehandelt hatte. Er hatte es geschafft, war in diesem vermaledeiten Sumpf am Leben geblieben, hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser gehalten, und nun kam er wieder in die Nähe seiner Gefährten. In dem Augenblick, als er das rettende Ufer erreichte, durchströmte ihn ein unwiderstehliches Gefühl. Ein Gefühl, dass Hoffnung gab, das Trauer und Wut der Freude und dem Optimismus weichen ließ. Er hatte sich gegen das Schicksal gestellt, und es erfolgreich bezwungen.

Doch trotz allem hatte er eine Menge eingebüßt, während er sich alleine in der grünen Hölle herum getrieben hatte. Am meisten hatte er wohl seinen Körper strapaziert, mehr noch als seine Nerven. Die immer wiederkehrenden Hustenreize, die ununterbrochen kitzelnde Nase... das alles waren nur harmlose Konsequenzen der ganzen Strapazen. Doch seit geraumer Zeit plagten ihn zudem noch Schmerzen im Nierenbereich. Es blieb nur zu hoffen, dass er sich nichts wirklich Bedrohliches eingefangen hatte.

So, nur noch ein letzter Schritt, und es war geschafft. Erschöpft, aber dennoch wohl glücklicher als je zuvor schaute der Dämonenbeschwörer hinter einem Baum hervor, und sah auf die Gruppe. Der Großteil hatte sich keuchend auf den Boden gesetzt, Hilias gönnte sich sogar den Luxus und lag, das Gesicht von Rhodgars Richtung abgewandt, auf dem steinernen Pflaster. Sie hatten ihn also doch gefunden, den Pfad der sicher hier raus führte. Und er natürlich nicht. War ja klar gewesen.
Langsam, ganz langsam, trat Rhodgar aus dem Schutz des Urwaldriesen hervor, stand eine Weile vor seinen Kameraden, und wusste, jetzt wo es soweit war, nicht so recht, wie er hätte beginnen sollen. Folglich ließ er nur ein wimmerndes "Hallo" (den Blick auf den Boden gesenkt) hören. Doch schon brach er zusammen, das Gesicht vor Schmerzen verzerrt, die Hand auf die Seite gepresst. Es stand wohl nicht gut um ihn. Vereinzeltes Keuchen und Husten seinerseits mussten das die anderen doch wohl erkennen lassen.
23.03.2004, 22:57 #225
Renata
Beiträge: 455

Renata saß auf dem Boden und konnte nicht fassen, was gerade passiert war. Die gleiche magische Kraft wie bei Hilias, nur dass sie sich in anderer Form offenbarte. Der Gehängte oder Hilias lag wie tot in einiger Entfernung, er bewegte sich nicht. Nur das Heben und Senken des Brustkorbs signalisierte: er lebte noch, ein Untoter starb nicht so einfach. Die Blicke der Gefährten wanderten ratlos von ihr zu dem reglos Daliegenden und wieder zurück, bevor sie sich dem Bewusstlosen zuwandten. Ein paar Blätter segelten noch lautlos zur Erde, dann setzten nach und nach die Tierrufe in der Umgebung wieder ein, die nach der Energiewelle für eine Weile verstummt waren.

Ihre Hand fuhr an ihren Hals, tastete den halb abgerissenen Kragen ihrer Robe entlang und erreichte die Kette, an der sie immer noch die Scheibe trug, die sie auf dem Geisterschiff gefunden hatte. Jemand zerrte gerade ruckelnd an dieser Kette, doch war niemand in ihrer Nähe. Nein, es war die Scheibe selbst, die hüpfte und zappelte. Entnervt fasste sie nach dem Anhänger und zog solange, bis die Kette im Nacken riss, hielt ihn am Ring, um das Ding, das sich so merkwürdig aufführte, zu betrachten: genaugenommen war es nur die Scheibe innerhalb es Metallrings, die sich bewegte, von selbst, ohne angestoßen worden zu sein. Sie drehte sich um die Achse, mit der sie an dem Ring befestigt war - mal langsamer, mal schneller, je nachdem, in welche Richtung sie die Hand, die den Ring hielt, wandte. Zeigte die Scheibe auf den Weg, auf dem sie gekommen waren, drehte sie sich nur langsam. Wies sie in die Richtung, in der gerade die Sonne unterging, kreiselte sie so rasend schnell, dass aus der rotierenden Scheibe eine Kugel zu werden schien. Und lag es vielleicht an den letzten Sonnenstrahlen, dass sie golden leuchtete oder strahlte sie aus sich selbst?

Aber zuerst brauchte Hilias dringend Hilfe. Doch plötzlich trat eine dunkle Gestalt zwischen den Bäumen hervor und fiel der Magierin buchstäblich vor die Füße. Eine allen wohlbekannte Gestalt. Rhodgar war krank, das wusste sie, noch bevor die neben ihm auf die Knie gegangen war und ihn besorgt in den Arm genommen hatte. Er wurde von Fieber geschüttelt und murmelte leise gerade noch etwas, was sich anhörte wie “....fliege..” bevor er - den Kopf in ihre Armbeuge gebettet - einfach erschöpft einschlief. Während sie dem Schlafenden ein paar dunkle Haarsträhnen aus dem schweißnassen Gesicht strich, ging ihr Blick über den Rest der Gruppe: ihr Anführer, das erste Medium, verstümmelt und bewusstlos. Noch gänzlich ungewiss war, wer er sein würde, wenn er wieder zu Bewusstsein kam. Ceron, Tarim, Lama und Carras, Beliar sei Dank alle vier unverletzt, wie sie sich um Hilias bemühten. Rhodgar krank, aber zumindest zurück. Der treue Seraphin, der gerade eine Decke brachte. In ihrer zerrissenen Robe Sie selbst, hilflos und müde angesichts der Größe der noch vor ihnen liegenden Aufgabe.

Schien das Ding, das sie immer noch in der Hand hielt, sie auch zu einem bestimmten Ziel führen, was mochte dieses erbärmliche Grüppchen denn dort noch ausrichten?
Seite 9 von 12 « Erste 5  6  7  8  9  10  11  12